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Kategorie: Mr. Rail – Artikel

Madame Hemingway ~ Paula McLain

Madame Hemingway ~ Paula McLain
Madame Hemingway ~ Paula McLain

Lebendig.

Paula McLain schreibt einfach authentisch! Warum ich dies sagen kann, obwohl ich Hemingway leider nicht persönlich kenne? Man nehme sich nach diesem Buch einfach seinen Roman Paris, ein Fest fürs Leben (rowohlt) zur Hand. In diesem trifft man viele Bekannte aus Madame Hemingway (Aufbau Verlag) wieder und erlebt ihn genauso, wie im genannten Buch. Sein Handeln, sein Denken, seine Art – diesmal aus einer anderen Sicht. Paula McLain beschreibt Hemingway genau wie er sich selbst beschreiben, sich selbst sehen und wahrnehmen würde.

Ein Buch das Literatwo begeistert hat!

Diese Worte verfasste ich vor knapp 5 Jahren. So lange ist es her, als ich gemeinsam mit Arndt in diesem Werk tauchte. Gemeinsam befanden wir uns zwischen den Seiten, gemeinsam tauschten wir uns aus und dieses Gemeinsame bildete die Grundlage für Arndts Worte über „Madame Hemingway“, die ich euch heute und hier nicht vorenthalten möchte:

Madame Hemingway (im Original “The Paris Wife”) von Paula McLain ist ein herausragend recherchierter Roman, der die Anfänge des Schriftstellers Ernest Hemingway aus der Sicht von Hadley Richardson schildert.

Sie war die erste Frau an seiner Seite – sie lebte mit ihm in einer Zeit, in der er mit allen Mitteln versuchte, sein erstes Buch zu schreiben – sie war die Frau, die erkennen musste, dass mit zunehmender Popularität immer mehr schillernde Persönlichkeiten des Pariser Lebens an die Seite ihres Mannes drängten – sie war es, die erkennen musste, dass sie dem Bild der intellektuellen Ehefrau eines angehenden Weltstars nicht entsprach – sie war die Frau, die Ernests erstem Sohn das Licht der Welt schenkte – sie war die Frau, der es nicht gelang, ein Genie dauerhaft zu domestizieren.

Und letztlich war es Hadley Richardson, die erkennen musste, dass eine gute Freundin der Familie alle Grenzen überschritten hatte, die überhaupt denkbar waren. Pauline Pfeiffer, ihre attraktive Nebenbuhlerin, verstrickte Ernest Hemingway in eine tragische “ménage à trois”, eine Dreiecksbeziehung, bei der die Verliererin von Anfang an feststand: Hadley Richardson.

Madame Hemingway ~ Paula McLain
Madame Hemingway ~ Paula McLain

Paula McLain lässt das Paris der turbulenten Zwanziger Jahre lebendig werden und brilliert sprachlich und in der Konstruktion des Romans. Natürlich schreibt sie fiktiv, sie erfindet neu, sie gestaltet Dialoge, sie verdichtet Atmosphäre. Hierbei bleibt sie jedoch so nah an der recherchierten Geschichte, wie man es sich als Leser nur wünschen kann. Die berühmten Persönlichkeiten aus dem Umfeld der Hemingways, die Verzweiflung des angehenden Autors und der Kampf einer Frau auf verlorenem Boden werden hier greifbar und packend erzählt.

Ganz nebenbei lässt Paula McLain in uns den Wunsch erwachen, auch nur ein einziges mal in unserem Leben jenen legendären Buchladen in Paris zu betreten, deren Besitzerin damals dem jungen Ernest Hemingway den Zugang zu den Klassikern der Weltliteratur öffnete.

“Shakespeare & Company“ – eine eigenständige und doch immer noch lebendige Legende!

“Madame Hemingway” ist ein Buch, das man lesen kann, ohne jemals zuvor einen einzigen Hemingway in der Hand gehabt zu haben – ein Buch, das man lesen sollte, wenn man jemals einen Hemingway sein eigen nennen durfte – ein Buch, das man lesen muss, wenn man die Geschichte einer einzigartigen Liebe lesen möchte.

Und damit nicht genug, denn ich möchte euch zu Arndts Worten noch ein paar Zitate auf die Wörterzunge legen, damit euch das Literaturwasser im Mund noch mehr zusammen läuft. Außerdem findet ihr auf dem nachfolgenden Bild einen Gruß, der mir eine große Gänsehaut auf dem ganzen Körper bescherte.

Es gab in letzter Zeit viele Gespräche über Hemingway, ich schrieb über Hemingway und als ich mir „Madame Hemingway“ zur Hand nahm und öffnete, um zu sehen, welche Worte ich damals markierte, fiel mir der Zettel, welchen ich damals als Lesezeichen verwendete und im Buch zurück lies, in die Hand. Ein Zettel mit Worten von der „kleinen Omi“ – ein Zeichen?

Madame Hemingway ~ Paula McLain
Madame Hemingway ~ Paula McLain

Lebenserinnerungen – als meine Augen die Worte streiften, gab es sie noch – jetzt wohnt sie im Herzen und ein Stück im Buch.

Bald werde ich wieder gemeinsam mit Arndt in einem Hemingway-Buch tauchen und schon heute möchten wir euch den Roman Als Hemingway mich liebte (Hoffmann & Campe) von Naomi Wood ans Herz legen, welcher im März erscheinen wird. Er wird unseren Hemingway-Leseweg erweitern und wir werden euch davon erzählen.

Wer lieber Taschenbücher mag, muss nicht mehr warten – Madame Hemingway und Paris, ein Fest fürs Lesen – sind bereits in diesem Format erschienen.

Zitate:

„Er wollte alles, was man nur haben konnte, und noch viel mehr.“ (Seite 143)

„“Nicht das Schreiben macht mich einsam, sondern die Tatsache, dass du dann immer fort bist.““ (Seite 180)

„“Glück ist so wahnsinnig kompliziert, Freiheit dagegen gar nicht. Entweder man ist gefesselt, oder man ist es nicht.““ (Seite 250)

„Wahrhaft frei war man nur, wenn man wusste, wo die Mauern sich befanden, und sie pflegte. Wir konnten uns auf die Mauern stützen, weil sie existierten; sie existierten, weil wir uns auf sie stützten.“ (Seite 409)

Eure
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Pusteblumen-Tag bei Literatwo – Raily fliegt aus

Zeit zu fliegen
Zeit zu fliegen

„Libri amici – libri magistri sunt“ (Bücher sind Freunde und sind Lehrmeister)

Vielleicht ist das die genau passende Überschrift für das große Lebenskapitel, an dem wir jetzt mehr als vier Jahre gemeinsam unter dem Namen Literatwo geschrieben haben. Bücher sind zu Freunden und Wegbegleitern geworden und haben uns viel mit auf den Weg gegeben. Viele Bücher, die wir „Gegen das Vergessen“ gelesen und vorgestellt haben wurden zu wahren Lehrmeistern, ohne jedoch den buchigen Zeigefinger allzu deutlich zu erheben und dadurch allzu sehr abzuschrecken.

Diese Bücher haben mich vermehrt ins richtige Leben getrieben und dazu angeregt, mein Engagement in diesem Bereich zu intensivieren. Es sind neue Wege, die ich gerne gehen möchte, um das unschuldige und doch verantwortungsvolle Erinnern zu ermöglichen. Es sind Diskussionen, die ich führen möchte mit Menschen, die einen Artikel über die Opfer des Holocaust von sich aus niemals lesen würden. Es ist der nächste Schritt in eine Richtung, den ich bewusst gehen möchte.

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Holocaust-Gedenktag 2014 – Literatwo öffnet „Hanas Koffer“ von Karen Levine

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„Die Vergangenheit wirft ihren Schlagschatten auf gegenwärtiges und zukünftiges Gelände. Vergegenkunft nannte ich später meinen Zeitbegriff…“

Günter Grass „Schreiben nach Auschwitz“ – 13. Februar 1990

Seit wir gemeinsam „Gegen das Vergessen“ der Opfer des Holocaust schreiben, werden wir Literatwos ständig mit diesem zeitlosen Zeitbegriff konfrontiert, da wir den historischen Schlagschatten des Erinnerns gerade in Büchern immer wieder spüren. Manchmal sind es Namen, oftmals Orte und immer wieder auch Gegenstände, die uns einholen und den Blick in die Vergangenheit richten lassen. Einer dieser Gegenstände ist ein Ring, über den ich vor kurzem schrieb. Jener Ring eines gefallenen Soldaten, der nun in meinen Händen liegt und damals alles veränderte: Weihnachten 1944…

Schlagschatten… Aus ihnen möchten wir selbst täglich lernen und anderen Menschen immer wieder vor Augen führen, dass sich Automatismen der Vergangenheit nur dann wiederholen können, wenn wir sie bis heute nicht verstehen. Erinnern heißt für uns auch Verhindern! Im Schreiben hier, in Gesprächen mit Freunden und im Dialog mit Jugendlichen an Schulen.

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Das Lied von Eis und Feuer – Literatwo reitet nach Winterfell

Das Lied von Eis und Feuer - Eine Lesereise
Das Lied von Eis und Feuer – Eine Lesereise

Das Leben eines begeisterten Lesers folgt manchmal nicht immer den vorbestimmten Pfaden. Die Liebe zum Buch springt an manchen Tagen voller Begeisterung auch auf die Verfilmung der Geschichte über, der man zuvor gebannt geleselauscht hat. Man ist gespannt auf Protagonisten, Landschaften und hofft dabei so sehr, dass man sich ein wenig im eigenen Kopfkino zum Buch wiederfindet. Und doch wird man dabei allzu oft bitterlich enttäuscht und lehnt sich mit folgenden Gedanken im heimischen Ohrensessel zurück: „Das konnte ja nicht gut gehen. Ein Buch ist immer besser als seine Verfilmung. Immer!“

In den letzten Wochen ist mir Seltsames widerfahren. In langen und durchwachten Nächten des Nicht-Lesens habe mir, einer inneren Eingebung folgend, die erste Staffel der HBO-Miniserie „Game of Thrones“ angeschaut. „Ein gelungener Mix aus Fantasy und Mittelalter – ein Kampf um Königreiche mit brillanten Schauspielern bestetzt – Herr der Ringe fürs Fernsehen“ – so hieß es und so konnte man es allerorten lesen. Ich war gespannt und bereit, mich auf zehn Episoden einer episch angelegten Geschichte einzulassen.

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(Eichborn) Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt

Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt
Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt

Lesezeit ist Lebenszeit – das zumindest dachten sich auch Manuela Städele und Mathias Siebel, als sie sich auf eine ganze besondere Buch-Recherche begaben. Sie gingen einer Frage auf den Grund, die uns seit ewigen Zeiten beschäftigt und nicht ruhen lässt. Wie viel lesen wir in unserem Leben und was bleibt uns neben Bedienungsanleitungen, Beipackzetteln, Schlagzeilen und Werbung eigentlich an reiner Lesezeit für Bücher übrig?

Die Zahlen sind ernüchternd und das Autorenteam fasste wohl angesichts des Debakels den kreativen Entschluss, auf eine mehr als außergewöhnliche Art und Weise, mehr Lesestoff unters geneigte Volk zu bringen. Allerdings nicht so, wie man sich das im eigentlichen Wortsinn vorstellen kann, sondern eben ganz anders. Und wir finden diese Idee allumfassend genial!

Ausgehend von der Annahme, dass jeder Mensch maximal 22 – ja – richtig gelesen: zweiundzwanzig Bücher in seinem Leben liest und aufbauend auf der Theorie, dass ebenjenes menschliche Auge sehr empfänglich für kurze plakative Inhalte und prägnantes Layout ist, hat man kurzerhand ein völlig neues Buch ins Leben gerufen. Und was für eines!

Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt
Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt – Mr. Hyde

Genau dieses funkelnagelneue Buch Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt aus dem Hause Eichborn erhöht den Lebens-Lese-Durchschnitt eines Menschen allerdings mitnichten auf 23 (dreiundzwanzig) Bücher, sondern erweitert den literarischen Horizont um sage und schreibe 40 (vierzig) literarische Meilensteine.

Wie das geht? Ganz einfach, wenn man ein kreativ innovatives Autorenteam ist. Die Antwort auf diese Frage ist ebenso brillant wie überraschend. Das Buch präsentiert in höchst abwechslungsreichem Design und in großer Ideenvielfalt die ganz großen Evergreens der Literaturgeschichte in einem mehr als minimalistischen Ansatz. Ein einprägsamer Slogan und ein Bild, das sich mit einer metaphorischen Symbolkraft sofort ins Gedächtnis gräbt, spiegeln jeweils eines der großen Bücher wider, um die es hier geht.

Verknappt, reduziert und mit kreativstem Tunnelblick fokussiert, ergänzt durch lustig satirische Informationen zur Untermalung der Bilder – all dies reicht völlig aus, um den jeweiligen Klassiker vortrefflich zu charakterisieren und eine mehr als deutliche Fährte in seine Richtung auszulegen. Jede einzelne Seite ein schmackhafter Köder – das ganze Buch ein typografischer Angelhaken, der seine Leser aus dem Meer der Sprachlosigkeit rettet. Bräuchte es Piktogramme für einzelne Buchtitel – hier wären sie zu finden!

Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt
Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt – Don Quijote

40 (vierzig) absolute Volltreffer lassen uns schmunzeln und lauthals lachen und versetzen dem sehnsüchtigen Leserherz ungeahnte Impulse des freudigen Wiedererkennens. Teils, weil man sich selbst auf die bibliophilen Schultern klopft, weil man den Shortcut einem selbst gelesenen Buch zuordnen kann, teils aber auch, weil man auf dieser individuellen Entdeckungsreise Anregungen für neue Lesewelten findet.

DAS perfekte Geschenk für Bücherliebhaber und Leser, die denken, jedes Buch zu kennen, aber auch für Bilbiophobiker, die keines der aufgeführten Bücher freiwillig lesen würden… (sie zappeln schon bald am Haken…). Probiert es aus! Auf jeder Seite bleibt man lächelnd hängen, denkt nach, grübelt, staunt und hört das buchige Herz höher schlagen. Und dann setzt genau das ein, was nur dann einsetzt, wenn eine Idee so richtig zündet.

Man schaut in sein eigenes Lebens-Lese-Regal und überlegt, wie man all die Herzensbücher ähnlich kreativ verkürzen, verknappen, verschlagworten und mit eindeutig zweideutigen Bildern auf den wesentlichen Kern ihres Wesens reduzieren könnte, um den Effekt der Vorlage nachzuahmen. Absicht der Autoren? Ist das die wahre Intention hinter dem Projekt? NÖ… 😉

Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt - Sherlock Holmes
Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt – Sherlock Holmes

Spaß wollten sie haben.. und geben das ganz unumwunden im Vorwort zu! Spaß haben sie auf ihrem Weg gesät und Lächeln werden sie ernten. Das Feld der tiefen Symbolik ist gut bestellt und wir sehen überall neue Bücherkeime sprießen, sich recken und strecken und ohne Umwege direkt in unsere Herzen streben. Dieses Buch ist ein kreativer Wachstumsmarkt!

Eichborn wird zum ultimativen Urquell einer großen Idee, die noch viele saftige Bücherfrüchte tragen wird. Mit „Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt“ hatten wir Spaß bis auf Äußerste und wissen schon jetzt, dass wir nach dem Genießen dieses Buchs immer wieder versuchen werden, unsere eigenen Bücher kreativ für alle Ewigkeiten auf ihren wahren Kern zu reduzieren.

Macht mit! Es tut überhaupt nicht weh und ihr werdet sehr schnell merken, dass dieses kleine Kunstwerk eine Buch gewordene zündende Idee geworden ist, die zum literarischen Brillantfeuerwerk mutiert. Und ganz nebenbei wirken die Bilder und Texte wie unauslöschliche Eselsbrücken, wenn man vom Buchtitel eines großen Werkes auf seinen Inhalt schließen möchte. Großes Kino…

Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt
Werke der Weltliteratur aufs Äußerste gekürzt – Hemingway

Ungekürzt kommt ihr durch einen einzigen kleinen Klick auf die offizielle Buchseite des Eichborn Verlages. Viel Vergnügen – und das kostet euch nicht mal 10 Euro… 😉

Mit einem Klick zum Buch... ungekürzt...
Mit einem Klick zum Buch… ungekürzt…

Natürlich möchten wir unseren Lesern auch das erste Ergebnis der inspirierenden Kraft dieses Buches zeigen. Auch wir haben einen Roman aufs Wesentliche reduziert und aufs Äußerste gekürzt. Kommt ihr auf den Titel dieses historischen Welt-Bestsellers? Einfach, oder?

Auch Literatwo ist auf den Geschmack des Kürzens gekommen
Auch Literatwo ist auf den Geschmack des Kürzens gekommen

„Der bleiche König“ von David Foster Wallace hält Hof in Deutschland

51JjHSIeeCLENDLICH IST ES SOWEIT! Die deutsche Fassung des letzten Romans aus der Feder von David Foster Wallace „The Pale King ist ab dem 7. November 2013 in Deutschland verfügbar. Unendliche Stunden hat der geniale Übersetzer und Foster Wallace-Kenner Ulrich Blumenbach damit verbracht, das Romanfragment aus dem Nachlass des legendären Schriftstellers für uns lesbar zu machen und als Der bleiche König“ erscheint der Roman im Verlag Kiepenheuer & Witsch.

Und nun hält „Der bleiche König“ Hof in Deutschland. Sein Erscheinen wird vom Verlags-Hofstaat und dem königlichen Übersetzer weithin in die Lande getragen und die Botschaft dringt sehr vernehmlich durch den Blätterwald. Benötigte man früher Herolde, um die Ankunft eines Königs zu verkünden, so bedient sich die bleiche Monarchie völlig neuer dynastischer Methoden.

Eine eigens erstellte Facebook-Seite wartet auf die treuen Vasallen und ab dem 20. Oktober beginnt ein Social Reading-Event der besonderen Art im Internet. Es handelt sich hierbei um eine kollektive, öffentliche Lektüre von »Der bleiche König«, mit Autoren und David Foster Wallace-Kennern wie Rabea Edel, Elmar Krekeler, Clemens Setz, Stefan Mesch, Hilmar Schmundt, Guido Graf und Ulrich Blumenbach.

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„Mein Herz schlägt für uns beide“ von Suzi Moore aus Sicht von Zwillingen

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“Meine Schwester starb am 1. März, und das war richtig blöd. Immerhin war das mein Geburtstag. Es war unser Geburtstag. Laura war mein eineiiger Zwilling.”

“Es passierte ganz schnell…”

Diese ersten Zeilen aus dem Kinderroman „Mein Herz schlägt für uns beide von Suzi Moore (CBJ) haben wir bis heute nicht vergessen. Zu sehr hat uns dieses Buch nachhaltig beschäftigt und zu intensiv war der Meinungsaustausch mit der Autorin vor und nach dem Schreiben unseres Artikels. Die einzigartige Erzählperspektive aus Sicht der neunjährigen Emma, deren Zwillingsschwester am gemeinsamen Geburtstag stirbt, hält uns bis heute gefangen und hat in der Buchvorstellung von Literatwo für tiefe und aufrichtige Worte gesorgt.

Und doch fehlte uns ein ganz besonderer Blick auf das emotionale Geschehen. Wie würden Zwillinge auf den Roman reagieren? Wie plausibel und greifbar würde das Erzählte für Menschen sein, die durch ein ganz besonderes Band miteinander verbunden sind? Wir mussten nicht lange suchen, denn dies ist nicht der erste Roman, bei dem wir uns diese Frage stellten.

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Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne
Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Für treue Leser von Literatwo ist es kein großes Geheimnis: Ein langer Lebensleseweg verbindet uns mit John Boyne. Nach „Der Junge im gestreiften Pyjama“, „Zu schnell“, „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ und „Das späte Geständnis des Tristan Sadler“ ist der irische Erfolgsautor selbst schuld daran, dass unsere literarische Erwartungshaltung  sehr hoch ist.

Die boyne`sche Messlatte hat er selbst auf Rekordhöhe geschraubt. Ob er sie mit seinem neuesten Kinder- und Jugendbuch Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket (KJB) überspringen und einen Literatwo-Höhenrekord aufstellen würde, diese Frage beschäftigt uns seit jenem magischen Tag in Leipzig, als er uns in einem exklusiven Buchmesse-Interview davon erzählte, woran er gerade schrieb:

„Es geht um eine Familie, in der die Eltern es nicht akzeptieren können, wenn jemand in irgendeiner Beziehung „anders“ ist. Zwei ihrer Kinder entsprechen ihren Vorstellungen, aber da gibt es eben noch ihren Sohn „Barnaby“ und er ist alles andere als normal“ – so John Boyne im März 2012.

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne
Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Das „Anderssein“ ist wohl das zentrale Leitthema im Lebenswerk von John Boyne. All seine Protagonisten kämpfen dagegen an, nicht akzeptiert zu werden, ausgegrenzt zu sein oder aufgrund ihrer Lebenshaltung und -umstände von ihrem unmittelbaren Umfeld in eine Schublade gesteckt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden.

Das deutliche autobiographische Element dieses Leitmotivs strahlt über all seinen Büchern wie ein leuchtender Fixstern im boyne`schen Erzähl-Universum. Das haben wir damals im persönlichen Gespräch deutlich gespürt. Auch John Boyne fühlte sich „Anders“ und auch er führte einen langen verzweifelten Kampf gegen die scheinbare Normalität.

Dass er jedoch in seinem neuesten Buch – wohl im Wissen um die Höhe der Messlatte  – einen mehr als genialen Geniestreich seiner Fantasie zu einer Geschichte werden ließ, das hat uns mehr als überwältigt. Auch hier steht das „Anderssein“ im Vordergrund – auch hier wird ein kleiner Junge in einer Welt voller Klischees von seinem „ach so normalen“ Umfeld in eine Ecke gedrückt und im wahrsten Sinne des Wortes  auf dem Boden der Tatsachen gehalten…

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne
Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Mit dem achtjährigen Barnaby Brocket aus Sydney betritt einer der wohl außergewöhnlichsten Protagonisten der Literaturgeschichte die Bühne der normalen Welt.

Und er wird sie nachhaltig verändern….

Denn Barnaby Brocket trotzt den Gesetzen der Schwerkraft – er schwebt und kann nichts dagegen tun. Gar nichts. Schon seine Geburt wird für seine auf Normalität bedachten Eltern zum reinen Fiasko. Flutsch und weg, könnte man sagen. Nicht in der Hand der Hebamme landet der winzige Neugeborene, sondern an der Decke des Kreißsaals ist er zu finden. Erstaunte Blicke und große Verwunderung auf allen Seiten sind die logischen Folgen dieser Abnormität.

Und Besserung ist nicht in Sicht. Erste Versuche, sich mit der Situation abzufinden münden in einen verzweifeltem Kampf um Normalität. Matratzen werden an die Decken des Elternhauses genagelt, um dem heranwachsenden Barnaby einen Schlafplatz zu ermöglichen. Er wird in den ersten Jahren seines Lebens versteckt und lernt nur seine Eltern, seine beiden Geschwister und den treuen Hund der kleinen Familie kennen. Nach draußen lässt man ihn nicht. Das wäre peinlich und gefährlich, so der einhellige Tenor.

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne
Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Es kommt jedoch, wie es kommen muss. Man kann auch in der größten Normalität der Gesellschaft ein Kind nicht lebenslang unter Verschluss halten und spätestens die drohende Schulpflicht sorgt dafür, dass Barnaby Brocket das Licht der Welt zum ersten Mal so richtig erblickt. Und dieser Schritt liefert ihn den Blicken einer Welt aus, für die alles Unnormale schier unfassbar scheint. „Das ist doch nicht normal,“ so lautet die einhellige Meinung der Nachbarschaft auf das Kind, das nur an der langen Leine hinter seiner Mutter herschweben kann, wenn man gemeinsam das Haus verlässt.

Ein schwerer, mit Sand gefüllter, Rucksack hält ihn erstmals am Boden und vermittelt dem Umfeld einen leichten Hauch von Normalität, aber Barnaby fühlt sich gefesselt und stellt sich immer häufiger die Frage, wie es ihm wohl jemals gelingen wird, wahre Freunde zu finden… in einer Flughöhe eines Mittelstreckenflugzeugs…. Schwierig. Die Auswahl der Schule macht im dann klar, welche Rolle er im Leben seiner Eltern wirklich einnimmt. Die „Ultimative Akademie für unerwünschte Kinder“ scheint auf Problemfälle ausgerichtet, aber auch hier schwebt Barnaby über den Dingen.

Als die Situation für die Brockets eine Grenze erreicht, die sie für unerträglich halten, treffen sie einen mehr als folgenschweren Entschluss. Ein gemeinsamer Spaziergang zu einem lauschigen Aussichtspunkt in Sidney (Barnaby natürlich mit Sand im Rucksack beschwert) ein kleines „Versehen“ mit einer zufällig mitgeführten Schere und schon beginnt der Sand zu rieseln und Barnaby schwebt davon. Jetzt hatte man seinem Egoismus endgültig einen Riegel vorgeschoben. Um den Preis der Normalität lassen die Brockets ihren kleinen Barnaby im Alter von acht Jahren einfach fliegen.

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne
Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Was dann folgt möchten wir an dieser Stelle nur vage andeuten. Es beginnt eine wundervolle Reise in eine Welt, die sich Barnaby ganz anders vorgestellt hätte. Aufgefangen von zwei älteren Damen in einem Heißluftballon, liebevoll aufgepäppelt mit dem bisher fehlenden Selbstbewusstsein und der tiefen Einsicht, dass seine Fähigkeit nicht unnormal sondern besonders ist, macht sich Barnaby auf den Weg durch die Welt. Er begegnet Menschen, die so viel mit ihm gemeinsam haben, nur dass ihr Schweben ein anderes ist. Sie sind ebenso anders wie er selbst und es gelingt ihm bei jeder dieser emotionalen Begegnungen, seine neuen Weggefährten davon zu überzeugen, dass sie besonders sind.

Und doch will Barnaby wieder nach Hause. Dafür nimmt er alles in Kauf, denn er glaubt nach wie vor an die Liebe seiner Eltern und seiner Geschwister. Er schreibt liebevolle Ansichtskarten von unterwegs und gewinnt von Tag zu Tag mehr Vertrauen in sich selbst und in seine Fähigkeiten. Er beginnt an sich zu glauben. Wird er seinen Weg finden und kann er seine Eltern davon überzeugen, dass er als einzigartiger Mensch eine ganz besondere Normalität in sich trägt? Kann er bewirken, dass man ihn mehr liebt, als auf die Meinung der Anderen zu hören? Wird er jemals wieder einen Platz in seiner Familie finden?

Dies verrät uns John Boyne in „Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“. Ein Buch für Leser jeden Alters – ein Roman der so leicht ist, dass er selbst zu schweben scheint. PostIts bleiben beim Lesen nicht an ihrem Platz, sondern schweben schwerelos mit dem Auge des Lesers von Seite zu Seite und von einer liebevollen Illustration aus der Feder von Oliver Jeffers zur nächsten . Ungläubig, bewegt und durch keinen Sand der Welt auf den Boden der Realität zu bringen. Wir haben uns in Barnaby verliebt, da dieser kleine Junge zum Sinnbild für die Besonderheit des Unnormalen wurde. Mit ihm gemeinsam schliefen wir unter der Decke, flogen an Hundeleinen befestigt zu kleinen Spaziergängen und trugen seinen bleischweren Rucksack.

Mit einem einzigen Klick beginnt der Flug zu John Boyne auf Literatwo
Mit einem einzigen Klick beginnt der Flug zu John Boyne auf Literatwo

Folgt der unfassbaren Leichtigkeit des Lesens und begegnet dabei einem Jungen, der euer Lesen verändern kann. In unglaublicher Herzlichkeit und angetrieben von großen Gefühlen hat er die hohen Erwartungen an diesen Roman bei Weitem übertroffen und einen neuen Rekord in literarischer Flughöhe aufgestellt. Barnaby Brocket ist ein ganz besonderer kleiner großer Held, der eure Herzen im Sturm erobern wird. Bei uns Literatwos ist ihm das gelungen und wenn wir an dieses bezaubernde Buch denken, dann blicken wir auf… und niemals nach unten.

Denn John Boyne und Barnaby Brocket sind nur dort zu finden: GANZ OBEN….

Mein Herz schlägt für uns beide – Suzi Moore

Mein Herz schlägt für uns beide - Suzi Moore
Mein Herz schlägt für uns beide – Suzi Moore

Nein, nichts für mich… ! Das war meine erste Empfindung, als ich mir Mein Herz schlägt für uns beide von Suzi Moore genauer angeschaut hatte. Das Cover erinnerte mich an Strand- und Freundinnen-Stories, für die ich mich im Moment so überhaupt nicht erwärmen wollte. Und nur by the way… ich bin ein Junge (ein recht alter zugegeben, aber immerhin…) und dieses Titelbild der beiden jungen Mädchen, Arm in Arm, nahm einfach keinen Kontakt mit mir auf.

Allerdings wollte mir nicht ganz in den literarischen Kopf, was dieses Buch dann im Sortiment des „CBJ-Verlages“ zu suchen hatte. Passt gar nicht zu meinen ersten Eindrücken, dachte ich mir und schlug das Buch dann doch auf. Eigentlich war das nicht mein Plan, aber dann stand ich planlos vor den ersten Zeilen einer Geschichte, von der ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass sie mein Lesen verändern würde.

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Jonathan Stroud – The official „Lockwood & Co.“ interview

Literatwo is scared and very amused

It was more than a privilege for Literatwo to conduct this first exclusive

„Lockwood & Co.“ – interview with Jonathan Stroud

for his German publisher CBJ. The German transcription is available on the official book page of CBJ and we have started our article series with the special „Literatwo meets Jonathan Stroud„. As promised, we now open our secret book with the complete original edition of this impressive interview.

Jonathan, you carry your readers off into a very beautiful/scary ghost-atmosphere in the London of our times. The presence of ghosts has grown to a dangerous dimension all over the country. Ghost-lamps dominate the urban image and a ban on going out is imposed. What inspired you to write about the subject of ghost-hunting in your very unique personal style?

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