Der grosse Sommer ~ Ewald Arenz

Im letzten Jahr haben wir den Sommer richtig intensiv schmecken und erleben können. Und auch jetzt ist die Sehnsucht groß, den nächsten Sommer zu erleben und in all seinen Facetten kosten zu können. Sommer, Sonne und Freibad – noch besser wären allerdings ein wundervoller Urlaub mit Strand und Meer. Die Sehnsucht nach Unbeschwertheit ist gerade jetzt sehr groß und Autor Ewald Arenz hilft uns dabei, die Sehnsucht ein wenig zu mildern, in dem er uns in den Sommer der vielen ersten Male führt und unsere Sommerseele intensiv streichelt.

Klingt gut, stimmts?

Der grosse Sommer

Ob es für Frieder ein guter Sommer wird, ist nicht wirklich klar. Die Zeichen stehen schlecht, denn er kann nicht mit in den großen Familienurlaub. Er muss sich den Nachprüfungen in Mathe und Latein stellen und in den Ferien dringend lernen. Es kommt für ihn aber noch schlimmer, denn er darf nicht zu Hause in der Wohnung bleiben, sondern muss zu seinem Großvater. Laut Frieder freut sich sein Großvater so auf ihn, wie ein Löwe sich auf eine Antilope freut. Eine doppelte Strafe wartet also auf ihn und das mitten im Sommer, in den Ferien, in denen doch der Besuch des Schwimmbades zusammen mit Freunden ganz oben auf der Vergnügungsliste steht. Und doch möchte Frieder natürlich die Prüfungen bestehen, es liegt an ihm, wie er den Sommer meistert.

Er beugt sich seinem Schicksal und verabschiedet seine Eltern und Geschwister in den Urlaub. Ganz allein bleibt er schließlich nicht zurück, denn Alma fährt auch nicht mit. Sie ist seine Schwester, beste Freundin und Seelenverwandte zugleich. Ein Lichtblick, denn schließlich wird es Pausen zwischen dem Lernen geben, in denen er sie treffen kann. Und dann ist da noch Beate, die er im Freibad kennengelernt hat und sein bester Freund Johann. Lernen scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, erst Recht, wenn Liebe in der Luft liegt…

„Verliebtheit ist eine temporäre Hormonvergiftung. Meist heilt sie von selbst ab.“ (Seite 154)

Alte Sorten ~ Grosser Sommer

Es ist kein Geheimnis, dass „Alte Sorten“ von Ewald Arenz eines meiner absoluten Wohlfühllieblingsbücher ist und das meine Skepsis bezogen auf seinen neuesten Roman, natürlich groß war. Aber ein Meister des Schreibens ist der Autor, der sich völlig anderen Themen bedient und statt eines weiblichen Charakters zu einem männlichen greift. Schon ist es ausgeschlossen, dass der Leser oder die Leserin die Möglichkeit hat, direkte Vergleiche zu ziehen. Mich hat das natürlich sehr gefreut, denn Ewald Arenz sollte mich erneut begeistert und so tief zwischen die Seiten führen, dass ich meine Umgebung komplett durch seine Romanumgebung ersetze.

Der grosse Sommer ~ Ewald Arenz

Und ob ihm das gelungen ist! Und wie froh ich darüber natürlich bin. Mich hat der Roman total erwischt, mit Anlauf bin ich zwischen die Seiten gesprungen und habe sofort Frieder, Alma, Beate und auch Johann vor mir gesehen. Ewald Arenz hat mich wirklich eins zu eins in den Sommer 1981 versetzt, in dem es noch Telefonzellen gab und in dem man noch mit dem Rad alle Weg zurücklegte und das Handy überhaupt keine Rolle spielte. Das zufällige Treffen des Schwarms war es, was den Tag erhellte und vor allem für Überraschungsmomente sorgte. Verabredungen mit der Clique mussten getroffen werden oder man fuhr alternativ einfach bei dem jeweiligen Freund vorbei und klingelte.

Sommer riechen & schmecken

Die damalige Freiheit ist so grenzenlos spürbar und diese Freiheit, umhüllt von Frieders Geschichte ist es, die den Roman zum Highlight macht. Ewald Arenz lässt uns Leser:innen den Sommer riechen und schmecken, den großen Sommer, den wir alle hatten, der unser Leben veränderte und auch besonders macht.

Für Frieder riecht der Sommer nicht nur nach Liebe, sondern auch nach Gefahr und ganz viel Abenteuer. Er fühlt sich für ihn an wie ein Sprung vom Siebeneinhalber an, denn er macht viele erste Erfahrungen, die ihn prägen. Vor Dingen vor denen er Angst hatte, lernt er, dass die Angst völlig unbegründet ist. Dafür lernt er aber auch das Gegenteil kennen und alltägliche Situationen ändern sich komplett.

Gefühlsband

Ewald Arenz entführt uns wirklich in einen sehr intensiven Sommer, der verändert und den Lebensgrundstein verschiebt. Frieder erfährt Liebe, vor allem Geborgenheit und was Familie auch bedeuten kann. Er erkundet recht waghalsig seine Grenzen und deckt Geheimnisse auf. Aber auch die Ungerechtigkeit des Lebens bekommt er zu spüren, er muss dem Tod begegnen und das Band der Freundschaft wird auf eine harte Zerreißprobe gestellt. Viele Themen und doch sind diese so von Ewald Arenz vereint und zusammengeführt, dass es nicht an Plausibilität fehlt oder Ungläubigkeit aufkommt. Das Gegenteil ist der Fall, da sich dieser Sommer wirklich so verdammt echt anfühlt und die ganze Gefühlspalette der Jugendzeit aufgreift.

„Der grosse Sommer“ (Dumont) ist heute schon mein Highlight des Jahres 2021 und sollte im Bücherregal einen Platz neben Benedict Wells „Hard Land“ und „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber bekommen!


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5 Comments on Der grosse Sommer ~ Ewald Arenz

  1. Danke für die Erinnerung…ich habe „Alte Sorten“ noch immer nicht gelesen? Das muss ich jetzt aber mal flott nachholen.
    Hast du eigentlich „Mittagsstunden“ von Dörte Hansen gelesen?
    Busserl, Verena

    • Was???? Du hast es immer noch nicht gelesen? Ich will ja nicht schimpfen, aber es wird wirklich Zeit!

      Mittagsstunden nicht, aber altes Land und da habe ich auch die Verfilmung gesehen – absolut empfehlenswert.

      Busserl zurück, Bini

  2. Zu meiner Verteidigung: Ich habe das Buch auch erst seit Weihnachten! 😀 aber es liegt hier. Das wird auch sehr bald gelesen, ich muss nur erstmal meine Hausarbeit für die Uni fertig schreiben, vorher hab ich eh keine Ruhe, aber dann! 🙂
    Altes Land haben wir ja damals das erste Mal zusammen gelesen. Großartiges Buch. Ich hab das inzwischen schon dreimal gelesen und ich habe das Buch sogar doppelt. Meins steht immer in meinem Regal und das andere verleihe ich an alle möglichen Leute. Den Film muss ich mir noch angucken.
    Mittagsstunden hingegen liegt bei mir auch seit Erscheinen auf meinem SuB. Ich war damals auf der Lesung und eigentlich wollte ich es dann lesen, aber wie immer kam irgendwas dazwischen.

    • Du verrückte Nudel – ohja, die Hausarbeit geht natürlich vor, aber inzwischen bist du im Sommer angekommen, wie ich auf Instagram erfahren habe. Yeah! Altes Land – ohja, ganz genau und du liest es immer und immer wieder. Ach du bist so herrlich, klasse.

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