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180° Meer ~ Sarah Kuttner

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

180° Meer (S. Fischer Verlag) von Sarah Kuttner wurde mir von meiner lieben Buchhändler-Moni schmackhaft gemacht. Irgendwann konnte ich nicht mehr widerstehen und habe es letztendlich gelesen. Begeisterung soll man teilen und es gibt doch nichts Schöneres, als sich intensiv über ein gelesenes gutes Buch auszutauschen – richtig?

Leider konnte sich Moni aus zeitlichen Gründen nicht mit mir ans literatwoische Lagerfeuer setzen. Dafür hat sich die liebe Mareike vom Blog Herzpotenzial dazu gesellt und sich mit mir über die „Kuttner“ ausgetauscht. Wir wollen euch kein Wort vorenthalten, also nehmt Platz. Keine Angst – wir spoilern nicht, also macht es euch richtig bequem und dreht euch 180° zu uns. 😉

180° Grad Meer – mein erstes Buch von Sarah Kuttner. Meine Freundin Moni hat mich mit ihren Worten angesteckt und auch du, liebe Mareike, hast dazu beigetragen, dass ich auf der Buchmesse in Leipzig letztendlich schwach geworden bin. Ich habe mich um 180° gedreht und das Buch recht schnell gelesen und freue mich nun, auf regen Austausch mit dir. Die erste Fragen, die mir gleich nach der letzten Seite durchs Leserhirn getrieben ist – Was sagst du zum Ende?

Für mich war es ebenfalls das erste Buch von Sarah Kuttner. Die anderen Bücher hatten mich allein optisch schon nicht angesprochen. Dieses hier wirkt schon vom Cover her ruhiger, reifer und irgendwie tiefer. Das ist wohl das Meer auf dem Cover, das schon Vieles vorausdeutet.

Das Ende finde ich unheimlich konsequent, die Wut, die Jule im ganzen Buch in sich trägt, ist auch hier da. Sie wird nicht urplötzlich – wie durch ein Wunder – ein anderer Mensch. Sie ist nicht der Typ, der vergibt und verzeiht und allen ein zart-verzeihendes Lächeln schenkt. Sie ist wütend bis in die letzte Faser, auch am Schluss, als man eigentlich andere Reaktionen erwartet. Ich finde es gut, dass Sie sich nicht hinter Konventionen versteckt. Und dann kommt ganz am Schluss doch eine kleine, zarte Wende, die nicht alles in ein anderes Licht stellt, aber eine kleine Brücke baut. Dinge etwas begreiflicher macht. Alle Figuren haben weiterhin ihre Fehler und doch spürt man plötzlich die Verbindung. Das ist schön und hat mich sehr berührt.

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

Ich habe „Mängelexemplar“ hier liegen. Es sieht auf jeden Fall noch nicht so reif aus. Dennoch – der Film erscheint bald. Wirst du es bis dahin lesen, wirst du ins Kino gehen?

Maike war sehr begeistert von „Mängelexemplar“ und deshalb werde ich es sicherlich irgendwann lesen – oder den Film gucken, wenn es im Fernsehen läuft. Ich denke nicht, dass ich dafür ins Kino gehe und direkt vor einem Kinofilm lese ich nie das Buch. Ich denke, wenn Buch und Film zeitlich zu nah beieinander liegen, dann kann der Film gar nicht gut abschneiden. Es kommt viel häufiger vor, dass ich erst den Film schaue und wenn er mir gefallen hat, dann greife ich zum Buch. 😉

Wie ist das bei dir? Erst Film oder erst Buch? Willst du in den Film gehen?

Das kommt irgendwie immer drauf an. Eigentlich immer zuerst Buch. Mir fehlt dann wohl auch die Zeit dafür, nach einem Film in ein Buch zu tauchen. Zudem sind dann die Bilder vom Film übermächtig und die eigenen Kopfbilder können sich nicht zeigen. Mängelexemplar reizt mich schon lange – aber der Film wird wohl die Überhand haben, aus heutiger Sicht. Das Buch behalte ich dann trotzdem, als Erinnerung an den Kinoabend. 😉

Zurück zu „180° Meer“.  Den Titel mag ich sehr.  Mir gefällt auch das Cover – aber das liegt wohl auch an dem Grün. Ich liebe dieses grün. Hast du mal den Umschlag abgemacht? Wie das darunter strahlt – so frisch, so frühlingshaft, so gefühlig. Aus meiner Sicht passt das grün zu Protagonistin Jule. Findest du auch?

Das Grün ist wirklich frisch und ungewöhnlich. Ich muss dir aber jetzt ein Geständnis machen: Ich hasse Grün 😉 Tatsächlich meine persönliche Hassfarbe. Irgendwie finde ich sie unangenehm und auch hier auf dem Buch drückt sie für mich eher all das aus, was nicht gut in Jules Leben läuft – und dann kommt das Meer. Der Titel ist toll und mich hat es gefreut, dass er tatsächlich immer wieder im Buch aufgegriffen wurde. Ein Titel, der sich nicht nur gut anhört, sondern auch wirklich eine Funktion im Buch hat. Das gibt es viel zu selten.

Es ist ja Jules absolute Liebe, das Meer 180° ungebremst durch Häuser oder Menschen vor sich zu sehen. Nur das reine, weite Meer – am liebsten ein wenig düster und rau, kühl und nicht zu gefällig.

Das passt auch zur Sprache des Buchs, oder?

Auf jeden Fall. Das sich der Titel durchs Buch zieht, mag ich ebenfalls.

Ja, und nicht nur die Sprache – der ganze Inhalt ist rein und weit und rau und kühl – wie das Meer. Die Worte sind wie das Meerwasser – sie kommen langsam, sie kommen schnell und dann kommen sie so heftig und stark, wie eine hohe Welle und schon findest du dich darunter begraben wieder. Auch die Worte von Autorin Sarah Kuttner sind stellenweise sehr salzig und schmecken nach wildem Strudelwasser. Ihre bildhafte Sprache zeigt uns Lesern Ebbe und Flut. Das du kein Grün magst, ist ja „witzig“– wir sind hier völlig verschiedener Meinung – in Sachen Literatur sprechen wir aber eine Sprache, wie es scheint.

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

Das Meer – hach, ich liebe es und freue mich auf den diesjährigen Ostseeurlaub. Das Buch hätte ich eigentlich erst dort lesen sollen. Ich habe es drinnen gelesen – und du? Wie sah deine Umgebung – 180° aus?

Ich lebe ja in Hamburg, Wasser ist also allgegenwärtig. Wusstest du, dass Hamburg mehr Brücken als Venedig und Amsterdam zusammen hat? Nun, ich las das Buch oft im Zug auf dem Weg zur Arbeit und habe dabei viel aufs Wasser geschaut, wenn ich am Hafen vorbeikam oder über eine Brücke fuhr. Der Drang, in diesen Momenten aufzuschauen, war wohl noch nie so stark, wie bei diesem Buch. Du hast vermutlich recht, dass man das Buch vielleicht am Meer lesen sollte – aber nicht im Sommer! Es ist kein Buch für Sonnenschein und Hitze. 

Welche Stelle im Buch hat dir besonders gefallen? Hast du ein für dich besonderes Zitat markiert?

Ich mochte ihre Annäherung an den vernachlässigten Hund besonders. Die beiden eher beziehungsgestörten Wesen, die auf ihre sehr eigenartige Weise langsam und mit kleinen Rückschlägen zueinanderfinden fand ich besonders eindrücklich. Keine andere Beziehung im Buch zeigt so sehr ihre stetige, wenn auch langsame Weiterentwicklung, ihr Reifen. Der Hund ist abhängig von ihr und doch kann er ihr jederzeit in die Hand beißen – das ist wohl die harte, nackte Wahrheit über die Liebe: Vertraust du ihr zu sehr, beißt sie zu.

Ich muss gestehen, dass ich eigentlich kein Zitatmarkierer bin. Mich interessieren „herausgerissene“ Sätze nicht so sehr wie die Geschichte an sich. Ich mag den Fluss der Sätze, den Rhythmus, der eine Geschichte treibt. Wenn ich alles um mich herum vergesse und voll im Kopfkino bin, nehme ich einzelne Sätze gar nicht als solche wahr. Wie ist es bei dir? Welches Zitat hast du dir markiert?

„Herausgerissen“ – irgendwie hast du da Recht. So habe ich Zitate noch nie betrachtet. Danke für den Denkanstoß. Ich markiere immer und immer wieder. Dabei sind es nicht nur Sätze, die mich besonders beeindrucken und mit dem Buch in Verbindung stehen, sondern auch Sätze, die ich mit mir und meinem Leben verbinde. Die Markierungen kommen ganz spontan und manchmal, wenn ich Jahre später in bestimmten Büchern blättere, erinnere ich mich dadurch an damalige Situationen, Begegnungen etc. Wenn du dir meine Ausgabe von 180° anguckst, findest du, wenn ich mich auf die Schnelle nicht verzählt habe, 20 knallgrüne Postits. (siehe Foto) Wenn du diese Stellen nachliest, wirst du nicht immer verstehen, warum mich gerade die Sätze bewegt haben. Es sind sozusagen meine Lebensweggedanken, Lebenswegempfindungen, die ich während des Lesens hatte.

180° Meer ~ Sarah Kuttner

Um ein Zitat zu nennen, gleich von der ersten Seite, von Seite 11:

„Meine Präsenz fühlt sich an wie ein Kuss von jemandem mit schlechtem Atem, der sich aber gerade eben die Zähne geputzt hat: eine irritierende Nuance unter neutral.“ (Seite 11)

Wie findest du dieses Zitat? Mich haben die Worte beeindruckt. Dieses spielen mit Bildern im Kopf des Lesers. Ich habe innegehalten, mir das Gelesene bildlich vorgestellt und gedacht, dass ich gern ab und an genau solche Sätze schreiben würde. Hattest du auch solche Momente in denen du so dachtest?

Ja, tatsächlich hab ich mich auch recht häufig dabei erwischt, dass ich dachte: Wow, Sarah Kuttner findet Worte für Gefühle, die ich ziemlich gut kenne. Die Sätze könnten von mir stammen. Ich fand sie bisher eher mäßig sympathisch, doch dieses Buch und seine  Bilder haben mich ihr doch näher gebracht. Wer solch kraftvolle und stimmige Bilder in sich hat, beeindruckt mehr sehr.

Lass uns über ihre Familie sprechen: Wie sieht du ihre Beziehung zum Vater. Dieser hat ja früh die Familie verlassen und die depressive Mutter mit den beiden kleinen Kindern allein gelassen. Ist er für dich der Böse in der Geschichte oder wird er für dich mit der Zeit greifbarer?

Eine Frage, die man wohl nicht so einfach beantworten kann. Zuviel verraten mag ich auch nicht, aber ich muss sagen, dass er mir natürlich am Anfang total unsympathisch war. Aber so sind wir Menschen – wir bekommen eine Information, die nicht der „Norm“ entspricht und schon fällen wir ein kleines Urteil. Richtig? Ich bin zum Glück kein Trennungskind und kann die Situation nur von außen bewerten. Ob er der Böse ist – er hatte seine Gründe und im Laufe der Geschichte werden diese sichtbar – ich mag es nicht sagen. Greifbarer wird er auf jeden Fall. Auch er ist kein einfacher Charaktertyp, aber ein interessanter, der mich neugierig machte.

Ja, das finde ich auch. Er wird greifbarer und etwas verständlicher. Doch insgesamt finde ich, dass Sarah Kuttner ihre Figuren nicht „erklärt“, alle vielleicht in ihrer Komplexität gar nicht vollends begreifbar machen möchte. Sie gibt Einblicke in deren Seelenleben, doch so wie im richtigen Leben wird man das Gegenüber nie vollkommen verstehen können. Literarisch gesehen finde ich es sehr mutig, die Figuren dem Leser nicht komplett zu offenbaren, sondern ihren ihre eigenen Geheimnisse zu lassen. Vielleicht gibt es auch nicht für jedes Verhalten, für jeden Fehler eine genaue Erklärung. Das gefällt mir unheimlich gut. 

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

Um bei Familie zu bleiben – Jule flieht zu ihrem Bruder Jakob nach England. Ein Ausbruch aus dem Leben – ein Schnitt quer durch den Alltag. In England hat Jule keine Pflichten, sie kifft, sie raucht, sie ist frei und muss sich keinen unangenehmen Worten stellen. Findest du die Flucht feige? Ist kiffen und rauchen die neue Freiheit? Waren dir bestimmte Situationen zu viel oder einfach passend?

An dem vielen Kiffen habe ich mich persönlich etwas gestört – bin ich spießig? Sie entzieht sich eh schon vielen Verantwortlichkeiten, lebt in den Tag hinein. Zu ihrem eher ziellosen Treiben passt kiffen vermutlich ziemlich gut. Es soll wohl eine gewisse Lockerheit und Lässigkeit ausdrücken. Vielleicht eine Form von trotziger, jugendlicher Rebellion, die übrig geblieben ist? Ich persönlich könnte mich nie aus aller Verantwortung so herausstehlen, einfach fliehen und Probleme aussitzen, doch Jule ist authentisch. Ihr Fluchtmechanismus ist tief mit ihrer Kindheit verbunden, sie muss so reagieren, kann gar nicht konkret werden – bei ihrer Familiengeschichte kein Wunder. Ich fand es logisch, wenn auch nicht immer sympathisch, wie sie sich verhalten hat. Doch muss eine Protagonistin immer genauso handeln, wie man es mag oder erwartet?

Nein – eben nicht. Es ist doch gerade für uns Leser schön, wenn eine Protagonistin anders handelt, als erwartet. Das Kiffen gehört zu Jule dazu, das Abhängen auf dem Balkon, das Herumschlendern mit dem Hund – aber alles das ist auch ein Stück große Freiheit – zumindest ab und an und in meiner Gedankenwelt. Einfach mal raus – aber zurückkehren sollte man schon und das in absehbarer Zeit.

Gab es eine Stelle, in der dir ihr Verhalten zu viel wurde?

Vor allem zum Ende des Buches. Da brodelte ihr verdammter Hass immer und immer mehr hoch. Ich hätte sie gern mal angebrüllt und ihr gesagt, dass sie mal die Augen aufmachen soll. Und doch kann ich Jule verstehen…

Vielen Dank für das literatwoische Lagerfeuergespräch, liebe Mareike und Danke fürs Lesen an dich!

Eure
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LovelyBooks – Osterwichteln 2016

Osterwichteln 2016
Osterwichteln 2016

Kolumne 13/2016: #Osterwichteln

Gefühlt über einen Monat hatte ich das Wichtelpaket nun im Flur stehen. Täglich bin ich daran vorbei gegangen. Heute war nun endlich der Tag der Tage – ich konnte das Osterwichtelpaket öffnen.

Ich bin zwar ein neugieriger Mensch, aber ich kann warten. Den Auspackmoment habe ich sogar noch länger hinausgezögert. Ich habe das große und schwere Paket sogar mit zu meinen Eltern genommen, um dort richtig zu zelebrieren. Mit großen Augen setzte ich mich also mit Mama, Bruder und Mann auf den Wohnzimmerfußboden und begann mit dem Öffnen. Entgegen strahlte mir jede Menge Zeitungspapier, was die vielen kleinen Päckchen gut gesichert hat. Ich bin ja nicht unbedingt der Auspacker – d.h. ich mag lieber zusehen, wenn jemand auspackt, als selbst im Mittelpunkt zu stehen. Irgendwie mag ich es einfach nicht, wenn mir jemand erwartungsvoll auf die Finger guckt. Fragt nicht warum, es ist einfach so.

Auspacken zelebrieren – das kann ich dennoch, denn zelebrieren heißt, langsam auspacken und zwar auch ordentlich. Die in Einzelseiten zerlegte Tageszeitung wurde also entknüllt und glatt gestrichen und fürs Altpapier auf A4 gefaltet. Dabei überflog ich natürlich erstmal, was im Münsterland so geschrieben wird. Gut so, denn mein Bruder konnte gleich einen interessanten Artikel inhalieren „Oldenburger kämpfen um ihre alte Gleishalle“. Achso – ich langweile euch, denn ihr wollt wissen, was nun drin war? Immer mit der Ruhe. 😉

Also wie ihr oben schon sehen könnt, lagen dann plötzlich 15 kleine Geschenke vor mir. 15! Lasst euch das Mal auf der Zunge zergehen. Meine Augen haben sich ganz schön geweitet und nicht nur meine. Irre – Irre – Irre.

Aber erstmal zum Rätsel. Das könnt ihr hier auf dem folgenden Bild sehen. Eine ganze Sammlung von wundervollen Zitaten lag nun vor mir. Das Rätsel steht auf dem Umschlag, mehr nicht. Und nun? Ich blätterte die Zitate durch und suchte nach Hinweisen. Nix. Ich drehte und wendete und guckte, ob etwas zwischen den Zeilen zu finden ist. Nix. Hm. Auf der hübschen Osterkarte stand auch kein weiterer Hinweis. Aaaaahhh Wichtelmama – was tust du? So eine hübsche Idee und ich bekomme nicht heraus, wer du bist. Also doch erst auspacken – ggf. liegt irgendwo noch ein Hinweis…

Osterwichteln 2016
Osterwichteln 2016

15 Päckchen – wer hilft? Meine Ma nahm sich zwei und meinem Bruder gab ich auch drei Stück. Die anderen habe ich selbst ausgepackt. Es war ein Fest. Jeder musste vorher sagen, was er fühlt bzw. was er denkt und erst dann durfte er auspacken. Die Lesezeichen waren leicht zu erkennen, die eine Tasse auch und die Schoki natürlich. Sogar die Sorte konnte erraten werden. Aber ich gebe zu, dank des Wunschzettels lag auf der Hand, dass sich nicht Pfefferminze oder andere gruselige Sorten darin verstecken werden.

Ich durfte heute, am Ostersonntag, die folgenden neuen Schätze im literatwoischen Reich begrüßen:

  • „Die Bienen“ von Laine Paull
  • „Die Buchhandlung“ von Penelope Fitzgerald
  • „6 Uhr 41“ von Jean-Philippe Blondel
  • eine Eulentasse
  • eine blaue Tasse mit rot und weißen Punkten (ich liebe Punkte)
  • eine wahnsinnig geniale Buchstütze – HAMMER!
  • 4 Lesezeichen
  • Milka-Nuss-Schoki – Rittersport Marzipanschoki
  • eine wahnsinnig tolle selbst genähte Büchertasche
  • eine Bildersammlung für mich – Bücher, Leser, Bibliotheken (klasse Idee!)
  • ein Notizbuch mit meinem Namen drauf – ein klasse Unikat!
Osterwichteln 2016
Osterwichteln 2016

Hammer – ich bin durch und durch begeistert. Aber das Rätsel ist noch offen. Wichtelmama, wer bist du? In meiner Verzweiflung bin ich die Namen auf der Liste immer und immer wieder durchgegangen und habe letztendlich einen Hilferuf auf Facebook und im Lovelybooks Auspackthread gestartet. Was auch immer ich mir davon erhoffte – lach. Die Wichtelmama hat sich nicht gemeldet, aber es wurde spekuliert und die liebe Steffi (Schlunzen Bücher) stand mir beiseite und überlegte mit.

Stunden später wurde es meinem Mann zu bunt und er als alter Rätselfuchs nahm sich erneut die Zitate zur Hand. Beim ganz genauen Hinsehen (habe ich x-Mal gemacht, ehrlich 😉 ) hat er dann entdeckt, dass einige Buchstaben unterstrichen sind. Also fix aufschreiben, die 116 Namen durchsehen und schließlich die Wichtelmama erkennen. Juhu. Was für eine schwere Geburt und dabei war es doch so einfach. Lesezeichen auf den Augen – und was für welche. 😉

Wichtelmama – du bist grandios und hast mir ein dickes Freudelächeln ins Gesicht gezaubert. Danke – so sehr!

VIELEN DANK SUNNY ROSE!

P.S. Ihr wollt noch mehr Auspackberichte lesen? An mir soll es nicht liegen. Ihr habt die Wahl: Weihnachtswichteln 2014; Osterwichteln 2015; Midsommarwichteln 2015; Halloween 2015; Weihnachtswichteln 2015

Zwanzig Zeilen Liebe ~ Rowan Coleman

Zwangzig Zeilen Liebe ~ Rowan Coleman
Zwangzig Zeilen Liebe ~ Rowan Coleman

Es war eine tiefe Zeit, es war eine merkwürdige Zeit und es war eine schmerzhafte Zeit, als ich Einfach unvergesslich las. Den Roman von Rowan Coleman hatte ich mit im Krankenhaus und ich habe jede Zeile inhaliert. Der Inhalt geht tief und gleich vorab möchte ich euch dieses Buch ans Herz legen, bevor ich euch das zweite Buch von ihr empfehle.

Zwanzig Zeilen Liebe (Piper) von Rowan Coleman musste ich natürlich unbedingt lesen. Schon als ich hörte, dass ein neues Buch von ihr erscheinen wird, war ich Feuer und Flamme. Ich brannte regelrecht auf ihre Worte und konnte mir schon vor dem ersten Wort ausmalen, dass ich wieder in einem Emotionssee schwimmen werde. Coleman ist einfach eine Meisterin auf ihrem Gebiet – Menschen emotional machen, ohne dabei kitschige Themen zu benötigen, ohne aufdringlich zu sein, ohne extrem verstrickte Begebenheiten.

„Und wenn der Mensch, den man liebt, einen nicht mehr liebt, einen nicht mal mehr sieht, dann kann man auch genauso gut ein Geist sein.“ (Seite 109)

Werden wir irgendwann Geister? Wie ihr schon merkt, sind Colemans Worte gut für unser Gedankenkarussell. Das ihre Worte nahe gehen, muss ich erneut betonen. Worte können nur dann richtig treffen, wenn auch der Inhalt so gestrickt ist, dass er uns innelassen hält, dass er spannend und gleichzeitig entspannend ist. Das perfekte Mischverhältnis hat die Autorin wahnsinnig gut umgesetzt – sie kennt eben das richtige Wortmaß.

Zwangzig Zeilen Liebe ~ Rowan Coleman
Zwangzig Zeilen Liebe ~ Rowan Coleman

„Man bereut immer nur die Dinge, die man nicht getan hat.“ (Seite 117)

Täglich wird Stella mit Lebenssituationen konfrontiert, die nicht die ihren sind. Täglich erfährt sie Dinge, die sie nicht selbst erlebt hat, Dinge zu denen sie nichts sagen kann. Stella muss nichts sagen. Sie muss sich nicht rechtfertigen, sie muss keine Stellung nehmen. Stella schreibt. Sie schreibt und schreibt und das unermüdlich. Jedes Wort was ihr diktiert wird, bringt sie zu Papier, um dieses Papier letztendlich den Menschen zu geben, die einen Menschen zurücklassen, gehen lassen mussten.

Die Hospizschwester hat sich keiner einfachen Aufgabe angenommen. Dies wird ihr bei einem Brief ganz besonders bewusst. Ein Brief ist besonders dringlich…

Doch nicht nur Stellas Leben formuliert Rowan Coleman tiefgründig aus. Sie gibt auch Hope, einer Patientin mit Mukoviszidose und Hugh, einem einsam lebenden Historiker einen wichtigen Platz in ihrem Werk. Und nicht zu vergessen – Briefe, Briefe als Verbindungen…

„Das Leben ist nicht leicht. Ständig muss man sich wieder aufrappeln, sich zusammenreißen, immer wieder, und nur, damit irgendein Arschloch einen wieder runterzieht. Aber was bleibt einem denn anderes übrig? Wenn man immer wieder aufsteht, wird man eines Tages dem Grund dafür begegnen, weshalb es wert ist, es immer wieder zu versuchen.“ (Seite 334)

Zwangzig Zeilen Liebe ~ Rowan Coleman
Zwangzig Zeilen Liebe ~ Rowan Coleman

7 Nächte dürfen wir Leser auf den knapp 410 Seiten mit Colemans Charakteren verbringen. Eine endliche Zeit, die gern hätte unendlich sein dürfen.

Wer sich als Autorin selbst die Messelatte sehr hoch vor steckt, muss sich nicht wundern, wenn die Leser Angst haben, dass diese nicht übertroffen werden kann. Wer hier Angst hat, muss sich nicht fürchten, denn was Rowan Coleman hier präsentiert, kann mehr als gut mit „Einfach unvergesslich“ mithalten. Es ist sagenhaft, aber hier stimmen nicht nur die Optik – ist es nicht wundervoll, zwei im Stil ähnliche Cover zu kreieren – sondern auch der Inhalt so überein, dass man hier über Volltreffer sprechen kann.

„Liebe heißt, auszuhalten, zum anderen zu halten, nicht aufzugeben – auch wenn es wehtut, auch wenn es hart ist, auch wenn Menschen sich verändern, wenn das Leben sie verändert. Wenn man jemanden liebt, dann muss man ihn lieben wollen, ganz gleich, wer er ist …Und wenn man das nicht kann, dann ist das keine Liebe.“ (Seite 405)

Es ist kaum zu beschreiben, mit welcher Leichtigkeit uns die Autorin um die Finger wickelt. Ist vielleicht der erste Brief etwas holprig, lesen sich alle weiteren aalglatt und die Holprigkeit ergibt ihren Sinn und musste einfach so sein. Es handelt sich nicht um einen Roman aus Briefen, sondern eher um Briefe, die ab und an drei Leben verbinden, Leben erzeugen, lebenswert lesenswert sind oder einfach ein vergangenes Leben erlesen lassen.

Doch bei allem hat die Autorin das absolute Tiefengespühr, wie weit sie gehen darf, um ihre Leser nicht zum Weglegen des Buches zu animieren, weil durch den Tränenvorhang nichts mehr gesehen werden kann. Rowan Coleman schreibt über schwere Themen – sie schreibt über Krankheit, sie schreibt über den Tod, über Behinderungen und andere negative Lebensbegleiterscheinungen – doch sie schreibt so, dass es trotz aller Dunkelheit Lichtblicke gibt oder die Dunkelheit positive Flecken zurücklässt, um diese besser zu akzeptieren. Sie transportiert Mut, Liebe, Hoffnung und Humor – eine Mischung die uns dazu bringt, beim Weinen zu lachen und beim Lachen zu weinen…

Bei aller Themensensibilität schreibt Coleman klar und direkt, bedient sich keinen Klischees, sondern bleibt glaubhaft und mit ebendieser Glaubhaftigkeit, dieser Eindringlichkeit der Charaktere, dieser offenen Wahrheit, trifft sie mitten ins Herz. Ihre Wortladung lässt uns ab und an weinen, aber trotzdem wird am Ende ein gutes Gefühl übrig bleiben. Ihr dürft euch Rowan Coleman anvertrauen, denn ihre Art zu schreiben ist wahnsinnig beeindruckend.

Bahnbrechend!

Eure
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DHass Pamphlet

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Kolumne 31: #DHassPamphlet

Wichtiger Hinweis: Dieses Schreiben ist völlig fiktiv. Ähnlichkeiten mit Personen, Orten oder Begebenheiten sind rein zufällig und nicht vorsätzlich vom Autor gewollt. Viel Spaß beim Lesen und danke an Literatwo.

Euer Kerodis

DHass Pamphlet

…aber letztendlich lies Stefan sich doch von seinen „Freunden“ überzeugen.

Da er selten etwas trank, bedurfte es nur weniger „Bierchen“, um ihn zu überreden mit zu gehen. Eigentlich sollte es nur ein gemütlicher Geburtstag in kleiner Runde werden, doch Renê machte daraus lieber eine politische Veranstaltung und fand mit seinen Äußerungen begeisterten Anklang.

Nur ein Widerspruch von Stefan reichte aus, um alle gegen sich aufzubringen, und so redeten sie nun auf ihn ein. Renê hob die Hand, während er die kleine Gesellschaft zur Ruhe aufforderte, bestimmt aber ruhig. „Komm doch einfach mal mit.“, sagte er dann mit einem Lächeln, denn schließlich kannst Du nicht verurteilen, was Du nicht kennst, oder?

Aber ist es nicht genau das, was ihr die ganze Zeit macht? Menschen verurteilen, die ihr nicht kennt?,war Stefans Gegenfrage, worauf wieder eine laute Diskussion entbrannte, aber letztendlich….

Nun stand er mit seinem Kumpel Renê und noch zwei anderen Freunden, Gerd und Volker auf dem mit Menschen überfüllten Platz und lauschte den Gesprächen, der um ihn herumstehenden Leute mit einem flauen Gefühl in der Magengrube.

Sicher war auch er überzeugter Nationalist, allerdings mochte er weder Menschenmassen noch Fanatiker und von beiden schien es hier reichlich zu geben. Stefans Gedanken entfernten sich von dem Platz, weit weg, an einen Ort, an dem es warm war, wo Kerzen die Stube erhellten, der Duft von Plätzchen und frisch gebrüten Kaffee durch sein Heim zog. Schließlich ist doch bald das Fest der Liebe. Doch davon ist hier nicht viel zu merken.

Volker riss ihn aus seinen Gedanken, in zehn Minuten ist es 17 Uhr, dann gehts los, sagte er begeistert. Stefan sah sich wieder um. Hier waren wirklich alle Altersklassen vertreten, von siebzehn bis siebzig tummelten sich die Menschen auf dem historischen Platz. Ein Jugendlicher zog seine Jacke aus, auf dem Rücken seines Pullovers stand gut erkennbar geschrieben: Todesstrafe für Kinderschänder.

Ist es denn Recht, wenn man Unrecht mit Unrecht bekämpft?

Diese Frage rumorte in Stefans Kopf, als ihn abermals eine Stimme aus seinen Gedanken riss. Diese kam jetzt aus den großen Boxen, wohl von dem Mann, der sich auf der Bühne, hinter dem Mikro positioniert hatte. Einige Warnhinweise und Verhaltensregeln wurden bekannt gegeben.

Zum Beispiel, dass kein Alkohol und oder Glasflaschen mitzuführen seien, oder dass diese Veranstaltung eine friedliche Demonstration ist und sich alle Beteiligten dementsprechend zu verhalten haben. Stefan erblickte in jenem Moment ein Plakat, auf dem ein bekannter Politiker und sogenannter „Gutmensch“ an einem Galgen vor sich hinbaumelt. Ein ironisches Lächeln durchzuckte kurz seine Gesichtsmuskeln, jedoch nahm er sich gleich wieder zusammen und verfolgte nun aufmerksam die nächste Rede.

Eine Frau wurde auf die Bühne gebeten und sogleich von dem ersten Redner vorgestellt. Sie kommt aus einem Land, in dem vor zwei Tagen mehrere Sprengsätze gezündet wurden. Es gab viele, zum Teil, schwer Verletzte und mehrere Tode. Die mutmaßlichen Täter seien wohl Mitglieder einer islamistisch-fanatischen Terrorzelle. So hatte Stefan den Bericht in den Medien, an jenem Tag, in Erinnerung.

Die Frau berichtete ausführlich über die Ereignisse in Ihrem Land und alle Versammelten hielten eine Gedenkminute, für die Opfer jener Anschläge, ab.

Es war schrecklich, und ebenso fühlte sich Stefan. Wut flammte kurz in ihm auf, als die Frau genauere Details von jenem Tag berichtete. Doch am Ende besann er sich wieder. Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund kamen wohl in seinem Land durch Anschläge ums Leben?

Er grübelte weiter: und waren denn wirklich alle Opfer des Terroranschlags, Mitglieder der so genannten „westlichen Zivilisation“? Sicher wird wohl die Mehrheit, der Geschädigten, schon länger als drei oder vier Generationen in diesem Land gelebt haben, aber es gibt bestimmt auch verletzte und/oder getötete „Ausländer“ bei diesem Anschlag. Doch das interessiert hier niemanden. Alle klatschen begeistert und jubeln, als der Mann und die Rednerin, gemeinsam eine Verschärfung der Asylpolitik auf diesem Kontinent fordern. Schließlich geht jene Frau wieder von der Bühne, während der Applaus langsam abebbt und der unscheinbare Mann, vom Anfang, nun ebenfalls eine kurze Rede hält.

Er spricht von Überfremdung, davon dass unsere Frauen, Schwestern, Mütter und Töchter zukünftig nur noch mit Kopftuch auf die Strasse gehen dürfen, daß ihre Rechte, ihre Freiheit in Gefahr sei. Außerdem müssten sie mit Übergriffen rechnen, wenn sie allein und ohne Kopftuch abends durch die Strassen laufen.

Auch in Stefan breitete sich nun das Gefühl der Angst aus. Er dachte an seine Freundin, die er nachher noch in der Stadt treffen wollte. Sie muss auch ein ganzes Stück bis zur Haltestelle laufen, um dann mit dem Bus in die Stadt zu fahren.

Was wäre wenn….. Stefan wagte nicht diesen Gedanken zu Ende zu führen.

Schließlich musste er sich an eine Begebenheit erinnern, die wohl schon eine Ewigkeit her zu sein schien. Sie waren zu zweit und gut angetrunken in der Stadt unterwegs, als sein Freund ihn in eine kleine Kneipe einlud. Nach einer herzlichen Begrüßung outeten sich der Barbesitzer und seine beiden Angestellten als Muslime. Sie unterhielten sich und Stefan hatte viele Fragen zum Thema Frauenrechte, Alkohol und allgemeinen Verhaltensregeln, welche im Koran niedergeschrieben sind.

Es ist alles Auslegungssache, ähnlich wie bei den Christen die Bibel so ist auch der Koran ein Buch, das sehr viele Interpretationen zuläßt, sagte der Barbesitzer freundlich, während er an seinem null dreiunddreißiger Bierglas nippte. Sie unterhielten sich noch die halbe Nacht und Stefan musste einsehen, dass auch noch andere ,tolerante und liberale, Moslems existierten.

Der starke Beifall holte ihn in die Realität zurück, in eine beängstigende Realität. Renê, Volker und Gerd redeten nun aufgeregt durcheinander. Volker wußte von einem Vorfall zu berichten, bei dem ein Supermarkt am hellichten Tage von fünf „Kuruzzen“, wie er meinte, überfallen wurde.

Das hatte er in der heutigen Tagesausgabe gelesen. In der „Lügenpresse“? fragte Stefan etwas spöttisch nach. Volker ballte die Fäuste, besann sich aber gleich wieder seiner rhetorischen Fähigkeiten und erwiderte: So ausländerfeindlich wie die Medien heutzutage sind, glaub ich nicht, dass dieser Artikel erlogen ist. Wahrscheinlich gab es noch Verletzte und der Redakteur kriegt sicher auch noch sein Fett weg, weil er diesen Artikel überhaupt zugelassen oder verfasst hat.

„Ja“ – drängt sich jetzt eine älter Dame dazwischen, mich hat heut auch so ein Scheiß Ausländer im Supermarkt angepöbelt. Die sind ja alle kriminell, die müsste man erst mal in Lager stecken. So lange, bis man ihre wahre Identität und Vergangenheit ermittelt hat und sie erst dann….. Stefan unterbrach freundlich, aber bestimmt die Dame: Ich hätte da nur mal zwei Fragen.

Erstens, wenn sie kein Ausländer angepöbelt hätte, wie würden sie die Person dann betiteln und zweitens, wie sollen sich die Menschen in unser Land integrieren, wenn wir ihnen nur die negativen Seiten unserer Gesellschaft aufzeigen. Hat es damals nicht auch so angefangen? Mit Lagern und „Schutzhaft“? Die Frau stutzte kurz und meinte leise: Ich hätte ihn als Idiot bezeichnet. Danach verschwand sie genauso plötzlich in der Masse, wie sie aufgetaucht war.

Stefan hatte genug, er wollte nur noch nach Hause. Bilder von zerstörten Häusern und zerfetzten Gesichtern schwirrten nun durch seinen Kopf.

Wo ist nur die Menschlichkeit geblieben? Was ist mit der Hilfsbereitschaft und Offenheit der Leute hier passiert. Sie reden vom Erhalt der Kultur, von christlichen Bräuchen, die abgeschafft werden sollen, dabei waren die meisten Teilnehmer dieser Kundgebung wahrscheinlich noch nie in einer Kirche und an einen Gott glaubten sie bestimmt auch nicht. Aber sie reden von einer christlichen Kultur. Und wo ist sie denn, die „christliche Nächstenliebe“?

Stefan dachte an einen sehr guten Freund, der einmal sagte: Kultur ist kein feststehendes Konstrukt. Sie entwickelt sich weiter mit und durch die Menschen. Am Ende sind wir doch alle „Einwanderer“ und haben diese Kultur geprägt ebenso wie unsere „ausländischen“ Vorfahren.

Stefan war so in Gedanken, dass er gar nicht bemerkte, wie er zu dem vereinbarten Cafe kam. Das einzig gute an diesem Abend würde hier in einer halben Stunde eintreffen. Er sah vor dem kleinen italienischem Restaurant um. Die Fassade des gegenüberliegenden Hauses sah ziemlich zerfressen aus. Auch die Straße hatte ihre besten Jahre bereits hinter sich.

Es war gut so, denn dadurch bekam die kleine Gasse ihren ganz eigenen Scharm und der eben einsetzende Nieselregen tat sein übriges dazu. Hier war es ruhig, so ruhig das man sogar dem Regen lauschen konnte.

Na, wie wars? Stefan drehte sich entzückt herum und blickte in zwei strahlende, lachende Augen. Nach einer liebevollen Umarmung und den dazu gehörenden Küssen meinte er etwas bedrückt: Mein Sozialkundelehrer hat im letzten Schuljahr einmal gesagt: Terror kann man nicht mit Hass bekämpfen, denn dann hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht.

Anscheinend wissen die Menschen auf der Demo das noch nicht. Sanft streichelte sie ihm über die Wange: Mach Dir nix draus, Du hast es wenigstens versucht. Es braucht eben seine Zeit, viel Geduld und Überzeugungsarbeit, dann wird das schon.

Beide gingen eng umarmt in das Restaurant, in dem es stark nach Espresso roch. Ein übereifriger Kellner, welcher kaum der hiesigen Landessprache mächtig war, stürmte auf das Pärchen zu und bot ihnen sofort seine Dienste an.

Obwohl seine Freundin und er den Kellner kaum verstanden, fühlten sie sich hier geborgen. Die Bedienung war sehr charmant und freundlich und am Ende bekam Stefan, das was er sich schon den ganzen „schrecklichen“ Nachmittag gewünscht hatte: ein gutes Essen, Espresso und das Gefühl willkommen zu sein.

Ja, Stefan liebt sein Land, aber das heißt nicht, daß er alles andere und jeden Fremden hassen muß…

Nachwort: Es gäbe bestimmt noch viel mehr Argumente und Gegenargumente, die man in diesem „Pamphlet“ unterbringen könnte, allerdings hätte das wohl den Rahmen gesprengt und der moralische Zeigefinger ist jetzt schon deutlich genug, wie ich persönlich finde.

Hoffentlich hat es Euch dennoch gefallen. Danke fürs Reinschauen…

Euer Kerodis

Liebe ist was für Idioten. Wie mich. ~ Sabine Schoder

Liebe ist was für Idioten. Wie mich. ~ Sabine Schoder
Liebe ist was für Idioten. Wie mich. ~ Sabine Schoder

BINGO! Volltreffer! Dieses Buch ist absolut starker Stoff! Ich bin begeistert, absolut begeistert. Wenn ich die knapp 350 Seiten fast in einem Stück hintereinander regelrecht inhaliere, dann kann sich das Werk aber wirklich etwas drauf einbilden. Besser – die Autorin. Das Fazit muss in diesem Artikel wirklich gleich zu Beginn genannt werden, ich kann mit meiner Begeisterung nicht länger an mir halten.

Die Worte die Sabine Schoder aus ihrer Schreibfeder aufs Papier gezaubert hat, sind einfach grandios. Ihr fahrt in den Urlaub? Ihr wollt einen packenden Roman der voller Humor, Spannung und Liebe strotzt? Dann greift zu Liebe ist was für Idioten. Wie mich. (Fischer KJB)

Nicht nur das bunte Cover (ich liebe es!) und nicht nur der geniale Titel (er könnte einfach nicht besser sein) haben mich gleich zu Beginn fasziniert. Der eindringliche Prolog hat den Startschuss zum Inhalieren gegeben. Als ich Viki das erste Mal begegnete, wusste ich, dass ich sie mögen werde. Sie hat mich mit ihrer Art sofort verzaubert. Wer jetzt denkt, dass sie das brave Mädchen von nebenan ist, was immer nur gute Noten mit nach Hause bringt und aus einem wahnsinnig fürsorglichen Elternhaus stammt, der irrt gewaltig. Viki hat innerliche Narben – sie erzählen ihre Lebensgeschichte. Viki ist aber keinesfalls depressiv, denn davon hält sie ihre beste Freundin Mel, welche ich ebenso gleich ins Herz geschlossen habe, ab. Mel und Viki sind ein Herz und eine Seele. Jede kann schon am Atem der besten Freundin hören, ob es Probleme gibt und es reichen nur Silben aus, um zu wissen, was die andere denkt und fühlt. Keine kann der anderen etwas vor machen. So wie es sein soll, zwischen Freundinnen.

Liebe ist was für Idioten. Wie mich. ~ Sabine Schoder
Liebe ist was für Idioten. Wie mich. ~ Sabine Schoder

So ist es in Vikis Leben allerdings nur in Hinsicht auf ihre beste Freundin. Der Rest ihres Lebens ist nicht wirklich ansehnlich und eine Art mittlere Katastrophe. Ihre Mutter hat sie mit 7 Jahren verloren (Krebs – fuck!), ihr Vater ist seitdem keine Hilfe (Gewalt, Alkohol – shit!) und ihre Zensuren lassen zu wünschen übrig. Obendrauf kommt noch, dass sie von ihrem ersten Freund entjungfert wurde und er sie anschließend verlassen hat – er hat sie allerdings nicht geliebt, sondern hat nur auf das eine spekuliert (Arschloch!). Vollkatastrophe.

Kiffen hilft – her den Joint, Party, Jungs – der nächste Morgen. SHIT! Viki hat die Nacht bei dem Typen verbracht, den sie eigentlich nie angefasst hätte. Jay Feretty. Schon der Name genügt, um ihn zu meiden. Er ist Mr. Schönling, Mr. Ichkannjedehabeundhabejede, Mr. Rockstar, Mr. Weltverbesserer, Mr. Weilichskann und Mr. Ichhabesdrauf. Viki findet ihn einfach lächerlich, nicht wirklich attraktiv und schüttelt den Kopf über die Mädchen, die sich mit ihm einlassen.

„Drogen, Viki, Drogen rauben dir den Verstand.“ (Seite 19)

Liebe ist was für Idioten. Wie mich. ~ Sabine Schoder
Liebe ist was für Idioten. Wie mich. ~ Sabine Schoder

So – jetzt noch einmal von vorn. Viki war wo die Nacht? Richtig – bei Jay. Es müssen mehrere Dinge schief gelaufen sein – zuviel geraucht, Alkohol und überhaupt. Viki kann es kaum glauben und berichtet es Mel. Es ist ihr verdammt unangenehm. Schlimmer ist allerdings, dass Viki immer noch an ihn denken muss. Scheinbar geht es Jay ähnlich. Was will er von ihr? Weiteren Sex? Könnte sie vielleicht schwanger sein? Oder hat sie mit dem Spruch „Ihr Sohn hat ein Drogenproblem“ eine große Problemlawine ausgelöst? Diese Worte hat sich nämlich Jays Mutter entgegen geschleudert.

Viki zweifelt und ihr Leben könnte gerade nicht schlimmer sein. Eine wilde Achterbahnfahrt ist nix dagegen. Die Schule macht ihr Bauchschmerzen, die Aufeinandertreffen mit ihrem Vater sind der Horror, sie kann Mel nicht sagen, dass sie Jay scheinbar nett findet und was macht ihr Herz? Dinge die es nicht tun sollte, jedenfalls nicht bei Jay.

Doch was dann kommt – damit hat Viki nicht gerechnet. Überhaupt nicht…

„Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ – sprüht vor frischer Worte. Es ist einfach wahnsinnig lebensecht geschrieben. Autorin Sabine Schoder kann sich mehr als gut in die fast 18-jährigen Protagonisten hinein versetzen, egal ob männlich oder weiblich. Vor allem Viki ist wahnsinnig grandios dargestellt. Während des Lesens ist man ihr so verdammt nah, als ob man die ganze Zeit neben ihr ist. Ihre Gedanken, ihr wahnsinnig genialer Humor, mit vielen schwarzen Züge, göttlich. Was habe ich gegrinst über ihre Schlagfertigkeit und stellenweise habe ich mir ein paar Sprüche merken müssen, was mir Viki hoffentlich nicht übel nehmen wird.

Liebe ist was für Idioten. Wie mich. ~ Sabine Schoder
Liebe ist was für Idioten. Wie mich. ~ Sabine Schoder

Sabine Schoder stellt hauptsächlich das Thema Liebe und Beziehung in den Vordergrund und doch schiebt sie still und leise andere Lebensbaustellen dazu. Gefühlvoll verbindet sie die Schwerpunkte der jugendlichen Gedankenwelt und thematisiert Verlustängste, häusliche Gewalt und plötzliche unaufhaltsame Veränderungen. Viel mehr möchte ich kaum verraten. Ab und an kann man erahnen, was passieren wird, was vielleicht aber nicht jedem so gehen wird und letztendlich bleibt es bis zum Schluss spannend, ob es überhaupt eine Zukunft für Viki und Jay geben kann.

Einfach durch und durch ein perfekter Jugendroman (den auch Erwachsenen unbedingt lesen dürfen) der unter die Haut geht! Das Leben ist bunt – lest los!

„Ich denke plötzlich, das Leben ist nicht schwarz, sondern bunt. Ich war nur farbenblind.“ (Seite 256)

Lest euch durch dieses Werk – ihr werdet keine Lesesekunde davon bereuen. Wer Jojo Moyes liebt, wird Sabine Schoder ebenfalls lieben! Darauf könnt ihr Gift (sagen wir einen literarischen Drink) nehmen!

Eure

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Schnee im Sommer?

Der Sommer, in dem es zu schneien begann ~ Lucy Clarke
Der Sommer, in dem es zu schneien begann ~ Lucy Clarke

Schnee im Sommer? Es kann im Sommer schneien, es kann sogar richtig eisig kalt werden und es kann dir sogar den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn es hart auf hart, eisig auf eisig kommt.

Eva und Jackson sind glücklich verheiratet. Die Liebe ist fest und frisch und das Wochenende soll eine kleine Auszeit sein, in der beide neue Kraft tanken wollen. Die letzten Tage waren stressig und die Küstenluft soll entspannen. Jackson macht sich früh zum Angeln auf, während Eva sich noch einmal umdreht, um auszuschlafen.

Als sich Eva aufmacht, um zu Jackson ans Meer zu gehen, wird sie schnell mit der Tatsache konfrontiert, dass es einen Unfall gegeben hat. Ein Angler ist ins Meer gestürzt, unauffindbar. Jackson. Ihr Ehemann.

„Es war, als würdest du in mein Innerstes fassen und einen Schmerz lindern, von dem ich gar nicht gewusst hatte, dass er existiert.“ (Seite 80)

Die wohl schwärzesten Tage ihres Lebens, brechen für Eva an. Sie ist verzweifelt, sie steht am Rande des eigenen Lebens und ihr Mut und ihre Hoffnung bewegen sich auf den Nullpunkt zu. Ein weiter Flug in Jacksons Heimat soll ihr neue Kraft geben. Sie wollte damals schon mit ihm auf die australische Insel Tasmanien fliegen, um seine Familie kennen zu lernen. Dies konnten beide allerdings nie realisieren. Jetzt, nach dem schweren Unglück, will Eva die Menschen treffen, die ihn schon viele Jahre vor ihr kannten. Sie will sehen, wo er aufgewachsen ist, seinen Bruder und seinen Vater treffen. Bisher hatte sie nur Briefkontakt nach Tasmanien. Mit ihrer Freundin Callie macht sie sich auf die Reise, die ihr Leben erneut erschüttern soll.

Der Sommer, in dem es zu schneien begann ~ Lucy Clarke
Der Sommer, in dem es zu schneien begann ~ Lucy Clarke

Das Eva in Tasmanien nicht mit ausgebreiteten Armen empfangen wird, hätte sie nicht erwartet. Auch das Jacksons Tod so gut verkraftet wird, hätte sie nicht gedacht. Eva fühlt sich einsam und allein. Doch was sie dann erfährt, fühlt sich für sie an, wie Schnee im Sommer. Ihr Mann Jackson hat einiges vor ihr verborgen gehalten. Hat er sie überhaupt geliebt? Eva steht vor einem Scherbenhaufen, der facettenreicher kaum sein könnte…

„Das war das Schlimmste – das Allerschlimmste -, was passieren konnte. Ich hatte die Person verloren, mit der ich mein Leben teilen wollte. Aber es war gar nicht das Schlimmste“  …“Das Allerschlimmste ist – dass ich jetzt auch noch meine Vergangenheit verloren habe.“ (Seite 198)

Mit dem Roman „Der Sommer, in dem es zu schneien begann aus der Schreibfeder Clarks, habe ich schon eine ganze Weile geliebäugelt. Positive Stimmen sind von einigen Seiten in mein Leserohr gedrungen und letztendlich hat meine Mama das Werk gekauft und auch gleich innerhalb kürzester Zeit gelesen. Eigentlich lese ich die Romane zuerst und sage ihr dann, ob es sich lohnt oder nicht, da meine Mama ein anderes recht zeitintensives Hobby hat. Hier war es andersrum und ich musste natürlich wissen, was Mama bewegte, also zögerte nicht lange und stürzte mich förmlich zwischen die Wellen.

Cover, Titel und Inhalt könnten hier wirklich nicht stimmiger sein, wie ich finde. Die Wellen durchziehen das Werk nicht nur thematisch, sondern auch gefühlsmäßig. Es geht hoch und runter, der Leser wird hin und her geschaukelt und an einigen Stellen wird er schier untergetaucht. Es wird nach Luft gejapst, es wird gerudert und gepaddelt und das Schlucken von Wasser bleibt nicht aus.

Der Sommer, in dem es zu schneien begann ~ Lucy Clarke
Der Sommer, in dem es zu schneien begann ~ Lucy Clarke

Den Einstieg ins Werk habe ich mir nicht so rasant vorgestellt. Allgemein muss ich sagen, dass ich dieses Tempo nicht erwartet hätte. Es gab natürlich auch ein paar zähle Stellen, aber größtenteils laß sich das Werk wie ein rasanter Kriminalfall.

Kriminalfall? Was habe ich eigentlich überhaupt hinter dem recht harmlos wirkenden Cover mit dem doch recht geheimnisvollen Titel erwartet? Ich habe einen Roman erwartet, der tiefgründig ist und mich mit Überraschungsmomenten konfrontiert. Diese Erwartungen wurden erfüllt und doch waren es mir vielleicht sogar zu viel Überraschungen, zu viel Handlung, zu viele spektakulär verwobene Lebensmomente. Ich weiß nicht, warum ich nicht nur in lobenden Worten sprechen kann, denn im Grunde hat der Roman alles, was ein guter Roman braucht, inklusive außergewöhnlicher Erzählperspektive.

Eva ist eine Hauptprotagonistin, die dem Leser viel abverlangt. Viel Gefühl, viel Geduld, aber auch viel Glaube. An einigen Stellen habe ich an ihr gezweifelt und ein wenig die Sympathie zu ihr verloren. Doch dann konnte sie mein Herz zurück erobern und mich davon überzeugen und erinnern, dass wir gerade in den dunklen Lebensmomenten nicht wir selbst sind und teilweise zu gutgläubig und naiv sind.

Wer sich zwischen die Wellen wirft, wird rätselgeschwängerte Luft atmen können, Lebenslügen zu spüren bekommen, mit dem Vertrauen kämpfen und Liebe leben…

Eure
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[LBW 31] Junggesellenabschied

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Kolumne #19: #Junggesellenabschied

Gestern war es dann soweit und ich war an der Reihe. Junggesellinnenabschied – so lautete der Tagesplan. In mir brodelte die Neugierde und die Freude, aber vor allem die Ungewissheit, welche mich in große Aufregung versetzte. Wer wird kommen? Vor allem aber, wann werden die Mädels kommen? Was werde ich machen müssen? Die Zeit verging und verging nicht, dann aber hörte ich aufgeregtes Geplapper. Die Mädels rückten an, die Zeit lief und lief, aber es wurde nicht geklingelt. Also weiter warten und die Ohren spitzen…#spannung

12.30 Uhr – endlich. Der Schlüssel drehte sich im Schloss, die Trillerpfeife begann zu lärmen und sechs Mädels stürmten die Wohnung. Allen voran meine beste Freundin, hier als Lesebienchen bekannt. Nein – ich musste kein pinkfarbiges Shirt anziehen oder so eine glitzernde Krone auf dem Kopf tragen, sondern ich bekam eine Buchkette um den Hals. Buchig sollte der Tag werden, aber das heißt ja nicht, dass es langweilig wird und wir verrückten Hühner können auch buchig albern sein. Oh ja, auf jeden Fall. Buchig dekoriert ging es nun los. Auf dem Weg zur Straßenbahn wurde mir schon gesagt, dass ich bis dahin geführt werde, dass ich dann allerdings selbst die weiteren Ziele herausfinden muss.

Ich als orientierungsloses weibliches Wesen (ja, ihr könnt mich irgendwo absetzen und ich werde nicht wieder zurück finden) wurde also vor große Herausforderungen gestellt. In der Straßenbahn bekam ich einen Zettel mit dem Cover vom Werk „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner. Ich dachte so: „Gut, dass kenne ich, was soll ich erzählen?“ Ha – schon ging es los, denn ich sollte sagen, wie die Zwillinge heißen. „Lotte…ähm…ähm…und…ähm…wie heißt die andere…waaahhh…helft mir.“ Voll peinlich, oder? Ich hatte das totale Überforderungsblackout. Aber die Mädels sind ja alle so gnädig und haben eine kleine Hilfestellung gegeben. Louise! Stimmt. Auf die Straße mit dem Namen Louise sollte ich die Mädels nun führen und auf dieser Straße sollte ich nach einem Hund Ausschau halten. Den sollte ich dann streicheln. Ahja…na prima, also los. Die Straße habe ich dann so, sagen wir mal „fast alleine“ gefunden. Nur in der Neustadt gibt es viele Hunde und wir standen ungefähr in der Mitte der Louisenstraße. Nach rechts? Eher nach links? Die glückliche Fügung ließ mich nach rechts gehen und es dauerte überhaupt nicht allzulange, da sah ich den Hund.

Kalter Hund – davor ein Dackel. Was für ein einladendes Cafe. Herrlich. Also sind wir herein und was sehe ich da? Einen liebevoll gedeckten Tisch für ein spätes Frühstück mit Sekt, hausgemachter Marmelade, natürlich Kaffee und einer reichlichen Auswahl an Wurst und Käse, wie auch Joghurtleckereien. Wie schön. Die Entspannung lag in der Luft und wir haben es uns richtig schmecken lassen und gequatscht ohne Ende. Es gibt ja ständig zu erzählen, vor allem wenn man sich nicht so oft sieht und, na ihr wisst schon. 🙂  7 Mädels an einem Tisch, da ist wirklich was los und die 4 Mädels die leider absagen mussten, dürfen sich ein wenig ärgern. Ich war natürlich auch ein wenig traurig, aber wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Im Herzen wart ihr dabe.

Als wir uns die Bäuche gefüllt hatten und der Dackel ausreichend gestreichelt wurde, ging es weiter. Meine nächste Aufgabe stand an. Jetzt hieß es: „Lies aus dem Werk „Als ich ein kleiner Junge war“ von Erich Kästner (logo!) die gekennzeichneten Textstellen laut vor. Führe uns anschließend an den Ort. Zudem ziehe ein Los und erfülle die Aufgabe.“ Aha…nun gut. Also laß ich auf offener Straße mitten in der Dresdner Neustadt vor, was Kästner schrieb. Ziel: die Mauer am Albertplatz über die Käster drüber schaut. Aufgabe: in der Luft. Also los – aber vorher noch mit allen in den Fotoautomaten, ein lustiges Gruppenbild schießen und natürlich noch einen Sekt für den Weg holen.

Die Sonne lachte, wir grinsten mit und schon standen wir vor der Mauer. Nun musste ich also noch einen schönen Mann finden, der uns verrückten Hühner fotografiert. Bei den Ansprüchen der Mädels war das nicht so einfach, da auch nicht wirklich viele hübsche Männer an unserem Platz vorbei kamen. Aber letztendlich habe ich einen gefunden und das Foto war im Kasten. Das mit dem gemeinsam ganz hoch in die Luft springen, üben wir aber noch einmal. 🙂 Kästner schreibt von Georgentor…also los, über die Hauptstraße zum goldenen Reiter, über die Augustusbrücke und zum Tor. Was hatten wir für einen Spaß. Und mein Los? Daumen hoch – hieß die Fotoaufgabe, die auf jeden Fall machbar sein sollte. Ein hübscher Mann – wir nehmen mal einen mit vielen Tattoos – wurde gefunden und der hatte mächtig Spaß, genau wie seine Begleiterin. Als Danke habe ich die zwei vorm Fürstenzug abgelichtet. Das Geniale ist, wie immer alle Menschen gucken, wenn eine Gruppe Mädels durch die Straßen zieht und jede Menge Spaß hat. Ich liebe es.

Fall ihr euch jetzt fragt, warum ich hier keine Bilder des gestrigen Tages zeigen konnte, sondern nur die normalen von dieser Woche – ich durfte mein Handy nicht benutzen und die Bilder darf ich noch nicht bekommen. Ich muss mich also gedulden, ihr auch. 🙂

Ziel 3: Der Zwinger. Aufgabe: von hinten. Na, das ist ja auf jeden Fall mal genial lustig und da hatte ich schon eine Idee im Kopf. Also ihr wisst ja wie ich bin – schüchtern, zurückhaltend, in mich gekehrt und alles drum und dran. *okayichglaubesselbstnicht* – und diese Aufgabe löste witzige Gedanken in mir aus. Fotogedanken natürlich. Im Zwinger dann wieder die Suche nach dem perfekten Fotografen. Er musste wie gesagt super hübsch sein, Figur haben und uns allen gefallen. Das Schicksal meinte es gut mit uns und schickte einen netten Engländer um die Ecke. Die Mädels sabberten schon und zogen den Moment ein wenig in die Länge. Mindestens zwei verschiedene Bilder sollten es werden. Einmal alle von hinten, also in einer Reihe mit Po raus – ihr wisst schon…und einmal alle den wohlgeformten Hintern in die Kamera und frech über die Schulter gucken. Yes – läuft 😉

Nun stand im Kästner-Werk „Muse Thalia“ – aha, na dann mal los, wo das große Buchgeschäft ist, weiß ich aber ganz genau. Ha! Wir schlenderten also weiter ganz gemütlich durch die Stadt und ich überlegte schon, wie die Aufgabe: auf den Arm nehmen – umgesetzt werden kann. Da der Thalia allerdings in der Mitte von zwei großen Straßen ist und die Fußgänger sich kurzzeitig stauen und bei grün plötzlich ganz schnell auf der anderen Seite sind, ist das dort mit dem Fototypen nicht gerade einfach. Er musste ja hübsch sein. Sobald ein hübscher gesehen wurde, schaltete die Ampel auf grün und schwupps war der schöne Mann weg. Hm…Also vielleicht doch einen nicht ganz so schönen Fotografen? Also bin ich fix zu einem jungen Mann hin und der war mehr als schüchtern. Er fragte sogar seine Freundin, ob er das mal machen kann. Ich musste sowas von lachen. Herrlich. Aber richtig herrlich. Ich vertraute den Mädels meinen Körper an und legte mich in einem Meter Höhe, in ihre Arme. Vertrauen pur. Die hätten mich ja auch einfach mal alle fallen lassen können. Hihi.

Tadaaaa…nun hatte ich alle vier Aufgaben erfüllt. Und nun? Hoffentlich nix schweres oder peinliches. Blamieren wollte ich mich nicht wirklich. Lesebienchen steckte mir ein neues Los zu und auf dem konnte ich erlesen, dass ich im „edc-Store“ shoppen darf. Ein Teil meiner Wahl sollte ich mir aussuchen. Was echt jetzt? Ist ja genial. Wisst ihr wie lustig es ist, mit den Mädels durch die Altmarktgalerie zu ziehen und den edc zu stürmen? Ich habe letzten Donnerstag einen Rock gesehen und genau den wollte ich gern haben. Lustig ist, wenn es nur noch genau einen Rock, in genau der kleinsten Größe gibt und er passt wie angegossen. Wie genial, genial, genial. Die Mädels konnten natürlich auch noch das ein oder andere Teil finden. Wenn schon – denn schon.

Nach dem Ausflug in den Klamottenladen ging es geheimnisvoll weiter. Tuschelnde Mädels. Sowas kann ich ja leiden, grins. Also ab in die Straßenbahn und zurück zum Goldenen Reiter. Die Stufen zu den Elbwiesen herunter und spazieren. Wir genossen es in der Wärme an der Elbe entlang zu schlendern und das grandiose Stadtpanorama anzusehen. Der dort aufgestellte Rahmen, durch welchen man den berühmten Canaletto Blick hat, diente uns für schöne und lustige Bilder. Was hatten wir für Spaß. Details muss ich euch allerdings an dieser Stelle verschweigen. Denkt euch jede Menge Blödsinn und nicht jugendfreies Zeug 🙂

Und dann hinter der Hecke an der Mauer: ooooohhhhhh wie schöööööön. Männliche Wesen (liebevoll von uns auf den Namen: die Stadtreinigung) getauft, haben uns ein Picknick angerichtet. Ich wollte schon immer mal an der Elbe sitzen und picknicken. Wie genial, wie genial und lauter leckere Sachen. Hackbällchen, Nudelsalat, eine Lachs Tarte, Tiramisu, Muffins und Obst-Wurst-Spieße. Soooo lecker. Wir ließen es uns schmecken und quatschten und lachten was das Zeug hält. Wir beobachteten die Leute um uns herum und ließen uns von einem Vogel ankacken, wie auch von einer Wespe stechen. Es war also alles dabei und wir ließen es uns richtig gut gehen. Bücher waren immer und immer wieder ein Thema, logo – was?

Einfach alles stehen und liegen lassen und weiter ziehen? Ja, dies war dank der „Stadtreinigung“ möglich. Das Ziel musste ich allerdings benennen. Dies war recht einfach, nachdem ich die Papierschnipsel zusammen gepuzzelt hatte. Aha: Findus. Findus? Da fällt mir doch glatt die Buchhandlung Findus in Tharandt ein. Meine Blog-Herzens-Buchhandlung. Wir werden für einige Stunden in der Buchhandlung eingeschlossen. Nur wir Mädels – ganz allein im großen Bücherreich. Wie schööööön. Der Weg dahin führte aber erst über Starbucks. Lecker. Lange habe ich keinen Vanilla Latte mit Strohhalm (ihr kennt ja meine Macke) getrunken. Dann kam auch noch ein Riesenpenis durch den Dresdner Hauptbahnhof. Ja, ihr habt richtig gelesen. 🙂 Bini und der Riesenpenis – ein Foto musste her, da bin ich mir doch nicht zu schade. Na, prima. Sehr spaßig, denn auch er heiratet am selben Tag wie ich, allerdings in Chemnitz. Nun denn – alles Gute. Eine Zugfahrt die ist lustig, ab nach Tharandt mit der Bahn.

Dort im idyllischen Ort angekommen wurde mir eine Flasche Kontrasecco mit einem Lesezeichen – genau für den Tag passend – von der Inhaberin meines Lieblingsbuchladens überreicht. Wie schön. Frau Erler stellte sich vor, denn noch nicht alle Mädels waren in diesem Schmuckstück von Buchladen. Ihr Reich ist einfach traumhaft und dann waren wir allein. Ein Kühlschrank voller Getränke, Knabberzeugs und viele, viele Bücher und buchiges Zubehör. Ihr könnt euch vorstellen, wie der Abend dann verlief?

Jeder musste gucken, zuhören, blättern, drehen, wenden, lesen – hach – einfach herrlich. Unsere buchigen Herzen überschlugen sich förmlich. Es wurde empfohlen und abgeraten und ausgesucht und überhaupt. Es war durch und durch schön, bis sich eine fiese Erkältung in mir ausbreitete. Ich bekam olle Halsschmerzen und aus dem geplanten tanzen gehen, wurde nix. Leider. Aber wir waren alle ein wenig durch (so ist das dann, wenn eine 3 beim Alter vorne steht) und haben glücklich auf den tollen Tag zurück geblickt. Tanzen gehen und das Sektfrühstück danach holen wir auf jeden Fall nach.

Eine große Überraschung gab es noch zum Schluss, obwohl sich der Tag so schon wie Geburtstag und Weihnachten zusammen anfühlte. Ich bekam eine wundervolle buchige Karte auf der alle unterschrieben haben und eine große „B“ Buchstütze – wie Buch bzw. Bianca 🙂

Mädels – ihr wart einfach grandios und habt mir einen unvergesslichen Tag geschenkt. Fühlt euch alle ganz doll gedrückt und geküsst. Die Organisation hätte nicht besser sein können – ihr habt mich einfach glücklich gemacht und alle meine „Nerven“ getroffen. Ich bin immer noch total begeistert. Wahnsinn!

P.S. Am 15.08.2015 war es soweit – HIER könnt ihr nachlesen. 🙂

DANKE – DANKE – DANKE!

 

Danke für euch!

Eure

[LBW 9 ] Literarische Erlebnisse

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Buchwoche 9 +++ Häkelprojekt +++ Telefonat +++ buchige Post +++ Facebook +++ und lest einfach selbst 🙂

Willkommen liebe SonntagsleserINNEN! Literatur pur zum Sonntag – meine Wochenerlebnisse ganz frisch für euch zum Wochenausklang. Setzt euch und lasst gern ein paar Worte da.

Montag

Beitragsmontag? Aber nicht heute. Komisch – ist aber so. Der Montag ist einfach mal spontan ausgefallen, denn ich hatte etwas sehr Wichtiges vor. Ich musste dringend, oberdringend, absoluttotalhochoberdringend ins Wollgeschäft. Wolle kaufen – logo. Am Sonntag habe ich euch gesagt, dass ich mich an ein großes Projekt wagen möchte und schwupps die wupps habe ich mein Vorhaben gleich in die Tat umgesetzt und eine dreistellige Summe für wunderschöne, bunte, weiche, einfach herrliche Wolle investiert.

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[LBW 8 ] Eine Woche voll Literatur

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Buchwoche 8 +++ Literatur +++ Karen Köhler +++ Buchmädels +++ Buchhandlung +++ Sexartikel & Bücher +++ adoptierter PANEM-Schuber +++ WhatsAppLagerfeuer +++ Fifty Shades of Grey +++ Game of Thrones +++ Familientag +++ Häkelprojekte +++ der übliche Wahnsinn

Es ist Sonntag und ich freue mich, dass ihr da seid, liebe LeserINNEN. Nehmt euch einen Tee oder einen Kaffee, ein Stück Kuchen oder ein paar Kekse und taucht mit mir durch die Literatur, durch die Literaturwoche.

Montag

Im Oktober letzten Jahres habe ich euch von Karen KöhlersWir haben Raketen geangelt vorgeschwärmt. Auch heute muss ich immer wieder an dieses Werk denken, was einiges in mir verstellt hat, mich verändert hat, mich zum Nachdenken gebracht hat. Wer es von euch nicht kennt, sollte die spezielle Leseerfahrung wagen, aber ACHTUNG.

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Anders ~ Andreas Steinhöfel

Anders ~ Andreas Steinhöfel
Anders ~ Andreas Steinhöfel

Ein besonderes Buch – eine große Überraschung – zwei Mädels am Lagerfeuer.

Sind wir nicht alle etwas „Anders“?

Verena Julia und ich laden euch ganz herzlich zu uns ans Lagerfeuer ein. Wir unterhalten uns heute überAnders (Carlsen / Imprint Königskinder) von Andreas Steinhöfel. Ich wurde mit diesem Werk (signiert!) von Verena Julia zu Weihnachten überrascht und habe  damit mein Lesejahr 2015 eingeläutet.

Setzt euch, rutscht ran, nehmt euch ein warmes Getränk, ein paar Knabbereien und lauscht…

Binea fragt ~ Verena Julia antwortet

Beim Lesen muss der Funke überspringen. Gerade der Funke von Leser zu Hauptprotagonist. So geht es mir zumindest. Wie siehst du das und konntest du dich mit Felix bzw. Anders identifizieren?

Mir geht es in der Regel auch so. Tue mich auch immer sehr schwer, wenn ich niemanden finde, der mir sympathisch ist oder in den ich mich hineinversetzen kann. Durch die Identifizierung wird das Lesen für mich ganz anders. Viel aufregender, viel tiefer und es gewinnt an Tempo. Anders ist ja nun wirklich anders, aber mir war er von Anfang an sehr sympathisch. Mir hat es Riesenspaß gemacht in seinen Kopf gucken zu können – seine Gedanken und Gefühle sind in meinen Augen immens wichtig für die Geschichte.

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