Kategorie: Literatwo-Buch-Woche

Schaufensterblick

Buchhandlung Findus - Schaufensterblick
Buchhandlung Findus – Schaufensterblick (Foto: Annaluise Erler)

Kolumne 08/2016: #Schaufensterblick

Es ist wieder soweit, es ist Sonntag. Heute gibt es keine Geschichte, sondern heute gibt es einen buchigen Schaufensterblick für euch. Dieses Foto erreichte mich im Laufe der Woche. Annaluisie Erler hat die buchigen Empfehlungen der letzten Tage in einem Schaufenster ausgestellt. Das Schaufenster gehört zur Buchhandlung Findus in Tharandt – eine Vorstellung findet ihr HIER.

Mir gefällt es sehr gut und ich bin total stolz auf die wundervolle Fahne, welche im Schaufenster hängt. Diese hat Annaluise extra anfertigen lassen, um ihren Kunden einen ersten Eindruck von mir zu vermitteln und um mein Logo zu präsentieren. Ihr könnt auf diesem Bild leider nicht das ganze Schaufenster inkl. Fahne sehen – die Spiegelung lässt es einfach nicht zu.

Nicht nur den Kunden der Buchhandlung in Tharandt sollen die vier Romane ans Herz gelegt werden. Auch ich möchte euch einladen, einen Sonntagsspaziergang durch die Empfehlungen zu machen. Wie wäre es, wenn ihr liebevoll zum Artikel Liebe mit zwei Unbekannten“ klickt und anschließend eure Flügel ausbreitet und H wie Habicht entdeckt? Meine Lesesseele Lesebienchen legt euch Ein Leben mehr ans Herz und ich stelle euch den kleinen Teo vor.

Taucht zwischen unseren Worten und beschenkt euch selbst mit einem neuen Buch, das euch gemütliche Lesestunden bescheren soll.

Ich schnappe mir jetzt eine Tasse Kaffee, kuschel mich in meine weiche Sternlesedecke und mache es mir mit einem neuen Buch gemütlich.

Habt einen schönen Sonntag!

Eure

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Albtraum Raststätte

Albtraum Raststätte
Albtraum Raststätte

Kolumne 07/2016: #AlbtraumRaststätte

Kurz vor Oldenburg, muss es gewesen sein. Sie möchte sich nicht an den genauen Ort erinnern. Schon immer hatte sie Panik, auf Raststätten auf Toilette zu gehen. Vielleicht keine richtige Panik, aber eine Mischung aus Furcht und Ekel. Wer benutzt schon gern verdreckte Toiletten und dann auch noch in der kalten Jahreszeit und vor allem im Dunkeln? Es treiben sich merkwürdige Gestalten auf Raststätten herum und machen einen Eindruck, als ob sie jemanden mitnehmen wollen.

Selbst am hellichten Tag ist es ihr unangenehm, diese Räumlichkeiten zu betreten. Freiluftpinkeln, so wie die Jungs – das wäre es. Und doch kommt sie an dieser Raststätte nicht drumherum. Zu viel Cola, zu viel Kaffee, zu viel Energydrink. Sie muss sich ihrem Gefühl stellen. Heute ist ihre Angst noch größer, denn sie liest gerade einen Psychothriller. In ihrem Kopf toben tausende Bilder und sie möchte am liebsten einen der Jungs fragen, ob er mitkommt. Mit hinein in die Kabine. Oder ob er davor wartet. Der Rasthof ist anders. Es gibt keine normalen Toilettenräume, wie man sie kennt. Diese haben eine Tür die sich selbst verschließt. Wenn das grüne Licht leuchtet, kann man die Türe öffnen. Nie zuvor hat sie so eine einzelne Kabine betreten. In ihrem Magen zieht es sich zusammen, ihr ist nicht wohl dabei. Noch während sie durch die Tür schreitet, schießt ihr der Gedanken in den Kopf, dass sie ihr Handy im Auto liegen gelassen hat. Verdammt. Das ist ihr bisher noch nie passiert. Sie hat es immer dabei, sogar ab und an in ihrer Wohnung, wenn sie im Bad ist. Und jetzt und heute? Fehlanzeige. Es muss auch ohne Handy gehen, was soll schon passieren.

Sie schließt die Tür hinter sich und drückt umgehend den roten Knopf neben der Tür. Der Riegel schnapp vor. Tür zu. Das rote Licht leuchtet. Sie beeilt sich. Ihr ist unwohl. Sie spült. Sie geht zum Waschbecken und wäscht ihre Hände mit eiskaltem Wasser. Der Seifenspender funktioniert, der Trockener auch. Alles elektrisch. Alles per Knopfdruck. Sie ist erleichtert, dreht sich um und drückt den grünen Knopf. Nichts passiert. Sie drückt erneut. Der Türriegel bewegt sich nicht, das Licht wechselt nicht von rot in grün. Ganz ruhig, sagt sie sich. Vielleicht sind einfach die Hände zu nass. Während sie sich zu beruhigen versucht, schlägt ihr Herz schneller. Ihr Mund wird trocken. Ein leichtes Panikgefühl stellt sich ein.

Hände waschen. Einfach noch einmal Hände waschen. Vielleicht reagiert der Sensor deshalb nicht. Vielleicht sind die Hände zu trocken, zu kalt, zu nass. Unsicherheit macht sich breit. Tief einatmen und Hände waschen. Das ist doch nicht so schwer. Sie redet sich Mut ein und versucht den schnelleren Puls zu ignorieren.

Dann wieder zur Tür. Ganz von vorne jetzt. Knopf drücken. Kurz warten. Tür auf. Sie drückt und sie merkt, wie ihre Finger zittern. Angst vor einem erneuten Fehlschlag. Sie überwindet sich und drückt. Wieder passiert nichts. Sie drückt erneut und erneut, aber die Tür bleibt zu. Verdammt. Jetzt nur nicht in Panik verfallen. Was steht da geschrieben auf der Anleitung zum Tür öffnen. Nach 15 Minuten entriegelt sich die Tür von selbst, falls das normale Öffnen per Knopfdruck nicht möglich ist. 15 Minuten. Wie lange war sie schon in der Toilette eingeschlossen? Vielleicht gerade mal 7 Minuten. So sehr sie sich auch versucht zu beruhigen, es funktioniert nicht mehr. Ihr Puls steigt und steigt, ihr Herz rast, ihre Finger zittern. Sie hat eigentlich keine Platzangst, sie ist eigentlich ausgeglichen und kann die Ruhe bewahren. Aber es ein kleiner Raum, es ist nicht gerade sauber und der Geruch ist ebenso unangenehm. Sie schreit. Sie ruft. Sie tritt gegen die Tür. Sie bekommt kaum noch Luft. Ihr Körper verhält sich völlig anders, als ihr Geist. Sie versucht ruhig zu sein, aber ihr Körper dreht auf. Ihre Beine kribbeln, als wären sie eingeschlafen. Ihr Mund wird immer trockener.

Panisch schaut sie sich um. Wenn jetzt noch eine Spinne mit ihr im Raum wäre, nicht auszudenken. Ihr Kreislauf beginnt Faxen zu machen. Ihr wird schwindelig. Diese verdammte Psyche. Sie versucht sich wieder auf Level zu bringen, doch ihre Gedanken lassen sich nicht anhalten. Sie beschimpft sich innerlich, weil sie ohne Handy in dieses verdammt Kloding reingangen ist. Weil ihre Rufe nicht gehört werden, weil sie ihren Fuß an der dicken Tür eingehauen hat, als sie dagegen trat. Warum hört sie verdammt nochmal keiner? Waren da gerade nicht noch andere Menschen? Sie denkt darüber nach, was passieren würde, wenn sie umkippt. Haben die Jungs gesehen, in welche Kabine sie gegangen ist? Wie lange ist sie schon eingesperrt? Eine Uhr trägt sie schon lange nicht mehr am Handgelenk.

Kurz bevor sie in die Knie sinkt, sieht sie den roten dicken Knopf. Warum hat sie diesen nicht eher gesehen? Erleichterung macht sich breit. Sie zieht sich wieder hoch und drückt den Kopf. Die Tür springt auf. Tageslicht knallt ihr entgegen. Sie verlässt zügig die Toilette. Sie zittert und zittert.

Hätte sie mal kein Psycho gelesen und wäre sie mal ruhig geblieben, hätte sie den Notknopf eher gefunden. Aufregung und Panik wären ihr erspart geblieben. Nun will sie einfach nur schnell zu den Jungs zurück. Hinein ins warme Auto. Sie läuft los und erstarrt zugleich. Der Parkplatz ist leer…

Eure

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[Wangerooge] Inselbuchhandlung H. Schröder

Inselbuchhandlung Schröder ~ Wangerooge
Inselbuchhandlung Schröder ~ Wangerooge

Kolumne 06/2016: #Inselbuchhandlung

Eine Insel ohne Buchhandlung wäre eine sehr einsame Insel. Wangerooge ist überhaupt nicht einsam, denn hier gibt es viele Bücher und LeserINNEN und eine sehr schöne Inselbuchhandlung. Gleich am ersten Urlaubstag schaute ich neugierig durch die Fenster der Buchhandlung H. Schröder und natürlich habe ich am nächsten Tag sofort die Möglichkeit genutzt, in die Buchhandlung hinein zu gehen. Schon nach wenigen Minuten war ich im Gespräch mit dem sehr aufgeschlossenen Buchhändler und kurzerhand kam mir der Gedanke, ein literatwoisches Interview-Akrostichon zu führen.

Mir brannten schon einige Fragen auf der Leseseele – allerdings nicht nur auf Bücher direkt bezogen, sondern auch ganz allgemeine. Schließlich ist eine Buchhandlung auf einer Insel schon eine größere Herausforderung als auf dem Festland. Oder?

Lest selbst:

literatwo-einzelbuchstabeniebes Team der Buchhandlung H. Schröder – H. Schröder? Wer steckt hinter diesem Namen?

Ich heiße Ralf Keulen und bin seit 2014 als Buchhändler in der Inselbuchhandlung. Die Inhaberin heißt Claudia Grunemann. Hermann Schröder hat diese Buchhandlung genau an dieser Stelle vor 110 Jahren, am 1.6.1906 als Buchhandlung mit Fotoatelier und Logierhaus gegründet.

literatwo-einzelbuchstaben n so einer 900 Einwohner Stadt, auf einer übersichtlichen Insel, wenn ich das so sagen darf, ist es sagenhaft grandios, so eine schöne Buchhandlung zu finden. Wie wählt ihr euer Sortiment aus?

Claudia holt sich für den Non-Book Bereich Inspirationen z.B. auf der Messe „Nordstil“ in Hamburg und ich wälze Dutzende Kataloge und treffe mich jedes Frühjahr mit 10-15 Verlagsvertretern um die passenden Bücher für unsere Kunden auszusuchen.

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ouristen oder Einheimische? Wen zählt ihr zu euren Kunden und habt ihr richtige Stammkunden/-leser?

Touristen UND Einheimische! In beiden Gruppen gibt es Stammkunden, wir haben zum Beispiel eine Urlauberin, die seit über 80 Jahren jedes Jahr auf die Insel kommt und immer noch fleißig liest. Aber natürlich haben wir in der Hochsaison von April bis Oktober bis zu 10000 Gäste auf der Insel im Vergleich zu knapp 1000 Insulanern, wir sind also schon auf den Tourismus angewiesen,

literatwo-einzelbuchstabenxpress auf Wangerooge? Wie lange muss ich warten, wenn ich bei euch ein Buch bestelle? Kommt das Buch dann mit dem Schiff oder mit dem Flugzeug und sind die Portokosten denn überhaupt stemmbar?

Wir können tatsächlich die meisten Bücher „über Nacht“ besorgen. Unser Großhändler liefert im Laufe der Nacht aus seinem Lager in Erfurt nach Harlesiel und von dort kommen die Bücher morgens mit dem ersten Inselflieger auf die Insel. Wir sind also eine der wenigen Buchhandlungen in Deutschland, die Bücher für Ihre Kunden „einfliegen“ lässt. Wir müssen natürlich versuchen die höheren Portokosten durch besonders kostengünstigen Einkauf und wirtschaftliche Lagerhaltung auszugleichen.

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Richtige Literatur an Bord. Welche Bücher zählen zu euren aktuellen Empfehlungen?

Ich empfehle sehr gerne die Bücher von Joachim Meyerhoff, insbesondere „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war?“, aber auch gerne ältere Titel, wie „Salzwasser“ von Charles Simmons, „Winter in Maine“ von Gerard Donovan oder den „Distelfink“ von Donna Tartt.

literatwo-einzelbuchstabenuch der Non-Book-Bereich ist bei euch vertreten. Gibt es ein bestimmtes „Must-Have-Non-Book“?

Bei den Non-Books lieben wir besonders die Spiegelburg-Collection in Rot mit weißen Punkten. Die ist zu einer Art Markenzeichen unserer Buchhandlung geworden. Und wir freuen uns auf eine neue Wangerooge-Collection (Tasse, Frühstücksbrettchen, Lesezeichen) die wir im Sommer bekommen und die exklusiv für uns hergestellt wird.

literatwo-einzelbuchstabenhalia und Co. sind weit von euch entfernt. Habt ihr überhaupt Konkurrenz?

Thalia und Co. sind zum Glück weit weg, aber auch auf Wangerooge ist das Internet allgegenwärtig. Und wir müssen damit klarkommen, dass es von November bis April doch meistens sehr ruhig ist auf der Insel.

literatwo-einzelbuchstabenelche Veranstaltungen erwarten eure Kunden in diesem Jahr? Gibt es ein Highlight?

Wir freuen uns wieder auf vier lange Verkaufsabende bis 22.00 Uhr diesen Sommer, da backen oder kochen wir eine Kleinigkeit für unsere Kunden, es gibt Getränke und wir bieten auch immer etwas Besonderes für Kinder an. Wenn das Wetter mitspielt, sind das sehr stimmungsvolle Abende. Und für den Oktober planen wir eine Lesung mit dem Nr.1 Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf.

literatwo-einzelbuchstabenhne Buch…

…ist das Leben wie ein Meer ohne Wellen!

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Vielen Dank, für die Beantwortung der vielen Fragen und wie bereits angedroht: ich komme wieder. 🙂

Wart ihr schon auf Wangerooge in der Inselbuchhandlung? 

Verlasst doch mal das Festland und reist auf die Insel. Habt einen schönen Sonntag mit vielen buchigen Stunden.

P.S. Ein Online-Shop lohnt sich nicht wirklich, aber auf Facebook ist die Inselbuchhandlung als Seite natürlich vertreten. Klickt mal rein. 

Eure

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Ich bin nur für kurze Zeit erhältlich ~ that vanilla moment

that vanilla moment & das Buch
that vanilla moment & das Buch

Kolumne 05/2016: #thatvanillamoment

Lassen wir den üblichen Blick auf den Kalender und die Gedanken, an die mega schnell rennende Zeit mal weg und reden wir heute auch mal nicht sofort übers Wetter, sondern übers Bad. Ihr möchtet doch ein wenig Wetter und Kalender? Okay – es ist der letzte Sonntag im Monat Januar – wir haben schon einen Monat des neuen Jahres verbraucht und das Wetter ist von Haus zu Haus unterschiedlich: einfach mal aus dem Fenster gucken.

B wie Bad. Okay, eigentlich verbinde ich den Buchstaben B auch mit meinem Vornamen und viel lieber noch mit Bücher, aber heute wird es eine Mischung, die im Bad ihren Anfang gefunden hat. Vor einiger Zeit habe ich die Duschcreme the raspberry kiss der Marke treaclemoon getestet. Ich war super angetan und habe mich nun täglich damit geduscht. Seit letzter Woche habe ich nun die Sorte gewechselt. Ab sofort rieche ich nach dem Duschen nach Vanille.

Ob ich den Duft besser oder eher nicht ganz so gut finde, dass sei mal so dahin gestellt. Mir geht es heute und hier weniger um den Duft, sondern um die Optik der Flasche und meine buchigen Gedanken beim Duschen. Ich erwische mich immer wieder, wie ich mir die Worte auf der Vorderseite der Flasche beim Duschen durchlese und darüber nachdenke.

„Verrführerisches Nichtstun…meine Gedanken sind federleicht und segeln davon… Woran ich jetzt denke? – Pustekuchen! Ich kann doch nicht alles verraten.“

Ich lese und lese die Worte immer und immer wieder und merke, dass  meine Gedanken federleicht sind, sich aber eher ums Thema Buch drehen, als um die Worte, denn irgendwie geben mir diese nicht wirklich etwas. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle sagen, dass ich schon überlegt habe, wer wohl hinter diesen Worten steckt und wie man darauf gekommen ist, ebendiese Worte auf der Flasche anzubringen. Es geht hier um eine Duschcreme, dies möchte ich noch einaml erwähnen. Wen möchte man hier neugierig machen und wer spricht da überhaupt zu mir, während ich meinen Körper mit Duschcreme reinige? Wer von euch treaclemoon-Duschcreme-Sucht-Spezialisten kann mir Antworten geben?

Trotzdem schafft es die Verpackung nicht, meine Gedanken an sich zu fesseln – das Buch ist hier einfach stärker. Der seitlich angebrachte Aufdruck: „Ich bin nur für kurze Zeit erhältlich“ gibt den letzten Impuls und ich frage mich, was wäre denn, wenn morgen ein Buch erscheinen würde, welches ebendiesen Aufdruck hätte? Was würde uns bibliophilen Menschen passieren? Würde es uns so gehen, wie es mir mit dem Kauf der Duschcreme ging? Würden wir einfach zugreifen? Einfach mal ausprobieren?

Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn der Aufdruck nicht nur auf einem Werk wäre. Und dann auch noch auf dem Werk unserer Lieblingsschriftstellerin, unseres Lieblingsschriftstellers. Ich mag daran überhaupt nicht denken. Sämtliche Buchkaufverbote würde es nicht mehr geben, oder? Für mich gibt es sowieso kein Kaufverbot, aber einige von euch, halten sich dran. Was wäre aber, wenn bestimmte Bücher nur für eine kurze Zeit erhältlich wären? Habt ihr euch darüber mal Gedanken gemacht? Wir würden zugreifen und uns ganze Regale füllen – richtig?

Diese Dinge spuken mir beim abendlichen Duschen durch den Kopf. Bibliophil? Auf jeden Fall. Der Gedanke ist gruselig und ich denke, so schnell wird dieser Satz (zum Glück) auf keinem Buch zu finden sein. Es wäre ja nicht nur für uns tragisch, sondern auch für den Schöpfer des Inhalts. Gruselige Vorstellung – du bist Autor und dein Buch ist nur für kurze Zeit erhältlich. Du schreibst über ein Jahr an deinem Herzenswerk und dann kannst du nur hoffen, dass du Leser findest, die es in dieser kurzen Zeit kaufen. Wie kurz ist eigentlich diese kurze Zeit?

Was ich allerdings nicht gruselig finde, sind die Worte auf der Rückseite der Duschcreme. Auf buchig umgedichtet könnte da stehen:

„Dieser Gute-Laune-Roman hat viele Talente:

  • Verdreht jedem Wortliebhaber den Kopf

  • Mit komischen Situationen so bunt wie das eigene Leben

  • Ein echter Romeo unter den Humorbolzen

  • Zaubert schöne Gedanken und Träume aus Worten

  • Im Team unschlagbar – mit Comic und Witzebuch“

Ich bin eindeutig für eine buchige Duschcreme, vielleicht mit Seitenzahlenpeelingperlen, einem aufgedruckten Inhaltsverzeichnis, einem Zitatschnappverschluss, natürlich mit viel Buchduft und nicht nur in der 500ter Seitenzahlenlänge. Verschiedene Größen wären wünschenswert. Extra einfoliert werden muss die buchige Duschcreme nicht unbedingt. Ein Duschbändchen wäre eine Überlegung wert. Hardcover würde ich bevorzugen und falls es keine Umstände macht, den ET bitte auf Sommer 2016 setzen. 🙂

Eure

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Buchmesse Leipzig

Buchmesse Leipzig 2016
Buchmesse Leipzig 2016

Kolumne 04/2016: #Buchmesse

Messezeit – es ist fast wieder soweit! Wenn ich heute so an den Kalender schaue, sehe ich zwar die Messe noch nicht, aber ich sehe, dass es Zeit wird, die Akkreditierung für die Buchmesse in Leipzig vorzunehmen.

Messezeit – ich schreibe hier und heute tatsächlich von der Buchmesse in Leipzig. Ich kann es ja selbst noch nicht glauben, aber das März-Messe-Jahr ist fast rum und Leipzig kommt in großen Schritten auf uns buchige Menschen zu oder wir lesen uns nach Leipzig. Die Zeit fliegt und nun darf ich heute endlich verkünden, dass ich da sein werde. Überall in den großen Weiten des Internets, sind auf den buchigen Seiten und Netzwerken Meldungen zu vernehmen. „Ich werde da sein.“  – „Sehen wir uns in Leipzig?“„Endlich – ich bin auf der Buchmesse in Leipzig.“ – überall sind begeisterte Worte zu finden und ich darf mich in die Reihe der Jubelschreie mit einordnen. Endlich. In Frankfurt konnte ich im letzten Jahr nicht sein, aber dahin wurde ich gedanklich mitgenommen. Welch Glück – Danke Arndt! In diesem Jahr bin ich wieder selbst vor Ort und Leipzig ist ja gleich um die Dresdner-Ecke. 🙂

Messezeit – wie wirst du werden? Wie werde ich dich erleben? Du bist immer buchig, aber sonst immer anders, immer ein wenig neu und doch immer wieder vertraut. Was wird mich in diesem Jahr erwarten?

Messezeit – warst du immer voller buchiger Gedanken, voller buchiger Treffen, voller buchiger Erlebnisse und voller buchiger Projekte – wirst du wieder buchige Momente des Innehaltens, des Verinnerlichens, des Träumens, des Denkens, des Erinnerns, des Buchzukunftsblickens dabeihaben?

Messezeit – du bist schon fast in greifbarer Nähe. Einige wichtige Termine stehen fest und ich möchte nicht zuviel verraten, aber ich werde nicht alleine auf der Messe sein. Das könnt ihr euch denken, weil in jedem Jahr mehrere tausende Besucher durch die Hallen streifen? Das stimmt, aber ich werde die Tage in Leipzig nicht alleine verbringen. Ihr werdet bei den meisten Begegnungen nicht nur mich antreffen und ich freue mich sehr, dass ich eine sehr wichtige Begleitung haben werde. Mehr gibt es an dieser Stelle noch nicht für euch zu lesen. Ihr dürft gespannt sein. Ich bin vorfreudig – sehr! Es wird eine wichtige Messe – auf jeden Fall!

Messezeit – die Zeit der Begegnung mit den Menschen, die einem extrem ans buchige Herz gewachsen sind. Menschen, die man nicht oft sehen kann, aber in Leipzig ganz gewiss treffen wird und viel drücken und umarmen darf. Ich freue mich schon wahnsinnig auf euch – ihr bekannten wunderbaren Buchgesichter! Und ich freue mich, auf viele neue Treffen, neue Buchmenschen, neue Begegnungen, neue Lesewegbegleiter – es wird toll!

Messezeit – Der Urlaub ist genehmigt, die Unterkunft ein magischer (Zu-) Fall und hinkommen werde ich auch irgendwie – hier wird sich noch ein Transportmittel oder eine Fahrgemeinschaft finden.

Messezeit ICH FREUE MICH.

Wirst du da sein? Sehen wir uns?

Eure

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Fli- Fla- FLOW

flow - Ausgabe 15 ist da
flow – Ausgabe 15 ist da

Kolumne 03/2016: #flow

Heute ist es endlich soweit und ich stelle euch das aktuelle Flow-Magazin vor. Immer und immer wieder habe ich es euch versprochen, doch irgendwie habe ich es bis heute nicht richtig geschafft. Dennoch gibt es schon ein wenig „flow“ auf Literatwo. Vor ein paar Tagen konntet ihr unserem Gespräch – Zwei Mädels im Flow der Achtsamkeit – lauschen und seit dem Herbst des Jahres 2014 könnt ihr meinen Lesweg verfolgen – 365-Tage-Projekt.

Wie? – die neue flow gibt es schon? Kommt die nicht immer erst am Dienstag? Richtig – am 19. Januar gibt es die erste Ausgabe im neuen Jahr 2016.

Warum kannst du die neue Flow uns da heute schon vorstellen? Ganz einfach – das Abo macht es möglich und oft kommt die Ausgabe immer schon am Samstag vor dem richtigen Erscheinungsdienstag ins Haus geflattert. Klingt komisch? Ist es aber ganz und gar nicht, denn so kann ich gleich das Wochenende nutzen, um darin zu stöbern.

Gleich zu Beginn musste ich schon schmunzeln, denn das Vorwort von Sinja ist grandios. Ich mag die ersten Einstimmungszeilen zu „Tempo machen“ von der Chefredakteurin, da sie so herzerfrischend und frei von der Leber weg schreibt.

Nach dem Inhaltsverzeichnis geht es auch schon los. Die flow-Leser erwartet das große Titelthema. In dieser Ausgabe geht es um „Abschied & Neuanfang“. Jeder von uns kann sich zwischen den vielen Zeilen einfach wiederfinden. Haben wir nicht alle davon schon etwas erlebt? Jobwechsel? Umzug? Das Ende einer Partnerschaft, einer Freundschaft? Haben wir nicht alle schon neue Menschen in unserem Leben begrüßen dürfen? Neue Ufer erkundet? Gewohnheiten auf Seite gelegt, um Ungewohnheiten zu erleben? Mit vielen Bildern wird das Thema farbenfroh in Szene gesetzt und uns Lesern bleibt Platz zum Denken, Vor- und Zurückblicken.

Regelmäßige flow-Leser wissen, dass es in der Ausgabe die Lesezeichen-Seiten gibt. Diese sind nützlich, um die verschiedenen Bereiche im Magazin für sich selbst abzugrenzen und schnell wieder zu finden bzw. aufzublättern. In der ersten Ausgabe des Jahres ist alles anders. Diese überrascht mit herrlichen nostalgischen Ölgemälden und ich als Nichtkunstliebhaberin bin recht angetan. Ich vermisse die Lesezeichen auch nicht wirklich, da ich sie sowieso nicht nutzte. Die verstärkten Gemälde auf natürlich besonderem Papier, sind ein guter Lesezeichenersatz. Mal was anderes – Veränderungen sind nicht schlecht.

flow - feel connected
flow – feel connected

Feel connected – Ein Blick auf die Welt und die Menschen um uns

Besonders klasse finde ich in der flow die kleinen Anregungen auf der ersten Doppelseite nach jeder neuen Rubrik. Diese beinhalten oft praktische Links, Geschenkideen, Tipps und Empfehlungen.

Richtig gerne lese ich „Was machst du gerade?“ – drei Menschen werde befragt. Ich mag die kurz und knackigen Vorstellungen der oftmals kreativen Menschen und die dazugehörigen Bilder, die viel Einblick in deren Leben geben. Meist lese ich diese Seite zuerst. Und danach lese ich immer „Die Bücher meines Lebens“. Das ist nicht verwunderlich, oder? Bettina Mayer stellt in dieser Ausgabe 5 Bücher vor. Zwei davon kenne ich sogar. Oftmals sind nämlich Bücher dabei, die wahre Schätze und meist unbekannte Perlen zugleich sind. Oft habe ich mich schon befragt, welche Bücher ich wohl vorstellen würde – eine schwere Frage, aber mittlerweile könnte ich sie wohl beantworten. Könnte ich?

Bis ins Detail möchte ich euch das Magazin natürlich nicht auseinander nehmen, darum werde ich mir jetzt noch ein paar Seitenperlen heraus picken. Unter – Einsicht – geht es diesmal um Freunde fürs Leben und unter – Lebenslauf – stellt sich Modedesignerin Sibilla Pavenstedt vor. Besonders schön ist an diesen Lebensläufen, dass es zur Person viele Bilder gibt, nicht nur über die Gegenwart geschrieben, sondern auch in die Vergangenheit zurück und vor in die Zukunft geblickt wird. Klasse!

„Währenddessen in Nepal“ – ein Lebensbericht ist immer dabei und ganz besonders klasse ist die Kolumne in der Merle Wuttke dieses Mal über ihre Konsumneigungen schreibt. Ich muss jedes Mal grinsen und ich mag ihre Schreibe sehr. Herrlich, einfach herrlich.

Kommt mit in die nächste Rubrik…

Live mindfully – Leben im hier und jetzt

Gleich zu Beginn gibt es wieder herrliche Tipps – besonders lustig finde ich die App, welche vorgestellt wird und die Schokolade. Ich mache euch neugierig? Ups…das wollte ich nicht.

„Keine Angst vor Gefühlen“ – wichtige Worte, tiefe Worte, wahre Worte. In diesem Artikel könnt ihr versinken und eurer Gefühl-Herz wird schlagen.

„Die Line deines Lebens“ – hier habt ihr die Möglichkeit die inneliegende Papier-Lebenslinie auszufüllen und dann aufzuhängen. Eure Worte und eure Kreativität ist gefragt –  schaut zurück und bewertet, ordnet und entdeckt.

flow - live mindfully
flow – live mindfully

„Erobern wir uns die Nacht zurück“ – was für ein Thema. Ich glaube gerade in den Zeiten von Handy, PC und Co. sehr wichtig. Schlafen wir alle die gesunden 7 Stunden? Wie schlafen wir und wie sollten wir schlafen? Hier habe ich mich gleich festgelesen und einiges gelernt. Unsere Welt schläft kaum noch…

„Von der Kunst aufzuhören“ – Beharrlichkeit ist nicht immer gut. Immer weiter und weiter oder lieber mal STOP?

„Leben ohne Plan – geht das?“ – Der Artikel trifft wahrscheinlich viele von uns wie die Faust aufs Auge. Am 03. Januar schrieb ich darüber – Alles – nur keine Pläne – könnt ihr euch erinnern? Was ist wirklich wichtig? Weg mit den Plänen – rein ins Leben. Darum war ich heute mal ganz lange spazieren. Winterwaldluft – klar, ich hätte lesen können, ich hätte schreiben können, ich hätte und hätte und hätte – na, und? Ich war draußen, ich habe tief geatmet und es war schön.

Spoil yourself – Zeit für eine kleine Verwöhnpause

Jetzt wird es lustig und natürlich bleibt es kreativ und außergewöhnlich. Ich mag in dieser Rubrik den Blick ins WEB. Da gibt es lustige Dinge und tolle Geschenkideen oder einfach Kleinigkeiten für sich selbst zu entdecken, die man sonst wohl nie gefunden hätte. Wie wäre es mit einer Bücheruhr? Buchtipps gibt es zudem auch zu finden.

Gemüsesuppe kochen? Gutes aus dem Ofen? Küchenliebhaber werden auf ihre Kosten kommen und Küchenbeginner lernen was dazu.

„Die Geschichte hinter den Bildern“ und auch die Kategorie „Inspiration“ haben es in sich. In dieser Ausgabe erfahrt ihr einiges über Russland. Bilder und Text erzeugen absolute Gänsehaut. Als Gegenpol könnt ihr Evas Haus kennenlernen – Vintageladen und Wohnhaus in einem. Es kann also durchaus sein, dass das Sofa nicht mehr da steht…

Make it simple – Es muss gar nicht so kompliziert sein

„Das Geschenk des Schenkens“ – lieber selbst schenken oder lieber selbst etwas geschenkt bekommen? Nina Siegal öffnet ihre Lebensgeschichte und macht Mut.

„Mein Leben in Serie“ – Christine Ritzenhoff und jede Menge Gesprächsstoff…

„Farbenfroher Webteppich“ – jetzt kommt der Teil für die ganz kreativen Handarbeitsjunkies oder für die LeserINNEN die es werden wollen. Habt ihr schon einen Teppich gewebt? Nein? Na, dann wird es Zeit und es ist einfach und es entspannt. Ihr werdet ein Unikat erschaffen und die Anleitung ist so leicht zu verstehen – ihr müsst nur losweben…

„Sieh es doch mal so…“ – guckt mal aus einem anderen Blickwinkel

Zum Schluss gibt es das Minibilderbuch voller Kunst von Blexbolex und ein Interview mit dem Künstler. Angucken – die Begriffe oder Personengegenüberstellungen noch weiter angucken – überlegen – die Verbindungen in dem Angeguckten suchen. Was soll das bringen? Wir sollen unser alltägliches Leben ein bisschen anders sehen…

flow -
flow – ein Blick hinein

Fazit – ein paar Worte geflowt

Anfangs gab es in der flow kaum Werbung. Dies ist jetzt nicht mehr so und ab und an nervt es mich, wenn ein Brief oder ein dickeres Prospekt aus den Seiten fällt. Aber die Werbung ist recht angepasst (teilweise viel Buchwerbung), auch was die Werbung auf den Seiten betrifft. Dennoch – so ganz ohne war auch nicht schlecht. Dies muss ich an dieser Stelle mal erwähnen.

Und sonst? Ich mag die flow. Klar, es gab auch Ausgaben die einfach mal nicht so schön waren, die wohl zur falschen Zeit kamen und einfach von den Themen her nicht so tiefgründig waren. So ist es eben, nicht immer passt alles, nicht immer sind die Ecken rund. Diese 15. Ausgabe hat mich aber begeistert. Ich bin noch nicht ganz durch, ich werde mich zum tiefen Lesen noch ausgiebig zurücklehen, aber der erste Blick zwischen die Seiten hat mich schon sehr überzeugt. Die Beilagen sind in dieser Ausgabe nicht so toll, zumindest nicht für mich.

Entspannung habe ich gefunden, ich habe neues dazu gelernt und ich liebe diese kleinen Tipps nach jedem flow-Abschnitt. Und ich hoffe, dass ich nun einigen „noch-nicht“ LeserINNEN einen relativ umfassenden Einblick geben konnte. Jetzt wisst ihr alle, was DIE FLOW ist und eigentlich könnte ich euch das nächste Magazin wieder vorstellen. Bis März müsst ihr euch dann aber noch gedulden. 🙂

Und was sagt ihr? Kennt ihr die flow schon oder wollt ihr sie demnächst kennenlernen? Oder ist die flow überhaupt nix für euch? Was gefällt euch und was nicht?

Flowt euch also mal rein – viel Freude dabei!

P.S. Die drei flowigen Ausgaben sind noch nicht vergeben…

Eure

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Strakanische Theseus Lesegefühle

Lesegefühle
Lesegefühle

Kolumne 02/2016: #Lesegefühle

„S“ ist gerade in aller Lesermunde. „S“? Ja, das Werk von J. J. Abrams und Doug Dorst. „S“? So lautet der Originaltitel.S. – Das Schiff des Theseus (Kiwi) so ist es bei uns bekannt und ebendieser Roman, nein, – dieses grandiose Werk, macht mich einfach sprachlos und ich stecken mittendrin. Sprachlosigkeit durch und durch – aber die Gefühle sind an, die Gefühlssprache ist vorhanden und will jetzt raus…

Ob ich das Werk jemals vollständig rezensieren werde, bleibt ungewiss. Ob ich je heil aus dem Werk wieder auftauchen werden, bleibt ungewiss. Ob ich mithilfe der zwei „Mitleser“ und Studenten Jen und Eric ans „Ziel“ kommen werde, bleibt ungewiss. Überhaupt ist die Ungewissheit meines Lesens genauso stark ausgeprägt, wie die Sprachlosigkeit und das ständige Erstaunen über dieses wahnsinnige Buch. Schon optisch bin ich mehr als beeindruckt. Ich staune über alle Beilagen zwischen den Seiten und bin von der Lebendigkeit geplättet, die mir beim Aufschlagen immer und immer wieder entgegen kommt und mich einhüllt.

Jedes Buch was wir lesen, erzeugt in uns Gefühle, ruft in uns Gefühle hervor und lässt uns irgendwie gefühlig werden. Gefühlloses Lesen ist undenkbar, ich kann es mir nicht vorstellen und ich glaube, es ist mir bisher auch noch nie passiert. Jeder Autor schafft es, uns anhand bestimmter Worte gefühlig zu machen. Auch wenn ich Stand heute noch nicht ganz 50 Seiten gelesen habe, bin ich durch und durch voller Gefühl und weiß, dass dieses Werk besonders ist und viele Spuren in mir hinterlassen wird.

Bücher rufen in mir immer den Austausch mit anderen Lesern hervor. Aber auch so habe ich oft das Bedürfnis, über das eben Gelesene zu sprechen. Natürlich nicht immer, aber es gibt in Büchern einige Textstellen, bei denen man nicht alleine sein will. In der Vergangenheit, aber auch in Gegenwart bin ich mir sicher, eine Herzensperson zu haben, bei der es nicht viele Worte braucht, um mich zu verstehen. So ist es und so wird es immer bleiben. Diese Herzensperson ist ebenfalls im gleichen Werk – auf dem Schiff – unterwegs und hat bereits zwei Artikel veröffentlicht, die viele Hintergründe zum Werk liefern. Schaut euch doch mal in Arndts Artikeln S – Das Schiff des Theseus und [Originalausgabe] “S” von J.J. Abrams und Doug Dorst um.

Gerade auf dem „Schiff des Theseus“ wächst das Verlangen, beim Lesen nebeneinander zu sitzen. Zwei Menschen, zwei Bücher, parallel lesend und immer wieder unterhaltend. Das Bedürfnis über die Worte von Jen und Eric zu lachen, zu grübeln, zu fühlen, einfach alles – ist immer da. Während ich den beiden Protagonisten lesend lausche, möchte ich nicht alleine sein. Lautes Vorlesen ist hilfreich, wie ich finde und das gemeinsame Bestaunen der vielen Beigaben im Werk ebenso. Dieses Buch fasziniert durch und durch – sagte ich das schon?

Während  ich lese, versuche ich immer alle Stifte und Füller weit von mir zu halten. Was habe ich mich schon dabei ertappt, selbst hineinschreiben zu wollen. Da zucken die Lesefinger, wenn Jen und Eric sich unterhalten. Ab und an möchte man so gern helfen, selbst Worte hinterlassen, mitraten und seine eigenen Gedanken auf die Seiten und zwischen die Kommentare schreiben. Ich muss mich echt bremsen, wie ich immer wieder feststelle.

Und dann dieses Kribbeln im Bauch – diese Vorfreude und diese Erleichterung – eine Mischung. Ich versetze mich gedanklich gern in die Lage der zwei. Ich könnte an manchen Tagen wohl kaum vor Spannung einschlafen. Wenn ich nur dran denke, was ich mich fragen würde…wie lange dauert es, bis er antwortet? Was wird er schreiben? Werden wir gemeinsam das Rätsel lösen? Wird das Buch da sein? …

Aber ich als Leserin bekomme den puren „Luxus“ – ich kann alles sofort lesen – den Roman und die Kommentare von Jen und Eric. Was für ein Glück!

Mein Respekt vor dem Werk ist gigantisch – das muss ich hier noch einmal erwähnen. Wann ist für so ein „aufwendiges“ Werk der richtige Lesezeitpunkt? Weihnachten – so meine Antwort oder in der Urlaubszeit, die von Ruhe und wenigen Unternehmungen geprägt ist. Weihnachten ist zwar vorbei, aber in eben diese Zeit passt es aus meiner Sicht perfekt. Wie beim Roman Die Karte meiner Träume von Reif Larsen bietet es sich auch hier an, in Ruhe zu lesen, sich eine richtige Lesezeit zu nehmen und den Austausch mit anderen Lesern zu suchen.

Und was ist mit den ganzen Beilagen im Werk? Können die rausfallen und was ist dann? Diese Fragen habe ich mir auch gestellt und ich bin sehr vorsichtig beim Lesen. Behutsam blättere ich die Seiten um und gebe acht darauf, dass mir keine Beilage herausfällt. Ich habe sogar schon mit dem Gedanken gespielt, diese mit der Seitenzahl zu versehen – mit Bleistift, versteht sich. Doch nein – ich möchte weiterhin ganz penibel darauf achten, mehr als vorsichtig zu sein und meinen Leseplatz wenig zu verändern. Wenn allerdings doch was passieren sollte, gibt es natürlich Hilfe, also nur keine Angst. Auf der Seite des Kiwi-Verlags findet ihr weitere Informationen zum Buch, über das Material und ihr bekommt neben dem Trailer auch eine Übersicht zu den Beilegern. Also keine Angst – lest los…

Meine innere Stimme sagt mir, dass ich das Werk doppelt brauche. Einmal gelesen und mit meinen Lesespuren anhand von leuchtenden Klebezetteln versehen und einmal komplett ungelesen und eingeschweißt.

Und nun? Lesegefühle an…

Eure

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Alles – nur keine Pläne!

Kolumne 01/2016: #allesnurkeinePläne

Ja – so möchte ich ins Jahr 2016 starten. Nicht völlig planlos, aber sagen wir mal, mit mehr Raum für spontane Ideen.

Seid ihr alle gut ins neue Jahr gekommen? Ich wünsche euch ganz viel Gutes und vor allem ganz viel Gesundheit und auch ein wenig Glück – logisch.

Aber mal zurück zum Planthema – was ich euch sagen will…

xxx
84 Charing Cross Road ~ Mein sanfter Zwilling

…ich habe im letzten Jahr sehr viele Pläne im Kopf gehabt und bin dadurch immer und immer wieder der Zeit hinterher gerannt. Dann kamen noch Dinge namens „dies und das“ dazu und schon haben sich die Pläne gestapelt und die Tage hätten mindestens 48 Stunden lang sein müssen, um alles zu realisieren. Mich hat das alles fast aus der Blogger-Lebensbahn geworfen und einige von euch kennen ein paar Details.

Deshalb – Ich mag weder einem Plan, noch der Zeit hinterher rennen, sondern ich möchte im Moment leben. Dies sage ich mir nun immer und immer wieder, wenn sich in meinem Kopf der große Planer aufschlagen mag. Ich kann nicht alles gleichzeitig, ich habe nur ein Leben und ich kann nicht alles machen und überall dabei sein. Und irgendwann kommt der Hammer und mich haut es richtig um und den versuche ich zu umgehen.

Leben im JETZT und nicht gedanklich schon 10 Leben weiter. Pläne und Zeit – wer ist das bitte? Kenn ich die Leute? Nö…also. 🙂

sss
Blätterrauschen ~ Der Nazi & der Friseur

Und doch soll es einen kleinen Plan Buchübersichtsflyer geben. Lesebienchen und ich wollen gern in bestimmten Büchern gemeinsam tauchen. Oft haben wir uns diese Schätze gemeinsam gekauft oder wir haben durch diverse Schenkungen feststellen können, dass wir gleiche ungelesene Bücher besitzen.

Was habe ich also am 31.12. gemacht? Ich bin an ihrer langen Regalwand auf und ab geschritten und habe geschaut, welche Bücher sich auch in meinem Regal tümmeln. Und siehe da, ich habe acht Romane gefunden, die wir schon lange zusammen lesen wollten. Diese acht Bücher könnt ihr hier sehen, lediglich die Ausgaben (Lesebienchen die Büchergildeliebhaberin) unterscheiden sich ein wenig. Aber das ist ja nicht schlimm, der Inhalt zählt.

Wann und mit welchem Buch wir starten? Was sind schon Zeiten – lach. Wir werden ganz bestimmt noch im Januar in ein Werk eintauchen. Lesebienchen hat Die Unvollendete (Droemer Knaur) von Kate Atkinson vorgeschlagen. Ich stimmte schon zu – mal sehen, wenn der Startschuss fällt.

yyy
Diese Dinge geschehen nicht einfach so ~ Die erstaunliche Wirkung von Glück

Acht Bücher in einem Jahr sind doch zu schaffen, oder? Klingt wenig und schaffbar, aber im großen Bücherkarussell passiert doch immer allerhand spontanes und unvorhersehbares. Da zieht ein Buch von rechts ein, dann kommt ein Buch von links und bettelt um Obdach und dann kommt auch noch der sogenannte Lustkauf dazu und es gibt diese ganz furchtbaren Hefte namens Verlagsvorschauen und diese schlimmen Massenveranstaltungen mit dem Titel „Buchmesse“. Alles Fallen die Lesepläne total durcheinander bringen könnten. Buchgefahr wohin das Leseauge reicht…

Damit aber nicht genug, denn die Lesefreunde und Buchpartner und ihr wisst schon – alle lieben Büchermenschen auf der großen Erde, also auch DU, können uns so schnell beeinflussen und zu anderen Büchern verführen.

Während ich diese Zeilen tippe, werde ich vor Schreck gleich ganz unsicher. Scheint diese kleine Aufgabe wirklich kompliziert zu sein? Was meint ihr?

Nur keine Angst vor Büchern – wir stürzen uns einfach zwischen die Seiten! No Risk, no Bookfun – oder wie? Loslesen…

xxx
Haus der Geister ~ Die Unvollendete

„Suna“ von Pia Ziefle – ups…da war doch was. Diesen Roman habe ich ganz vergessen. Es sind also neun Bücher – zumindest steht das Werk von Pia Ziefle auf der „Bald-Lesen-Liste“ recht weit oben. Schauen wir einfach mal, welche Seiten uns wann, wie und wo umhüllen werden.

Einige von euch wissen, dass ich mich sehr gerne über gelesene Bücher intensiv austauschen mag. Dies passiert ab und an verborgen, aber auch oft öffentlich, damit ihr teilhaben und mitreden könnt.

Wo? Wie immer bzw. immer öfter, am Lagerfeuer. Ihr konntet schon einige Gespräche am literatwoischen Lagerfeuer belauschen und euch selbst mir einbringen. Mein Bauchgefühl sagt mir schon heute, dass es noch das ein oder andere ganz besondere Lagerfeuergespräch geben wird. Magie liegt in der Luft…

Hier alle neun Bücher auf einen Blick mit Link auf die Verlagsseite, damit ihr einen tieferen Vorab-Einblick bekommt. Sobald wir die Werke gelesen haben, werde ich hier jeweils die Links zu unseren Lagerfeuergesprächen ergänzen.

Welche Werke habt ihr bereits gelesen? Habt ihr eine „Wunsch-Lese-Reihenfolge“? Wie denkt ihr über unser Vorhaben?

Eure zwei – Lesebienchen & Binea

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Der Weihnachtsaufsatz (1987)

Weihnachten
Weihnachten

…oder Fröhliche Weihnacht

Heute ist der 4. Advent und zur Krönung des Tages könnt ihr die Geschichte lesen, welche ich von Kerodis im letzten Jahr zu Weihnachten bekommen habe. Machts euch kuschelig und habt eine schöne Lesezeit!

Eure Bini

Kolumne 33: #Weihnachtsaufsatz

Am Rande einer kleinen Stadt, welche im Kern aus malerischen Fachwerkhäuslein besteht, die wiederum einzig von der Kirche am alten Markt überragt wurden, wohnt eine glückliche Familie.

Es ist der 24te Dezember, die dicken schweren Wolken hängen schon den ganzen Tag über der kleinen Stadt, um hin und wieder Schneeflocken sanft auf die Erde zu schicken, welche nun Strassen und Häuser mit einer weichen weißen Schicht bedecken.

Und hier nimmt unsere kleine Geschichte ihren Anfang. Kurz vor 15 Uhr bereitet Papa Harald die Kaffeemaschine auf ihren nachmittäglichen Einsatz vor, während Mama Kerstin sich zum Kinderzimmer begibt, um zu schauen, was Ihre beiden Kinder, Mike und Sara, gerade so treiben. Sie sollten theoretisch Mittagsschlaf halten, aber die Eltern wussten schon, daß bei Ihren Kindern Theorie und Praxis weit auseinanderliegen. So ist Kerstin weniger überrascht, als sie Sara und Mike nicht schlafend vorfindet. Beide waren doch zu aufgeregt an diesem sehr „wichtigen“ Tag, sodass sie vor Aufregung sogar vergaßen, noch heimlich zurück ins Bett zu schlüpfen, als sie das Knarren der Holzstufen hörten. Sara, die gerade mal 5 Jahre alt ist und ihr zwei Jahre älterer Bruder, blicken nur etwas erschrocken auf, als die Mutter „plötzlich“ in der Türe steht.

Sara klammert sich nun an ihr Lieblingskuscheltier (ein Teddy, der fast genau so groß war wie sie selbst) und sagt schüchtern: Wir sind grad erst aufgestanden, ganz doll ehrlich. Mike sagt gar nix und hält seinen Kipplaster noch immer in der Hand während er seine Mama erschrocken ansieht. Kerstin meint nur: „Ihr seid mir schon zwei Gauner. Es gibt gleich Kaffee und Kuchen. Eigentlich wolle ich euch wecken, aber das brauchen wir wohl nicht mehr, oder?“ Ein sanftes Lächeln untermalt ihren fürsorglichen Blick, während eine kleine Erinnerung an die Kindheit und weihnachtliche Aufregung in Ihr erwacht. Sie nimmt die kleine Sara auf den Arm, welche immer noch den viel zu großen Teddy umklammert, und sie gehen gemeinsam die Stufen hinab zum Wohnraum. „Tee oder Kakao?“ Ruft der Vater laut aus der Küche, als er seine Familie die Stufen hinabsteigen hört. KAKAO: ist die einstimmige und ebenso kraftvolle Antwort von Sara und Mike. Harald schaut lachend aus der Küchentür und sagte fröhlich: Steht alles schon auf dem Tisch im Wohnzimmer.

Während draussen ein lustiges Schneetreiben beginnt und die Dämmerung nun in vollem Umfang von der kleinen Stadt Besitz ergreift, sitzt unsere glückliche Familie am Esstisch im Wohnzimmer. Dieses wiederum ist kuschelig warm und wird nur von dem großen Tannenbaum in der hinteren Ecke und ein paar flackernden Kerzen erhellt, welche im ganzen Raum verteilt sind. Der Schwibbogen erleuchtet das Fenster ebenso wie der feuerrote Weihnachtsstern, den Harald noch vor zwei Tagen über der Terrassentür aufgehängt hat. Überall duftet es nach Kakao, Plätzchen, Räuchermännchen und stimmungsvolle Weihnachtslieder erfüllen leise den Raum. Sara, deren Lieblingsteddy nun einen „Ehrenplatz“ neben ihr erhalten hat, will natürlich endlich wissen, wann denn der Weihnachtsmann kommt.

„Maaaan bist Du doof, den gibt’s doch gar nich.“ Mike schaute seine Schwester an, die nur ein „selber doof“ hervorbrachte und traurig zu ihrem Papa sah. Harald mustert seinen Spross mit strenger Mine, während Kerstin sich zu Sara setzt, um sie zu trösten. „Junge, hör auf, Deine Schwester zu ärgern, sonst gibt’s nix dieses Jahr“ sagt Harald streng.

„Gibts wirklich keinen Weihnachtsmann?“ Sara schaut Ihre Mama traurig an. Kerstin schließt Ihre Tochter in die Arme holt tief Luft und sagt liebevoll: „Weißt Du mein Schatz, zuerst kommt dein Märchenfilm und danach der Weihnachtsmann.“ „Aber nur zu den Kindern die keinen Unsinn erzählen!“ ergänzt Harald etwas strenger während er der kleinen Sara zuzwinkert und mit seiner rechten Hand kräftig Mike´s Frisur verwuschelt. Sara kuschelt sich beruhigt an Mamas Brust, während sie den letzten Schluck Kakao aus Teddy´s Tasse trinkt. „Tut mir leid, wollt Dich nur n bisschen ärgern.“ sagt Mike und schaut seine Schwester mitleidig an. Harald schaltet den Fernseher an (gerade noch rechtzeitig). Die Nikolausfrau ist gerade mit der Ansage fertig und schon beginnt der Film. Mike lümmelt sich auf dem großen Sofa gegen die Armlehne, seine kleine Schwester lümmelt auf Mike und Teddy darf natürlich auch nicht fehlen. „Eine Stunde, zehn Minuten.“ flüstert Kerstin ihrem Mann ins Ohr, während sie das Geschirr in die Küche bringen: Sie stellen es neben der Spüle ab, umarmen und küssen sich. „Fröhliche Weihnacht“ sagt Harald, und Kerstin erwidert liebevoll „fröhliche Weihnacht.“

Viele Umarmungen, Küsschen und eine vollgeräumte Spülmaschine später, gibt Sie ihrem „Hasen“ einen Klapps auf den Po und sagt lächelnd: „Du hast noch 20 Minuten.“ Ja, in diesem Jahr wird Harald das erste Mal nicht dabei sein können, wenn der Weihnachtsmann die Kinder beschenkt. Ein katastrophales Ereignis vor drei Wochen ist wohl daran schuld.

Erwin, ein alter Schulfreund von Harald und auch alljährlicher Weihnachtsmann, war noch spät abends mit seinen Freunden und in einem „etwas“ angetrunkenen Zustand auf dem Heimweg. In jener Nacht entbrannte eine heftige Diskussion, ob der nahe gelegene Teich genug vereist war um Erwins Gewicht zu tragen. Sein üppiger Bauch, die allseits rote Nase und sein Singleleben waren gute Gründe, weshalb er bei vielen Familien am Heilig Abend im roten Kostüm, mit dem Sack voller Geschenke und einem weißen Rauschebart herzlich willkommen war. Bezahlt wurde er bei jeder Familie mit reichlich Plätzchen und einer Tasse Kakao, was wohl auch einer der Gründe für sein rundliches Erscheinungsbild waren. Nur seine Schwester fand es nicht so gut, da Ihre Kinder den Onkel Erwin am Weihnachtsabend immer erst sehr spät zu Gesicht bekamen. Aufgrund seiner fröhlichen heiteren Art, war er wohl bei Eltern und Kindern wohl bekannt und beliebt. Nun jedenfalls trug das Eis sein Gewicht tatsächlich und weil es grad so lustig war und betrunkene Männer schlimmer als die Kinder sein können, schlitterten zehn angeheiterte Erwachsene feucht-fröhlich über einen zugefrorenen See. (Was ihre Frauen, als sie dies erfuhren, nicht so lustig fanden.) Erwin der am besten und elegantesten schlitterte, dabei lauthals „leise rieselt der Schnee“ sang, machte plötzlich eine Ausfallbewegung nach hinten und landete unsanft auf dem Rücken.

Wie er so auf dem Eis lag, erhellte ein schallendes Gelächter seiner Freunde die Nacht. Später wurde ein gebrochenes Schlüsselbein am rechten Oberarm diagnostiziert, was das Tragen eines vollgepackten Leinensackes natürlich unmöglich machte und so bereiten sich nun etliche Väter auf Ihren Auftritt als Weihnachtsmann vor. Auch Harald, der in jener Nacht mit einem Schnupfen zu Hause blieb und immer wieder beteuerte: wenn ich dabei gewesen wäre…………….., befindet sich nun gerade auf dem Weg zum Keller, wo die Geschenke in einem großem Sack verstaut liegen. Es ist 17 Uhr und er hat noch eine viertel Stunde bis der Film endet. Wenn die Kinder nach Papa fragen, dann ist er eben gerade auf dem Klo. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, daß er länger als dreißig Minuten für seine „wichtigen Geschäfte“ benötigt. Wenn Kerstin oder seine Freunde ihn darauf ansprechen, antwortet er nur trocken: „was lange währt, wird gut“ oder „Gut Ding will Weile haben“.

Noch zehn Minuten und Harald sucht noch immer seinen zweiten Filzpantoffel. Diese braucht er um seine „guten“ Socken nicht im Keller einzuschmützen oder wie seine Frau liebevoll meint, um den Steinstaub nicht mit in den Wohnbereich zu schleppen. Harald flucht leise und beschließt die Treppe so runterzusteigen. Noch schnell Licht anmachen „klick“. Der Keller und die Treppe bleiben dunkel. Harald läuft der Schweiß von der Stirn. Muss den gerade jetzt alles schiefgehen? Er hört Sara im Wohnzimmer etwas sagen und beschließt, seinem Sohn nicht Recht zu geben. Für seine kleine Prinzessin wird der Weihnachtsmann in fünf, ach was in fünfhundert Jahren noch existieren. Er entsinnt sich (endlich) an ein Feuerzeug welches in seiner Tasche steckt und holt es heraus. „Klack“ die Flamme gibt einen matten flackernden Schein. Der Abspann des Films läuft bereits, nun ist die Zeit der Bescherung.

Schöne Bescherung, blöder Erwin, dummer Unfall denkt sich Harald. Da ertönt ein dumpfes Poltern von der Haustür. Falscher Zeitpunkt, denkt sich Harald und hört nur noch wie die Wohnzimmertür aufgerissen wird und seine Tochter mit den Worten „der Weihnachtsmann, der Weihnachtsmann“ den Flur entlanghuscht, während er sich an dem mittlerweile heißem Feuerzeug seinen Daumen verbrennt, es fallen läßt und alleine im Dunklem steht.

Die Haustür wird aufgerissen und ein schallendes „Ho Ho Ho“ ist in jedem Winkel des Hauses zu hören. Harald, der immer noch nicht begreift was da vor sich geht und im Dunkeln das verlorene Feuerzeug sucht, hört das vergnügte Quietschen seiner Tochter und ein erstauntes „Booooohhh“ von Mike. Kerstin sitzt lächelnd auf dem Sofa während ihr Sohn, völlig erstaunt in der Tür steht und die kleine Sara den gewaltigen Mann, mit seinem ebenso gewaltigem Rauschebart und dem tiefen schmetternden Lachen, durch die Tür ins Wohnzimmer führt. Sie zeigt ihm den Esstisch wo ein Teller mit Plätzchen, eine große, heisse und wohl duftende Tasse Kakao steht, die Kerstin auf das Drängen Ihrer Tochter noch unbedingt schnell zubereiten mußte. „Sind die für mich?“ fragt der bärtige Mann mit tiefer Stimme, während er sich an den Tisch setzt. Sara nickt ganz aufgeregt. Und so läßt es sich der Onkel Rauschebart erst mal munden.

Aufgeregt, aber doch „relativ“ ruhig sitzen Mike und Sara am Esstisch dem Mann gegenüber und schauen erwartungsvoll, wie dieser viel zu langsam die Plätzchen ist und den Kakao trinkt. „Bist Du der ECHTE Weihnachtsmann.“ fragt Sara, als Onkel Rauschebart gerade mit dem letzten Tropfen Kakao das letzte Plätzchen hinunterschluckt. Ein grollendes „mmh mmh“ bestägtigt nun endgültig Sara´s Verdacht. „Aber ich komme nur zu den Kindern die an mich glauben.“ fügt der Mann im roten Kostüm hinzu, während er leicht schmunzelnd zu Mike herüberblickt. „War ja nicht so gemeint.“ antwortet der Junge leise. „Hast Du uns denn auch etwas mitgebracht, lieber Weihnachtsmann?“ fragt Kerstin, die gerade eine kleine Lampe anknipst und leise Weihnachtsmusik einschaltet.

Sie ist absolut begeistert und zwinkert ihm lächelnd zu. Der große Mann erhebt sich laaaangsam, nimmt seinen Sack, welcher allerdings leer zu sein scheint und ziemlich schlaff von seiner Hand aus nach unten hängt. „Seid Ihr auch schön brav gewesen?“ fragt er leise grollend aber ebenso streng, während er die zwei „Gauner“ bedeutend und ernst mustert. Beide stehen vor dem großen Mann. Sara schaut an ihm hoch, mit Teddy im Arm und versucht Ihr verschmitztes Lächeln hinter dem Kopf des übergroßen Kuscheltiers zu verbergen. Mike hingegen steht eher gekrümmt neben seiner Schwester, hält den Kopf leicht nach unten geneigt, die Hände auf dem Rücken und bewegt etwas nervös seinen rechten Fuß hin und her.

„NAAA?“ Hakt nun Onkel Rauschebart streng nach: „Was ist???“ Sara schaut mit großen Augen und schüchtern zu Ihrer Mama, in der nun die Mutterinstinkte wieder erwachen.

„Naja, lieber Weihnachtsmann, die beiden bemühen sich, aber manchmal klappt es eben nicht so richtig. Aber im Großen und Ganzen waren sie doch ganz lieb in diesem Jahr.“ sagt Kerstin mit einem fröhlichem Lächeln. Beide Kinder nicken nun eifrig, als der Weihnachtsmann seinen prüfenden Blick auf sie richtet. „Na dann will ich mal nicht so sein.“ sagt er nun mit sanfter Stimme und setzt sich mit einem freundlichem Blick auf das Sofa. Wer möchte denn zuerst auf meinen Schoss, fragt er lachend. Mike dem nun sichtlich ein ganzes Gebirge vom Herzen herab purzelt antwortet etwas Kleinlaut: „Nimm die Sara zuerst, Sie hat sich schon den ganzen Tag auf Dich gefreut.“

„OOHHH, das ist aber nett von Dir Mike, das merk ich mir gleich fürs nächste Jahr mit vor.“ Onkel Rauschebart nickt dem Jungen bestätigend zu. Na dann komm mal her, junges Fräulein, dröhnte es aus ihm heraus. Sara klettert, natürlich mit Teddy im Arm, auf den Schoß des Weihnachtsmanns und kuschelt sich an seinen samtweichen Mantel, welcher nach Zimt, Nelken, Kakao und irgendwie süßlich duftet. „Na was wünschst Du Dir?“ fragt Onkel Rauschebart nun etwas leiser. „Das Du meinen Papa kennenlernst, aber der ist grad nich da.“ sagt Sie erwartungsvoll.

„Ihr wißt nicht, was mir gerade passiert ist, also erst find ich die Filzlatschen nich, dann ist der Lichtschalter im AAAAimer. Also nehm ich mein Feuerzeug und geh die Treppe runter. Als ich endlich unten bin, polterts an der Tür und ich verbrenn mir die Pfoten an dem verfl…maledeiten Feuerzeug. Entschuldigung, ääh guten Abend ich bin Harald, angenehm.“

Sara, Mike und Kerstin schauen zu dem Familienvater hinüber, der ganz ausser Atem in der Wohnzimmertür steht und völlig unbeeindruckt weitererzählt. „Dann, als ich nach gefühlten dreißig Minuten endlich das Gerät im Dunklen wiederfand gingen plötzlich die Deckenlampen im Keller an, als ob der Schalter nie defekt gewesen wäre. Ist das nicht erstaunlich?“

„Schhhhhh,“ Kerstin deutet ihrem Mann mit einer Kopfbewegung neben sich und legt dabei Ihren Finger auf den Mund. Harald versteht die Geste, schließt die Tür des Raumes und setzt sich neben seine Frau auf das Sofa, welches sich gegenüber des Mannes in Rot befindet, der immer noch Sara und Teddy auf dem Schoß hat und sich nun wieder seiner „Arbeit“ widmet. „Also Prinzessin, was wünscht Ihr Euch noch?“ Sara klettert ganz dicht an das Ohr des großen Mannes und flüstert etwas hinein. „Mmmhh mmm ahh mhm,“ Onkel Rauschebart nickt bedächtig, greift in seinen „leeren“ Sack und holt zwei Pakete heraus. „Das Kleine ist für Teddy und das Große ist für Dich.“ sagt er lachend. „Danke, lieber Weihnachtsmann.“ Sara umarmt den gewaltigen Mann, oder versucht es zumindest mit ihren noch zu kleinen Armen, während er ihr sanft auf den Rücken klopft. „Ist ja gut meine Kleine, ich habs doch gern getan.“ Es ist doch erstaunlich was so ein fünfjähriges Mädchen alles transportieren kann, wenn es wirklich drauf ankommt. Das können jetzt auch Sara´s Eltern feststellen.Und während Sie mit Teddy und den beiden Geschenken freudestrahlend in den Bereich zwischen eines der Sofas und der Schrankwand verschwindet, wo ja auch der Esstisch und daneben der Weihnachtsbaum steht, macht sich nun Mike, etwas schüchtern und doch erwartungsvoll auf den Weg zum Schoß des, wie ein riesiges Gebirge wirkenden, Mannes.

„Naaaa? Bist ja schon ein großer Junge, mmmmhhh??? Was darf ich Dir denn Gutes tun???“ Er schaut den Jungen freundlich an und zwinkert ihm kurz zu. Mike beschließt nun seinerseits auf die gleiche Art wie seine Schwester zu handeln und flüstert Onkel Rauschebart etwas ins Ohr. Wieder brummt der Mann in Rot vor sich hin während er langsam und bestätigend nickt. Dann holt er ein großes Geschenk aus dem Sack heraus und übergibt es Mike. Auch dieser bedankt sich höflich und verschwindet hinter dem Sofa. Danach hört man es kurz rascheln und die beiden Kinder, welche nun freudestrahlend und eifrig ihr neues Spielzeug bestaunen und ausprobieren, sind nun ausreichend abgelenkt. Der große Mann erhebt sich langsam vom Sofa schaut die Eltern prüfend und durchdringend an.

„Seid Ihr den auch schön brav gewesen?“ fragte er mit einem Lächeln. „Naja, also wir geben uns Mühe, aber es ist nicht immer ganz leicht.“ sagt Kerstin leise. „Und wenn ich vor drei Wochen mit an dem See……“ will Harald ergänzen, doch sie legt sanft Ihre Hand auf seinen Mund und schüttelt langsam und lächelnd den Kopf.

„Nun gut, auch für Euch habe ich etwas, etwas ganz Besonderes.“ Das letzte Wort flüstert Onkel Rauschebart, als ob niemand wissen dürfte, was es ist oder worum es überhaupt geht. Er holt aus seinem Sack ein Paket heraus, welches quaderförmig und in nachtblaues Papier eingewickelt ist. Silberne Sterne und ein Mond sind auf dem Papier verteilt, welche auf seltsame Weise zu leuchten scheinen. Ein Band oder eine Schleife war auch nicht zu sehen, zudem schien es aus einem Stück zu sein. Es hatte keine Falten, Kanten oder Absätze.Er überreicht das letzte Geschenk, verabschiedet sich, drückt noch mal alle ganz kräftig (ganz besonders die kleine Sara und Teddy) und kurze Zeit später stampft er schweren Schrittes und mit einem fröhlichen HoHoHo in die Nacht hinaus.

Der Wind hat sich inzwischen gelegt und lautlos fallen die dicken Schneeflocken vom nachtblauen Himmel hernieder, während sich eine friedliche Stille über der kleinen Stadt ausbreitet.

„Fröhliche Weihnacht“ sagt Kerstin zu ihrem Mann, den Sie liebevoll umarmt.

„Fröhliche Weihnacht“ antwortet Harald und drückt sie, Mike, Sara und natürlich auch Teddy ganz fest an sich

Euer Kerodis

Das Weihnachtsritual

…oder so wie immer.

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Heute erfreut euch Kerodis mit einer kleinen Geschichte zum 3. Advent. Macht es euch mit Keksen und einer Tasse Tee auf dem Sofa gemütlich und genießt den weihnachtlichen Sonntag.

Eure Bini.

Kolumne 32: #Weihnachtsritual

Jedes Jahr am dritten Advent treffen sich fünf gute Freunde zu ihrem ganz persönlichen Ritual. Die Familie wird daheim gelassen, damit sich die Freunde ganz der Aufgabe widmen können, wenigstens einmal im Jahr voll Panne zu sein, ohne das es die Familie, Freund oder Freundin mitbekommen.

Darin ist Steffen ziemlich groß und zeichnet sich durch eine fröhlich, lustige Art gegenüber seinen Freunden und einer nervig, anstrengenden Art seinen Kollegen gegenüber aus. Er ist im Moment Single.

Paul ist erheblich kleiner und ist auch für vielerlei Lustiges zu haben. Durch seine geringe Größe und das jugendliche Auftreten, wirkt er oft jünger als er tatsächlich ist. Er hat Frau und Tochter und muß natürlich um jede freie Minute kämpfen.

„Kahl“ hat seinen Spitznamen von einem Ereignis, welches schon lange zurückliegt. Ein Lehrling fragte nach dem Rat des sehr ruhigen, gemütlichen und nur schwer provozierbaren Karl. Dabei fragte er: „Duhu, Kaahaal. Kannste mir maaa helfn?“

Weil mittlerweile seine Kopfbehaarung nicht mehr vorhanden ist (um eine Halbglatze zu verbergen), passte der Name natürlich um so besser. „Kahl“ und Steffen sind beide breitschultrig, gleich groß und verstehen sich prima, weshalb man sie oft für Brüder hielt und hält. Kahl hat eine Frau und Sohn. Er ist der wohl besorgteste Papa, den man sich denken kann. So ruhig und gelassen er auch sein mag, für seinen Sohn ist jedes Klettergerüst und jede Wippe viel zu gefährlich. Zum Glück ist seine Frau da etwas ruhiger und wirkt ebenso auf ihn ein.

Torsten, der große, hagere und immerzu ernste Typ glänzt permanent durch seine Teilnahmslosigkeit. Irgendwie ist er in die Gruppe bei einer Party durch Zufall reingerutscht. Aufgrund seines düsteren Auftretens und seiner trockenen Art bringt er seine Freunde stets zum Lachen und treibt seine Freundinnen dauerhaft zur Weißglut. Das ist ein Grund warum er momentan Single ist. In dieser Gruppe nennen sie in einfach nur „der Coole“.

Zum Schluss ist da Danny, eine hübsche, junge schlanke Frau mit schwarzen dauergewelltem Haar. Sie trägt vorzugsweise Jeans, T-Shirt oder Hemden. Zudem verzichtet Sie komplett auf Make-up, weil das was für Tussis ist, wie Sie immer wieder sagt. Eine natürliche Schönheit benötigt keine Kriegsbemalung: sagte sie oft lächelnd. Ihr derzeitiger Freund ist zwar ganz nett, charmant und intelligent, allerdings verbringt er mehr Zeit auf Arbeit und im Fitnessstudio als mit Ihr. Sie fühlt sich bei Ihren Kumpelz am besten aufgehoben, weil Sie da nicht dauernd von irgendwelchen Typen angelabert wird.

Und so wartete Sie auch in diesem Jahr (so wie immer) unter dem großen Weihnachtsbaum auf dem Weihnachtsmarkt zusammen mit Paul und Torsten auf den Rest der Gruppe.

„Maaaan, wo bleiben die denn?“ fragte Paul entnervt. „Ich geh mir gleich n Glühwein holn.“ warf er hinterher.

Torsten der seit seiner letzten Beziehung ernsthaft versucht mehr Gefühle nach aussen zu transportieren, zuckte nur kurz und kaum merklich mit den Schultern. Danny sah Paul an und sagte fröhlich: „Keine Bange, die tauchen bestimmt noch auf. Spätesten morgen früh sind sie da“ ergänzte Sie lachend. In diesem Augenblick bildete sich eine Gasse in der Menschenmenge vor dem Baum und man konnte deutlich an den EEH und MAAAAAN-Rufen erkennen, daß dies nicht ganz freiwillig geschah. Nun hörten Danny, Paul und Torsten eine Stimme heraus, die sie gut kannten. Mit „Bahn frei, Kartoffelbrei“ und „Lasst uns durch, wir sind Arzt“ bahnte sich Steffen drängelnd einen Weg durch die Menge, dicht gefolgt von Kahl, welcher wiederum seinen Kumpel von hinten den nötigen Schub gab.

„Eh Ihr Penner habt Ihr mal auf die Uhr geguckt, wisst Ihr überhaupt wie spät das ist? Mann, jedes Jahr dieselbe Scheiße, Alter eh.“ wetterte Paul.

„SelbeScheißeAlterEH?“ wiederholte Kahl grinsend. Und Steffen fragte trocken: „meins De seine Uhr oder meine. Ich hab meine vergessen und Karl`s Uhr ist stehn geblieben. außerdem ist bei der Bahn ein Reifen geplatzt. Wir mußten mit wechseln helfen und die Luft aufpumpen. Ich versteh nur nich, warum Du so sauer bist, wir sind doch pünktlich ne halbe Stunde zu spät, so wie immer.“ Paul setzte ein überbetontes Lächeln auf, welches deutlich zeigte, daß er „not amused“ war. „Meine Danny“, Kahl stand mit weit geöffneten Armen vor ihr und strahlte wie ein Honigkuchenpferd. „Öööh, MEINE Danny“, Steffen riß seinen Kumpel freundschaftlich herum und nun begann (wieder einmal) eine heftige Diskussion, um wessen Danny es sich diesmal handelt.

„Du hast fremd gefickt und bereits n Sohn.“ argumentierte Steffen so laut das alle Menschen in der Umgebung mithören konnten. „Na, und Du hast doch auch fremd gefickt.“ entgegnete Karl ebenso lautstark. „Jetzt geht DAS schon wieder los.“ Paul schüttelte nur den Kopf während er diese Worte (so wie jedes Jahr) deprimiert aussprach und sich setzte. „Na und? Bei mir ist das schon mindestens fünf Jahre her, Du treibst es ja immer noch mit Deiner Alten.“ brachte Steffen nun seinerseits ein weiteres „gutes“ Argument hervor.

Danny lächelte verschämt, während sie den Kopf senkte und die Hand halbherzig vor die Augen hielt und Paul schüttelte entnervt den Kopf. „Ihr seid voll Panne.“ Torstens sehr tiefe, betonungslose Stimme war deutlich zu hören. „Heeee Kalle unser Kleiner kann sprechen. Sag mal P A P A. Steffen lachte und umarmte Torsten der diese überschwengliche Begrüßung mit seiner beeindruckenden Regungslosigkeit würdigte. Danach noch ein Handgruß, mit Paul, der nach etwaigen Handschlägen, Griffen und gestikulösen Verrenkungen in einer Umarmung mündete. Kahl seinerseits hatte nun Danny bereits in eine Begrüßung verwickelt, bei der Ihre Beine in der Luft hingen und durch wilde Drehungen von ihm, hin und her geschleudert wurden. Von Ihr war nur noch ein frohes Lachen und Kreischen zu hören, während Sie weiterhin durch die Luft wirbelte.

„Nu is mal wieder gudd.“ Steffen hatte sich hinter Karl aufgebaut. „Laß mich och ma an die kleene Zerlatschte und wisch Dir den Sabber aus m Gesicht.“

Karl setzte Danny vorsichtig ab, fuhr sich mit einem großen Stofftaschentuch auffällig übers Gesicht und machte dabei Geräusche, die man sonst wohl nur von lüsternen alten Männern oder aus dem Tierreich kennt.

Steffen drückte Danny etwas gefühlvoller und hauchte Ihr zärtlich „MMH Du duftest heut wieder wie ein ganzes Blumenbeet“ ins Ohr und flüsterte noch etwas von einer aufgehenden Sonne. Sie spürte, daß Sie leicht errötete und knuffte Ihn zärtlich in die Seite. „Du alter Charmeur“ warf sie leise hinterher und lächelte verlegen.

„So, habt ihrs dann endlich.“ meinte Paul. „Ich hab Durst, Alter und kalt ist mir auch. Weil ihr beide zu spät hier wart, könnt Ihr auch gleich die ersten beiden Runden geben.“ Kahl und Steffen wagten keine Widerworte. Zwar ist Paul anderthalb Köpfe kleiner als die beiden, dennoch folgten sie seiner Aufforderung umgehend. Es lag wohl daran, daß sie sich wirklich etwas schuldig fühlten und keine Lust auf lange Diskussionen hatten. Fünf Minuten später standen sie an einem Tisch mit fünf heißen wohlriechenden Getränken. Paul schlürfte nun sehr zufrieden seinen Glühwein, obwohl Steffen ihm erst einen Kinderpunsch kredenzen wollte, was Paul natürlich nicht sehr witzig fand. Nach dem Ersten folgte ein Zweiter und jeder erzählte was er seit dem letzten Treffen so erlebt hat. Sichtlich gestärkt und aufgewärmt verließen sie ihren Stehtisch um sich nach einem Stand für „Kurzware“ umzuschauen.

Es dauerte auch nicht lange, bis sie fündig wurden. Steffen suchte eine Mütze und Danny brauchte noch ein paar dünne Handschuhe. Also standen sie vor dem Tresen und fingen beide an vorsichtig zu suchen. „Na was brauchen wir den?“ fragte die ältere, rundlich aussehende Verkäuferin freundlich. „Ein paar dünne Handschuhe, aber bischen warm sollten sie auch sein.“ antwortete Danny rasch. „Wir finden schon was. Sagen Sie mir einfach wie viel Sie ausgeben möchten und ich suche etwas heraus.“ sagte die Alte überbetont ruhig. „Am besten wenig bis gar nix.“ rief Paul von hinten hämisch.

Es doch immer wieder beeindruckend, wie wandlungsfähig ein Mensch sein kann. Einem Chamäleon gleich veränderte sich die Gesichtsfarbe der Verkäuferin von einem blas-weiß zu einem dunklen Rot, welches durchaus mit einer im Meer versinkenden Abendsonne hätte konkurrieren können. „Wenn ich Dich in die Finger kriege, Du Rotzlöffel.“ rief Sie zurück, während Sie einen Besenstiel bedrohlich und handverzierend über Ihrem Kopf schwang. Torsten, der nun neben der verärgerten Frau stand presste ein unbetontes, tiefes „Naa naa, gute Frau, wer wird denn gleich.“ hervor. Es viel ihm sichtlich schwer, da eins seiner Grundprinzipien lautete: Halte Dich aus allen Konflikten heraus, die nichts mit Dir zu tun haben.Indes besann sich die Verkäuferin eines besseren und sagte trotzig „Haut bloß ab.“

„Wenn ich mal ne Frau hab, die Streß macht, dann muß ich unbedingt Torsten anrufen. Der kriegt sogar nen wütenden Säbelzahntiger ruhig gestellt.“ Flüsterte Steffen, Karl ins Ohr. Karl grinste und sagte laut: „Richtig, WENN Du mal eine Frau hast.“

Sie gingen weiter und kamen zu einem anderen Stand für Schals, Mützen und Ähnlichem. „Benehmt Euch diesmal anständig, sonst muß ich Eure Mutti´s anrufen“ sagte Danny lächelnd. „Jaaa, Tante Danny“ war die einstimmige und ningeliche Antwort von Paul, Steffen und Karl. Es war diesmal ein junger Verkäufer, der natürlich sofort auf Danny ansprang und Sie in ein ausschweifendes Gespräch einwickelte. Danny brauchte nur wenige Minuten um ein paar schicke Handschuhe zu finden, der Verkäufer hingegen brauchte da schon länger, um etwas über Danny herauszufinden und redete nun auf Sie ein.

„Ich nehme diese Mütze“ fiel Steffen dem Verkäufer ins Wort, der irgendwas von schönen Augen erzählte. „Na süße Maus, hast de auch was erhascht?“ fragte Steffen, während er seinen Arm um Danny legte. „Na klar Hase, diese superdollen Handpantoffeln“ antwortete Sie, während Sie sich lächelnd an Steffen schmiegte. Der Verkäufer war nun weniger begeistert, was man ihm auch ansah, während er das Geld entgegen nahm und wechselte. „Danke“ flüsterte Danny, als Sie ein Stück vom Stand weg waren. „Der hat mir echt nen ganzen Glockenturm ans Knie gelabert.“ „Zumindest mit den Augen lag er nicht ganz verkehrt“ sagte Steffen schmunzelnd. Und während die Gruppe so weiterschlenderte und auswertete wie und ob man eine hübsche Frau anbaggert oder eben nicht, kamen sie zu einem Automaten.

Paul der dieses „Ungetüm“ als Erster erspähte rief laut: „Eeh Leute, wie geil ist das denn?“ „Keine Ahnung, wie geil issn das?“ fragte Torsten gleichmütig. „Ja , und vor allem, WAS ist das eigentlich?“ hakte nun wiederum Karl nach. Im oberen Drittel befand sich ein Display und schon nach kurzer Zeit entschieden die fünf, daß es sich um einen frei stehenden Fotoautomaten handeln müsse. Danny, Steffen und Paul lobten das Design und die Funktionalität des Geräts. Karl senkte inzwischen die Kamera per Tastendruck ganz nach unten, um sie, wie er meinte, auf Pauls Größe einzustellen. Alle fünf standen nun vor dem Automaten und auf dem Display waren nur noch die Beine zu sehen. Selbst bei Paul war gerade noch die Gürtellinie auf dem Bild als der Automat auslöste. Alle Fünf stellten sich nun vor den Touchscreen und mußten sich für das „Schönste“ der acht Fotos entscheiden. Bei einigen kämen Dannys Beine gut zur Geltung meinte Karl. Doch Steffen widersprach, man müsse auch auf Paul Rücksicht nehmen. Schließlich ist ja von ihm am meisten zu sehen. „Lieber klein und wendig, als dick und doof“ erwiderte Paul schlagfertig. Torsten fügte abschließend hinzu: “mach Dir nix drauss, Steffen, am Ende sind die Dummen immer die Blöden.“

Kahl und Danny hatten nun ein Bild erwählt und ein neues Fenster öffnete sich auf dem Bildschirm. Wiederum gab es acht verschiedene Möglichkeiten: Beine in der Mitte, vier Weihnachtsmarktfotos drumrum oder nur die Beine mit einer dünnen Fotoumrandung in Rot oder Silber und so weiter. Karl und Danny wählten von jeder Variante zwei bis drei Stück bis eine weibliche Stimme aus dem Automaten sie freundlich darauf hinwies, daß keine weiteren Bilder möglich seien. Indes stand im Display etwas von „Für weitere Bilder die + Taste betätigen“. Es half nix, das Maximum war erreicht. Die Zahlungsaufforderung zeigte 20 Bilder und 43 Euro an. Bei einem Automaten, der nur 50 Cent- , 1 und 2 Euromünzen annahm, sorgte allein diese Tatsache schon für jede Menge Erheiterung. Hinzu kam natürlich noch die Automatenstimme welche behaarlich darauf hinwies, daß die maximale Anzahl an Bildern bereits erreicht sei.

Sie gingen nun doch weiter und nach ein paar Metern drehte sich Paul um und machte die Gruppe abermals auf den Automaten aufmerksam, vor dem nun ein Familienvater stand, welcher angestrengt versuchte die vorangegangenen Einstellungen rückgängig zu machen. Keiner unserer fünf Freunde hatte eine „Remove“-, „Delete“- oder „Zurück“ -Taste entdecken können und so ließen sie die Einstellungen, wie sie waren: 20 Bilder für „nur“ 43 Euro. Ein zweiter Mann aus der Familie vor dem Automaten versuchte nun ebenfalls sein Glück. Doch so wie es schien, musste wenigstens ein Foto bezahlt werden, bevor diese Familie ein Andenken an IHREN Ausflug knipsen lassen konnte. Die beiden Herren bezahlten die 3,50 Euro für ein Bild und erhielten ein wundervolles, rot umrahmtes Foto von fünf paar (mehr oder weniger) schönen Beinen.

Inzwischen war es spät geworden, unsere Freunde waren zu einem der Glühweinstände zurückgekehrt, erzählten einiges von Kindern, Familie und Freunden, als die Verkäufer langsam begannen ihre Stände zu schließen. Es wurde ruhiger auf dem kleinen Marktplatz. Viele Besucher gingen (teilweise stark schwankend) gemütlich heim. Auch unsere Fünf machten sich auf den Weg, um die nächste Bahn zu erwischen. Sie standen nun an der Haltestelle und verabschiedeten sich nacheinander, den jeder mußte in eine andere Richtung.

Wenn Paule oder Karl von Ihren Frauen einmal gefragt wurden:

„Na? wie wars denn diesmal?“

Dann antworteten sie nur: „Ach weißt Du, eigentlich so wie immer, aber schön……“

Euer Kerodis