Kategorie: Kinder- & Jugendbuch

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan
So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan

Zwei Menschen im Schnee…

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag (Hanser Literaturverlage) von Elizabeth LaBan habe ich mir vor ein paar Wochen an einem Freitagabend gekauft. Ich bin durch die Jugendbuchregale gestöbert und meine Augen sind einfach am Cover und am Titel kleben geblieben. Lustkäufe sind immer gut und meist entpuppen sich diese immer als absolute Volltreffer. Als ich den Klappentext kurz überflog, war mir klar – kaufen, kaufen, kaufen, egal wie viele Bücher daheim warten. Das Buch brauchst du – so meine Gedanken.

Immer den Spuren im Schnee nach – den zwei Jugendlichen auf dem Cover hinterher. Das Tor steht offen, also los…

Mit Duncan bin ich durch den Torbogen hindurch. Duncan ist gerade in New York angekommen, genauer gesagt, in der Irving School. Er ist nun Abgänger und muss sich der Jahresarbeit stellen. Aber nicht nur diese beschäftigt ihn, sondern auch die Zimmerfrage, denn die letzten des Jahrgangs leben in einem Haus im Innenhof und bekommen ein Zimmer zugeteilt.

Als er sein Zimmer findet, ist es nicht sein Traumzimmer, aber er weiß, wer dort vor ihm gewohnt hat und er ist gespannt, was er ihm hinterlassen hat. Der Schatz entpuppt sich als CD Stapel. Klingt nicht berauschend, aber der Brief von Tim weckt Duncans Neugierde und es dauert nicht lange, bis er die erste CD abspielt…

„Duncan hatte Tim immer seltsam gefunden, und neben allem anderen hatte es auch Gerüchte gegeben, die sich um Tim und die hübsche Vanessa rankten. Die hatten sich zwar nie bestätigt, aber nach den dramatischen Ereignissen zu wilden Spekulationen Anlass gegeben.“ (Seite 48)

Ein offenes Tor…

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan
So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan

Spuren im Schnee…

Play…

Tim ist auf dem Weg zur High School, doch auf dem Flughafen ist vorläufiges Ende, denn das Schneechaos verhindert das Weiterfliegen. Während seine Mutter mit ihrem neuen Mann in Italien heimisch wird, sitzt er in der Wartehalle. Ein Mädchen gerät in sein Blickfeld. Vanessa. Tims Mutter bekommt ein Hotelzimmer organisiert und Vanessa verbringt mit ihm die Nacht dort. Doch Vanessa kennt Tims Reiseziel nicht. Tim kennt allerdings Vanessas Ziel und Tim kennt ihren Freund…

„Er hatte den Moment miterlebt, als die Dinge kippten, als aus etwas Schönem etwas Schreckliches wurde. … Er musste wissen, was zu jener schrecklichen Nacht geführt hatte.“ (Seite 54)

Stop…

Duncan stoppt die CD und ruft damit das Auftauchen hervor. Nein – nicht anhalten. Hey Duncan, mach die CD wieder an, los…

Gebannt lauschen wir gemeinsam mit Duncan, was Tim passiert. Er ist Albino und erzählt, was damals geschah. Duncan soll es wissen. Vanessa soll es wissen. Sie sollen beide alles wissen, vor allem seine Gedanken und Empfindungen. Nur er und sie sind im Besitz der CDs. Und wir – wir Leser.

Die Spannung steigt von Seite zu Seite und Autorin Elizabeth LaBan hält uns zwischen ihren Worten gefangen. Wie gern würden wir alle CDs komplett hören, denn wir hängen an Tims Lippen. Aber ganz richtig ist das auch nicht, denn im realen Leben, in Duncans Welt, ist es keinesfalls langweilig.

„Das Wort Tragweite brachte ihn dazu, alles kritisch zu betrachten.“ (Seite 189)

Elizabeth LaBan hat genau das richtige Gefühl, ihre Leser im Buch zu halten. Sie lässt uns Leser nicht kapitelweise hin und her springen. Sie gibt uns die lange Leine, damit wir jeweils tief tauchen können. Sie setzt uns neben Duncan und lässt uns völlig in Tims Leben abschweifen. Jede Unterbrechung von Tims Erzählung lässt uns aufschrecken und spannt in uns den Bogen der Neugierde.

Ein offenes Tor…

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan
So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan

Spuren im Schnee…

Was ist Tim damals passiert? Wie geht es Vanessa? Warum hat ausgerechnet Duncan die CDs?

Fragen, auf die es Antworten gibt. Antworten die uns erschüttern, die uns befriedigen und Antworten, die uns sprachlos machen, die in uns die pure Emotionalität wach küssen und noch viel mehr.

Mein inneres Buchgespür hat den Buchdeckel auf den Lesezeichenkopf getroffen. Der Lustkauf war ein Volltreffer, denn ich habe das Buch förmlich gefressen. Dieses Buch hat mir erneut gezeigt, wie tief Jugendliteratur ist. Genau diese Art Roman ist es, die mein Lesen bereichert.

LaBan hat zwei männliche Charaktere geschaffen, die mit ihrem Verhalten beeindrucken. Zum einen der Außenseiter Tim, der schwer verliebt ist und mit Vanessa ein merkwürdig besonderes Band der Verbundenheit aufrecht erhält. Zum anderen ist es Duncan, dem eine große Aufgabe bevor steht und in dem ganz langsam der Mut wächst, den Mut den er braucht, um etwas zu erreichen und zu bewältigen.

Ein Buch für Jungs – endlich. Aber auch ein Buch für Mädchen, völlig klar. Ein Buch für jeden, der bereits in Schulzeiten vor großen Aufgaben stand. Aufgaben die mit Gefühlen zu tun haben, Aufgaben, die mit Mut zu tun haben und Aufgaben, die nicht ganz ohne sind.

Ich mag es einfach sehr – es ist eine Einheit. Der Inhalt ist tief und doch ohne Kitsch. Die Handlung ist umfassend spannend und doch schlüssig und unvorhersehbar. Die Gestaltung und der Inhalt gehen Hand in Hand, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

So wüst und nah sah ich noch keinen Tag – wohl wahr, wohl wahr..

Eure
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Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth

Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey
Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey

„Das kleine, durchsichtige Tütchen hatte Julia Roberts mitgebracht. Es hatte auf der Innenseite der Pretty-Woman-DVD geklebt, die Lela von diesem Mondscheinbazar in Malicov mitgebracht und mir geschenkt hatte.“ (Seite 45)

Lela und Lisa – beste Freundinnen. Unzertrennlich. Beide eigenständige Charaktere, Jungs schwirren um sie herum und sie teilen all ihre Gedanken miteinander. Sie möchten nicht ohne sich sein, denn sie können sich so viel geben, was sie in ihren Elternhäusern nicht bekommen – jeden Falls nicht vollständig und konstant.

Und dann taucht die kleine Tüte auf. Crystal Meth? Beide sind angeekelt und haben sich schon mehrmals selbst mit dem Thema konfrontiert. Ob im TV oder der Vortrag über Drogen in der Schule – beide waren sich sicher, dass sie nie so enden wollen, wie die Personen die sich in den Klauen der Sucht befinden. Nicht Lela und Lisa. Nein.

Nur einmal probieren? Es wird schon kein Crystal Meth, kein Ice sein. Wieso sollte es auch? Lela und Lisa brechen ihre Prinzipien und wagen den Versuch. Sie werden high, fühlen sich frei und glücklich…

Einmal ist keinmal – oder wie sagt man so schön? Das Glück ist vorüber, die Wirkung lässt nach und Lela ist einsam und allein. Nur noch einmal, nur ein bisschen, nur noch etwas Glück…

Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey
Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey

Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth (Loewe) von Jana Frey öffnet Augen. Nein, die Autorin schreibt keinesfalls mit erhobenem Zeigefinger. Nein – Freys Protagonistinnen handeln frei und leben ihre Leben, wie es kommt.

Beide Mädchen kommen aus keinem heilen Elternhaus und haben, wie wohl jeder von uns, einen Lebensstempel, eine eigene Geschichte und mussten schon ein paar Hürden meistern. Ihre Leben leben sich so dahin und dann liegt plötzlich eine Tüte Abenteuer vor den beiden.

Jana Frey schreibt wahnsinnig real. So real, als würde man mitmachen, direkt dabei sein. Die Nähe erzeugt sie, in dem sie abwechselnd über Lela und Lisa schreibt. Man fühlt den Schmerz von Lisa, als sie ihre Freundin Lela entgleiten sieht. Man fühlt das Glück in Lela, als sie berauscht durchs Leben schwebt.

Eine Gefühlsmischung der Extraklasse – ein Gefühl was betäubt und berührt, ein Gefühl was anekelt und ernüchtert.

Die Kluft zwischen den beiden Freundinnen wird größer – Drogen verändern. Freundeskreise bilden sich neu, Randgruppen entstehen. Die Liebe stellt sich bei Lisa ein. Die Flucht vor dem Leben wird bei Lela akut.

„Hauptsache, nicht zu Hause. Hauptsache, sie hatte Spaß. Hauptsache, sie war mit den anderen zusammen.“ (Seite 136)

Liebe – Lebensabgrund – zwei Worte die mit L beginnen und doch völlig ungleich zueinander sind. Mich persönlich hat der knapp 180 Seiten umfassende Roman wahnsinnig bewegt. Ich habe nicht nur meine eigenen Gedanken gedreht und gewendet und immer wieder neu gedacht. Ich habe mich viel über das Thema mit Menschen unterhalten, die ihre eigenen Erfahrungen gemacht haben und durfte in einen Lebensspiegel gucken.

In mir knotet es sich heftig zusammen – ein sensibles und doch so wichtiges Thema.Jana Frey habe ich einige Fragen zu ihrem Buch stellen können, die mich beim Lesen umtrieben haben.

Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey
Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey

Lest selbst im literatwoischen Akrostichon, wie sie meine Fragen beantwortet hat.

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isa und Lela. Warum hast du weibliche Protagonisten gewählt?

Mein Verlag ist der Meinung, dass es sinnvoller ist, weibliche Protagonisten zu wählen, weil sich die weibliche Leserschaft dann intensiver und leichter angesprochen fühlt – und weil eben mehr Mädchen als Jungen zu Büchern greifen… Ich selbst schreibe sehr gerne auch aus männlicher Sicht (siehe beispielsweise „Die vergitterte Welt“ und „Liebeskinder“), aber schlussendlich hat da (leider) der Verlag das letzte Wort.

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n welchem Moment kam dir die Idee das Thema Drogen in einem Roman zu thematisieren?

Ich habe mich ja schon mehrfach mit dem Thema Drogen beschäftigt und verfolge mit Sorge die Entwicklung in Bezug auf harte Drogen wie Crystal Meth. Was in den 1980er Jahren sehr bewusst geworden war, ist erschreckenderweise längst wieder größtenteils aus dem Bewusstsein der Jugendlichen „raus“. Drogen betreffen heute eine viel größere Bandbreite von Jugendlichen, was nicht zuletzt seine Ursache in der sogenannten „Spaßgesellschaft“ hat, in der schlimme und gefährliche Dinge sehr leicht auf die leichte Schulter genommen werden.

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hema Droge – Welchen Stellenwert haben Drogen für dich in unserer heutigen Gesellschaft, im Jahr 2016?

Wenn ich an Schlagzeilen wie die von Volker Beck (Die Grünen) in der jüngsten Zeit denke, wird mir sehr beklommen zumute. Drogen scheinen sehr „gesellschaftsfähig“, „harmlos“ und allgegenwärtig geworden. Dem gilt es entschieden entgegenzutreten. Ballermann, sogenannte Saufspiele, Vorglühen, studentisches Prahlen von StudentInnen in Bezug auf durchgesoffene Nächte stimmen mehr als nachdenklich. Jugendlichsein scheint da oft sehr trostlos und krankmachend und sinnentleert.

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rfahrung. Hattest du selbst schon Erfahrungen mit diversen Drogen bzw. stecken im Werk biografische Auszüge aus deinem Leben?

Obwohl ich niemals geraucht oder im Jugendalter Alkohol konsumiert habe, habe ich damals doch hin und wieder einen Joint mitgeraucht. Allerdings kein Haschisch, sondern frisches (tabakloses) Marihuana in meiner Zeit mit 19 Jahren in San Francisco. Das war eine interessante Erfahrung, die aber schnell vorüberging. Danach habe ich mich nur noch aus der Ferne mit der Materie „Drogen“ beschäftigt. Dennoch habe ich im Umfeld meiner Kinder (Waldorfschule) teils sehr erschreckende Erfahrungen miterlebt, die mich nachhaltig beschäftigt haben. Bis heute. Nun habe ich wieder zwei – noch kleine – Kinder und das Problem „Drogen im Jugendalter“ steht erneut, wenn auch nur mittelbar, vor mir. Man muss sehr aufmerksam sein, sehr nah am Leben der eigenen Kinder und ihrer Freunde, und sich immer wieder ein Bild von dem zu machen, was passieren könnte. Es ist ein weites Feld: Computerspiele, Drogen, Alkohol…  Jugendlich sein ist eine schwere, herausfordernde Zeit.

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echerche. Wie sah dein Schreibtag aus? Wie und wo hast du recherchiert?

Ich schreibe konsequent die Vormittage durch, solange meine Zwillinge in der Schule sind. Sie sind Erstklässler. Auf Recherche begebe ich mich nachmittags. Für dieses Buch habe ich mit vielen, vielen betroffenen Jugendlichen gesprochen. In Mainz, in Berlin, Hamburg…

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n welche LeserInnen ist dein Buch adressiert?

Ich schreibe an alle LeserInnen 🙂 Es ist ein weites Feld. Ich glaube daran, dass Bücher immer für fast alle sind. Erwachsene, Jugendliche, Lesebegeisterte, Leseanfänger, Leselustige, Leseunlustige. In einem guten Buch sollte jeder etwas finden, dass ihn fesselt und dass ihm Denkanstöße gibt!

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extstelle. Welche Stelle im Buch hat für dich die größte Bedeutung und warum?

Oh, das kann ich so gar nicht beantworten. Das wäre heute die Stelle und morgen eine völlig andere. Das kommt immer darauf an, wo ich mit meinen Gedanken und Gefühlen gerade bin. Manchmal fesseln mich traurige, schwere Passagen, weil es Tage gibt, an denen mir diese Gefühle nah sind und nah gehen – an wieder anderen Tagen bin ich ganz woanders und favorisiere darum ganz andere Textstellen.

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arum Crystal Meth und nicht Heroin, Koks oder Ecstasy?

Ich habe ja schon mal ein Buch zum Thema „Drogen“ geschrieben: „Höhenflug abwärts“ – das ist schon viele Jahre her. Dieses Mal war es Crystal Meth, das mir nicht mehr aus dem Kopf ging: der Name, wie es hergestellt wird, wie erschreckend „erschwinglich“ es ist, wie es zerstört – und wie verbreitet es ist. Und wenn sich etwas einmal in meinem Kopf richtig festgesetzt hat, dann will es früher oder später raus! Zuerst trage ich es mit mir, dann wird es drängend, dann beginne ich mich damit zu beschäftigen, dann raubt es mir den Schlaf, dann fange ich an, nächtliche Notizen auf meinen Gedankenblock zu kritzeln – – – und dann wird ein Buch daraus! 🙂

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hne Drogenerfahrungen. Was rätst du Menschen die mit dem Gedanken spielen, Drogen zu nehmen?

Das ist schnell beantwortet: die Finger davon zu lassen! Ich bin ja ein ziemlicher Kopfmensch und Drogennehmen wäre vermutlich nie mein persönliches Prpblem. Aber dennoch: sogar bei einem Glas Sekt oder Wein denke ich! Ich denke: Oh, ich muss ja noch Auto fahren! Und dann lasse ich es. Oder ich denke: Oha, die Kinder sind noch nicht im Bett! Mehr als höchstens ein kleines Glas würde ich dann nicht trinken. Ich bin mir immer sehr bewusst, was ich tue. Und ich hoffe inständig, dass viele andere das eben auch sind!

F wie…Frey. Jana, magst du dir selbst eine Frage stellen, die dir zuvor nie zu diesem Werk gestallt wurde und auch gleich beantworten?

Okay! „Immer weiter Bücher schreiben?“

Hm, ich bin nicht sicher! Schreiben war immer mein absoluter Traum! Ich liebte es und habe inzwischen tatsächlich 100 Bücher geschrieben, die in viele, viele Sprachen übersetzt wurden.

Aber derzeit bin ich ziemlich desillusioniert. Jugendliche heute sind in vielerlei Weise so ganz anders als noch vor 10 oder 15 Jahren: Handys, Whatsapp, Facebook, Computer, Sendungen wie DSDS, Bauer sucht Frau und Dschungelcamp haben viel verändert. Es wird viel weniger gelesen, und wenn gelesen wird, sind da Bücher wie Twilight, Panem oder Shades of Grey.

Das ist meilenweit von dem entfernt, was ich mag. Diese Bücher, diese Schwerpunkte machen mich ratlos und verwirrt.

Wie wird es mit Büchern weitergehen? Die 1980er und 1990er Jahre – meine Lieblingszeit – scheinen weit, weit weg…

Vielen Dank, liebe Jana, für die Antworten, die Frage und dein Buch!

Eure
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Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance ~ Estelle Laure

Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance ~ Estelle Laure
Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance ~ Estelle Laure

Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance (FISCHER KJB) von Estelle Laure stahlt optisch und inhaltlich wahnsinnig bunte Facetten aus. Auch wenn der Titel im Grunde das ganze Cover für sich beansprucht, gibt es neben den Farben des Regenbogens einige kleine Symbole zu entdecken. Guckt ihr?

MarienkäferSchwalbeLuftballonsHufeisenRegenschirmMond und Sterne – erzählen eine eigene kleine Geschichte. Ihr wisst genau, welche Gefühle mit den Bildern verknüpft sind und könnt euch denken, dass es im Jugendbuch nicht nur Hochs, sondern auch Tiefs gibt. Das ist nun mal im Leben so – ob bei uns oder ob bei Estelle Laures Protagonisten. Das Glück und das Schicksal – beides gehört doch irgendwie zusammen, oder?

Lucille und ihre Schwester Wrenny sind allein. Nein, sie haben Freunde und Nachbarn und Klassenkameraden, aber keine Eltern um sich. Die Mutter ist verreist und kommt erst nach ihrer Auszeit wieder. Der Vater – er ist zwar da, kann aber nicht einfach vorbei kommen. Lucille und Wrenny sind allein.

„Vertrauen. Was heißt das überhaupt? Wenn du einem Menschen vertraust, drückst du ihm ein Messer in die Hand, das er dir in den Bauch rammen kann.“ (Seite 30)

Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance ~ Estelle Laure
Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance ~ Estelle Laure

Die Tage ohne Mutter vergehen, die zwei Schwestern kommen zurecht, aber dann kommt, was irgendwie kommen musste – die Mutter kommt nicht zurück. Lucille ist zwar schon länger selbstständig und fast volljährig, dennoch ist sie in der Blüte ihrer Jugend und möchte und sollte die Zeit eigentlich genießen und nicht in eine Mutterrolle schlüpfen. Warum nur…

Lucille bekommt Panik, das Geld geht den Geschwistern aus und keine Spur von der Mutter. Der Vorfall mit ihrem Vater hat ein großes Loch in die Familie gerissen und nun sitzen beide im Lebensschlamm fest, obwohl sie eigentlich mit dem Reiten von positiven Lebenswellen beschäftigt sein sollten. Es gibt keine andere Möglichkeit – Lucille braucht einen Job, ihre beste Freundin Eden muss dicht halten und sich in der Zeit um ihre Schwestern kümmern und Wrenny muss so tapfer wie möglich sein und trotz dem kurzfristigen Verlust beider Eltern ihre Hausaufgaben machen und sich in der Schule konzentrieren.

Das Leben beginnt sich wild zu drehen und wird immer schneller und bald drohen die Hände an der Stange des Lebens abzurutschen…

„Ich bilde mir ein, die Dinge, über die wir hier reden, sind sicher, die Worte tropfen aus unserem Mund in die Erde und wachsen in die Bäume, deren Laub unsere Geheimnisse behütet.“ (Seite 39)

Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance ~ Estelle Laure
Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance ~ Estelle Laure

„Leugnen ist für Versager. Stell dich deinen Dämonen und mach weiter. Sonst wirst du alt und depressiv und verwandelst dich in einen fremdgesteuerten Spießer und deine einzige Sorge im Leben ist, wann du deine Dose Limo gegen eine Dose Bier eintauschen kannst.“ (Seite 179)

Als ich in die Geschichte eintauchte, bin ich fast genauso schnell, wie ich drin war, wieder hinausgelaufen. Warum? Weil die ersten Zeilen, der Plott mich so sehr an Bienensterben von Lisa O´Donnell erinnerten. Zwei Mädchen, keine Eltern, alles muss geheim bleiben. Niemand darf merken, dass die Eltern weg sind. Aber in diesem Buch leben die Eltern, bei Bienensterben ist es anders. Ich blieb in der Geschichte. Ich nahm das Schicksal der zwei Mädchen an und wollte sie begleiten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, so heißt es doch so schön und der Titel beinhaltet nicht nur das Wort Schicksal, sondern auch das Glück. Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance – das ist so und das ist gut so.

In Estelle Laures Jugendbuch sind allerhand wunderschöne Zitate zu finden, wie ihr lesen könnt. Drei habe ich ausgewählt, um sie hier zu verankern. Worte die Kraft und Halt geben und Worte die einfach treffen, unbeschönigend offen und hart sind. Sprachlich frisch und jugendlich schreibt die Autorin und trifft damit auf jeden Fall den Nerv der Zeit.

Es gibt keine Kapitel, es gibt Tage. Es gibt keine Kapitel, es gibt Zeitpunkte. Es gibt keine Kapitel, es gibt Lebensmomente.

Taucht ein in das nicht wirklich bunte Leben von Lucille und Wrenny. Nehmt beide in den Arm und begleitet sie einen schweren Weg. Kein Weg ist nur dunkel – das Licht wartet immer irgendwo und erst Recht das Licht der Liebe. Klischee? Kitsch? Weit gefehlt – nicht in diesem Buch. Hier geht es um das Schicksal zweier Mädchen, die einen großen Rucksack tragen müssen und das Glück treffen. Meisterhaft erzählt und so lebensecht…

Happy End? Heile Welt? Lebensliebe? Tiefe Freundschaft?

Lest selbst – ihr werdet nicht enttäuscht sein. Ich habe lange über das Gelesene nachgedacht, mich in vielen Situationen wiederfühlen können und am Ende einfach gelächelt.

Das Leben ist bunt – lasst es uns leben, denn wir werden niemals allein sein. Klingt kitschig? Ist es aber nicht. So!

Eure
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Erebos ~ Ursula Poznanski

Erebos ~ Ursula Poznanski
Erebos ~ Ursula Poznanski

„Kommst du bitte essen?“
„Nein – jetzt nicht.“
„Es ist zwei Uhr nachts – gehst du jetzt bitte schlafen?“
„Nein – jetzt nicht.“

Ich bin gefangen – Erebos“ (Loewe Verlag) hat mich gefangen und hat mich in seinen Händen.

Mir geht es so, seit ich Nick kenne. Nick geht in die 9. Klasse und genau in dieser ist eine merkwürdige Stimmung. Heimlich wird eine DVD von Schüler zu Schüler gegeben, keiner sagt warum dies heimlich geschieht, keiner sagt was für ein Spiel sich auf dieser DVD befindet.
Alles geschieht stillschweigend und alle Schüler sind in sich gekehrt, sind in der Schule unkonzentriert und müde. Sie haben Augenringe, sind emotionaler als sonst und haben Geheimnisse.
Nick wird vorerst zur Randfigur, nicht mal sein bester Freund Colin redet noch normal mit ihm.
Doch dann, endlich. Von Brynne, einem hübschen Mädchen, bekommt Nick die DVD. Aber es gibt Bedingungen, die er erfüllen muss. Er darf diese niemandem zeigen und die DVD nur abspielen, wenn er alleine ist und er darf mit niemandem darüber reden.

EREBOS taucht in roten Buchstaben auf dem Bildschirm auf, danach wird er schwarz.

Ein Wald und eine Spielfigur sind als nächstes zu sehen, doch keine Karte wohin man laufen soll, keine Erklärungen, kein Spielziel. Erebos beginnt, Nick erkundet mit seiner noch vorerst namenlosen Spielfigur die Umgebung und macht die ersten Begegnungen. Der erste Kampf und das erste Aufeinandertreffen mit dem „Boten“ stehen an.
Nick ist gefangen im Spiel, er will mehr. Das nächste Level erreichen, den nächsten Auftrag erfüllen, doch genau dieser findet nicht vor dem PC statt, sondern mitten in London.

Der Bildschirm wird schwarz, bis Nick den Auftrag erledigt hat und erst dann geht das Spiel weiter. Wird der Auftrag nicht erfüllt, ist Erebos vorbei. Es gibt nur eine Chance und ist diese vertan, wird man gnadenlos vom Spiel ausgeschlossen.
Nick ist auf der Hut, er will keinen Fehler machen, beginnt immer tiefer in der reißenden Strömung des Spiels zu versinken. Ein Unfall in der Realität und auch eine Aufgabe die wohl zum Scheitern verurteilt ist, bringen ihn wieder etwas an die Oberfläche.

Doch kann er dem Sog widerstehen und Erebos entkommen?

„Mit jedem neuen Tag verliert meine Realität an Wert. Sie ist laut und ohne Ordnung, unvorhersehbar und mühevoll. Was kann sie denn, die Realität? Hungrig machen, durstig, unzufrieden. Sie verursacht Schmerzen, sie schlägt mit Krankheit um sich, sie gehorcht lächerlichen Gesetzen. Vor allem aber ist sie endlich. Immer führt sie zum Tod.“

Ich halte kein Buch in der Hand, sondern die Tastatur, ich lese nicht, sondern ich spiele.
Ich blättere keine Seiten um, sondern laufe in anderen Welten, ich zähle keine Kapitel, sondern blicke auf meine Spiellevel die ich erreiche.
In mir ist nicht mehr der gewohnte Lesedrang, sondern der Drang zu spielen, nächtelang, ohne Pause, ohne Ende in der Welt von Erebos.
Ich bin süchtig nach Erebos.

Ursula Poznanski schafft für den Leser eine eigene Welt, lässt vor dem Auge bildlich das PC-Spiel erscheinen und verpackt durch den Wechsel aus Realität und Spielgeschehen eine facettenreiche Geschichte mit einem unerwarteten Ende. Sie legt dem Leser Fährten, doch egal welcher man folgt, die richtige zeigt sich erst dann, wenn man nicht damit rechnet. Das große Finale vereint Realität und Spiel und entschlüsselt die Welt von Erebos auf einer großflächigen Ebene.

Bist du bereit für Erebos? Dann blick ihm ins Auge und passe bitte auf dich auf, denn Erebos spricht mit dir, es droht dir, es beobachtet dich, es prüft dich. Du hast nur diese eine Chance es zu spielen, also halte dich an die Regeln.

Schaffen. Erhalten. Zerstören.

EREBOS

Eure
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Layers ~ Ursula Poznanski

Layers ~ Ursula Poznanski
Layers ~ Ursula Poznanski

Layers(Loewe Verlag) von Ursula Poznanski kann ich euch nur empfehlen – ganz klar, da gibt es keine langen Überlegungen anzustellen.

Ich liebe Erebos, ich mag „Saeculum und nun hat mich auch Layers begeistert und überzeugt.

Egal welches Buch man von Ursula Poznanski anfasst, man bleibt darin hängen und kommt nicht wieder heraus, bevor man sich komplett durch die Seiten gelesen hat. Meistens ist es bei mir kein Lesen, sondern eher das Rennen durch die Seiten. Poznanski langsam lesen? Ein Ding der Unmöglichkeit. Aber sowas von. Auch bei diesem Buch ging es mir so. Im Auto auf der Fahrt von Harlesiel nach Dresden, hat mich Layers auf der Rückbank festgehalten. Schon nach den ersten Seiten bekundete ich, dass ich nicht mehr ansprechbar bin und ich bat darum, dass man mich nicht erschrecken möge, denn die Spannung breitete sich komplett in mir aus. Ich stand nach wenigen Seiten regelrecht unter Strom. Kennt ihr dieses Gefühl? Ihr seid mitten in der Geschichte drin und alles was passiert, passiert auch euch? Ihr müsst auf der Hut sein, auf euch Acht geben, dürft keine Fehler machen und ihr spürt, dass die Gefahr hinter jeder Ecke lauert?

An Dorians Seite wird es gleich zu Beginn spannend. Es sind nur wenige Minuten vergangen und schon widerfährt dem Ausreißer nichts Gutes. Er ist noch nicht richtig auf der Straße angekommen und doch macht er gleich die Bekanntschaft mit der Härte, die dort herrscht. Nicht nur der Untergrund seines Schlafplatzes ist hart, sondern auch die erste Begegnung mit einem Toten. Hat er den ihm erst seit kurzer Zeit bekannten Obdachlosen getötet? Dorian ist schlecht, als er sein Messer sieht. Er zweifelt an sich selbst und in ihm toben tausend Stürme.

Was soll er tun? Flüchten? Den Toten melden?

Dorian muss sich nicht entscheiden, denn ein Fremder taucht plötzlich neben ihm auf und will ihm helfen. Ihm? Dorian? Dem vielleicht Mörder? Dorian hat kaum Zeit zum Nachdenken, denn er ist schon auf dem Weg in eine Unterkunft, in der Jugendlichen wie ihm geholfen wird. Den Weg sieht er nicht, aber er ist dankbar, dem Toten und einer eventuellen Strafe entkommen zu sein. Wo ist er nun? Dorian merkt schnell, dass er sicher ist, aber kann er der Sicherheit auch trauen? Was muss er dafür tun, dass er hier in der alten Villa sein darf? Wer sind die anderen Jugendlichen – sind sie Verbrecher?

Layers ~ Ursula Poznanski

Nach und nach erfährt Dorian, dass er Aufgaben erfüllen muss. Eine Art Gegenleistung für das komfortable Obdach. Er wird abgesetzt, erfüllt seine Aufgabe, hält die Regeln ein und wird pünktlich wieder abgeholt. Ein faires Spiel. Doch lange geht es nicht gut, denn Dorian behält ein Päckchen, was er eigentlich abgeben sollte. Das Spiel dreht sich, denn Dorian konnte zwar nichts für den Zwischenfall, dennoch hat er die Regeln nicht eingehalten.

Die Jagd ist eröffnet, denn Dorian hat nicht nur ein wertvolles Gut in seinem Besitz, sondern auch eine Art Schlüssel zu einem geheimen Projekt. Feuer frei…

Ich renne, ich verstecke mich, ich bin bei Dorian und stehe ihm bei und begebe mich in größte Gefahr. Layers…

Ursula Poznanski hat mich innerhalb weniger Seiten in ihren Schreibbann gezogen und lässt mich kaum entkommen. Die Seiten fliegen nur so dahin, als ob ich in einem Formel 1 Auto sitze. Schneller und immer schneller muss ich lesen, denn ich will wissen, was als nächstes passiert, will wissen, wie es mit Dorian weiter geht. Können sie uns fangen? Schaffen wir es das Geheimnis an die Öffentlichkeit zu bringen? Doch was ist überhaupt das Geheimnis? Wer ist gut und wer ist böse? Wem kann vertraut werden und vor wem sollten wir uns dringend in Acht nehmen?

Wie bei all ihren Büchern kann ich nur sagenLESEN! Es gab minimale Stellen, an denen ich an der Plausiblität zweifelte, minimale Stellen an denen die Spannung kurz abebbte, aber wirklich nur minimal und wirklich nur kurz.

Und am Ende kommt die Frage auf: Konnte Ursula Poznanski ihr Werk Erebos mit ihrem Neuling namens Layers übertreffen?

Aus meiner Sicht: NEIN. Erebos ist und bleibt Poznanski-Spitzentitel. Aber das ist nur meine Sicht und soll nicht heißen, dass ich den Jugendthriller nicht empfehlen kann. Es bietet sich an, alle ihre Bücher zu haben und vor allem zu lesen. Uneingeschränkt. Ursula Poznanski ist einfach eine Meisterin der Worte und ich mag sie alle, aber ihr erstes Werk ist und bleibt wohl immer die Nr. eins des Leserherzens.

Eure
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Bruder Wolf ~ Carla Maia de Almeida

Bruder Wolf ~ Carla Maia de Almeida
Bruder Wolf ~ Carla Maia de Almeida

Bruder Wolf (Fischer Sauerländer) von Carla Maia de Almeida zog gleich meinen Blick auf sich. Ein illustriertes Jugendbuch. Kein Buch für Kinder, sondern für die Jugend und dennoch illustriert. Das gibt es nicht so häufig. Hinzu kam der Zweiworttitel und der erste Satz auf der Coverrückseite: „Der Sommer, in dem alles außer Kontrolle gerät.“

Ich machte mich gefasst, auf eine emotional-spannende und vor allem rasante Lesezeit. Knapp über 170 Seiten in angenehmer Schriftgröße lagen vor mir und ich wollte wissen, was in „Bruder Wolf“ vor sich geht und was in der Nacht am Stausee passiert ist.

Bevor die ersten Worte gelesen werden können, werden wir als Leser von einer Illustration in den Farben schwarz, blau und weiß in ein recht übersichtliches Wohnzimmer geführt. Details geben minimal Aufschluss darüber, was sich gleich abspielen wird.

Bevor ich euch mehr erzähle, lest einfach selbst, was uns auf der ersten Seite erwartet – Buchblättern.

Was sagt ihr? Seid ihr schon im Buch?

Mir ist der Einstieg schwer gefallen. Ich habe keine Ahnung warum, inzwischen schiebe ich es aber auf die Uhrzeit. Ich habe unter der Woche gegen 22 Uhr mit dem Lesen begonnen. Es sollte nur ein erster Eindruck werden. Die Namen machten mir Schwierigkeiten, dennoch las ich weiter. Ich las zu schnell und die Müdigkeit mischte sich zwischen die Zeilen. So lautet meine heutige Erklärung für mein Buchproblem. Trotz allen selbst gelegten Stolpersteinen und den immerwährenden Fragen im Hinterkopf – versteht ein 12-jähriges Kind, um was es geht? Interessiert sich ein Kind für den Inhalt des Buches? Welchem Kind, welchem Jugendlichen würdest du es ans Herz legen? – habe ich es beendet. Mein Gefühl: besonders.

Ich merkte, dass ich dieses Buch es mögen möchte. Ich spürte die Besonderheit, ich spürte die Tiefe und doch suchte ich Rat. Immer und immer wieder nahm ich es zur Hand, schaute mir die Illustrationen an, las einige Seiten erneut und schließlich das ganze Buch.

Bruder Wolf ~ Carla Maia de Almeida
Bruder Wolf ~ Carla Maia de Almeida

Richtig erklären kann ich mir nicht, wieso der Funke nicht komplett beim ersten Lesen übergesprungen ist. Es ist unüblich für mich, ein Buch zweimal hintereinander zu lesen. Vor allem dann, wenn ich nicht überzeugt bin. Ich wollte mich richtig überzeugen lassen. Wenn ein Buch so hartnäckig an mir bleibt und ich an ihm, dann musste ich es innerlich bereits lieben. Hab ich beim ersten Lesen zu erwachsen gelesen? Konnte ich mich nicht richtig in einen jungen Leser hinein versetzen? Scheinbar…

Als ich zum zweiten Mal Bolota – Krümel – traf, wusste ich gleich, dass wir uns von nun an sehr nah standen. Bolota ist acht Jahre jung und mit ihrem Vater unterwegs. Ihren Vater nennt sie Schwarzer Elch und sie sind eigentlich nicht unterwegs, sondern auf Expedition. So zumindest sagte es Schwarzer Elch mit tiefer Indianerhäuptlingsstimme zu ihr. Er bringt sie nicht in die neue-alte Wohnung zurück, denn er will mit ihr an den Ort, an den sie hingehören – in ihr Zuhause.

Bolota ist verwirrt, aber sie vertraut Schwarzer Elch. Sie lässt sich auf das Abenteuer ein, auch wenn sie sofort ihre Mutter, ihren älteren Bruder – das Fossil – und ihre recht merkwürdige Schwester – Miss Kitty – vermisst. Schwarzer Elch lügt nie, auch wenn er sich manchmal in den Mann aus Eis verwandelte.

Bolota vertraute, aber sie verstand nicht – nicht mit 8 Jahren. Heute ist Bolota 15 und die Nacht am Stausee ist 7 Jahre her…

Was passiert uns Lesern in diesem Buch? Nach dem ersten Lesen wusste ich, dass es nur einen Menschen gibt, der mir mein Lesen erklären kann, der das letzte emotionale Puzzleteil zwischen Buch und meinem Leseherz setzen kann. Ich schrieb also Arndt von Astrolibrium eine SMS in der ich ihn darum bat, das Buch zur Hand zu nehmen. Mir reichten ein paar Worte von ihm, ein erster Eindruck, er sollte nur die erste Seite lesen…

Wer wechselt schon gern in ein anderes Buch, wenn er tief in dem jetzigen steckt? Arndt konnte nicht, der emotionale Sprung wäre zu groß gewesen. Ich konnte ihn verstehen und doch habe ich nicht locker lassen können. Hartnäckig habe ich seine Absagen aufgegriffen und ihn förmlich ins Buch geschubst. Was dann passierte? Das kann nur er sagen und darum solltet ihr jetzt seinen „Buder Wolf“ kennenlernen. Ein Klick aufs Bild genügt.

Bruder Wolf ~ Carla Maia de Almeida
Bruder Wolf ~ Carla Maia de Almeida

Bruder Wolf und Bruder Wolf – ein Buch, zwei Leser – eine literarische Verbundenheit.

Aber MOMENT – das klingt ja alles schön und gut, aber was ist mit den ganzen Fragen vom Anfang des Artikels und wie lautet denn das Fazit?

Carla Maia de Almeida hat pure poetische Kraft in ihre Zeilen gesteckt. Ich habe gemerkt, wie erwachsen ich in diesem Buch gelesen habe. Anstatt kindlich zu fühlen, habe ich mich nicht hinein gleiten lassen, sondern bin eine Betrachterin von außen geblieben. Mein zweites Lesen hat alles verändert. Die bedrohlich und bedrückenden Illustrationen habe ich länger betrachtet und dabei meinen Blick geschärft. Gerade die Farben blau, schwarz und weiß sind so bezeichnend. Das Blau strahlt Ruhe aus und versucht auszugleichen, während die weißen Stellen das bedrohliche Schwarz versuchen zu kompensieren. Jedes Bild erzählt und ergänzt detailliert das Buch.

Die Autorin wird jeden Jugendlichen mit ihrer Erzählperspektive in Buchgefangenschaft nehmen. Sie schreibt sensibel und eindringlich und sorgt dafür, dass Bolota ihre Hand gleich zu Beginn ausstreckt und die Leserin, den Leser, in ihre Welt mitnimmt. In eine Welt in der erst noch alles gut ist und dann nach und nach zerbricht.

Auf den blauen Seiten erfahren wir mehr über ihre Familie und über deren Entwicklung und Erlebnisse. Auf den weißen Seiten befinden wir uns auf der Fahrt ins neue Leben – eine Reise aus Träumen und Schäumen – eine Reise, an deren Ende Bruder Wolf wartet…

12-jährige träumen gern, sie stehen an der Türschwelle ins große Leben mit eigenen Entscheidungen und beginnen die ersten Weichen zu stellen. Und doch wurden ebenso in den ersten Lebensjahren Weichen gestellt, die formen, verändern und prägen.

Eingefleischte Leser werden tief in dem Buch versinken und Welten öffnen können. „Bruder Wolf“ ist besonders, es ist anders und es möchte hinterher nicht zur Seite gelegt, sondern inhaltlich aufgegriffen und besprochen werden.

Eure
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VORSICHT: Das Labyrinth ist ohne Gnade – Rainer Wekwerth

Das Labyrinth ist ohne Gnade ~ Rainer Wekwerth
Das Labyrinth ist ohne Gnade ~ Rainer Wekwerth

Aaaaaahhhh – wir haben es geschafft, wir sind raus aus dem Labyrinth.

Auch beim letzten Artikel, zum letzten Band der Trilogie, beginne ich mit diesen Worten. Aaaaahhhh – ja, so dachte ich wieder. Nun bin ich allerdings nicht nur aus den Welten des Labyrinths heraus, sondern nun bin ich wieder in der Realität und kenne das Ende der Buchreihe.

Wieso eigentlich erst jetzt? Die Frage habe ich mir auch gestellt. Bereits zu Beginn des Jahres 2013 habe ich über Das Labyrinth erwacht geschrieben und im Oktober 2013 habt ihr Worte zum zweiten Teil Das Labyrinth jagt dich“ finden können. Was ist in den drei Jahren „Pause“ passiert? Ich kann es mir selbst kaum erklären, da ich den ersten, wie auch den zweiten Teil sehr spannend gefunden habe und große Vorfreude auf den dritten und letzten Band in mir trug. Und dann kamen immer wieder andere Bücher dazwischen, anders kann ich es mir nicht erklären.

Das Labyrinth ist ohne Gnade (Arena) von Rainer Wekwerth hat mich dann endlich so laut gerufen, dass ich nachgab. Was passierte? Ich war wieder in einer Welt und zwar nicht alleine, sondern mit drei übrigen Protagonisten. Jenna, Jeb und Mary – drei mir noch sehr vertraute Personen. Die Jagd ging nahtlos weiter und das Labyrinth ist ohne Gnade – so wie es der Titel sagt.

Zwei werden sterben. Es kann nur einen geben, der das letzte Portal erreicht. Das Portal ins reale Leben.

Mehr werde ich an dieser Stelle nicht über den Inhalt verlieren. Geht am besten gleich zurück auf Los, welches gleichzusetzen mit Teil 1 ist und lasst euch vom Labyrinth einnehmen. Seid dabei, wenn es erwacht…

Labyrinth - Trilogie ~ Rainer Wekwerth
Labyrinth – Trilogie ~ Rainer Wekwerth

„Du kannst es nicht ungeschehen machen, aber du kannst verhindern, dass es weitergeht.“ (Seite 186)

Uff. Ich habe es geschafft, ich bin dem Labyrinth lesend entkommen. Was für ein fesselnder dritter Teil. Rainer Wekwerth verlangt noch mal alles von den übrigen Charakteren und fesselt uns an die Seiten. Allerdings möchte ich nicht verheimlichen, dass es schon ein paar langatmige Stellen gab, aber ein dritter Band mag gefüllt werden. Dennoch hat das Ende dann richtig zugeschlagen und einiges enthüllt, was vielleicht noch nicht ganz klar war. Ein fulminanter Schlusstakt, so wie es sein muss. Ein unvorhersehbares Ende mit vielen vorhersehbaren Ereignissen. Eingefleischte Leser merken schon in Teil zwei, was das Labyrinth vorhat und wozu es geschaffen ist…

Wekwerth hat es wieder geschafft, mich zwischen den Seiten zu halten und einige Gefühlsbäder zu durchschwimmen. Trotz einigen Rätseln, vielen Spannungsbögen und einem recht rasanten Erzählstil, kommen die Emotionen nicht zu kurz. Die richtige Dosis ist gefunden, denn in einem Labyrinth gibt es auch Tiefe – Liebe, Schmerz, Verlust, Vertrauen, Hass und jede Menge Hoffnung.

„Nur wer sich seinen Ängsten stellt, wird heimkehren.“ (Seite 237)

Stellst du dich deiner Angst? Warst du schon im Labyrinth?

Eure

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Impressionen aus der Spiegelwelt

Reckless Spiegelwelt
Reckless Spiegelwelt

In drei Romanen der großartigen Autorin Cornelia Funke konnte man die Abenteuer der Gebrüder Reckless in der Spiegelwelt verfolgen.

Man erlebte, wie Will zu einem Goyl wurde, wie Jacob für Fuchs es sogar mit einer Baba Jaga aufnahm und überhaupt begegnete man allerlei Märchenfiguren, die jedoch irgendwie recht schonungslos und realistisch von der Autorin zum Leben erweckt worden sind.

Am Ende des dritten Bandes „Das goldene Garn“ ließ man die lieb gewonnenen Gestalten einigermaßen glücklich zurück. Einigermaßen, denn alles hat in der Spiegelwelt seinen Preis.

Und auch als Leser musste man mal wieder einen hohen Preis zahlen: man musste den erneuten Verlust der Spiegelwelt verkraften. Wie lange wird ein neuer Band auf sich warten lassen? Gibt es denn einen Nachfolger?

Reckless Spiegelwelt
Reckless Spiegelwelt

Dieses dunkle, schmerzhafte Leseloch wurde jedoch rasch von einem magischen Buch beseitigt, was eine erneute Reise in die Spiegelwelt ermöglichte: ein Kompendium der Spiegelwelt.

Allein die Aufmachung ist sagenhaft. In einem wunderschön gestalteten Schuber hat die Autorin selbst, wobei wohl auch Albert Chanute da seine Hände mit im Spiel gehabt haben muss, Wissenswertes über die Spiegelwelt gesammelt.

„Diese Schachtel macht das Reisen hinter den Spiegel hoffentlich etwas sicherer.“ So heißt es in dem Brief von Frau Funke an uns Spiegelwelt-Leser.

Und sie hält Wort, denn der Schuber ist vollgepackt bis oben hin mit liebevoll gestalteten Dingen. Ob nun Visitenkarten, gruselige Rezepte, Postkarten oder ein Lexikon. Das Spiegelwelt-Leserherz weiß vor lauter Details gar nicht, wo es anfangen zu schmökern soll.

Reckless Spiegelwelt
Reckless Spiegelwelt

„Es gibt in ihr Schätze, Kreaturen und Orte zu entdecken, von denen ich in meinen Büchern noch nicht berichten konnte.“

Oh ja, und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, es wird wieder schauerlich.

„…und neue Geschichten über vertraute Freunde und noch unbekannte Figuren.“

Ja, ein Wiedersehen mit Jacob, Fuchs und Chanute. Neue Facetten lernen wir kennen und die lieb gewonnenen Figuren werden dadurch noch vertrauter.

An alle Spiegelwelt-Leser: taucht unbedingt ein in dieses Sammelsurium der schauerlich-schönen Spiegelwelt. Das Warten auf den nächsten Band wird dadurch erheblich verkürzt, denn immer wieder kann man darin stöbern und Neues entdecken.

Euer Lesebienchenliteratwo_banner

Ein Sommer ohne uns ~ Sabine Both

Ein Sommer ohne uns ~ Sabine Both
Ein Sommer ohne uns ~ Sabine Both

Schon lange habe ich keinen Roman mehr an einem Tag gelesen. Fast komplett am Stück habe ich heute „Ein Sommer ohne uns (Loewe) von Sabine Both inhaliert. Okay – ich habe Urlaub, aber dennoch. Ein Buch muss fesseln, es muss bewegen und ja, die notwendige Lesezeit muss vorhanden sein, genau wie die Leseumgebung. Alles Lesezeichen standen auf grün und aus dem kurzen Anlesen, wurde ein Auslesen. Was für eine Wohltat.

Am Ende frage ich mich – welche Autorin hat mich denn so dermaßen an die Seiten gefesselt? Sabine Both ist Franziska Moll gemeinsam. Und wer ist Franziska Moll? Sie ist das Pseudonym von Both und im Juli 2015 habe ich über ihr Buch Egal wohin geschrieben. Damals sagte ich euch, dass ich keine richtige Empfehlung aussprechen kann, dass ich aber auch nicht richtig abraten kann.

Wenn man als Leser ein Buch komplett ausliest, dann ist es ein Zeichen, dass es grandios ist. Anderes kann ich bei diesem Roman hier nicht behaupten.

Schon die ersten Worte fesselten mich, einfach weil nicht nur Inhalt, sondern auch der Schreibstil überzeugten. Ich konnte nicht aufhören zu lesen und wollte wissen, was im Teil „Fünf Jahre zuvor“ passiert ist. Die zwei Hauptprotagonisten Verena und Tom sind nicht nur Nachbarn, sondern auch enge Freunde. Zu Verenas 13. Geburtstag verändern sich allerdings die Vorzeichen und aus Freundschaft wird mehr. Tom schenkt seiner Angebeten ein Kleid und er küsst sie zum ersten Mal. Die Eltern der beiden Pubertierenden freuen sich, denn sie finden, dass die zwei einfach gut zueinander passen. Zudem kennen sich die Familien schon mehrere Jahre und treffen sich regelmäßig, denn bei Nachbarn in einer Doppelhaushälfte bleibt dies nicht aus. Die zwei nähern sich immer mehr, die Liebe zwischen den Beiden springt auf den Leser über und es fühlt sich alles so gut an.

Im zweiten Teil „Jetzt“ ist klar, dass es eine Veränderung geben wird. Verena feiert ihren 18. Geburtstag und ihre Gedanken kreisen um die vergangenen 5 Jahre. Seit dieser Zeit ist sie ein Herz und eine Seele mit Tom. Beide haben wunderschöne Momente verbracht, viel erlebt und sie hat einen Ring von ihrem Liebsten bekommen. Sie liebt Tom, sie liebt Tom wirklich, aber…

Ein Sommer ohne uns ~ Sabine Both
Ein Sommer ohne uns ~ Sabine Both

„“Eines Tages willst du es wissen. Wie es mit jemand anderem ist. Und wenn du es nicht ausprobierst, wird du den Gedanken nie los. Und das macht deine Beziehung kaputt. Erst unbemerkt, dann immer deutlicher. Und am Ende hasst ihr euch.““ (Seite 98)

Will Verena wirklich lebenslang nur einen Mann „probiert“ haben? Diese Frage stellt sie sich und der Wunsch, einen anderen Mann zu berühren, wächst. Vor allem, wenn sie ihre Freundin sieht, die beschwingt durchs Leben zieht, da sich ihr Leben ändert und dreht wie ein Karussell. Bei Verena und Tom ist eine Art Alltag eingekehrt. Alltag ist nicht schlimm, denn Alltag zeigt, dass man sich blind versteht, vertraut und einfach weiß, dass der Partner da ist. Geborgenheit, ein relativ geregelter Ablauf, grobe Zukunftspläne – ein Leben in Zweisamkeit eben.

Nicht nur ihre Freundin tobt sich aus, allgemein knistert es in ihrem Umfeld überall. Ihr Zwillingsbruder Rollo hat schon wieder ein Mädchen von der Party abgeschleppt und einige Dinge sind im Haus nicht überhörbar. Isabell wirbelt aber nicht nur Rollos Leben auf, sondern auch Verenas Gedanken und Toms Blicke.

„Her mit dem wilden Leben.“ (Seite 142)

Verena will Tom nicht betrügen. Bisher hat sie alle Versuche von Jesse abgewehrt, aber ihre Abwehr wird schwächer und schwächer. Sie bittet Tom um eine Beziehungspause, um eine Art offene Beziehung in der sich niemand in jemand anderen verlieben, sich aber körperlich ausprobieren darf. Keine einfache Bitte, aber Tom willigt ein. Eine völlig neue Lebenssituation kommt auf das Langzeitpaar zu. Doch damit nicht genug, denn das Abitur steht vor der Tür und auch im Elternhaus trügt der Schein.

Ehe Verena sich versieht, sitzt auch sie im Lebenskarussell und alle vorgezeichneten Lebensspuren scheinen zu verschwimmen…

Einen richtig guten Jugendroman hat Autorin Sabine Both geschrieben. Ich bin total begeistert, denn Both thematisiert aus meiner Sicht sehr wichtige Themen – Beziehung, Treue und Auszeit von der Treue. Wie verhalten wir Menschen uns denn, wenn wir von Anfang an mit ein und demselben Partner zusammen sind? Beginnen wir nicht automatisch irgendwann nach rechts und links zu schauen? Kommen wir nicht alle im Leben, egal wie jung wir sind, mal an eine Weggabelung und stellen in Frage, ob wir noch Abwechslung haben, ob die Partnerschaft noch richtig ist oder ob es andere vielversprechendere Aussichten gibt? Dieses sensible und oft totgeschwiegene Thema wird hier in den Mittelpunkt gestellt.

Ein Sommer ohne uns ~ Sabine Both
Ein Sommer ohne uns ~ Sabine Both

Als Leser ist man hin- und hergerissen. Man fühlt mit Tom, fühlt mit Verena und doch schwimmt man auf Hoher See – auf der eine Seite tobt der sichere Hafen, auf der anderen Seite das wilde Abenteuermeer.

Sabine Boths lässt uns in die Liebeswelt zweier völlig authentischen Menschen blicken. Ihre Charaktere könnten nicht lebensechter sein. Als Leser ist es schwer eine Pause einzulegen, denn die Gefühle toben und eine konstante Spannung belebt die Neugierde.

Verena und Tom werden für uns regelrecht greifbar und wir wollen wissen, welche Entscheidungen die beiden treffen. Stellenweise hatte ich das Gefühl, neben den ihnen zu stehen. Ich habe versucht zu klären, zu helfen, zu schlichten und ich habe verschiedene Schritte in verschiedene Richtungen gewagt. Um den Inhalt noch mehr zu intensivieren, erzählt die Autorin abwechselnd von Verena und Tom. Dies wird anhand unterschiedlicher Schriftarten noch verdeutlicht.

Ich ordne „Ein Sommer ohne uns“ schon ganz vorn im Jugendbuchregal ein. Ein sehr starker Titel, den ich besonders jungen Heranwachsenden ans Herz lege, die sich schon länger in einer Beziehung befinden und sich stellenweise hinterfragen, ob sie den richtigen Weg gehen. Das Buch bestärkt und zeigt, was passieren kann, wenn das Abenteuer zu laut ruft.

Mit meiner Begeisterung könnte ich noch einige Seiten füllen, kein Wunder bei diesem Buch. Die Autorin findet das richtige Maß an Themen, überspitzt zu keiner Zeit, schreibt in einer jugendlich lockeren Sprache, die Situationen und Verhaltensweisen sind autenthisch, es gibt eine Vielzahl an Emotionen und vor allem ist die Ausgangssituation mal eine völlig andere. Es gibt ein festes Paar, was sich dem Leben, seinem Umfeld, aber vor allem sich selbst stellen muss.

„Ein Sommer ohne uns“ ist ein tiefgründiger und lockerleichter Jugendroman zugleich, der echter kaum sein könnte!

Eure
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Aklak, der kleine Eskimo: Das große Rennen um den Eisbärbuckel

Aklak, der kleine Eskimo: Das große Rennen um den Eisbärbuckel
Aklak, der kleine Eskimo: Das große Rennen um den Eisbärbuckel

Habt ihr immer auf eure Eltern bzw. eure Mama gehört, wenn sie zu euch gesagt hat: macht vorsichtig, passt auf euch auf, rennt nicht so schnell etc…? Ja, ne?

Aklak geht es auch so. Die warnenden Worte und die lieb gemeinten Ratschläge, ignoriert er. Er soll nicht auf den Eisschollen fahren und nicht so mit dem Schlitten rasen. Und was macht Aklak? Richtig…er hält sich nicht dran, wäre ja auch gelacht. Er lässt sich auf der Eisscholle vom Wal spazieren fahren und seine tierischen Freunde machen mit und er lässt sich von seinem Husky Tuktuk schnell mit dem Schlitten ziehen.

Dann passiert, was passieren musste, er wird von seinen Mitschülern entdeckt. Der kleine Eskimo wird von den drei halbstarken Eskimojungs zu einem Duell herausgefordert. Er muss mitmachen, sich dem großen Rennen um den Eisbärbuckel stellen, denn sonst wird er gnadenlos verpetzt und verliert seine wundervolle Peitsche. Die gehörte seinem Großvater und dem Großvater vom Großvater und so weiter.

Seine Freunde – das Schneehuhn, der Schneehase, die Robbe und der Wal – sind ganz zuversichtlich. Aklak wird es schaffen. Obwohl er nun schon genug Problem hat, kommt auch noch eine Mitschülerin zu ihm nach Hause. Ein Mädchen? Bei ihm?

Bald steht das große Rennen an – wird Aklak es schaffen oder verliert er seine geliebte Peitsche? Und wer ist das Mädchen?

Aklak, der kleine Eskimo: Das große Rennen um den Eisbärbuckel
Aklak, der kleine Eskimo: Das große Rennen um den Eisbärbuckel

Was für eine schöne Geschichte. Ich und Hörbucher – ja, dass ist schon so eine Sache, denn meist schlafe ich ein. Also habe ich das Hörbuch unterwegs im Auto gehört. Auf dem Weg von Usedom nach Dresden, haben wir uns über eine Stunde zu dem kleinen Aklak begeben und ihm gelauscht. Mein Mann und ich waren völlig hin und weg. Die Erzählstimme von Sigrid Burkholder ist einfach klasse. Wie sie mit ihrer Stimme spielt und Aklak und seinen Freunden eine eigene Stimme gibt, ist einfach spitze.

Durch die Untermalung mit Musik wird die so schon fabelhafte Geschichte noch mehr aufgewertet und zieht den Zuhörer richtig ins Geschehen. Das Anhalten am Rasthof fiel uns schon sehr schwer, denn das Hörbuch ist richtig spannend. Also mitten im großen Rennen kann auf keinen Fall gestoppt werden.

Das Werk von Anu Stohner und Henrike Wilson ist einfach richtig schön. Die Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt, Neid und die großen und kleinen Hürden des Lebens, ist nicht nur für die jungen Zuhörer geeignet. Gemeinsam Hören macht Spaß – denn hier steckt wirklich viel Abenteuer drin. Was haben wir gelacht und dem kleinen Aklak die Daumen gedrückt.

Ihr habt die Chance das Hörbuch Aklak, der kleine Eskimo. Das große Rennen um den Eisbärbuckel (cbj Audio) zu gewinnen. Was ihr tun müsst? Verratet mal bis zum 19.12.2015 ein wenig Blödsinn aus eurer Kindheit. 🙂

Update: Was habe ich mich köstlich über eure Antworten amüsiert. Herrlich. Ihr wart ja immer alle brav – wenn das der Weihnachtsmann liest *g* Gewonnen Cindy. Glückwunsch!

Eure

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