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Kategorie: Binea – Artikel

Ich war im Haus am Leinsee

Leinsee ~ Anne Reinecke

Wie singt Peter Fox so schön über das Haus am See? Meint er das Haus am Leinsee? Mal raus und ab zum Leinsee, dachte ich mir. Zusammen mit Karl Sund, dem Hauptprotagonisten von Anne Reinecke. Wir sind fast gleiches Alter, er kommt sympathisch rüber und ihm geht es finanziell überhaupt nicht schlecht. Er ist Künstler und ich belächele ihn ein wenig, da ich selbst mit Vakuumplastiken nicht wirklich etwas anfangen kann. Wie siehst du das? Bist du selbst mit künstlerischen Genen ausgestattet?

Unser Ausflug steht allerdings nicht wirklich unter einem guten Stern und vorerst soll es auch wenig Erholung am Leinsee geben. Raus aus der Hauptstadt, weg von der Freundin und rein in die traurige Welt. So richtig schlimm fühlt sich für Karl nicht an, was mir allerdings komplett die Beine wegziehen würde. Sein Vater August hat sich erhangen. Er hat nicht verkraften können, dass seine geliebte Ehefrau Ada an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt ist und dabei ist sie noch nicht einmal tot.

Erhangen – Schluss – Aus. Ada lebt allerdings weiter und Karl muss nun die Rolle von seinem Vater einnehmen und da sein. Er muss da sein, obwohl seine Eltern nicht wirklich für ihn da waren. Sie waren lebenslang ein Team und durch und durch gefangen in ihrer Künstlerwelt. Das Ehepaar brauchte nur ihre Ruhe, keine Freunde, keinen Sohn, einfach nur sich und das im Haus am Leinsee.

„Sie waren Ada und August, August und Ada, und das war größer als alles andere. Sie wollten voneinander lernen und miteinander arbeiten.“ (Seite 53)

Haus am Leinsee

Karl wollte nicht lange im Elternhaus bleiben, sondern zurück zu Freundin Mara nach Berlin. Seine Mutter hat allerdings andere Pläne – sie lebt einfach weiter, obwohl sie doch sterben sollte. Und nun? Karl nähert sich seiner Mutter, wie er sich ihr nicht nähern dürfte. Sie denkt, dass er ihr geliebter August ist. Karl lässt geschehen, was geschieht und noch eine Begegnung verändert ihn. Tanja schleicht wie eine verspielte Katze in sein Leben. Leichtfüßig, ohne viele Worte – das achtjährige Nachbarskind erobert sein Herz und Freundin Mara setzt ihm die Pistole auf die Brust.

Sein Ausflug an den Leinsee sollte ganz anders aussehen, doch als ihre Geduld sich dem Ende neigt, passiert es…

Leinsee ~ Anne Reinecke

„…war es eindeutig so, dass sie ihn küsste. Nicht sie küssten einander, nicht er küsste sie, sie küsste ihn. Und er ließ sich küssen und hielt die Hände im Schoß gefaltet.“ (Seite 149)

Was für ein lebendiger Roman (Diogenes Verlag). Ich muss sagen, dass ich das Haus am Leinsee regelrecht vor mir stehen sah. Anne Reinecke hat mich tief zwischen die Seiten geführt und mit ihren Worten lebendige Bilder gemalt. Ganz zart beginnt die Reise zum Leinsee. Harte Fakten und Geschehnisse erschlagen uns nicht, sondern schleichen eher heran. Ja, Reineckes besonderer Ton macht hier die Wörtermusik und lässt uns manche Stellen doppelt lesen, um wirklich glauben zu können. Es gibt so markante Ereignisse, die wir erst verinnerlichen müssen. Sieht der Roman äußerlich unschuldig aus, lässt er im Inneren das Gegenteil an die Oberfläche.

Bewegend und bunt

Anne Reinecke versteht ihr Handwerk und bedient sich einem farbenfrohen Kunstgriff. Jedes Kapitel hat eine eigene Farbe und ebendieser Farbton, dieser Anstrich, bringt zusätzliche Lebendigkeit. Ein locker und leichtes Lesevergnügen, was ihre melodisch-humorvollen Worte betrifft. Bitter und zart sind allerdings die Themen die sie anspricht. Menschlich sind die Charaktere, die unser Herz erobern und denen wir nicht böse sein können. Ein künstlerischer Roman mit künstlerischen, keinesfalls aber künstlichen Protagonisten, die in unser Leserleben Farbe bringen und uns aufhorchen lassen, auch ohne besondere Kunstkenntnisse zu besitzen. Verstörend und wahrlich schön zugleich.

Ein Regenbogen aus Worten der uns gefangen nimmt und am Ende facettenreich über dem Haus am Leinsee schillert. Bewegend und bunt!

Eure
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Der Letzte im Dresdner Bombenhagel

Der Letzte von uns ~ Adelaide De Clermont-Tonnerre

Als ich gelesen habe, das im Roman „Der Letzte von uns“ (Aufbau) Dresden eine Rolle spielt, wollte ich ihn natürlich lesen. Ich habe einen Hang zu diesen Romanen, da sich das Lesen natürlich noch intensiver anfühlt, wenn man sich in der Stadt wiederfindet, in der man auch lebt.

Bomben fallen vom Himmel, als ich im Roman in Dresden, im Jahr 1945, ankomme. Es brennt überall, die Menschen sind auf der Flucht, die Angst liegt in der Luft und Luisa ist schwer verletzt. Doch nicht nur das, sie ist auch noch schwanger und ihr Sohn schafft es kurz vor ihrem Tod auf die Welt. Ein Säugling namens Werner, mitten im Krieg, ohne Mutter, ohne Vater – er ist der Letzte…

Während in Dresden die Menschen bangen und auf Frieden hoffen, jagt der junge Wern(er) in Manhattan im Jahr 1969, jedem jungen Rock hinterher. Er liebt die Frauen, er ist charmant und er ist ein aufstrebender Unternehmer, der die Freiheit und sein Leben genießt. Als ihm allerdings die junge Rebecca über den Weg läuft, steht sein Herz in Flammen. Ein Katz- und Mausspiel beginnt, bei dem sich Wern mächtig ins Zeug legt. Die zwei scheinen füreinander geschaffen, bis zu dem Tag, als Wern seine zukünftigen Schwiegereltern kennenlernt. Ein Zwischenfall mit Rebeccas Mutter, eine merkwürdig kalte Begegnung mit ihrem Vater und die Krönung des Treffens – Rebecca ist weg, die Familie scheint untergetaucht und Wern ist alleine und verzweifelt – er ist der Letzte…

Dresden ~ Manhattan

Während in Manhattan die Luft nach Liebe riecht, atmen wir in Dresden Asche ein. Autorin Adelaide De Clermont-Tonnerre lässt uns zu Beginn zwischen diesen zwei Orten große Zeitsprünge vollführen und löst damit nach und nach auf, wie aus dem Säugling ein wohlhabender Mann wird. Und dann bleiben wir vorerst in Amerika, denn Wern muss sich nicht nur seiner Vergangenheit stellen…

Der Letzte von uns ~ Adelaide De Clermont-Tonnerre

Der Roman ist auf jeden Fall spannend, wie du merkst, aber natürlich auch emotional und der Unterhaltungsfaktor ist sehr groß. Dadurch sind die über 450, recht großzügig bedruckten, Seiten schnell weggelesen. Dennoch muss ich sagen, dass ich das Buch fast abgebrochen hätte. Die französische Autorin schafft es nicht, dauerhaft zu fesseln und zu überzeugen, obwohl die Neugierde entfacht ist und es an Spannungsbögen nicht mangelt. Einige Passagen sind selbst mir zu unrund gewesen, die Charaktere vor allem wegen des Themas stellenweise zu sprunghaft, irgendwie flattrig und darum auch nicht immer glaubwürdig. Die Hauptprotagonisten Wern(er) und Rebecca sind mindestens so liebenswert wie anstrengend und ich hätte ab und an beiden gern mal was erzählt. 😉

ABER – ich möchte dich keinesfalls davon abbringen den Roman zu lesen. Das muss ich hier an dieser Stelle hervorheben, denn die Autorin unterhält wunderbar trotz des nicht einfachen Themas und ich bin regelrecht durch die Seiten gerast. Die Sprache ist einfach und doch spüren wir sofort, ob wir uns im Jahr 1945 oder im Jahr 1972 befinden. Die Charaktere sind beide nicht einfach, wie bereits angedeutet, aber genau aus diesem Grund auch irgendwie herausragend und natürlich gibt es Randpersonen die sich ins Herz schleichen. Wichtige Literatur mit einem wichtigen Thema und mit doch hohem Unterhaltungsfaktor.

Perfekter Einstiegsroman

Eine große Empfehlung für alle Leser die sich aufgrund der Schwere oder der Komplexität oder der Grausamkeit nicht immer trauen, Literatur zu lesen, die sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Der perfekte Einstiegsroman mit viel Spannung und Gefühl!

„…im Nachhinein ist es meist leicht, den richtigen Weg zu erkennen, doch entscheiden muss man mitten im Geschehen.“ (Seite 374)

Ich selbst bin froh, diesen Roman gelesen und nicht abgebrochen zu haben. Er unterhält hervorragend trotz des sensiblen Themas, eine Kombination für die nicht jeder Autor das nötige Fingerspitzengefühl mitbringt.

Wenn du thematisch anspruchsvoller, emotionaler und vor allem viel komplexer lesen möchtest, solltest du dir unbedingt die zwei Romane „Die Nachtigall“ von Kristin Hannah und „Die uns lieben“ von Jenna Blum ansehen. Ich muss diese zwei Titel immer und immer wieder erwähnen, es bleiben eben unübertreffbare Highlights.

Eure
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Was hat Hilde mit Ildikó von Kürthy zu tun?

Hilde: Mein neues Leben als Frauchen. Sehnsucht an der Leine, Irrsinn auf der Hundewiese und spätes Glück mit Gassibeutel ~ Ildikó von Kürthy

Hilde? Ildikó von Kürthy? Moment mal, ist das nicht die Autorin, deren Liebesromane ich früher gelesen habe? Ganz richtig – ich sag nur „Mondscheintarif„, „Herzsprung“ oder „Freizeichen“. Jetzt ist die Autorin auf den Hund gekommen. Hast du eigentlich einen Hund? Ich zwar (noch) nicht, aber trotzdem kann und muss ich euch „Hilde“ vorstellen, auch wenn ich das Buch nicht komplett gelesen habe. Warum ich es euch dennoch vorstelle? Das hat einen ganz besonderen regionalen Grund!

Bevor ich euch also erzähle, womit uns die Autorin auf über 315 Seiten erfreut, erwähne ich Illustratorin Nicole Iwanov. Sie wohnt zwar inzwischen in Hamburg, kommt aber aus dem Osten, aus dem schönen Tharandt, um genau zu sein. Tharandt? Ganz genau – da befindet sich meine Herzensbuchhandlung Findus und genau das ist die Verbindung, auf die ich hinaus will. Inhaberin Annaluise Erler verkauft „Hilde“ (rowohlt) mit noch viel mehr Freude, denn sie kennt die Familie Iwanov und ist mächtig stolz auf den Erfolg von Nicole Iwanov. Zurecht, denn die Illustrationen sind grandios.

Wahnsinn – schaut euch mal die nachfolgenden Bilder an. Eine starke Mischung – sehr lebendig, künstlerisch und mindestens so turbulent bunt wie die Worte von Frau von Kürthy. Sogar ein ganzes Schaufenster der Buchhandlung wurde mit den Büchern und Plakaten von „Hilde“ gestaltet. Das ist doch mal ein Statement und wenn ihr mehr über die Illustratorin wissen möchtet, schaut doch auf ihrer Homepage vorbei.

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Ich verspreche dir richtig viel Spaß mit diesem Buch. Als Hundebesitzer wird man wohl genauso viel lachen können, wie ein noch hundeloser Leser. „Hilde“ ist einfach köstlich und wenn du schon auf Buchebene mit Autorin Ildikó von Kürthy Kontakt hattest, kennst du ihre federleichte Schreibweise und ihren herrlichen Humor.

Hilde

Grandios beschreibt sie ihre ersten Erfahrungen mit Hilde und sie ändert bewusst den Ton, wenn die Themen den nötigen Ernst benötigen. Von Oktober bis August begleiten wir die zwei und erfreuen uns an allerhand Abenteuern. In Tagebuchform gibt die Autorin die besten Geschichten wieder und um das Buch noch lebendiger zu machen, finden wir neben den bereits erwähnten Illustrationen noch Angaben über den jeweiligen Ort, den Gemütszustand, die Begleitung, den Dresscode und die Stimmung. Ein passendes Lesebändchen findest du natürlich auch zwischen den Seiten. Stylisch!

Klick dich doch gleich mal in das Interview rein – es lohnt sich:

Herrlich, was? Ich konnte mich gar nicht satt sehen und habe mich genauso sehr amüsiert, wie beim Lesen. Mag ich noch einen Hund haben? Das frage ich mich doch glatt nach diesem Buch. 😉 Frauchen sein hat aber vorwiegend positive Seiten und Hunde bringen so viel Freude. Als Hundehalter findest du dich auf jeden Fall zwischen den Seiten wieder. Bestimmte Dinge passieren eben mit jedem Hund, auch wenn er nicht Hilde heißt. Stimmts?

Doch Ildikó von Kürthys Roman eignet sich auch hervorragend zum Verschenken – für Hundehalter genauso wie für Menschen die mit dem Gedanken spielen, sich einen Hund anzuschaffen. Ein wirklich hervorragendes Sachbuch. Auch Tanja vom Blog nichtohnebuch ist begeistert und kann so einige eigene Erfahrungen beitragen. Lest selbst. 😉

…und nun muss ich Gassi gehen.

P.S. ein dickes Danke an den Verlag für die Leckerlies im Hilde-Style 🙂

Eure
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Wasser für die Elefanten ~ Sara Gruen

Wasser für die Elefanten ~ Sara Gruen

Beim Stöbern in meinem eigenen Bücherregal bin ich gerade dem Roman „Wasser für Elefanten“ von Sara Gruen begegnet. Das Buch habe ich 2011 im Bertelsmann Club gekauft und sofort gelesen. Heute ist es bei Dumont erhältlich. Vorgestellt habe ich es bisher nur auf Lovelybooks und heute möchte ich meine Worte hier auf Literatwo holen. Es tut immer gut, einen Blick zurück zu werfen und nicht nur die aktuelle Literatur, sondern auch einen älteren Schatz zu empfehlen.

Ich gehe nicht wirklich oft ins Kino, bin kein Filmegucker. Aber – den Film möchte und werde ich im Kino schauen. Ich möchte Jacob Jankowski auf der Leinwand sehen – den 93-jährigen Jacob, wie er im Altersheim seine letzten Lebenstage verlebt, und ich möchte den 23-jährigen Jacob sehen, wie er im Zirkus lebt. Ins Kino habe ich es tatsächlich nicht geschafft, wie ich heute feststelle und doch ist der Film noch auf meiner Liste der Filme, die ich unbedingt sehen mag.

70 lange Lebensjahre liegen zwischen 23 und 93. 70 lange Lebensjahre, in denen er, Jacob, so viel gesehen und so viel erlebt hat. Doch erzählt hat er davon nie. Niemandem. Dann kommt der besondere Tag, an dem er die Zirkusluft riecht und diese löst in ihm Gefühle aus, die sein Leben bedeuten.

Eigentlich wollte er Tierarzt werden, er stand kurz vor seinem Abschluss, das Examen ganz nah. Dann sollte er mit seinem Vater Hand in Hand arbeiten, mit ihm Tiere in seiner Praxis behandeln. Doch dann kommt alles anders, ein schwerer Unfall nimmt beiden Eltern das Leben, die Praxis ist überschuldet. Jacob ist alleine, ganz alleine und sein weiteres Leben scheint aussichtslos zu sein. Er verkraftet den Tod seiner Eltern nicht, kann nicht einfach weiter machen. Das Studium bricht er ab, schafft den Weg ins normale Leben nicht. Nachts bricht er auf in Richtung Eisenbahngleise…

Als der Zug kommt, wirft er sich nicht davor, sondern springt auf. Er schafft es mithilfe der Menschen, die im Waggon leben in den Zirkuswaggon. Das Zirkusvolk von „Benzinis Spektakulärster Show der Welt“ ist sehr eigen. Er wird vorerst mit zur nächsten Stadt genommen und ob er bleiben darf, ist ungewiss. Jacob schafft es aber die ersten Tage zu überstehen, denn Arbeit gibt es genügend und wenn er diese verrichtet, wird er auch einen Platz zum Schlafen bekommen. Das anstrengende Zirkusleben wird für Jacob kein Problem und er fügt sich ein. An die Tiere hat er gleich sein Herz verloren, er kümmert sich, und auch mit Walter und seinem Hund Queenie hat er nach Anfangsschwierigkeiten, eine Freundschaft geschlossen. Dass er keinen Abschluss als Arzt hat ist für Al kein Problem, er ist stolz einen Tierarzt zu haben, denn welcher andere Zirkus kann schon einen vorweisen?

Wasser für die Elefanten ~ Sara Gruen

Jeder Tag ist turbulent und als er Marlene sieht, weiß er, es wird gefährlich, aber er ist am richtigen Platz. Sein Herz schlägt für sie, aber die Frau zu bekommen, würde den Untergang für ihn bedeuten. Doch dann tritt noch eine Frau in sein Leben. Die Elefantendame Rosie, die nicht mal ein Elefantenkutscher bewegen kann. Jacob kommt hinter ihr Geheimnis und als Rosie eine bühnenreife Zirkusnummer gelernt hat, wird der Zirkus, den Al leitet, berühmter. Endlich scheint etwas Geld in die Zirkuskasse zu kommen und alle führen vielleicht bald ein besseres Leben. Doch dann passiert etwas Unvorhersehbares, nicht nur Jacobs Leben gerät aus den Fugen, der ganze Zirkus scheint verrückt zu spielen…

Mitten im Zirkusleben

Von Anfang an habe ich mich mitten im Zirkusleben gefühlt, mich sofort in Jacob versetzen können. Eigentlich war sein Lebensplan ausgeschmückt, er musste ihn nur leben. Aber er wählt den Abstieg ins Zirkusleben, ohne festes Gehalt, ohne festen Zukunftsplan, dafür mit viel Herzblut. Die Tiere, die Menschen, ein großes Gewimmel und das täglich. Im Zirkus scheint nicht täglich die Sonne, bei Onkel Al im Zirkus herrschen harte Regeln und es herrscht eine Rangordnung. Rivalität wie Liebe, schöne Momente, aber auch Unfälle zeichnen Jacobs neues Leben. Emotionen und Gefühle kommen trotz der nicht immer würdigen Lebensbedingungen nicht zu kurz.

Eine im wahrsten Sinne zirkusreife Lebensgeschichte, bei der ich am Ende tief ein- und ausatmen musste.

Meine eigene Leinwand ist bebildert und hat bereits einen farbenreichen Anstrich. Der Film wird mir hoffentlich weitere schöne Bilder zum Buch geben und mich noch einmal in den Bann des Zirkus ziehen und mich am Ende sagen lassen: The Show must go on.

Du hast Zirkusluft geschnuppert und suchst eine weitere Empfehlung? Dann komm mit in den Zirkus der Stille

Eure
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Nur drei Worte ~ Becky Albertalli

Nur drei Worte ~ Becky Albertalli

Ich liebe Oreos! Nein, das sind nicht die drei Worte, die der Buchtitel meint. Allerdings könnte man das vermuten, wenn man die leckeren kleinen schwarzen Kekse mit der weißen Crémefüllung auf dem Bild sieht. Ich sage dir, die waren sehr lecker. Doch das spielt hier alles keine Rolle, denn Fakt ist: DU BRAUCHST DAS BUCH! Ich liebe es! Auch wenn das ebenfalls nicht die drei Worte sind, die der Buchtitel meint. Soll ich sie dir verraten? Wirklich?

ICH BIN SCHWUL!

Ja, so ist es – Hauptprotagonist Simon Spier ist schwul und bis jetzt weiß es nur einer und das ist der größte Mist, der überhaupt passieren hätte können. Martin hat entdeckt, dass Simon mit Blue Emails schreibt. Natürlich keine normalen Emails, sondern sie flirten miteinander. Besser hätte es für Martin nicht laufen können, denn er hat nun die Möglichkeit Simon zu erpressen, denn natürlich will dieser auf keinen Fall zum Gerede der Schule werden in dem ein anderer bekannt gibt, dass er schwul ist.

Seine Forderung ist total unmöglich, denn er will mit Abby zusammen kommen. Gefühle kann man nicht erzwingen und Simon ist nun in der totalen Zwickmühle. Seine beste Freundin Abby mit Martin verkuppeln – keine einfach Aufgabe und dazu noch total unfair. Abby müsste sowieso zuerst erfahren, dass ihr bester Freund in einen geheimnisvollen Jungen namens Blue aus dem Internet verliebt ist…

„Denn wen man mag, lässt sich nicht erzwingen oder herbeireden oder manipulieren.“ (Seite 263)

Was jetzt noch total unromantisch und meinetwegen auch nicht nach einer total neuen Story klingt, hat mein Herz total überquellen lassen. Der Roman von Becky Albertalli hat zu Recht Auszeichnungen bekommen, denn so herzerfrischend und unverkitscht ist selten ein Jugendroman. Das der Schreibstil total erfrischend und authentisch und das Buch obendrauf noch verdammt spannend ist, kommt noch dazu.

Unverkitschte Liebe

Ich weiß gar nicht, wo ich mit dem Schwärmen anfangen soll und am liebsten würde ich dich gleich in die nächste Buchhandlung schleifen, damit du es dir gleich kaufst und gleich noch dort vor Ort liest. Die ersten Seiten, das gebe ich zu, waren holprig und ich habe darauf gewartet, gepackt zu werden. Doch dann konnte ich es einfach nicht mehr zuklappen und ich habe es an einem Tag verschlingen müssen. Zu groß war meine Neugierde, wer denn nun eigentlich Blue ist, ob Simon sich outen wird, was seine beste Freundin Abby und vor allem seine Familie dazu sagen würde und natürlich, ob Martin es schafft, ihn zu erpressen.

„Menschen sind wie Häuser mit riesigen Zimmern und winzigen Fenstern. Und das ist vielleicht auch gut so, denn so können wir einander immer wieder überraschen.“ (Seite 300)

Nur drei Worte ~ Becky Albertalli

Emails und Oreo Kekse – die ziehen sich quer durch das Jugendbuch und sorgen für Spannung und dem Running Gag zwischen den zwei flirtenden Jungs. Was hatte ich beim Lesen vielleicht Schmetterlinge im Bauch und am Ende habe ich mich so wahnsinnig gefreut, dass Blue genau der Junge ist, den ich mir gewünscht habe. Dabei ist der Roman absolut unvorhersehbar und bis kurz vor Schluss ist nicht wirklich offensichtlich, wer hinter Blue steckt. Doch nicht nur die Emails spielen im Buch eine Rolle, denn Simon geht schließlich normal zur Schule, hat einen Freundeskreis und natürlich Eltern. Außerdem wird er erpresst und muss sich einigen Situationen stellen, die nicht gerade angenehm sind. Es geht nicht nur um Liebe, auch um die Sexualität und natürlich sind auch alle anderen Protagonisten charakterstark, wie auch liebenswert und geben dem Buch die besondere Würze.

Emails & Oreo-Kekse

Simon ist ein super starker Charakter der uns Lesern so viel Mut macht, dass wir diesen mit ins Leben außerhalb des Buches nehmen. Mir ist Simon sehr schnell ans Herz gewachsen und ich konnte mich so viel mit ihm freuen, wenn auch die Gesellschaft versucht hat, alles kaputt zu machen. Sei wie du bist und sei stark und geh deinen Weg – so wie Simon. Er hat es stellenweise vielleicht recht einfach, da er auf viel Toleranz stößt und doch gibt es auch bei ihm steinige Zeiten. Was für ein Buch – so frisch wie der erste Schnee.

Zwischen den Seiten treffen der Ernst des Lebens und Humor aufeinander und ich hatte stellenweise das Gefühl, dass sich mein Grinsen an den Ohren verhakt hat. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu lesen und zu grinsen und letztendlich bin ich vor Glück fast geplatzt. Mit so einem sensiblen Thema so offen, realistisch, ehrlich, ungeschönt und einfach grandios umzugehen, ist wirklich fabelhaft. Gerade auch wenn du nicht schwul bist, solltest du den Roman lesen. Ich sag nur: Pflichtlektüre!

In dem Umfang ist mir das Herz wohl zuletzt bei „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell übergequollen. Einfach so toll und schön und liebevoll und hach. Liese es, du wirst es lieben und vielleicht gehst du danach sogar ins Kino. Im Sommer ist es soweit und der Trailer ist schon mal klasse:

Kennst du diesen genialen Jugendroman schon und bist du genauso begeistert?

Eure
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Marina Bellezza ~ Silvia Avallone

Marina Bellezza ~ Silvia Avallone
Marina Bellezza ~ Silvia Avallone

Wer zu einem Roman von Silvia Avallone greift, kann sich sicher sein, dass er nicht enttäuscht wird. Schon mit ihrem Debüt „Ein Sommer aus Stahl“ konnte sie mich sehr begeistern und mit „Marina Bellezza“ (Klett-Cotta) schafft sie es erneut.

Er, Andrea. ist völlig anders als sie, Marina, und doch waren die beiden mal vor Jahren ein Paar und doch ziehen sich beide mit ihren Gegensätzen immer noch an. Auf dem Volksfest von Camandona sollten sie sich wiedersehen, ganz unverhofft und zufällig.

In manchen Augenblicken denkst du an nichts, weißt du nichts und bist niemand. (Seite 14)

Andrea, mit seinen Freunden unterwegs, hat einen Wildunfall zu verdauen, als er die Stimme von Marina hört. Marina, oft alleine unterwegs, hat das Treffen mit ihrem Vater und dessen Freundin zu verdauen, steht auf der Bühne und nimmt mit ihrer Stimme am Galá della Canzone teil. Ein einsames Leben und ein wildes Leben treffen nach dem Ende des Programms flüchtig aufeinander und verabreden sich.

Eine kurze Begegnung die für uns Leser und auch für die zwei Protagonisten Wellen schlägt. Andrea und Marina grübeln beide, ob sie sich treffen sollten, ob die Idee eine gute Idee war und beinahe hätte Andrea vergeblich auf Marina gewartet. Doch sie kommt und sie präsentiert sich wie ein Star, als ob sie bereits die Gewinnerin der Castingshow ist. Andrea ist unsicher, eher der ruhig lebende Typ, doch er kann nicht von der aufgedrehten Marina lassen und sein Herz ist entflammt, war nie erloschen.

So unterschiedlich beide sein mögen, eins haben sie gemeinsam: ein nicht wirklich intaktes Elternhaus. Marina hat eine Alkoholiker-Mutter und einen Vater der sich lieber in Monte Carlo aufhält und sich selten für sie interessiert, geschweige denn Zeit mit ihr verbringt. Andrea steht schon immer im Schatten seines Bruders und kommt den Erwartungen seiner Eltern nicht nach. Zwei gebrannte Kinder die eigentlich nur geliebt und geachtet werden wollen. Zwei gebrannte Kinder, die dennoch Träume haben und dafür kämpfen. Und die Liebe?

Marina Bellezza ~ Silvia Avallone

Bis zur besagten Begegnung müssen wir über 100 Seiten lesen, was keinesfalls viel ist. Silvia Avallone wickelt ihre Leser schnell um den Finger. Rasant startet der Roman, wir finden uns durch die bildliche Erzählweise dort wieder, wo ihre Charaktere zuhause sind und es fällt schwer, eine Pause einzulegen. Nach nur wenigen Seiten fühlt man sich, als ob man mit dem Buch verwachsen ist, es besteht eine Vertrautheit, es ist spannend und ihre Worte sind eindringlich leise und sehr melodisch.

Fast 570 Seiten dürfen wir an den Leben von Andrea und Marina teilhaben. Wir erfahren einfach alles, ohne das es uns langweilig wird. Autorin Avallone wechselt die Perspektiven und lässt uns nicht nur an der Vergangenheit teilhaben, sondern auch gefühlvoll in die Protagonisten und deren Seelenleben schauen. Wir fiebern mit, wir verstehen, wollen nicht immer akzeptieren und wir erfahren den Schmerz, denn nicht alle Handlungen sind vertretbar und vorhersehbar.

Katastrophen kommen nie, wenn man sie erwartet, sondern immer am Tag danach, wenn man hilflos, gelassen und ruhig ist, und nicht im Traum daran enkt, dass die Welt über einem zusammenbrechen könnte. (Seite 348)

Wir erfahren das nackte Leben und verspüren ein einzigartiges Lesegefühl durch diese zwei so komplett unterschiedlich tickenden Charaktere – Andrea & Marina. Mit ihren jungen Jahren haben sie schon so viel erlebt, erkämpft und einfach erdulden müssen.

Beide sind noch immer nicht erwachsen, suchen die Liebe und wissen, dass es immer irgendwo ein Stück Hoffnung gibt. Sie machen Fehler, rennen auseinander, zueinander und das Ende ist, wie es ist.

Ein sehr starkes, italienisches, sehnsuchtsvolles, einfach grandioses Stück Literatur. Keine Seite, kein Gefühl, keine Handlung ist zu viel oder zu wenig. Es passt einfach – alles!

Eure
Marina Bellezza ~ Silvia Avallone

Bestseller ~ Beka Adamaschwili

Bestseller ~ Beka Adamaschwili

Verzeih mir dieses dicke Grinsen im Gesicht, aber der Bestseller von Beka Adamaschwili hat mir so einiges abverlangt und entspricht nicht im Geringsten meinen ursprünglichen Erwartungen. Dennoch ein dickes Grinsen. 🙂

Kennst du das, wenn du dich zwischen den Seiten fallen lassen willst, die Seiten aber gar nicht dafür gemacht sind? Der Roman ist überhaupt kein richtiger Roman und trotzdem bin ich recht angetan. Ich erzähl dir gern warum, erst aber noch ein wenig Kummer und augenzwinkernde Kritik.

Du kennst das oder? Das Leben ist laut und du willst einfach nur richtig gut unterhalten und in eine Geschichte tief reingezogen werden? Lieber die Probleme und Sorgen von Romanpersonen aufgabeln und eine große Runde raus aus der fordernden Realität?! Klar, da ist „Bestseller“ (Voland & Quist) bestimmt gut, so war mein Gedanke.

Schließlich geht es um einen jungen Schriftsteller, mein Alter, nur das er sich das Leben nehmen möchte und es auch tut. Ohne lange zu zögern reist er an seinem Geburtstag nach Dubai und springt von einem Hochhaus. Kurzer Prozess. Tot. Fertig. Aus die Maus. Endlich hat er sein Zeil erreicht – berühmt werden, nach einem tragischem Tod. Schließlich gibt es wahnsinnig viele Autoren, die zu Lebzeiten noch nicht so befeiert wurden, wie nach dem Ableben.

Literatenhölle statt Bestsellerhimmel

Pierre Sonnage ist sich sicher gewesen, in den Bestsellerhimmel zu kommen. Das mit dem Tod hat geklappt, allerdings ist aus dem Bestsellerhimmel die Literatenhölle geworden. Nunja, kann eben passieren. Was ist heutzutage schon sicher. Ich sag mal so: Pech gehabt. Doch dann geht es so richtig los, denn er trifft Autoren-VIPs (Conan Doyle, Orwell, Shakespeare, Saint-Exupéry etc.) wohin das Auge reicht. Und er erfährt, warum er überhaupt in der Hölle gelandet ist. Doch damit nicht genug, denn er muss Rätsel lösen, die ihm von der Machart her aus seinen eigenen Romanen bekannt sind. In der Hölle wird eben jeder Autor bestraft und zwar damit, womit er im Leben seine Leser gestraft hat. Logisch?

Bestseller ~ Beka Adamaschwili

Doch wir treiben uns nicht nur lesend in der literarischen Hölle herum, sondern springen ab und an zu Lucy. Mit ihr hat Pierre als er noch lebte eine zaghafte Verbindung geführt. So bekommen wir Leser das Leben und das Leben nach dem Leben von Hauptprotagonist Pierre Sonnage verknüpft. Ein amüsanter Wechsel, der von Ironie und Wortwitz durchzogen ist.

Bestseller

Wer denkt, dass Autor Beka Adamaschwili mit dem Plot und den Figuren schon zufrieden ist, denkt falsch. Als ob die literarische Krönung noch nicht ganz perfekt ist, lässt er den Autor selbst noch ein wenig mitmischen. Er bringt sich ins Geschehen ein, ihm unterlaufen Fehler und er gibt gern wissend seinen Senf in Fußnoten dazu. Manch ein Leser findet diese störend, so ging es mir anfangs, aber hier sei gesagt, dass diese keinesfalls zu ausladend sind und gern das Leserlächeln auffrischen.

„In der Bibliothek der toten Bücher befanden sich hauptsächlich Bücher, deren Lektüre die Leser nach der Hälfte aufgegeben hatten.“ (Seite 115)

Zudem gibt es Zitate und auch Illustrationen, kursiv gedruckte Briefe, 10 Gebote und auch Bildtafeln zu finden und der 172 Seiten umfassende Roman ist recht luftig gestaltet. Rundum ein kleines schmales Meisterwerk für Literaturliebhaber die gern auf Buch-Überraschungseier stehen, gut unterhalten, gleichzeitig aber auch gefordert werden wollen.

Den gewünschten Roman hat mir der georgische Autor Adamaschwili nicht beschert, dennoch überzeugt und darin bestätigt, dass aus Georgien gute Literatur stammt. Ihr wisst ja, dass ich Fan von Nino Haratischwili bin. 😉

Literarischer kann ein Buch wohl kaum sein. Ein Literaturfest für Liebhaber der gedruckten Seiten – ein vergnügliches Spiel mit der Literatur und ihren Facetten. Unterhaltsam durch und durch, eben kein richtiger Roman, dafür viel Spaß, Ironie, Wortwitz, klassische Autoren, literarische Hintergründe und Begebenheiten.

Kurz: herrlich und gut zum Verschenken geeignet.

Eure
Bestseller ~ Beka Adamaschwili

Magazin Frühjahr 2018 ~ Buchhandlung Findus

Magazin Frühjahr 2018 ~ Buchhandlung Findus
Magazin Frühjahr 2018 ~ Buchhandlung Findus

Verrückt und total genial – so dachte ich, als ich vom Magazin Frühjahr 2018 der Buchhandlung Findus hörte. Und ich war richtig baff, denn Literatwo gehört dazu! Zwei Buchempfehlungen aus meiner Feder sollten abgedruckt werden. Das war im Jahr 2017 – jetzt schreiben wir das Jahr 2018 und das Magazin wurde weit um die Buchhandlung Findus in Tharandt gestreut. Einige enge Literatwo-Lesefreunde haben es von mir voller Stolz geschickt bekommen.

Ich freue mich immer noch so wahnsinnig darüber, dass ich den Kunden und Neukunden der Buchhandlung gleich zwei Bücher offline, im Magazin, schmackhaft machen durfte. Du bist sicher neugierig welche das wohl sind und da ich immer noch stolz bin und finde, dass das Magazin auch über die örtlichen Grenzen hinaus bekannt sein sollte, zeige ich sie dir jetzt.

Die Wahl war schon ein wenig Qual, denn 2017 hatte guten buchigen Lesestoff zu bieten. Es war nicht einfach, aber ich denke, dass die von mir ausgewählten Bücher besonders sind und natürlich wollte ich zwei meiner absoluten Highlights in 2017 nehmen. Das diese zwei Bücher tatsächlich aus dem gleichen Verlagshaus kommen, fällt mir erst jetzt so richtig auf. Aufbauende Literatur sozusagen. 😉

ABER – es haben natürlich noch mehr Bücher den Sprung ins Magazin geschafft. Auf dem ersten Bild hier im Artikel könnt ihr alle Bücher sehen. Dieser wundervolle Büchertisch wurde extra zum Magazin dekoriert und ist in der Buchhandlung Findus zu finden.

Magazin Frühjahr 2018 ~ Buchhandlung Findus
Magazin Frühjahr 2018 ~ Buchhandlung Findus

Ganz klar – das Buch von Simon Strauss „Sieben Nächte“ (Aufbau Verlag/Blumenbar) ist dabei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du bisher noch nicht von dem Buch gehört oder gelesen hast. Wenn nicht, dann ändere ich das jetzt und hier, in dem ich dir empfehle, meinen Artikel zu lesen. Natürlich kannst du auch das Bild ganz groß zoomen und direkt aus dem Magazin erlesen, warum ich dir das Buch so ans Herz lege. 🙂

Mein Lieblingszitat und meine Aufforderung an dich, zeige ich dir gleich hier. Mit einem Klick darauf, bist du direkt im Artikel zum Buch.

„Vielleicht hat er ja doch Recht. Vielleicht ist Träumen irgendwann nicht mehr genug.“ (Seite 127)

LEBT – STELLT EUCH DER ZUKUNFT.

Magazin Frühjahr 2018 ~ Buchhandlung Findus
Magazin Frühjahr 2018 ~ Buchhandlung Findus

Ohja – meine „Kukolka“ von Lana Lux (Aufbau Verlag) musste natürlich auch unbedingt einen Platz im Magazin bekommen. Definitiv eines meiner Highlights und ich glaube, dass mir dieser Roman noch sehr lange im Gedächtnis bleibt. Sag mal, wie findest du das Cover? Ich mag es ja total, aber Buchhandlungsinhaberin Annaluise Erler meint, dass es viele Kunden nicht wirklich mögen. Geschmäcker sind verschieden und letztendlich geht es um den Inhalt. Wenn du das Cover auch nicht magst, dann lass dich trotzdem von mir verleiten, denn der Inhalt wird dich bewegen. Trau dich und klick auf das Zitat:

Kukolka … – … schön wie eine Puppe (Seite 219)

Wie gefallen dir denn meine Buchvorstellungen? Bist du neugierig geworden? Hat deine Lieblingsbuchhandlung auch ein Magazin für die Kunden und würdest du gern selbst mal im Magazin der Buchhandlung Findus blättern? Ich würde mich sehr freuen, wenn du hier nicht nur still liest, sondern auch Antworten im Kommentarfeld hinterlässt. Deine Meinung ist mir wichtig!

Das nächste Magazin ist schon in der Planung, das erste Buch habe ich sogar schon ausgesucht und hinter den Literatwo-Kulissen besprochen und auf der Buchmesse in Leipzig gibt es einen geheimen Termin der mit dem zweiten Buch zu tun hat. Ihr dürft euch freuen und ich bin schon ganz aufgeregt.

Danke fürs Lesen und ich selbst DANKE Annaluise für die gedruckte Möglichkeit!

Eure
Magazin Frühjahr 2018 ~ Buchhandlung Findus

Rattatatam, mein Herz – ist das Angst?

Rattatatam, mein Herz – Vom Leben mit der Angst ~ Franziska Seyboldt

trigger, engl.: Auslöser. Wenn man eine Triggerwarnung bei einem Buch über Angststörung ausruft, bedeutet das dann, dass man meint, Betroffene sollten es lieber nicht lesen? Ich bin mir da ziemlich unsicher und glaube kaum, dass Franziska Seyboldt mit ihrem Buch die Angst schürt, eher hilft sie zu verstehen. Sie regt zum Nachdenken an und zeigt, dass man mit seiner Krankheit oder dem Zustand den man noch nicht Krankheit nennen möchte, definitiv nicht allein ist.

Ich habe keine Angst, zumindestens dachte ich das bis gestern. Also ich habe keine Angststörung, das trifft es eher. Zudem war ich schon ein wenig skeptisch, ob das Buch „Rattatatam, mein Herz – Vom Leben mit der Angst“ (Kiepenheuer & Witsch), was mehr oder weniger zur Gattung Sachbuch gehört, etwas für mich ist. Aber gelb zieht mich magisch an und die Aufmachung an sich – dicker Pappeinband – finde ich ganz prima. Und dann auch noch große Schrift und zwischen den Kapiteln oftmals eine leere Seite – vermutlich zum Atmen, zum Reflektieren. Gut so. Also los…

„Wer fliegen kann, fällt nicht einfach runter.“ (Seite 83)

Habe ich eine Angststörung? Das habe ich mich beim Lesen wirklich oft gefragt, denn so einige Stellen kamen mir wirklich sehr bekannt vor. Ich werde nicht ohnmächtig wie Franziska Seyboldt und nein, ich rede nicht mit meiner Angst, ich habe keine dauerhaften Symptome. Aber ab und an wird mir schon schwindlig, ich habe das Gefühl zu ersticken. Manchmal. Einfach so. Kurz vorm Einschlafen, manchmal auch mitten am Tag – ich denke, dass ich keine Luft mehr bekomme, nicht mehr schlucken kann. Dann ist es wieder gut und wenn überhaupt, dann passiert das einmal in der Woche. Aber viel schlimmer sind die Zukunftsgedanken die ich seit Januar 2013 habe.

Rattatatam, mein Herz – Vom Leben mit der Angst ~ Franziska Seyboldt

Kennst du das? Du denkst, dass du unbedingt den Weg von A nach B gehen musst, weil es ja sein könnte, dass Person X dort entlang kommt und wenn du Weg C gehst, verpasst du sie vielleicht und ihr passiert was und nur DU bist verantwortlich dafür, denn DU hast spontan was anders gemacht und darum bist DU Schuld. Oder ich denke, dass ich ab und an verdammtes Pech habe, weil ich gern mal übertreibe, gern Rebell bin, statt vorbildlich und brav zu sein.

Rattatatam

Langweile ich dich? Tut mir leid, aber ich schreibe das jetzt einfach mal nieder, da mich die Autorin gerade gelehrt hat, dass es besser ist, nicht zur anonymen Masse ohne Gesicht zu gehören, damit dieses verdammte TABU ausstirbt.

„Angst hat immer mit etwas zu tun, das passieren könnte, nicht mit etwas, das gerade geschieht. Du bist im Hier und Jetzt, während dein Verstand in der Zukunft ist. Dadurch entsteht eine Lücke, die sich mit Angst und Sorge füllt.“ (Seite 153)

Ob das Zitat mir gewidmet ist? Genau das ist es, genauso geht es mir, ich kann diese Zeilen zu 100% unterschreiben und ich erzähle euch hier davon – ganz offen und keinesfalls anonym. Ja – diese beschissene Angst kenne ich sehr wohl, auch wenn ich mich nicht direkt mit ihr unterhalte. Aber sie ist da. Mal mehr und mal weniger und ich versuche frei zu leben, trotzdem spontan zu handeln und mehr den Kopf auszuschalten und im Hier und Jetzt zu leben.

Und was denkst du nun? Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben. Ich finde die Offenheit verdammt mutig, ich mag das noch persönlichere Nachwort der Autorin und ich mag gelb – nicht den Neid oder die Eifersucht, sondern das Licht und den Optimismus.

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Eure

Ein Baum wächst in Brooklyn ~ Betty Smith

Ein Baum wächst in Brooklyn ~ Betty Smith

Manchmal braucht es einfach eine Veränderung. Da lässt man Dresden hinter sich und reist kurzerhand nach Brooklyn. Das klingt gut oder? Ich bin allerdings nur gedanklich gereist, aber das tat sehr gut. Manchmal braucht es einfach ein Buch, was da ist und sich ganz ruhig und gemütlich verhält und somit einlädt, genau dann einzutauchen, wenn man einen Ruhepohl sucht. Das alles bietet der Roman von Betty Smith (Insel). Er krallt nicht, er beißt nicht, er ist wie eine Decke, die sich um den Leserkörper hüllt.

Wenn ich dir jetzt sage, dass ich 21 Tage lang für die 621 Seiten brauchte, wirst du abwinken und mit dem Kopf schütteln. Warum so lange für ein Buch, auf welches ich mich so verdammt dolle gefreut habe? Es liegt daran, dass das Leben sich so trubelig wie nie gezeigt hat und mal wieder die ein oder andere Überraschung parat hatte. Es fehlte an Lesezeit und doch hätte kein anderes Buch so gut an meiner Seite verweilen können. Atempausen hat es mir gegönnt, mich immer sofort dort abgeholt wo ich aufgehört habe und es war, als ob ich nie pausiert habe. Klingt nach Lesebalsam und das ist es auch.

Brooklyn 1912

Wenn du Francie Nolan (ich mag den Namen total) triffst, wirst du merken, was ich meine. Obwohl sie zu Beginn kaum Zeit für mich hatte, habe ich zwischen uns schon Freundschaft gefühlt. Sie ist einfach eine Herzensperson, die in armen Verhältnissen lebt und sich die Pennies hart mit Trödel verdienen muss. Ihre Eltern schleppen sich mit schlecht bezahlten Jobs durch das Leben und Francie und Bruder Neeley müssen eben helfen. Francies Traum ist es, Schriftstellerin zu sein und sie liebt es zu lesen, vor allem am Fenster bei der Feuerleiter, um die sich mitten in Brooklyn ein Baum rankt. Dieses Gefühl alleine ist pures Glück, pures Lebensreichtum. Kennst du das Gefühl? Ein Buch, eine wundervolle Umgebung, die Realität ausgeschaltet?

„Wir sind einander zu ähnlich, um uns zu verstehen, weil wir uns nicht mal selbst verstehen.“ (Seite 490)

Doch auch Francie muss auftauchen und sich dem Leben stellen und wenn sie eins kann, dann das. Sie ist ein selbständiges, wissbegieriges und vor allem ehrgeiziges Mädchen. Sie macht vor keiner Türe halt, auch wenn sie noch so sehr klemmt und das macht sie so sympathisch. Natürlich ist es hart, andere schlecht über sich reden zu hören, doch Francie hält an ihrem Traum und an ihrem Lebensweg fest, sucht sich sogar eine andere Schule, um mehr Bildung zu erfahren. Ihr Vater trinkt, ihre Mutter versucht alle Fäden in der trostlosen Umgebung beieinander zu halten. Willkommen in Brooklyn im Jahr 1912.

Ein Baum wächst in Brooklyn ~ Betty Smith
Ein Baum wächst in Brooklyn ~ Betty Smith

Generationsroman

Die ganze Zeit überlege ich, welches Buch ein wenig mit Betty Smiths Roman zu vergleichen ist. Tatsächlich handelt es sich hier um einen Klassiker, der sich aber so liest, als wurde er erst vor kurzer Zeit verfasst. Es ist ein Wohlfühlbuch, ein Generationsbuch und zwischen den Seiten fühlt man sich einfach geborgen, auch wenn in den 6 Jahren nicht wahnsinnig viel passiert. Wir leben an Francies Seite und lernen Charaktere kennen, die uns nicht nur schmunzeln, aber auch nicht verzweifeln lassen. Wir treiben durch die Seiten.

„Sag die Wahrheit und schreib die Geschichte.“ (Seite 253)

Jede Menge Markierungen habe ich vorgenommen, denn es gibt so wundervolle Sätze im Roman von Betty Smith zu finden. Doch nicht nur die Zeit an Francies Seite macht den Roman so besonders. Es sind die Zwischentöne, die anderen Charaktere aus ihrem Umfeld und es sind die Sprünge in die Vergangenheit. Wir haben nicht nur an der Geschichte ihrer Eltern teil. Wir erfahren Glück, hoffen und ja, wir bangen auch, aber durchgehend geht es uns gut. Das Buch geht ans Herz, ist mehr entspannend als fordernd und dennoch hat es Anspruch. Es ist einfach rund und verlangt nach keinem besonderen Lesetyp. Francie wartet einfach auf DICH!

„Es musste ja dunkle und trübe Gewässer geben, damit die Sonne einen Hintergrund für ihre strahlende Herrlichkeit hatte.“ (Seite 210)

Und jetzt setze dich am besten unter einen Baum und lies dich zu Leserin Francie nach Brooklyn und lass dir von ihr das Leben zeigen. Du wirst mit einem Lächeln auf dem Gesicht und leicht beschwingt zurück kehren. Glaub mir.

„Hier in Brooklyn ist es mysteriös. Es ist wie – ja – wie ein Traum. Die Häuser und Straßen wirken unwirklich. Auch die Leute.“ (Seite 515)

Eure
Ein Baum wächst in Brooklyn ~ Betty Smith