Kategorie: Kinder- & Jugendbuch

Holocaust-Gedenktag 2014 – Literatwo öffnet „Hanas Koffer“ von Karen Levine

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„Die Vergangenheit wirft ihren Schlagschatten auf gegenwärtiges und zukünftiges Gelände. Vergegenkunft nannte ich später meinen Zeitbegriff…“

Günter Grass „Schreiben nach Auschwitz“ – 13. Februar 1990

Seit wir gemeinsam „Gegen das Vergessen“ der Opfer des Holocaust schreiben, werden wir Literatwos ständig mit diesem zeitlosen Zeitbegriff konfrontiert, da wir den historischen Schlagschatten des Erinnerns gerade in Büchern immer wieder spüren. Manchmal sind es Namen, oftmals Orte und immer wieder auch Gegenstände, die uns einholen und den Blick in die Vergangenheit richten lassen. Einer dieser Gegenstände ist ein Ring, über den ich vor kurzem schrieb. Jener Ring eines gefallenen Soldaten, der nun in meinen Händen liegt und damals alles veränderte: Weihnachten 1944…

Schlagschatten… Aus ihnen möchten wir selbst täglich lernen und anderen Menschen immer wieder vor Augen führen, dass sich Automatismen der Vergangenheit nur dann wiederholen können, wenn wir sie bis heute nicht verstehen. Erinnern heißt für uns auch Verhindern! Im Schreiben hier, in Gesprächen mit Freunden und im Dialog mit Jugendlichen an Schulen.

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Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis – Pseudonymous Bosch

Pseudonymous Bosch - GEHEIM!
Pseudonymous Bosch – GEHEIM!

Pssst…
…..komm mal ganz nah heran.
Na, neugierig geworden?
Bist du bereit? Ich glaube, deine Neugier habe ich bereits geweckt, nun muss ich aber noch wissen, ob du Geheimnisse für dich behalten kannst.
Kannst du?

Okay, dann bist du gemacht für dieses wundervolle Buch. Der Name des Buches und des Autors ist natürlich geheim und wird auch jetzt nicht verraten. Dennoch werde ich dir etwas anvertrauen und dir einen kleinen Einblick geben.

Es geht um die beiden Schüler Kassandra und Max-Ernest. Beide haben besondere Auffälligkeiten und eben diese haben die beiden zu einem Team werden lassen. Ein Team, das auf der Suche nach einem kleinen Kästchen in große Abenteuer stürzt. Sie wollen um jeden Preis wissen, wer die geheimnisvolle „Sinfonie der Düfte“ gestohlen hat. Was hat es mit dieser Sinfonie überhaupt auf sich, wer hat sie erstellt? Und vor allem, was steht im…

Pseudonymous Bosch
Pseudonymous Bosch – WARNUNG!

WARNUNG

So, jetzt reicht es aber. Schließlich ist es ein Geheimnis und es ist wirklich schwer, so ein Geheimnis zu kennen. Für dich ist es nun aber sicher schlimm, dieses nicht zu kennen. Ich kann es dir aber im Jetzt und Hier nicht verraten, dazu bin ich einfach nicht berechtig. Wenn du den Mut hast, greife zu diesem geheimnisvollen roten Büchlein und mach es dir am besten mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke bequem. Aber sei auf der Hut, denn du wirst immer wieder direkt angesprochen. Außerdem warten neben Max-Ernest und Kassandra noch einige andere aufregende Persönlichkeiten, die für viel Wirbel sorgen werden.

Der Sog des Buches beginnt sofort auf der ersten Seite. Solltest du dich von den Warnungen nicht abschrecken lassen, hält er an bis zum wirklich unerwarteten, vor allem kreativen Ende. Doch bis dahin ist es ein aufregender Weg und Herr oder Frau Bosch machen jede Seite zu einem spannenden Vergnügen.

Na, immer noch nicht genug?

Dann schau unter: www.geheimes-buch.de
Aber vergiss nicht, ich habe dich gewarnt!

Pseudonymous Bosch -
Pseudonymous Bosch – geheimnisvolle Kapitelüberschriften

Ihr lieben Literatwo-Leser,

dieser Artikel war ja schon längst überfällig. Ein Buch das zur Literatwo-Entstehungsgeschichte dazugehört und wie!

„2009 war der Wettbewerb „Leserrezension – der Leserkompass“ für uns ein großer Erfolg, wir sind beide als Gewinner ins Ziel gekommen.“

„Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis“ (Arena Verlag) von Pseudonymous Bosch ist eines der Gewinnerbücher, was sich hinter diesen Zeilen versteckt. Es gehört zu uns Literatwos, wie auch zu meiner Leselebensgeschichte und ist darin tief verankert.

Doch Herr oder Frau Bosch, wer weiß dies schon genau, hat mich nicht nur einmalig überzeugt. Aus diesem Grund gibt es bald die nächste boschige Geheimbuchvorstellung.

Macht euch auf eine Reihe gefasst, die es einfach in sich hat und absolutes Lesevergnügen bereitet!

P.S. Wir sind zwei, also gibt es auch ein zweites Gewinnerbuch. Schaut mal hier: Endlich – es ist soweit, wir stehen in der Zeit…

Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel – Elisabeth Zöller

Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel_Elisabeth Zöller_Literatwo_

Gleich vorweg muss ich sagen, dass ich am Ende dieses Buches bitterlich geweint habe. Das Nachwort hat dies veranlasst, dazu am Ende des Berichts mehr. Erst muss ich euch Paula Laurenz vorstellen, ein fünfzehnjähriges Mädel, was einen Mann anbetet.

Jeder von uns hat ein Lieblingsbuch das er sofort, wie aus der Pistole geschossen, nennen kann. So kann dies auch Paula. Ihr Lieblingsbuch und ihr größter Stolz ist “Mein Kampf” von Adolf Hitler. Paula folgt dem Führer treu und zuverlässig. Als Dank hat sie als einziges Mädchen aus dem BDM (Bund deutscher Mädel) eine signierte Ausgabe bekommen. Sie schwebt wie auf Wolken, denn sie wurde gerade zur Schaftführerin ernannt und wenn sie weitermacht wie bisher, wird sie wohl bald Scharführerin werden. Sie ist glücklich in ihrer Führungsrolle und erledigt ihre Aufgaben mehr als gewissenhaft. In Deutschland brechen neue Zeiten an und sie kann ihren Teil dazu beitragen und ist begeistert vom Führer, von Adolf Hitler.

Paula lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Haus, nicht wie ihre Freundin Mathilda, eine Halbjüdin deren Vater Arzt ist, in einer großen Villa. Sie haben aber einen eigenen Luftschutzkeller in den sie, im Jahr 1941, fast jede Nacht gehen müssen, denn es gibt kaum noch eine Nacht ohne Fliegeralarm. Paulas Mutter ist Hausfrau, ihr Bruder Hans ist stolz der HJ (Hitler Jugend) anzugehören und ihr Vater sitzt seit einiger Zeit in der Abteilung für Juden- und Räumungsangelegenheiten. Sein Aufstieg nach dem Eintritt in die Partei war rasant und bald kann über einen Umzug nachgedacht werden.

Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel_Elisabeth Zöller_Literatwo_Blick ins Buch

Treue und Pflichterfüllung sind sein Motto und er liebt seine Familie, solange sie genau wie er den Führer und das Vaterland verehren.

Paula geht es gut, nur Mathilda scheint sich immer mehr von ihr zu entfernen. Ihre beste Freundin besucht jetzt nicht mehr die gleiche Schule wie sie, sie bekommt Privatunterricht. Die Treffen werden seltener, zudem auch Paulas Vater gegen die Freundschaft der zwei Mädchen ist. Heimlich treffen sich die beiden auf dem Reiterhof bei den Pferden, dort sind sie relativ unbeobachtet. Doch auch dort tauchen seit kurzer Zeit die schwarzen Autos auf, jene Autos die nichts Gutes bedeuten, die vor allem Mathilda Angst machen.

Die Mädchen sind kreativ und beginnen sich Briefe zu schreiben, die sie im Geheimbriefkasten, einem Hohlraum in einem mächtigen Baum, verstecken. Auch ihre Namen ändern die beiden. Paula unterzeichnet die Briefe mit Fundevogel und Mathilda mit Lenchen und sie haben ein Freundschaftsversprechen, welches in jedem Brief zu finden ist. Der Zusammenhalt ist trotz der Umstände stark.

„Verlässt du mich nicht, verlass ich dich auch nicht.“

Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel_Elisabeth Zöller_Literatwo_Emil und die Detektive

Der Kontakt beginnt abzureißen und genau an diesem Punkt beginnt auch ihr Leben und ihre Lebensphilosophie Risse zu bekommen. Sie fängt an zu verstehen, zu begreifen. Ihr Vater scheint nicht nur bei der Schutzpolizei tätig zu sein, sondern auch aktiv bei der Deportation der Juden zu helfen. Dem Führer wollte Paula dienen, doch nicht mit dem Ergebnis dabei ihre beste Freundin zu verlieren. Ihr Vater beginnt ihr mit seinem Handeln Angst zu machen, sie erkennt was in Münster gerade vor sich geht und beginnt zu erwachen. Dieses Erwachen, das Andersdenken, das Denken gegen Hitler handelt ihr mehr als Ärger mit ihrem Vater ein.

Paula entspricht nicht mehr seinen Erwartungen, Vaters Befehle werden nicht mehr ausgeführt und unter diesen Umständen kann er Paula nicht mehr lieben, nicht mehr akzeptieren. Sie ist nicht mehr die naive Paula und er war noch nie der liebevolle Vater, den er in Anwesenheit seiner Familie zu sein vorgab. Auch an Hans geht die Veränderung Paulas nicht vorbei und auch er handelt eigenmächtig, beginnt verbotene Lektüre wie „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner zu lesen. Und damit nicht genug…

„Vergiss nicht, was wichtig und richtig ist.“

Ein berührender Roman aus der Feder von Autorin Elisabeth Zöller. Der Roman wird aus Paulas Sicht erzählt und versetzt den Leser in die damalige Stimmung des Nationalsozialismus. Auch auf die Familienverhältnisse der damaligen Zeit geht die Autorin ein. Paulas Mutter hat nichts zu sagen, sie ist die brave Haus- und Ehefrau, sie sorgt für die Kinder, der Vater kümmert sich um das Einkommen und ist ein Nazi durch und durch. Die Kinder müssen gehorchen und haben ihren Vater als Vorbild, suchen Anerkennung in dem sie aus eigener Initiative beispielsweise eine Bücherverbrennung organisieren.

Vaters Befehl oder ein deutsches Mädel“ (Fischer Schatzinsel) – zwei Titel die sein müssen. Sich auf einen zu einigen ist mehr als schwer. Paula – ein deutsches Mädel aus voller Überzeugung, welche sich aber immer weiter verliert und mit diesem Verlieren werden Vaters Befehle stärker und stärker. Deshalb ist der Titel Vaters Befehl und ein deutsches Mädchen von vornherein ausgeschlossen.

Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel_Elisabeth Zöller_Literatwo_Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens

Ein emotionales und ergreifendes Werk – ein scheinbar fiktiver Roman…

Man darf weinen, ja, dass darf man, auch bitterlich. Mir hat es fast das Herz zerrissen bei den letzten zwei Seiten. Der Ausgang des Buches war bereits emotional, doch das Nachwort setzte alle Tränen frei, die ich an diesem Tag zur Verfügung hatte. Damit habe ich mit keiner Silbe gerechnet, diese Zeilen konnte man nicht vorhersehen und auch am Anfang des Romans war nicht ersichtlich, dass man so extrem von hinten durch die Brust getroffen wird.

Jedes Wort zum Inhalt des Nachworts würde den Roman zerstören, den Überraschungsmoment muss man selbst erleben, eigentlich hätte ich es überhaupt erst gar nicht erwähnen sollen. Doch wie kann ich sonst erklären, wie bitterlich ich geweint habe. Es klingt als ob ich wie ein kleines Kind geschluchzt hätte und ich glaube es klingt nicht nur so, ich glaube genau das habe ich getan.

Gegen das Vergessen – wir schreiben weiter über Bücher, die man kennen MUSS.

Die Buchvorstellung zu „Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens“ von Elisabeth Zöller folgt. 

[LeseLustAuslöser] „Bootsmann auf der Scholle“ – Benno Pludra

LeseLustAuslöser
LeseLustAuslöser

Es kommt ja immer mal wieder die Frage auf, welche Bücher den Lesevirus übertragen bzw. die Buchsucht ausgelöst haben. Wenn ich mich so dunkel zurück erinnere, waren es bei mir vier Bücher. Die Bücher habe ich einfach immer wieder gelesen und ich liebe sie auch heute noch und sie dürfen in meinem Bücherregal nie fehlen. Regelrechte LeseLustAuslöser.

Die vier Bücher sind:

  • „Bootsmann auf der Scholle“ von Benno Pludra (hach!)
  • „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner (ich wäre so gerne eines der Mädels gewesen)
  • „Der Trotzkopf“ von Emmy von Rhoden (vor allem auch den Namen der Autorin fand ich als Kind immer so klasse)
  • „Försters Pucki“ – Band 1 von Magda Trott (die weiteren 11 Bände habe ich natürlich ebenso verschlungen)

Welches Buch nun die Hauptschuld trägt weiß ich nicht, aber eins möchte ich heute mal in den Mittelpunkt rücken. „Bootsmann auf der Scholle“ – welches auch eines der Lieblingsbücher meiner Mutti ist. Darum fand ich es damals natürlich klasse, in IHREM Buch zu lesen. Auch sie liebt Bücher und gibt nicht gern Schätze her und darum gibt es den Bootsmann doppelt. 😉

Bootsmann auf der Scholle - Benno Pludra
Bootsmann auf der Scholle – Benno Pludra

Meine Ausgabe ist also ein wenig jünger und stammt aus dem Jahre 1988, 15. Auflage, Kinderbuch Verlag Berlin.

Ich liebe Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“ und speziell die Nummer 3. Nebenbei erwähnt, versuche ich immer noch alle Trompeterbücher zu bekommen. Über 100 sind bereits in meinem extra angefertigtem Regal.

„Bootsmann auf der Scholle“ habe ich als Kind mal fast auswendig gekonnt, so oft habe ich es gelesen. Ich war viel draußen in der Kälte und habe mit Bootsmann und den drei Kindern namens Uwe, Jochen und Katrinchen, getobt. Was hatten wir für einen Spaß. Schon immer habe ich mir natürlich so einen kleinen Hund wie den Bootsmann gewünscht. Heute würde ich meinen Hund allerdings nicht mehr Bootsmann nennen. Glaub ich jedenfalls.

Bootsmann auf der Scholle -
Bootsmann auf der Scholle – glücklich tanzend

Putt Bräsing gehört der kleine Hund namens Bootsmann. Beide leben auf dem großen Schlepper und die drei Kindern Uwe, Jochen und Katrinchen dürfen mit ihm spielen. Der Schlepper verweilt allerdings nicht lange im Hafen, darum sollen die vier nicht zu lange wegbleiben. Kinder sind nun mal Kinder und das Eis lockt vor allem zum Betreten an. Die vier toben im Schilf und auf dem Eis und dann kommt es wie es kommen musste. Eine Scholle beginnt sich zu lösen…

Auf dieser befinden sich der mutige Jochen und der kleine Bootsmann. Völlig im Spielstrudel gefangen, hört Jochen Uwes Warnungen kaum. Als die Scholle beginnt auf die Ostsee zu treiben, schafft es Jochen gerade so noch zurück aufs sichere Land. Der Schreck sitzt ihm in den Knochen und der große mutige Junge wird zum Angsthasen und rennt weg. Bootsmann allerdings sitzt auf der Scholle fest und treibt immer schneller aufs offene Meer hinaus.

Uwe schickt Katrinchen schnell los, um Hilfe zu holen. Er selbst findet einen Kahn und versucht so schnell wie möglich der Scholle hinterher zu rudern, um den Hund zu retten. Jochen ist weg, auch von Katrinchen ist noch keine Hilfe-Spur in Sicht und Uwe begibt sich immer mehr selbst in Gefahr.

Bootsmann auf der Scholle -
Bootsmann auf der Scholle – Uwe, Jochen und Katrinchen

Die 80 Seiten des kleinen Büchleins haben mich durch und durch fasziniert und tobten durch meinen Kopf. Jedes Mal hätte ich Uwe so gern geholfen und mit Jochen geschimpft. Immer wieder habe ich mir gesagt, dass ich ebenso mutig sein möchte, wenn ich mal in eine Situation komme, bei der schnell Hilfe gefragt ist. Der Mut Uwes hat sich in mir festgebrannt.

Bei jedem Schlittschuhlaufen auf dem Schlossteich in Moritzburg habe ich an Bootsmann denken müssen und auch heute denke ich an ihn, wenn ich zugefrorene Seen betrete. Benno Pludras Werk begeisterte mich nicht nur in meiner Kindheit, sondern auch heute noch.

Verantwortung übernehmen ist wichtig und davonlaufen einfach sehr, sehr feige. Für Dinge die man sich selbst eingebrockt hat, sollte man einfach gerade stehen und vor allem sollte man echte Freunde nie im Stich lassen.

Die kleinen Trompeterbücher
Die kleinen Trompeterbücher

Ich liebe dieses kleine Büchlein aus der DDR, welchem man diese Zeit anmerkt und irgendwie ist das auch gut so.

Wer sich jetzt in den kleinen Bootsmann verliebt hat, muss nicht traurig sein und denken, dass er dieses Büchlein sowieso nirgends mehr kaufen kann. Doch, es gibt ihn wieder zu kaufen. Seit 2012 in der bereits 7. Auflage bei Beltz | Der KinderbuchVerlag.

Vielleicht habt ihr ja selbst noch ein paar Trompeterbücher daheim. Hütet sie gut und wer seine Bücher loswerden mag, ich gebe ihnen gern ein gutes neues Zuhause.

😉

Literatwo auf der Longlist für den AVJ-Medienpreis 2014 nominiert

medienpreis 2014 erneut nominiert avj2

So kann das neue Jahr beginnen!
Eine Pressemeldung in eigener Sache: 

Überrascht und geehrt... Wir sind erneut nominiert
Überrascht und geehrt… Wir sind erneut nominiert

Auf der Leipziger Buchmesse 2014 wird zum dritten Mal der avj medienpreis verliehen. Honoriert wird dabei hervorragendes journalistisches Engagement im Bereich Kinder- und Jugendbuch/-hörbuch.

Preisträger können ein Journalist, eine Zeitschrift, eine Zeitung, eine TV-Sendung, eine Hörfunk-Sendung, ein Internetportal oder ein anderes Medium sein.

Soeben erreichte uns die Nachricht, dass wir nach 2013 zum zweiten Mal in Folge für diesen Preis nominiert sind und in prominenter Gesellschaft einen Platz auf der Longlist für diesen Medienpreis erhalten haben. Wir können es nicht so recht fassen und sind stolz, dass unser Engagement für das Kinder- und Jugendbuch in solcher Weise honoriert wurde.

Freud e pur...
Freude pur…

Wir wünschen allen Nominierten viel Glück, bedanken uns bei unseren Lesern und fühlen uns gerade großartig!

Hier alle Nominierten auf einen Blick:

Franz Lettner und Team, „1000 und 1 Buch“
Anja Lehmann-Tödt, „Figarino“ (MDR Figaro/Hörfunk)
Arndt Stroscher/Bianca Raum literatwo.wordpress.com
Dr. Doris Rudlof-Garreis www.ohrenklick.at
Ute Wegmann und Team, „DeutschlandRadio/Büchermarkt für junge Hörer“
Christine Paxmann und Sylvia Mucke „Eselsohr“
Hans ten Doornkaat, Publizist
Jana Trautmannwww.leser-welt.de
Janett Cernohubywww.janetts-meinung.de
Katrin Hörnlein, „Die ZEIT“ und „ZEIT LEO“
Sandra Rudel (Buchhändlerin), „Kilifü – Almanach der Kinderliteratur“
Meike Dannenberg, „KinderBücher“
Nina Daebel, Journalistin
Peter Mayr, „Der Standard“
Ploxxo Kindermedien“ www.ploxxo.de
Dr. Roswitha Budeus-Budde, „Süddeutsche Zeitung“
Sabine Hoßwww.buecher-leben.de
Susanna Wengeler, „BuchMarkt“
Verena Hoenig, Journalistin

Es ist und bleibt unfassbar für uns, dass unsere nebenberufliche Leidenschaft „Literatwo“ in einer Reihe mit namhaften Vertretern der richtig „großen“ Medien wie Zeit, Süddeutsche, MDR und Deutschlandradio genannt wird. Es erfüllt uns mit Stolz…

Literatwo ist dabei...
Literatwo ist dabei…

Es schneit, es schneit – Ben der Schneemann steht bereit!

Ben der Schneemann - es schneit...
Ben der Schneemann – es schneit…

Bald ist es wieder soweit. Wir stehen auf, schauen noch schlaftrunken aus dem Fenster, erschrecken und rufen: „Es hat geschneit!“

Einige von uns freuen sich über den Schnee in den Wintermonaten, gerade um die Weihnachtszeit. Endlich kann wieder ein Schneemann gebaut werden! Andere allerdings können die weiße Pracht überhaupt nicht ersehen.

Was ist mit euch? Liebt ihr den Schnee? Ja? Nein?

Heute stellen wir euch Ben vor. Ben liebt den Schnee und Ben hält sich den ganzen Tag im Schnee auf. Ben ist auf den Schnee angewiesen, denn Ben ist ein Schneemann 🙂

Ben der Schneemann -
Ben der Schneemann – Ben entsteht…

Jemand hat ihn gebaut und nun steht er da. Mitten im Schnee. Ben wünscht sich nichts sehnlicher, als sich zu bewegen. Doch bei der kleinsten Bewegung bekommt er eine strenge Ermahnung von den anderen Schneemännern. Sie stehen stramm und schweigen. Und sie schauen, dass auch Ben sich an diese Regeln hält. Tage vergehen, Wochen vergehen und Ben steht still, steht still und steht weiter still…

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Legend – Schwelender Sturm von Marie Lu

Legend – Schwelender Sturm

Schwelender Sturm stört Wortfindung.

Bei einigen Besprechungen fällt es auch uns mal nicht leicht, die richtigen Worte zu finden. Vor einem Jahr im September haben wir Loblieder auf ein Buch gesungen, was uns mehr als von den Socken gerissen hat.Legend – Fallender Himmel – von Marie Lu, stellten wir euch als „Dystopische Utopie mit magischen Momenten“ vor und kamen aus dem Schwärmen kaum noch heraus. Die Wartezeit bis zum zweiten Teil zu überstehen fiel uns, wie auch vielen anderen, nicht leicht.

Aber dann, dann, dann…

Ja und dann? Dann hielten wir den Roman „Legend – Schwelender Sturm“ (Loewe) endlich in den Händen. Nicht in einem edlen weißen Gewand, sondern leicht kitschig, in lila. Aber bekanntlich zählen die inneren Werte.

Beim Lesen der ersten Zeilen gab es sofort den ersten positiven Knall, denn mit der Flucht von Day und June endete der erste Teil und der zweite begann sofort mit ebendieser Flucht. Wir konnten sozusagen sofort flüchtend weiterlesen und das Gefühl, welches wir vor einem Jahr in uns trugen, war wieder da. So sollte es sein, so erhofften wir es uns.

June und Day, der Republik entkommen, auf der Flucht in eine gemeinsame Zukunft. Doch die Flucht ist von kurzer Dauer, denn Days verletztes Bein stoppt das Unternehmen. Sie brauchen Hilfe, wenn sie keine Trennung durch Days Tod in Kauf nehmen wollen. Beide werden von den Patrioten aufgenommen, was zwar nicht der Plan war, aber was sind schon Pläne, wenn das Scheitern sonst vorbestimmt wäre.

Legend – Schwelender Sturm

June & Day

Day und June wollen zusammen bleiben, kostet es was es wolle. Misstrauisch begegnen sie Razor, dem Anführer. Doch beiden bleibt keine andere Wahl, denn die Patrioten können ihnen helfen, bis in die Kolonien zu flüchten und sie können ihnen helfen, Eden, Days Bruder zu finden. Die Freude über das Wiedersehen mit Tess ist groß und nicht nur bei June, sondern auch bei ihr lodert die Flamme der Liebe zu Day.

Der Schutz bei den Patrioten ist nicht selbstverständlich und diese fordern eine Gegenleistung. Ihnen kommt es grade recht, dass June und Day bei ihnen sind. Der alte Elektor ist gestorben und sein Nachfolger, Sohn Anden, ist die sofortige Republikspitze. June kennt Anden und gerade diese Bekanntschaft soll Vertrauen schaffen. Es soll eine Revolution ausgelöst werden und um diese möglich zu machen, muss Anden sterben. June soll ihn töten!

Doch…

Was, wenn Anden einen neuen Anfang darstellt?
Was, wenn politische Veränderung nicht unbedingt Tod, Vergeltung und Gewalt bedeuten muss?
Was, wenn die Patrioten falsch liegen?

Unsere Legendrezension endete mit dem Worten: „Wir vertrauen! Legendär…“. Und was sagen wir jetzt nach diesem zweiten Band?

Legend – Schwelender Sturm

Die Tatsache, dass wir es nicht gemeinsam gelesen haben, ist sicher schon eine Aussage, die jeder versteht. Aber manchmal liegt es nicht am Buch selbst, sondern manchmal liegt es am Zeitpunkt. Aber was ist nun mit legendär?

Wir haben den Roman gleichzeitig begonnen und doch haben wir nicht gleichzeitig geendet. Wir schieben es beide auf den Zeitpunkt, denn vorweg sagen wir, dass wir auf den dritten Teil sehr gespannt sind und ihn gemeinsam lesen werden. Dieser stellt dann auch die endgültigen Trilogieweichen. Daumen hoch oder runter? Bisher steht es noch unentschieden.

Schwacher Schwelender Sturm?

Oftmals ist der zweite Teil schwächer und ganz ehrlich, dies fanden wir hier auch. Ja nun, ich wurde nicht ganz überzeugt, dennoch gab ich dem Roman eine Chance nach der anderen und versuchte zudem Arndt zum Weiterlesen zu überzeugen. Mit meiner ganzen Euphorie schwärmte ich ihm von bestimmten Stellen vor, die mich fesselten. Ich sage nur: WERBUNG.

Dennoch war auch für mich nicht der richtige Legend-Zeitpunkt. Das heutige im Buch Blättern zeigt mir allerdings, das es sich auch nach dem das Lesen, welches schon weit über 4 Monate her ist, ins Gedächtnis gebrannt hat. So ist das mit Romanen über die wir reden. Sie brennen sich in die literatwoische Erde.

Legend – Schwelender Sturm

Marie Lu hat auch im zweiten Teil viele Spannungsbögen eingebaut, doch betrachtet man den roten Plotfaden genau, sieht man, dass er recht kurz ist. Auf diesen knapp 450 Seiten, man beachte, fast 100 Seiten mehr als der Vorgängerband, passiert recht wenig. Obwohl das Anfangsgefühl mit dem ersten Teil authentisch war, gab es viele langweilige Stellen. Langweilig bzw. langatmig sind hier die richtigen Worte.

„Fallender Himmel“ konnten wir kaum aus der Hand legen, in „Schwelender Sturm“ war pausieren möglich. Es hat einfach an richtigen Knalleffekten gefehlt und durch die wechselnden Erzählperspektiven gab es einige Dopplungen. Im ersten Band sind uns diese entweder nicht so ins Leseauge gestochen oder durch die sagenhafte Handlung hat diese nicht gestört. Wir lieben es, dass die Protagonisten Day und June abwechselnd zu Wort kommen, keine Frage, aber hier hätte Marie Lu eine andere Lösung finden können.

Legend – legendär?

Die Emotionen und Gefühle zwischen Day und June haben aber berührt. Endlich konnten sich beide nähern und auch die ein oder andere Minute völlig ungestört miteinander verbringen. Das zarte Liebesband wurde länger und breiter und stand ständig unter Spannung. Zudem spielt ein Ring aus Büroklammern eine tragende und vor allem hilfreiche Rolle.

Im zweiten Teil gibt es endlich ein paar Antworten und geschichtliche Hinter- und Beweggründe. Der Schleier um die Spaltung der Vereinigten Staaten wird gelüftet und Patrioten, Kolonisten und die Republikaner werden näher beleuchtet.

Bis zum dritten und finalen Teil wird es noch ein paar Tage dauern und wir stellen uns die Frage: Legend = legendär?

Die Antwort werdet ihr von uns bekommen, aber ganz sicher ist, dass wir definitiv weiterlesen, denn das Ende von Band zwei war LEGENDÄR!

[Spürnasen] Jetzt kommt Ruby Redfort!

Ruby Redfort -
Ruby Redfort – packt die Lupe aus!

Bevor ihr weiter lest, Kaugummi in den Mund 🙂

Der Kaugummi bringt euch Ruby Redfort schon etwas näher, denn die 13-jährige ist ohne diesen selten anzutreffen. Ebenso solltet ihr euch ein Sprücheshirt zulegen, denn das ist ebenso kultig und ihr Markenzeichen. Turnschuhe und Jeans habt ihr auch an? Klasse, dann steht dem Abenteuer nix mehr im Weg und ihr kommt als relativ normale Leser rüber 🙂 Keiner würde euch als Spürnase bezeichnen, lach.

In uns stecken doch aber auch irgendwie Detektive, oder? Also wir Literatwos sind mit Notizbuch, Lupe, Kaugummi und Shirt zu Ruby gestoßen und haben sie begleitet verfolgt. Aber Angst solltet ihr nicht mitbringen, denn Mut  ist gefragt und vor allem Neugierde.

Seit Ruby ganze zwei Jahre zählt, schlummert in ihr das clevere „Codeknackergen“ und sie ist sich ihrem Talent und ihrer Spürnase bewusst. Keiner kann ihr was vormachen oder sie austricksen und egal was die Eltern wollen, sie möchte Detektivin werden. Da die Schule sowieso langweilig ist, hat sie ausreichend Zeit, um sich ihrer Leidenschaft zu widmen.

Ruby Redfort -
Ruby Redfort – los gehts…

Halt! Stop!

Nee – so nicht. Bitte legt mal schnell die Rätselhefte und Sudokuhefte und was ihr da nicht alles gerade in den Händen haltet, auf Seite. Ruby ist doch kein Kleinkind, sondern die jüngste Geheimagentin. Ruby ist ein recht normal aussehendes Mädchen, auf jeden Fall, aber der Schein trügt doch! Ruby ist total aufgeweckt und clever und würde sich mit solchem Kinderkram nicht abgeben. Nein, nein, bei Ruby reden wir über Codes und über den Geheimdienst, denn diesem ist ihr Talent bekannt.

Ruby ist sehr eigenständig und setzt für sich Trends, alles andere ist ihr relativ egal. Sie ist absolut taff, frech und eben voll cool, ohne angeberisch zu wirken. Sie liebt es Codes zu knacken, überhaupt haben es ihr Geheimnisse und knobelige Aufgaben angetan. Als überdurchschnittlich schlaues Mädchen weiß sie früh, was ihr gut tut und Lehrern und Eltern begegnet sie gern überlegen. Zumal ihre Eltern nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind, so zumindest würde mein Bruder sie beschreiben.

Achso, ja, die ganzen Notizbücher hier sind auch von ihr. Ruby besitzt um die 622 Stück, es könnten heute sogar schon wieder zwei mehr sein. Das pinke findet ihr toll? Da drinnen findet ihr die Ruby-Regeln. 79 Stück gibt es bisher und Ruby stellt immer wieder neue auf.

Ruby Redfort -
Ruby Redfort – Cliffhanger zwischen den Seiten

Kostprobe: „REGEL 1: MAN WEISS NIE GANZ GENAU, WAS ALS NÄCHSTES PASSIERT.“

Rubys Eltern sind gerade aus ihrem Urlaub aus der Schweiz zurück, da passiert es. Erst ist das Gepäck der Eltern weg, dann die Haushälterin Mrs. Digby und zu guter letzt ist die komplette Wohnung leer. Einfach so. Weg. Alles weg.

Die Notizbücher sind aber noch da, zum Glück! Ein Telefon übrigens auch, falls ich das gerade nicht sagte. Zudem taucht Hitch, ein Haushaltsmanager, auf. Doch damit nicht genug, denn ein unbekannter Anrufer meldet sich und Ruby muss sich einem 99 Sekundentest stellen.

Die Eltern allerdings haben nur das bevorstehende Museumsevent und einen gewissen Jadebuddha im Kopf und gehen Ruby gewaltig auf die Nerven. Gut dass es da ihren besten Freund Clancy gibt, denn auf ihn kann sie immer zählen…

Wirklich immer?

Ruby Redfort -
Ruby Redfort – knobelige Formeln

Ruby ist mal eine echt taffe Protagonistin, die schon in jungen Jahren weiß, was sie will und sich da nicht reinreden lässt. Sie ist so ein tolles Mädel, also ihr solltet sie echt kennenlernen. Jeder der detektivisch veranlagt ist, das Geheimagentengen in sich trägt und eine Spürnase besitzt, sollte sich mit Ruby zusammen tun. Von ihr könnt ihr noch was lernen und sie wird euch mit ihrer Art begeistern.

Sie schreckt keinesfalls vor kniffligen Aufgaben zurück, sondern packt erstmal den Koffer voller Beobachtungsgabe aus und verteilt eine große Portion Klugheit und serviert zudem astreine Logik. Herrlich! Autorin Lauren Child ist zurecht eine der bekanntesten Kinderbuchautorinnen Englands, sie überzeugt mit ihrem überaus sympathischen Charakter. Sie könnte wirklich behaupten: Drückt dieses Buch eurem lesefaulen Kind in die Hand und es wird zum Rubyjunkie.

Ruby -
Ruby – Codes knacken

Neben dem Lesen gibt es natürlich auch jede Menge Knobelstoff. Denn nicht nur Ruby muss sich einem kniffligen Test stellen. Ihr habt dabei allerdings einen Bonus, denn auf den letzten Seiten findet ihr die Lösungen.

Nicht nur Ruby ist cool und gut gestylt, sondern auch das Buch an sich. Die Schrift ist groß und lädt zum Viel- und Schnelllesen ein. Zwischen den Kapiteln, welche mit kurzen Überschriften versehen sind, befinden sich fiese Cliffhanger. Aber genau diese geben den Extraspannungsschub, total fetzig. Dialoge, Worte, mal kursiv, mal fett gedruckt, Notizbucheinträge, Regeln und Aufgaben, lockern das Schriftbild auf.

Leserherz was willst du mehr, vor allem dann, wenn du im Alter von 12 aufwärts bist.

Ruby Redfort – Die jüngste Geheimagentin der Welt(Fischer Verlag) ist einfach obercool! So!

Ruby Redfort - Lauren Child
Ruby Redfort – Lauren Child

Ruby-Fans können sich freuen, denn nach einem ersten Fall, wird auch ein zweiter folgen 🙂

Isegrim ~ Antje Babendererde

Isegrim – die Wölfe kommen

Isegrim

Die Wölfe sind wieder da. Nicht nur in der Lausitz, sondern auch in einem fiktiven Dorf Altenwinkel in Thüringen. Der Gedanke daran, dass Wölfe in den Wäldern, unweit der eigenen Haustür entfernt, zu finden sind, gibt dem Roman gleich von Beginn an einen besonderen Touch. Ein besonderes Lesegefühl macht sich also sofort breit und die erste wölfische Begegnung wird herbei gesehnt. Bevor es allerdings dazu kommt, wird die Spannung gesteigert.

Jola Schwarz fand ich sofort absolut cool und vor allem irgendwie sehr taff. Sie ist mit ihren 17 Jahren sehr selbstsicher, hat wenig Angst und stellt sich den Dingen, die auf sie zukommen. Allerdings sucht sie ihren Ausgleich und ihre Entspannung im Wald. Der Wald ist ihre Ruhezone, dort fühlt sie sich geborgen und auch verstanden. Ihr Vater kann diese nachvollziehen, denn er ist Förster und hat ebenso einen starken Bezug zur Natur wie Jola. Ihre Mutter ist das komplette Gegenteil und sie würde niemals alleine in den Wald gehen. Schon der Schritt vor die Tür ist für die Romanautorin der Horror, erst recht seitdem Jolas beste Freundin Alina verschwunden ist.

Alinas Verschwinden versucht Jola schon seit fünf Jahren zu vergessen. Mal gelingt es ihr mal mehr, mal weniger und doch wird sie immer wieder an den Tag zurück erinnert, denn das krankhafte Verhalten ihrer Mutter hat sie täglich vor Augen und bekommt es zusätzlich durch ihre Worte zu spüren. Sie ist überängstlich und würde Jola am liebsten in ihrem Zimmer einsperren, damit ihr nichts passieren kann.

Wölfe

Ihrem Freund Kai wäre es ebenso recht, wenn Jola sich nicht mehr ständig im Wald herumtreiben würde. Er ist regelrecht auf den Wald eifersüchtig und wünscht sich, sie würde mehr Zeit mit ihm, als mit ihren blöden Beobachtungen zwischen den Bäumen verbringen. Er möchte endlich richtig mit ihr schlafen und vor allem viel unternehmen. Zusammensein eben, wie es in einer richtigen Beziehung üblich ist.

Als Jola im Wald, in einem Vogelnest, eine Haarsträhne findet, wirbeln ihre Gedanken nur noch um diesen Fund. Kaum einen klaren Gedanken kann sie noch fassen, denn sie ist der festen Überzeugung, dass diese Strähne ein Zeichen ist. Alina möchte gefunden werden! Doch während ihrer geheimen Suche fühlt sie sich schnell beobachtet. Dieses Gefühl wird immer massiver und sie verspürt ein nie zuvor gespürtes Gefühl. Angst. Die Angst trägt einen Namen, wie sich bald herausstellt.

Isegrim – die Wölfe kommen

Olek. Ein merkwürdiger Junge, der das Herz am rechten Waldfleck trägt, drängt sich von jetzt auf gleich in ihr Leben. Er wohnt im Wald, genau wie die Wölfin, die er ihr zeigt. Er, wie auch die Tatsache, dass es Wölfe gibt, sollte aber mehr als geheim bleiben…

Dickes Danke an den Arena Verlag an dieser Stelle, dann das Versprechen wurde eingehalten und ich bin froh, dass die Autorin „anders“ kann. Wobei ich ja wirklich skeptisch war, ob sie dieses ganz andere Thema über 410 Seiten plausibel aufrechterhalten kann.

Es ist nicht einfach eine Protagonistin auf die Waldbühne zu bringen, die so viel erlebt. Die Vielschichtigkeit zeichnet den Roman aus und vor allem die Tatsache, dass sich die Autorin ebendieser stellt. Damit meine ich, dass Babendererde nicht nur die Freizeit der Protagonistin beleuchtet, sondern ihren ganzen Tagesablauf, ohne bestimmte Eckpunkte auszulassen. Es passiert einfach wahnsinnig viel und all diese Schauplätze in einen Zusammenhang zu bringen, ist erstklassig.

Ein zweiter schmaler Erzählstrang sorgt für den Extraspannungsschub. Lasst euch überraschen und ihr könnt euch jetzt schon darauf einstelltn, dass euch ein Lied verfolgen wird.

„Laurentia, liebe Laurentia mein, wann wollen wir wieder beisammen sein? …“

„Isegrim“ (Arena Verlag) liest sich wirklich in einem Stück weg, anders kann ich es nicht bezeichnen. Die Zeit an Jolas Seite muss man genießen, denn sie bleibt ihrer Lebenslinie treu und lässt sich nicht verbiegen. Sie hört auf ihre Gefühle, setzt ihren Kopf durch und bleibt auf der Suche nach der Wahrheit, ohne sich beirren zu lassen.

Babendererde führt uns in den tiefen Wald, schreibt über eine Familiengeschichte, zieht ein Liebesband, öffnet die Spannungskiste, setzt uns Wolfsgeheul in die Ohren und lässt unsere Psyche vibrieren.

Sie facht die Gänsehaut immer dann erneut an, wenn sie am Abklingen ist. Sie markiert Wegpunkte im Roman die uns genau dann verunsichern, wenn wir uns auf dem richtigen Weg dachten.

Grandios wie Babendererde es schafft, die vielen Puzzleteile so zu verbinden, dass sich auch das über Jahre fehlende Puzzleteil nahtlos einfügt. Und doch – etwas mehr Wolf hätte schon sein können…