2

Hellerauer Bücherzelle

Helle(rauer)Zelle~ Bücherzelle in Dresden Hellerau

Als ich beim Geburtstagsfrühstück einer Freundin war, kam die Frage auf: wohin mit den gelesenen Büchern und kauft ihr eigentlich alle Bücher neu? Es ist verdammt spannend, über Bücher zu sprechen, wenn die weiblichen Charaktere so unterschiedlich in ihren Ansichten sind. E. kauft gerne bei Medimops. I. wusste nicht, was Medimops ist, kennt aber Momox. Sie hat er viele ihrer Bücher verkauft, da sie die nicht beim Umzug schleppen wollte und sie mag es auch nicht, wenn sie zu viele Bücher hat. E. ist Vielleserin, mag aus diesem Grund Taschenbücher lieber als Hardcover und kauft dieser gern gebraucht. Sie verschlingt Bücher, während I. nur ab und an mal liest.

Und die liebe R.? Sie hatte Geburtstag und hat von allen Gästen Bücher geschenkt bekommen. R. hat nämlich Zeit zum Lesen und was dachte ich mir so? R. liest und stellt die Bücher dann E. und mir vor – wie kennen die Bücher, könnten prüfen, ob R. genau gelesen hat und gleichzeitig werden unsere Erinnerungen gleich wieder aufgefrischt. Das ist doch die Idee, stimmts? 😉

Hellerauer Bücherzelle

Ich erzählte also, dass ich wahnsinnig gerne die Hellerauer Bücherzelle aufsuche. Zudem habe ich erst kürzlich wieder Bücher davor bewahrt, in die Papiertonne zu fliegen. Nach und nach nehme ich diese nun mit in die Bücherzelle und nun dachte ich mir, dass ich euch einfach mal bildlich zeige, welche Bücher ich dort gelassen habe.

Helle(rauer)Zelle~ Bücherzelle in Dresden Hellerau

Du kannst das Bild ruhig vergrößern und zoomen, wenn du magst. Ja, diesen dicken Stapel Bücher habe ich dort abgegeben und die meisten waren in einem wirklich gutem Zustand. Ein Buch habe ich aber nicht abgegeben. Ja, ich habe „Die Bücherdiebin“ bereits in meinem Bücherregal – Hardcover. Nun habe ich sie doppelt, denn die Taschenbuchausgabe steht nun daneben. Ein wundervolles Buch – ich liebe es und das darf man ruhig doppelt sein eigen nennen. 😉

Mir fällt gerade auf, dass dieser Artikel schon der fünfte über die schöne Bücherzelle in Dresden Hellerau ist. Verrückt. Zuerst habe ich dir von der Bücherzelle im Februar 2016 erzählt und auf die Regeln hingewiesen. Und ja, mit diesem Bücherstapel halte ich mich nicht wirklich dran, zumal ich kein einziges Buch an diesem Tag mitgenommen habe. Das hole ich aber an anderen Tagen bestimmt nach und außerdem war die Zelle sowieso recht „dünn“ bestückt.

Den Welttag des Buches 2016 habe ich „in der Bücherzelle“ gefeiert und leider auch eine negative Erfahrung gemacht. Tja, Menschen… Aber ich habe auch schon Neuland kennengelernt – ich sag nur Geocaching. Bist du auch so ein Freak? Ich finde das ja echt genial und lasse mir von meiner Kollegin immer berichten. Zumindest war die Bücherzelle schon geocachifiziert. 😉

Und natürlich bringe ich hin und wieder auch gern meine eigenen Bücher in die Zelle. Ich habe nicht zum ersten Mal so einen Stapel ausgesetzt, muss ich gestehen.

Wie sieht es bei dir aus? Hast du auch schon Bücher ausgesetzt, hast du in der Nähe einen öffentlichen Bücherschrank oder eine Bücherzelle? Oder findest du solche Bericht hier total öde? Erzähl doch mal!

Eure
literatwo_banner

Das Mädchen, das den Mond trank ~ Kelly Barnhill

Das Mädchen, das den Mond trank ~ Kelly Barnhill

Inzwischen halte ich mich in den Buchhandlungen nicht mehr so oft in der Kinderbuchecke auf. Und es kommt relativ selten vor, dass ich mal ein Buch aus meiner Kindheit lese oder zu einem Märchenbuch greife. Eigentlich schade, wie ich jetzt erst wieder gemerkt habe. Aber ja, so ist es eben mit den Büchern – man kann nicht jedes Buch lesen, aber ab und an kann ein Ausflug aus der derzeit geliebten Gegenwartsliteratur in die Kinderbuchecke nicht schaden. Der letzte Ausflug in die Bilderbuchecke – ich sag nur: „Oje, ein Buch!“ war ein voller Erfolg und an diesen knüpft nun „Das Mädchen, das den Mond trank“ von Kelly Barnhill an. Ist das Cover nicht wundervoll? So niedlich gemacht und der Titel passt ebenfalls sehr gut.

Ach, Märchen sind immer grausam, aber gut und wichtig und meist mit einem schönen Ende. Was hältst du von der Tatsache, dass dieses Buch so richtig schön ist und es nicht ganz so grausam, dennoch gemein und ungerecht und traurig zugeht? Es gibt eine Hexe, Drachen, gute und böse Menschen, es ist magisch und auch einige Papiervögel sind dabei.

Besagte Hexe, namens Xan, macht sich jedes Jahr auf, um ein Baby im Wald zu retten. Sie kann nicht verstehen, was im Protektorat vorgeht, warum die Menschen immer ein Kind, vermutlich zum Sterben, wegbringen. Xan nimmt sich dem Baby an und bringt es in ihr Zuhause, um es später in eine der Freien Städte zu bringen. Die Kinder sollen glücklich aufwachsen und dort gibt es viele Familien, die sich über den Zuwachs freuen.

Mondlichtmagie

Doch erst muss das Baby sicher ins Haus der Hexe gebracht werden, in dem schon Sumpfmonster Glerk und der winzige Drache Fyrian warten. Und natürlich muss das Baby gefüttert werden. Ich möchte nicht lange um den heißen Brei reden, sondern dir gleich sagen, dass natürlich ein kleines Unglück passiert. Statt dem gut verträglichen Sternenlicht, trinkt das Kind Mondlicht und nimmt damit jede Menge Magie auf…

„Ein Baby mit Magie zu versehen, das ist, wie einem Kleinkind ein Schwert in die Hand zu drücken – zu viel Kraft kombiniert mit zu wenig Vernunft.“ (Seite 35)

Das Mädchen, das den Mond trank ~ Kelly Barnhill

Du darfst dich wahnsinnig auf dieses Baby, das Mädchen namens Luna freuen. Was hat diese bezaubernde Figur mich bezaubert? Autorin Kelly Barnhill schreibt so richtig, richtig schön. Gleich auf den ersten Seiten hören wir zu, wie eine Mutter ihrem Kind eine Geschichte über die Hexe erzählt, die jährlich ein Baby geopfert bekommt. Ebendiese keinesfalls böse Hexe treffen wir im anschließenden Kapitel und dann dürfen wir immer mal wieder lesend ins Protektorat reisen, in dem wir die tieftaurige Mutter vorfinden, die ihr Baby opfern musste.

Was habe ich mich in die Charaktere verliebt. Jeder einzelne ist so herrlich, so einzig und tiefgründig. Der Roman versprüht regelrecht Magie und wickelt den Leser einfach um den Finger. Mir ist es schwergefallen, überhaupt lesend zu pausieren, da die Kapitel so spannend und recht kurz sind und vor allem die Kapitelüberschriften so richtig neugierig machen. Ich sag nur Kapitel 14 „…in dem eine Handlung Konsequenzen hat“ und so ziehen sich diese Überschriften durch alle 48 Kapitel.

Kinderbuchhighlight 2018

Wie ein Märchen ist auch dieser Roman nicht durchweg herzallerliebst, das muss ich zugeben. Die Geschichte hat immer gute und schlechte Seiten, so auch hier. Stellenweise hängt ein melancholischer Nebel über den Seiten, der sich aber immer wieder schnell verzieht, schließlich gibt es so einiges zu lachen, denn Luna hat ihre neugewonnenen Kräfte natürlich nicht unter Kontrolle. Am Ende gibt es ein großes Finale, bei dem schon mal ein Auge feucht werden kann.

Ich empfehle dieses wundervolle Buch so gern weiter. Vor allem wenn der Mond scheint, muss ich an Luna denken. In diesem Jahr lese ich kein weiteres Kinderbuch, da ich mir nicht vorstellen kann, dass es ein noch schöneres geben kann. Mein Kinderbuchhighlight 2018 habe ich definitiv gefunden.

Ein Märchen für junge & ältere Leser. Fabelhaft, magisch, bezaubernd & trotzdem tiefgründig!

Eure
literatwo_banner

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause ~ Carol Rifka Brunt

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause ~ Carol Rifka Brunt

Einen richtigen Onkel hatte ich nie. Leider. Unter richtig verstehe ich nämlich, nicht nur einen Onkel im verwandtschaftlichen Sinne zu haben, sondern auch einen der sich um seine Nichte kümmert. Mit ihr Ausflüge macht, an sie denkt, einfach auch da ist. Vielleicht hätte ich einen Onkel gehabt, wenn er damals nicht das getan hätte, was er getan hat. Selbst nach Jahren kommt keine Kommunikation zustande, die Möglichkeiten waren da, ich bin da und habe das signalisiert und doch ist vielleicht Thailand mehr Familie als eine Nichte.

Der Onkel von June Elbus hat auch einen Fehler gemacht. Er hat sich mit AIDS angesteckt und ist gestorben und mit seinem Tod ist Junes Welt zusammengebrochen. June hat Finn geliebt. June hat Finn mehr geliebt, als man einen Onkel lieben sollte. Finn hat June geliebt, wie man eine Nichte lieben sollte. Finn ist Tod und nun ist Finns Wohnung leer, June hat ihre größte Bezugsperson verloren, alles was geblieben ist, ist das Gemälde.

Nach ein paar Tagen wird June etwas aus ihrer Trauerwelt herausgerissen. Sie hält Finns Teekanne in der Hand und Worte von Toby, einem unbekannten Mann, Finns Freund? Junes Neugierde ist geweckt, sie sehnt sich danach, ihre Trauer zu teilen und Finn dadurch irgendwie näher zu sein. Obwohl ihre Schwester Greta schon lange kein Interesse für June mehr hat, sucht diese jetzt Kontakt zu ihr. June zweifelt, June ist misstrauisch und schockiert, als sie das fertige Gemälde wiedersieht.

AIDS & ein Gemälde

Carol Rifka Brunt hat mich mit ihrem Debüt durch und durch überzeugt, auch wenn es ein paar Stellen gab, die ich kritisieren könnte. Ich will aber nicht, sondern ich möchte dir hier eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause ~ Carol Rifka Brunt

June fühlt sich ohne ihren Onkel einfach verdammt einsam. Kein anderer Mensch hat sie so gut gekannt und sie hat sich keinem anderen Menschen so tief anvertraut, seit das innige Schwesternverhältnis zu Greta nicht mehr existiert. Die Einsamkeit, die Traurigkeit und das Verlustgefühl dringen in uns ein wie Tränen ins Taschentuch. Und doch ist neben der sprachlichen Zärtlichkeit und Einfühlsamkeit ganz viel Spannung.

Carol Rifka Brunt lässt uns aus Sicht ihrer Protagonistin June erleben, wie sich New York im Jahr 1987 anfühlt, wenn der Onkel an Aids gestorben ist. Sie bringt uns mit ihr in eine Familie, in der die Eltern zu wenig Zeit für ihre Kinder haben und die Schwestern sich immer mehr entfernen. Du kannst dich auf geheimnisvolle Seiten freue, auf wundervolle Momente und wenn du ganz leise bist, wirst du auch die Wölfe hören. Mehr möchte ich fast schon nicht sagen. Wobei – kennst du den Roman „Distelfink“ von Donna Tart, der ebenfalls in New York spielt und in dem es um ein Gemälde geht?

Wölfe & Distelfink

Beim Lesen musste ich gelegentlich an diesen Roman denken und im Regal sollten die zwei beieinander stehen. Bitte lass dich nicht verwirren und denke nicht, dass „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ (Eisele Verlag) ein Kunstroman ist. Aber das oben angesprochene Gemälde spielt eine recht zentrale Rolle und sorgt für so einige Emotionen.

June ist mir wahnsinnig ans Herz gewachsen und ihre Geschichte ist keinesfalls leise. Ich mag zudem das Cover und den Titel sehr. Du wirst sehen, der Roman ist einfach stimmig und lässt einen tiefen Nachklang zurück. Warum? Weil die Autorin so verdammt geschickt unbequeme Themen miteinander verknüpft und dabei poetisch bleiben kann. Stark!

„Das Leben schien ein immer enger werdender Tunnel zu sein. Im Augenblick der Geburt war der Tunnel riesengroß und unendlich lang. Alles stand einem noch offen. Dann, in exakt einer Sekunde nach der Geburt, verengte sich der Tunnel bereits um die Hälfte.“ (Seite 316)

Eure

literatwo_banner

4321 meins! Hast du den Auster gelesen?

4321 ~ Paul Auster

Ihr lest den Auster? Das ist ja mal eine Hausnummer und ich glaube, ich trete gern in euren Buchclub ein und ja, ich bin beim Auster dabei. Die nicht vorhandene Lesezeit für „andere Bücher außer der Literatworeihe“ hielt mich wohl ab, in den Literaturclub Novelle in Dresden einzusteigen. Der Auster lockte mich letztendlich und es macht wirklich großen Spaß, über so ein Meisterwerk, so einen Wälzer, zu sprechen. Okay, bei über 1000 Seiten ist es nicht so einfach, einen Anfang zu finden, erst Recht nicht, wenn es 4 verschiedene Leben darin zu finden gibt und doch hat es richtig gut funktioniert. 4321…

Was will ich dir jetzt hier eigentlich über den Auster erzählen? Gute Frage – ich fange einfach mal mit meinen Gefühlen an und dann wirst du schon merken, ob du weiter liest oder nicht. Ganz egoistisch möchte ich hier nämlich für mich festhalten, wie es mir erging und locker darüber schreiben, was dieses Buch mit mir gemacht hat.

4321 – meins

Boahr – was für ein dickes Buch mit wahnsinnig dünnen Seiten. Stolze 1300 Gramm bringt der Auster auf die Waage, nicht immer gut zu halten – ein Kraftakt. Auch lesend? Nein – ich glaube inzwischen sogar, dass dicke Bücher richtig gut mit mir harmonieren. Ich sag nur die gute „Brilka“ oder „Ein wenig Leben„. Zwei Romane die ebenfalls mehr als 1 Kilogramm Gewicht mitbringen und den Leser mit vielen Worten füttern, bekräftigen und stabilisieren. Der Auster passt perfekt neben die zwei benannten Bücher und hat mich genauso wenig enttäuscht. Klar, es gibt immer ein paar Längen in einem Buch oder einige Themen gehen nicht ganz mit unseren Interessen Hand in Hand. A B E R – darum lesen wir doch, um uns zu erweitern und um neue Weg zu begehen. Zumindest geht es mir so.

Knapp über 14 Tage habe ich in „4321“ gelesen. Ja, ich hatte Urlaub und doch hätte ich wohl nicht wesentlich länger gebraucht, denn ich habe mich recht schnell in die vier verschiedenen Leben eingelesen und Archibald Ferguson ist mir ans Herz gewachsen. Alle 4? Hier muss ich natürlich ganz klar sagen: J A E I N.

Die Leben vom jugendlichen Protagonisten sind natürlich nicht komplett gegenteilig. In jedem der Erzählstränge sind ein paar Parallelen zu finden und Ferguson ist schon irgendwie Ferguson. Nach den ersten knapp 160 Seiten kennst du alle vier Archies. Ich lege dir gleich ans Herz, dir eine Übersicht zu erstellen. Natürlich bist du hier nicht in der Schule und du willst das Lesen genießen und keine wissenschaftliche Ausarbeitung machen – A B E R – die Übersicht wird dir sehr helfen. Ich habe mich anfangs wirklich gesträubt, da ich einfach nicht der Typ Leser bin, der sich bestimmte Verläufe aufschreibt. Mich stresst das irgendwie, da ich mir lieber die Stellen im Buch markiere.

4x Archibald Ferguson

Paul Austens Werk ist besonders und es ist auf jeden Fall richtig fordernd. Das bedeutet nicht, dass du nicht gut unterhalten wirst, aber wenn du 4x dem selben Charakter begegnest, er sich aber immer anders verhält und vor allem die vier Leben ganz anders verlaufen, ist es schon praktisch zu wissen, was im jeweiligen Kapitel davor passierte. Als ich zum Beispiel am Anfang von Kapitel 2.2. stand, war es richtig schön kurz die Stichpunkte aus Kapitel 1.2. zur Hand zu nehmen und mir DIESEN Archie in Erinnerung zu rufen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Paul Auster hat hier ein echtes Werk für uns geschrieben, was sich in die Reihe der Lebensbücher einreiht. Im Leseclub haben wir da recht ähnliche Ansichten. Und wir haben uns fast alle in den gleichen Archie verliebt. Der dritte Archie, der auch der rebellischste und extremste ist, hat mein Herz erobert. Ich habe eben eine Vorliebe für das Extreme und die Seiten habe ich nur so verschlungen. Was für ein krasses und aufregendes Leben. Keinesfalls sind die anderen drei langweilig, falls das jetzt so klang. Sie sind schlicht und ergreifend normaler.

Wie wäre nur mein Leben oder gar dein Leben, wenn wir immer irgendwie der oder die Selbe bleiben würden, aber die Leben so anders verliefen? Ich habe oft mich selbst betrachtet und mit meinem Leben andere Variationen durchgespielt – beruflich, privat – stundenlang könnte man darüber nachdenken und doch haben wir nur das eine Leben, was ja auch irgendwie gut so ist. Es ist so verdammt faszinierend, vier verschiedene Leben eines einzigen Protagonisten zu erlesen. Was muss Auster für einen Spaß beim Schreiben gehabt haben. Jeder Archie erlebt die Liebe, einige Schicksalsschläge, ist bescheiden, kämpferisch, künstlerisch, politisch und muss sich dem Unglück stellen. So viele Facetten, so viele außergewöhnliche Begegnungen, Gefühle und Situationen.

Chapeau – Herr Auster!

Dieser Roman ist einfach ein Meisterwerk. Jeder der ihn gelesen hat, hat keine Seite bereut, keine Leseminute verschwendet – zumindest ist mir nichts Gegenteiliges bekannt. Doch welcher Archibald Ferguson ist denn nun der richtige?

Das verrät uns Paul Auster. Natürlich aber erst am Ende und natürlich nicht auf einem Tablett serviert, sondern mit einem geschicktem Kunstgriff. Mich hat er überrascht, auch wenn ich voller Vorahnung war. Und ja, es tat weh, sich nach und nach von den drei anderen Archies zu trennen. Jeder ist so verdammt besonders.

Und das Treffen mit den Mädels und Jungs aus dem Leseclub? Es war ganz klasse. Es waren noch nicht alle fertig, aber das war keinesfalls schlimm. Wir haben alle so viele Stellen markiert, dass man szenenweise und in kleinen Gruppen darüber sprechen konnte. Zudem haben wir unsere Stichpunktzettel, Stammbäume und Diagramme verglichen. Total herrlich, wie jeder seinen Leseweg und vor allem die vier Leben von Archie festgehalten hat. Ein bunter Abend und immer wieder wurde eine neue Stelle gefunden, über die man unbedingt sprechen musste. Einfach richtig grandios, genau wie das Werk selbst.

Du solltest den Auster gelesen haben, glaub mir. Und wenn du ihn schon kennst, lies Brilka von Nino Haratischwili.

Wenn dir der dicke Wälzer zu teuer ist oder du sowieso lieber Taschenbücher magst, dann kannst du seit März zugreifen. Ich empfehle allerdings das Hardcover, da der Buchrücken nicht geknickt wird und es bei dem Gewicht einfach handlicher ist. Verrate mir doch im Kommentar, welcher Archie dir ans Herz gewachsen ist oder warum du bisher „4321“ von Auster noch nicht kennst.

Eure
literatwo_banner

Die Frau, die liebte ~ Janet Lewis

Die Frau, die liebte ~ Janet Lewis

Ehrlich gesagt, kann ich dir gar nicht sagen, warum ich Jane Austen nicht weiter kenne. Viele fliegen auf ihre Bücher, auf Filme und Co. Ich konnte bisher nie etwas mit ihr anfangen, scheinbar fehlt es mir da an der austschen Romantik. Einen Film habe ich mal gesehen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Ändern möchte ich das nicht, auch der Roman von Janet Lewis „Die Frau, die liebte“ (dtv) konnte da nichts bewirken, da der Roman absolut gar nichts mit Jane Austen zu tun hat. Ja, ich denke mal, dass ich das hier gleich erwähne, da das Cover vielleicht irreführend sein könnte.

Überhaupt sieht das Bild so nach idyllischem Hausfrauenleben aus. So unbeschwert und friedlich, dabei reisen wir durch Lewis Worte ins Jahr 1539 zurück und finden uns gleich auf der Hochzeit zweier Kinder wieder. Du liest richtig, ich habe mich hier nicht vertippt. In dieser Zeit war es recht üblich, 11-jährige Kinder zusammen zu führen, so auch Bertrande de Rols und Martin Guerre. Bertrande wird von der plötzlichen Hochzeit überrascht, sie kannte Martin bisher nur vom Sehen – Martin ist erbost und demonstriert dies umgehend mit einer Ohrfeige. Das Ende von Lied – beide Kinder werden ins Bett gebracht.

Trotz des schlechten Starts, arrangieren sich die Kinder, werden reife Jugendliche und tatsächlich entsteht eine Knospe der Liebe. Beide hätten es nicht für möglich gehalten, füreinander Liebe zu empfinden. Doch Bertrande verliert ihr Herz an Martin und diesem bricht auch seins, als er sich entscheidet, das Gut von seinem Vater zu verlassen. Er hat bereits zwei Zähne in Auseinandersetzungen mit seinem Vater verloren und wenn er Martins Diebstahl bemerken würde, prügelt er ihn vielleicht tot. Das Risiko ist zu hoch und Martin kehrt Frau und Sohn den Rücken mit dem Versprechen, bald wieder zurück zu kommen. Aus bald wurden lange acht Jahre. Aber – er hat sein Versprechen gehalten.

Bertrande blüht auf, der graue Schleier über dem Gut verzieht sich und das idyllische Familienleben kann endlich beginnen. Ein Leben voller Glück, voller Zufriedenheit und grenzenloser Liebe.

Die Frau, die liebte ~ Janet Lewis

Wie ein Wiegemesser nach und nach Petersilie zerkleinert, wird Bertrandes Liebe angeschnitten. Zweifel breiten sich in ihr aus. Ist Martin wirklich ihr Ehemann? Bertrande taumelt und letztendlich bahnt sich eine schwerwiegende Tragödie an, die ihr Leben völlig verändert.

Immer stecken in schmalen, unschuldig aussehenden Büchern riesig große Geschichten. Auch Janet Lewis überrascht auf diese Art. Auf knapp 130 Seiten lässt sie uns an einem Fall teilhaben, der auf wahren Begebenheiten beruht und den Roman dadurch noch intensiviert. Überhaupt musste ich mich nach diesem Stoff sammeln. Ich war hin- und hergerissen, da ich andere Erwartungen hegte, Titel und Cover für mich nicht ganz im Einklang mit dem Inhalt waren und das Ende einfach erschütterte. Dennoch brilliant, wie ich betonen möchte.

Janet Lewis lässt durch uns Leser ganz viele Gefühle strömen. Wir lieben und wir zweifeln – wir versuchen herauszufinden und letztendlich finden wir – und dann? Das musste ich für mich herausfinden und du wirst es für dich herausfinden. Die Liebe steht im Mittelpunkt und das Leben von Bertrande und selbst im Jahr 2018 lieben wir noch genauso stark wie früher. Lewis erzählt chronologisch, immer der Reihen nach, ohne viele Schnörkel, aber kraftvoll.

Jeder der liebt, wird sich in Bertrande wiederfinden. Lange habe ich kein so passendes Buch gefunden, was sich zum Verschenken eignet. Es ist schmal, es ist intensiv, sogar spannend, tragisch und voller Liebe. Im Nachwort erfahren wir von Judith Hermann mehr über die Autorin selbst, über ihre Art zu schreiben und über den Prozess in Frankreich.

Eure
literatwo_banner

Meeresrand ~ Véronique Olmi

Meeresrand ~ Véronique Olmi

Was war ich neulich erschüttert. Meine Oma hat mich total aus der Fassung gebracht, als ich sie mit meiner neusten buchigen Errungenschaft, „Meeresrand“ von Véronique Olmi, in der Hand, sah. Natürlich kann sie mein Buch ansehen, aber doch nicht die letzte Seite lesen, mich entsetzt ansehen und sagen: „Oh nein, das wäre kein Buch für mich. Das ist ja schlimm.“ Ich habe bis zu diesem Tag nicht gewusst, dass meine Oma auch so eine ist. Eine die das Ende zuerst liest. Sie macht das immer so, antwortete sie mir ganz trocken. Ich wusste also, dass mich das Ende packen wird, aber nun mal von vorn und natürlich verrate ich dir nicht, was auf der letzten Seite passiert.

Am Indiebookday habe ich mir in der Buchhandlung „LeseLust“ dieses schmale Buch gekauft. Buchhändler Sven Bernitt meinte, dass ich mich darauf einlassen muss, da Olmi sehr eigen & poetisch schreibt. Umso neugieriger wurde ich und innerhalb weniger Stunden war ich durch. Nicht zum ersten Mal machte ich die Erfahrung, dass oftmals die kleinen, schmalen, unscheinbaren Bücher erschlagen und nicht die dicken, schweren. Olmis Buch hat mir sehr zugesetzt und es ist keinesfalls ein Buch für zarte Gemüter oder gar junge Mütter. Ich kann dir gar nicht sagen, wem ich es empfehlen würde. Es ist jedenfalls keine Strandlektüre und es wirkt heftig nach, erschüttert und verstört.

Meeresrand

Ich mag es, am Meeresrand zu stehen. Die Füße im Sand, die wärmende Sonne auf dem Körper, lachende und entspannte Menschen um mich herum. Einmal am Jahr muss ich zum Meer. Lesend bin ich gerade zurück, allerdings war es kalt, es hat geregnet und die Stimmung war düster. Ein unheilvoller Ausflug, den ich so nicht wiederholen möchte.

Meeresrand ~ Véronique Olmi

Die Kinder sollen das Meer sehen. Das Meer ist für Kevin (5), Stan (9) und ihre Mutter in greifbarer Nähe. Sie fahren mit dem Nachtbus ans Meer. Die Kinder sind müde, es ist kein Reisewetter und es sind auch keine Ferien. Doch die Mutter meint es gut, sie möchte einmal nur mit ihnen verreisen, ihnen zeigen, wie schön es am Meer ist. Sie möchte mit ihnen zusammen sein, die Depression ausblenden, auf die Kirmes gehen, einfach viele schöne Stunden verbringen.

Atemraubend

Das Hotel ist eine Absteige, die Sachen sind nass vom Regen, es wird nicht richtig wohnlich warm und das Geld war nie vorhanden. In einer Teedose ist noch ein wenig Klimpergeld, die Mutter ist müde, die Kinder sind hungrig und Stan muss für Kevin und auch für seine Mutter da sein. Er war schon immer der starke große Junge, der alles überwacht, sich fremdschämt und doch da ist, wenn in ihr die Panik ausbricht.

„Ich könnte nicht einen ganzen Tag lang aufbleiben, dies oder das erledigen, liebenswürdig sein, höflich und strahlend, nein, ich könnte nie einen ganzen Tag lang die Augen offenhalten. Schade, daß der Schlaf zwei Gesichter hat: Vergessen, aber auch Bedrohung. Nie weiß man im vorhinein, auf welche Seite man fällt.“ (Seite 63)

Véronique Olmi ist eine wahrhaft großartige Erzählerin. Sie packt uns Leser an der Wurzel und lässt uns die Stimmung aufsaugen. Sie flößt uns zärtlich zerstörerische Worte ein und schiebt uns ganz langsam und kaum spürbar an den Meeresrand. Es gibt keine Dialoge, wir erleben die Reise aus Sicht der sozialschwachen Mutter. Wir erlesen ihre Gedanken, handeln mit ihr und können nicht eingreifen, nur zusehen. Olmi spült uns den Sand aus den Augen und lässt das Meeressalz darin kribbeln.

Dramatisch, intensiv, deprimierend düster, bedrückend, hoffnungslos, atemraubend und massiv erschütternd. Sprachlich grandios und tagelang nachwirkend.

Im Regal sollte „Meeresrand“ (Kunstmann) neben „Dann schalf auch du(Luchterhand) von Leïla Slimani stehen. Verstörend, aber gut.

Eure
literatwo_banner

Carry Ulreich ist Anne Frank mit Happy End

Nachts träum ich vom Frieden Tagebuch 1941 – 1945 ~ Carry Ulreich

Carry Ulreich sagt selbst über sich, dass sie die Anne Frank mit Happy End ist. Sie hat überlebt, sie lebt heute in Tel Aviv und du kannst lesen, was sie erlebt hat. Ich habe gespannt zu ihrem Tagebuch gegriffen und machte mich auf eine zweite Anne Frank gefasst, zum Glück in dem Fall nicht mit einem tödlichen Ende. Gegen das Vergessen zu lesen ist wichtig und ist vor allem nie verkehrt. Ich möchte dir aus diesem Grund heute dieses Sachbuch ans Herz legen.

Es ist immer ein komisches Gefühl, in einem Tagebuch zu lesen. Man kommt sich immer so neugierig vor, da spielt es keine Rolle, welches Alter das Tagebuch hat. So empfinde ich zumindestens. Den ersten Eintrag hat Carry Ulreich am 17. Dezember 1941 vorgenommen. Da lebte sie mit ihrer Familie noch in Rotterdam, besuchte eine jüdische Schule und war gerade mal junge 15 Jahre. Kannst du dich an die Zeit erinnern, als du 15 warst? Es war doch herrlich – das Leben war unbeschwert, ich war viel mit Freunden an der frischen Luft und Jungs wurden immer interessanter. Bei Carry sieht das ganz anders aus. Krieg heißt das große Thema, die Angst ist vorherrschend und seit einigen Tagen werden jüdische Geschäfte geschlossen. Es sollen Fabriken folgen und schließlich wird es Pflicht, den gelben Stern sichtbar zu tragen, an den Sachen festzunähen. Die Juden werden immer mehr bedrängt, bedroht und nach und nach in Arbeitslager gebracht. Rotterdam ist nicht mehr sicher, auch Carry und ihre Familie sind in Gefahr und versuchen unterzutauchen…

Anne Frank / Carry Ulreich

Sie überlebt, anders als Anne Frank aus Amsterdam. Doch ihr Weg ist ein steiniger und jeder Tagebucheintrag ist emotional und doch so voller Mut und Kraft. Respekt, Carry Ulreich – ob ich so mutig gewesen wäre und trotz der ganzen Dunkelheit an jedem Tagesende noch ein Licht gesehen hätte, eher nicht. „Nachts träum ich von Frieden“ (Aufbau) ist erschütternd, beklemmend und beeindruckend zugleich und ich bin froh, dieses Tagebuch zu kennen. Wir gehen mit Carry nicht nur bis zum Tag der Befreiung, sondern erleben auch die Nachkriegszeit.

Nachts träum ich vom Frieden Tagebuch 1941 – 1945 ~ Carry Ulreich

Ich möchte dieses Tagebuch keineswegs mit Anne Frank vergleichen. Aber gerade auf den ersten Seiten merken wir Leser, dass Carry mit ihren 15 Jahre noch nicht so fest im Leben verankert, noch nicht so reif und sprachlich so begabt ist, wie Anne. Gerade dadurch finden wir noch schneller einen Bezug zu ihr und lächeln über einige Sätze. Bevor ich allerdings im Tagebuch gelesen und mich an die Seite von Carry begeben habe, laß ich die Einleitung von Historiker Bart Wallet. Er setzt mit seinen Worten den Grundstein für den Einstieg ins Tagebuch. Wir erfahren mehr über die Bedeutung des Tagebuches, über die Geschichte des Judenverfolgung in Rotterdam und er erzählt uns von seiner ersten Begegnung mit der 89-jährigen Carry.

Tagebuch 1941 bis 1945

Es ist schön, dass die Fehler aus dem Tagebuch nicht korrigiert wurden und die Länge der Satzgefüge in der Regel beibehalten wurden und doch liest es sich ab und an holprig, weil die Übersetzerin die Hinzufügungen gekennzeichnet hat. Doch diese sind eben wichtig, allerdings eher mehr am Anfang zu finden und nach wenigen Seiten nimmt man diese kaum noch wahr.

Sehr spannend ist das Interview mit Carry Ulreich, welches im September 2017 geführt wurde. Zudem sind Fotografien abgedruckt, auf denen Carry und ihre Familie, wie auch weitere wichtige Menschen in ihrem Leben, zu sehen sind. Epilog und Hintergründe zum Tagebuch runden dieses Werk ab und natürlich bleibt das schöne Gefühl, dass Gefühl zu wissen, dass Carry Ulreich immer noch am Leben ist.

Das Tagebuch von Carry, der Anne Frank von Rotterdam, bewegt, wühlt auf und bringt ein weiteres Schicksal der damaligen Zeit in unsere Gegenwart.

Eure
literatwo_banner

Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt ~ Jesmyn Ward

Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

Singt!

Ich habe weder gesungen, noch habe ich mich richtig lebendig oder richtig tot gefühlt, als ich diesen Lustkauf tätigte. Ich habe nicht mal intensiv den Klappentext gelesen, sondern die erste Seite und was soll ich sagen, das Buch hatte mich gleich. Meine Gemütslage und die Worte von Jesmyn Ward verstanden sich sofort – etwas negativ, etwas dunkel, düster und voller Ungewissheit. Ich nahm es einfach mit und lies mich zwischen die Seiten fallen.

Ich lese gern extrem, wie du weißt, die thematische Richtung bestimmt das Buch. Also rechnete ich gleich damit, mit den Protagonisten high zu sein und beschissene Situationen zu meistern und vielleicht sogar dabei umzukommen. In meinem Fall aber alles lesend, versteht sich. Doch zuerst habe ich mit Jojo und seinem Großvater Pop eine Ziege geschlachtet und gehäutet. Großmutter Mam liegt derweil in ihrem Krankenbett und muss sich dem Krebs geschlagen geben. Seine Mutter? Sein Vater? Fragt nicht, denn Jojo wächst nicht in einer behüteten Familie auf. Sein Vater Michael ist weiß, sitzt allerdings im Knast, genauer im stattlichen Zuchthaus namens „Parchment-Farm“. Seine Mutter Leonie ist schwarz, arbeitet in einer Bar und sie ist gern high. Ihr Bruder ist tot, doch wenn sie sich den Drogen widmet, erscheint er oft vor ihr. Jojo ist kein Einzelkind – Schwester Kayla isst gern und weint viel.

#Drogen #ZerbrocheneFamilie #Rasissmus

Ja, die Trostlosigkeit tropft aus meinen Worten und doch gibt es Hoffnung. Ein Roadtrip ist selten zu verachten und er darf sich auch fast komplett über die 300 Seiten strecken, wenn er gut ist. Leonie darf ihren Mann Michael abholen und die ebenfalls gern unter Drogen stehende Misty ist mit von der Partie. Auf der Rückbank beschützt Jojo seine Schwester. Er verkörpert für Kayla Mutter und Vater. Liebe? Geborgenheit? Die ist nur allzuselten spürbar, wenn überhaupt. Dafür gibt es gewaltvolle Vergangenheit und im Grunde auch Gegenwart, es ist kalt, düster und unmelodisch. Visionen sind auf der Tagesordnung, genau wie die zwei toten Männer.

Wer also immer noch glaubt, es könnte bei dem Titel „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ um Volksmusikaten gehen, irrt. Die Hashtags lauten: #Drogen. #ZerbrocheneFamilie & #Rasissmus.

Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

Ich habe mir beim Lesen schon ein wenig das eigene Genick mit diesem Lustkauf gebrochen und doch wollte ich alles wissen und legte den Roman (Verlag Antje Kunstmann) nicht weg. Gequält habe ich mich wohl etwas am Schluss, die umfassende Handlung blieb aus, aber es wurde extrem und unterschwellig wühlte sich der Inhalt in mein Herz.

„Kummer ist wie zu schnell heruntergeschlucktes Essen, das im Hals stecken bleibt und das Atmen fast unmöglich macht.“ (Seite 284)

Jojo hat mich am meisten berührt, Kayla tut mir immer noch leid und hat dennoch wahnsinnig genervt, Mam hat mir Tränen in die Augen getrieben, Pop ist ein Herzmensch, Michael ist einfach nur dumm, genau wie Misty und Leonie hätte ich gern mal aufgezeigt, wie gut es sie haben kann und dabei etwas geschüttelt. Richie und Given sind und bleiben tot.

Jesmyn Ward lässt Leonie, Jojo und Richie in ihren Kapiteln erzählen. Doch neben Vergangenheit und Gegenwart rutschen diese in Visionen ab und werden nicht nur schlimm, sondern mystisch, fantastisch und schließlich nicht mehr greifbar. Ich habe schwer über einige Stellen nachgedacht und ich habe wohl auch einige Wortfäden aus den Händen verloren. Das Buch fesselte mich, doch nach und nach löste sich die gefühlt enge Bindung und ich entglitt, konnte der literarischen Forderung nicht mehr entsprechen.

Nicht fesselnd, aber nachhaltig

Und dann diese Sprache: „…und ihre Stimme hatte was von einer Angelrute, die so schwach ausgeworfen wird, dass der Wind sei einfängt. Der Bleihaken sank trotzdem in meine Brust,…“ (Seite 76) oder „Ich hole das Tütchen heraus, und Michael sieht aus, als wollte er kehrtmachen und weglaufen – und dann so, als hätte ich sein Lieblingsgericht, Makkaroni mit Käse, in der Hand, und er möchte essen.“ (Seite 161)

Jetzt, nachdem ich all das geschrieben habe, steht die Frage noch immer im Raum: Empfehlung? Ich gebe sie an dich weiter und lausche deiner Antwort. Sing mit oder lass die Finger davon…

Eure
literatwo_banner

LBM2018 – Buchmesse in Bildern & Hashtags

Buchmesse Leipzig 2018

Die heiligen Buchmessehallen öffnen morgen ihre Türen und ich bin ab heute schon in Leipzig. Jede Messe ist anders, bunt, vor allem buchig und ich bin vorfreudig auf jeden Moment. Ich möchte dich mitnehmen & darum werde ich Bilder & kurze Fakten festhalten.

Willst du dabei sein?

Ich habe mich entschieden, hier keinen großen Vorbericht und auch keinen ausschweifenden Nachbericht zu schreiben. Alles anders, alles neu. Aus diesem Grund halte ich meine Emotionen, Eindrücke und Erlebnisse auf Instagram fest und lade dich ein, dabei zu sein.

—> Klick zu „binea_literatwo“ auf Instagram <—

Folge mir auf die Buchmesse in Leipzig und hole dir das buchige Paradies nach Hause. Noch besser – wenn du vor Ort bist, lass uns treffen! Ich freue mich auf dich! Zudem kannst du jederzeit Fragen stellen, mir via PN schreiben, ob ich einen bestimmten Stand fotografieren, nach einem bestimmten Buch, Autoren etc. Ausschau halten soll.

Ich bin neugierig auf dich und ich freue mich so sehr auf das große Wiedersehen mit einigen Lesern, befreundeten Bloggern und natürlich auf die ganzen 1. Begegnungen. Und ich bin natürlich gespannt, welche neuen Bücher es in den Programmen zu entdecken gibt, welche Überraschungen bei den Bloggertreffen auf mich warten und auf so vieles mehr. YEAH!

Bis gleich also! 😉

Messe du warst grandios!!!

1. Tag – LBM18- 14.03.2018

Diese Diashow benötigt JavaScript.

2. Tag – LBM18- 15.03.2018

Diese Diashow benötigt JavaScript.

3. Tag – LBM18- 16.03.2018

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Gruppenbild & Messemitbringselbücher

D A N K E für D I C H / D A N KE für E U C H!

Drei Tage voller Bücher, voller Buchmenschen, wundervollen Begegnungen, ganz viel Spaß und Freude, neuen Ideen und Kooperationen und der Herbst wird buchig spannend! Wiederholung fest eingeplant. Ich freue mich!!!

Eure
literatwo_banner

Oje, ein Buch!

Oje, ein Buch! ~ Lorenz Pauli & Miriam Zedelius

Oje, ein Buch! -> Das wird wohl von uns Leseratten nie jemand sagen. Aber wer sagt denn solche Worte? Ich erzähl es dir, denn es ist Bilderbuchzeit bei Literatwo. Ich freue mich riesig, dir endlich mal wieder ein Bilderbuch vorzustellen zu können, was mich total begeistert hat. Dieser rote Schatz erregt Aufmerksamkeit. Schon der Titel provoziert, wie ich lächelnd feststellen muss und lädt dadurch zum Zugreifen ein. Einer meiner Kumpels hat das Buch nicht nur angeschaut, sondern es gleich mal laut, mit Betonung und verstellten Stimmen vorgelesen. Es ist so herzallerliebst!

Zurück zum Titel – die gute Frau Asperilla (der Name ist etwas holprig für die Zunge ;-)) nimmt das Geschenk aus Juris Hand und ehe er sich versieht, hat sie es geöffnet. So war das nicht gedacht und sie ist überrascht und enttäuscht zugleich, als sie das Buch sieht. „Oje, ein Buch“ entfährt es ihr. Genau – Juris Buch! Juri ist clever und als Wiedergutmachung möchte er es sich mit Frau Asperilla zusammen ansehen. Sie ist skeptisch, hält das Buch in der Hand und was passiert? Nichts. Klar – es ist doch auch ein Buch. Wie wäre es mit aufschlagen, darin blättern? Vorlesen?

Juri hilft, erklärt ihr den Umgang mit dem Buch (ja, du hast richtig gelesen!) und endlich liest sie los. „Es war einmal ein kleines Haus, oben auf einem Berg. Jemand klopft…“ Frau Asperilla macht eine Pause, schaut verwundert und sagt: „Da klopft aber keiner!“  Juri bleibt geduldig, erklärt ihr, dass man sich das doch vorstellen muss und das sie auf den nächsten Seiten noch mehr erfahren werden. Merkt euch: von links nach rechts!

Von links nach rechts!

Wie du merkst, ist Frau Asperilla wirklich sehr unerfahren im Bezug auf Bücher. Unerhört oder? Schon auf den ersten Seiten bleibt das Schmunzeln und Lachen nicht aus. Juri hat sich wirklich eine spezielle Vorleserin ausgesucht, bei der viel Geduld nötig ist. Hättest du schon aufgegeben?

Frau Asperilla hört erneut auf zu lesen, da sie findet, dass Mäuse nicht an eine Tür klopfen können. Aber klar doch! In Büchern ist das sehr wohl möglich und noch viel mehr. Also weiter lesen – immer von links nach rechts. KLAPP! Frau Asperilla schließt das Buch. Was ist denn nun passiert?

Oje, ein Buch! ~ Lorenz Pauli & Miriam Zedelius

Ich muss schon wieder lachen. Du bist jetzt bestimmt neugierig, warum Frau Asperilla schon wieder eine Pause gemacht hat. Warum klappt sie das Buch auch gerade dann zu, als die Geschichte beginnt? Juri ist entsetzt, das kannst du dir ja vorstellen und lässt sich von ihr den Grund nennen.

So ein wahnsinnig liebevoll gemachtes Bilderbuch. Hier ist der Vorlesespaß aber mal so richtig garantiert. Inhaltlich einfach spitze, denn es geht nicht nur um eine Geschichte, sondern auch um das Buch an sich. Wer liest denn heute noch aus großen Bilderbüchern vor? Ich schon – und du? Frau Asperilla hat das scheinbar lange nicht mehr gemacht, sie versucht sogar die Bilder heran zu zoomen oder das Buch auszuschalten. Grandios! Ihre Welt ist völlig digitalisiert und Juri führt sie in eine für sie völlig neuartige Welt.

Das Buch bleibt immer das Buch

Es gibt Geschichten, ganz ohne Strom, ganz ohne Bildschirm. Geschichten auf Papier. Seiten zwischen denen allerhand zu entdecken ist. „Das Buch bleibt immer das Buch.“

Wirklich durch und durch herzallerliebst. Nicht nur die Geschichte an sich, sondern auch die Geschichte von Juri und Frau Asperilla und wir Leser halten genau das gleiche Buch in der Hand, welches die beiden lesen. Wir haben an zwei Geschichten teil und schreiben selbst lesend und vorlesend eine Geschichte und haben uns währenddessen und danach so einiges zu erzählen. Vergiss bitte nie, wie Bücher funktionieren!

Lorenz Pauli erzielt mit wenig Worten eine große Wirkung und diese Worte hat Miriam Zedelius hervorragend illustriert.

Dicke Bilderbuchempfehlung!!! Ich bin durch und durch in „Oje, ein Buch“ (atlantis) verliebt! Mehr davon bitte!

P.S. Lorenz Pauli kommt nach Leipzig und liest vor:

14.03.2018, 10:00, Haus des Buches, Literaturhaus Leipzig, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

16.03.2018, 16:00, Umweltbibliothek Leipzig, Bernhard-Göring-Str. 152, 04277 Leipzig

18.03.2018, 16:00, Kinderbuchladen Serifee, Karl-Liebknecht-Straße 36, 04107 Leipzig, Deutschland

Eure
literatwo_banner