Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt ~ Jesmyn Ward

Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

Singt!

Ich habe weder gesungen, noch habe ich mich richtig lebendig oder richtig tot gefühlt, als ich diesen Lustkauf tätigte. Ich habe nicht mal intensiv den Klappentext gelesen, sondern die erste Seite und was soll ich sagen, das Buch hatte mich gleich. Meine Gemütslage und die Worte von Jesmyn Ward verstanden sich sofort – etwas negativ, etwas dunkel, düster und voller Ungewissheit. Ich nahm es einfach mit und lies mich zwischen die Seiten fallen.

Ich lese gern extrem, wie du weißt, die thematische Richtung bestimmt das Buch. Also rechnete ich gleich damit, mit den Protagonisten high zu sein und beschissene Situationen zu meistern und vielleicht sogar dabei umzukommen. In meinem Fall aber alles lesend, versteht sich. Doch zuerst habe ich mit Jojo und seinem Großvater Pop eine Ziege geschlachtet und gehäutet. Großmutter Mam liegt derweil in ihrem Krankenbett und muss sich dem Krebs geschlagen geben. Seine Mutter? Sein Vater? Fragt nicht, denn Jojo wächst nicht in einer behüteten Familie auf. Sein Vater Michael ist weiß, sitzt allerdings im Knast, genauer im stattlichen Zuchthaus namens „Parchment-Farm“. Seine Mutter Leonie ist schwarz, arbeitet in einer Bar und sie ist gern high. Ihr Bruder ist tot, doch wenn sie sich den Drogen widmet, erscheint er oft vor ihr. Jojo ist kein Einzelkind – Schwester Kayla isst gern und weint viel.

#Drogen #ZerbrocheneFamilie #Rasissmus

Ja, die Trostlosigkeit tropft aus meinen Worten und doch gibt es Hoffnung. Ein Roadtrip ist selten zu verachten und er darf sich auch fast komplett über die 300 Seiten strecken, wenn er gut ist. Leonie darf ihren Mann Michael abholen und die ebenfalls gern unter Drogen stehende Misty ist mit von der Partie. Auf der Rückbank beschützt Jojo seine Schwester. Er verkörpert für Kayla Mutter und Vater. Liebe? Geborgenheit? Die ist nur allzuselten spürbar, wenn überhaupt. Dafür gibt es gewaltvolle Vergangenheit und im Grunde auch Gegenwart, es ist kalt, düster und unmelodisch. Visionen sind auf der Tagesordnung, genau wie die zwei toten Männer.

Wer also immer noch glaubt, es könnte bei dem Titel „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ um Volksmusikaten gehen, irrt. Die Hashtags lauten: #Drogen. #ZerbrocheneFamilie & #Rasissmus.

Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

Ich habe mir beim Lesen schon ein wenig das eigene Genick mit diesem Lustkauf gebrochen und doch wollte ich alles wissen und legte den Roman (Verlag Antje Kunstmann) nicht weg. Gequält habe ich mich wohl etwas am Schluss, die umfassende Handlung blieb aus, aber es wurde extrem und unterschwellig wühlte sich der Inhalt in mein Herz.

„Kummer ist wie zu schnell heruntergeschlucktes Essen, das im Hals stecken bleibt und das Atmen fast unmöglich macht.“ (Seite 284)

Jojo hat mich am meisten berührt, Kayla tut mir immer noch leid und hat dennoch wahnsinnig genervt, Mam hat mir Tränen in die Augen getrieben, Pop ist ein Herzmensch, Michael ist einfach nur dumm, genau wie Misty und Leonie hätte ich gern mal aufgezeigt, wie gut es sie haben kann und dabei etwas geschüttelt. Richie und Given sind und bleiben tot.

Jesmyn Ward lässt Leonie, Jojo und Richie in ihren Kapiteln erzählen. Doch neben Vergangenheit und Gegenwart rutschen diese in Visionen ab und werden nicht nur schlimm, sondern mystisch, fantastisch und schließlich nicht mehr greifbar. Ich habe schwer über einige Stellen nachgedacht und ich habe wohl auch einige Wortfäden aus den Händen verloren. Das Buch fesselte mich, doch nach und nach löste sich die gefühlt enge Bindung und ich entglitt, konnte der literarischen Forderung nicht mehr entsprechen.

Nicht fesselnd, aber nachhaltig

Und dann diese Sprache: „…und ihre Stimme hatte was von einer Angelrute, die so schwach ausgeworfen wird, dass der Wind sei einfängt. Der Bleihaken sank trotzdem in meine Brust,…“ (Seite 76) oder „Ich hole das Tütchen heraus, und Michael sieht aus, als wollte er kehrtmachen und weglaufen – und dann so, als hätte ich sein Lieblingsgericht, Makkaroni mit Käse, in der Hand, und er möchte essen.“ (Seite 161)

Jetzt, nachdem ich all das geschrieben habe, steht die Frage noch immer im Raum: Empfehlung? Ich gebe sie an dich weiter und lausche deiner Antwort. Sing mit oder lass die Finger davon…

Eure
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LBM2018 – Buchmesse in Bildern & Hashtags

Buchmesse Leipzig 2018

Die heiligen Buchmessehallen öffnen morgen ihre Türen und ich bin ab heute schon in Leipzig. Jede Messe ist anders, bunt, vor allem buchig und ich bin vorfreudig auf jeden Moment. Ich möchte dich mitnehmen & darum werde ich Bilder & kurze Fakten festhalten.

Willst du dabei sein?

Ich habe mich entschieden, hier keinen großen Vorbericht und auch keinen ausschweifenden Nachbericht zu schreiben. Alles anders, alles neu. Aus diesem Grund halte ich meine Emotionen, Eindrücke und Erlebnisse auf Instagram fest und lade dich ein, dabei zu sein.

—> Klick zu „binea_literatwo“ auf Instagram <—

Folge mir auf die Buchmesse in Leipzig und hole dir das buchige Paradies nach Hause. Noch besser – wenn du vor Ort bist, lass uns treffen! Ich freue mich auf dich! Zudem kannst du jederzeit Fragen stellen, mir via PN schreiben, ob ich einen bestimmten Stand fotografieren, nach einem bestimmten Buch, Autoren etc. Ausschau halten soll.

Ich bin neugierig auf dich und ich freue mich so sehr auf das große Wiedersehen mit einigen Lesern, befreundeten Bloggern und natürlich auf die ganzen 1. Begegnungen. Und ich bin natürlich gespannt, welche neuen Bücher es in den Programmen zu entdecken gibt, welche Überraschungen bei den Bloggertreffen auf mich warten und auf so vieles mehr. YEAH!

Bis gleich also! 😉

Messe du warst grandios!!!

1. Tag – LBM18- 14.03.2018

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2. Tag – LBM18- 15.03.2018

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3. Tag – LBM18- 16.03.2018

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Gruppenbild & Messemitbringselbücher

D A N K E für D I C H / D A N KE für E U C H!

Drei Tage voller Bücher, voller Buchmenschen, wundervollen Begegnungen, ganz viel Spaß und Freude, neuen Ideen und Kooperationen und der Herbst wird buchig spannend! Wiederholung fest eingeplant. Ich freue mich!!!

Eure
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Oje, ein Buch!

Oje, ein Buch! ~ Lorenz Pauli & Miriam Zedelius

Oje, ein Buch! -> Das wird wohl von uns Leseratten nie jemand sagen. Aber wer sagt denn solche Worte? Ich erzähl es dir, denn es ist Bilderbuchzeit bei Literatwo. Ich freue mich riesig, dir endlich mal wieder ein Bilderbuch vorzustellen zu können, was mich total begeistert hat. Dieser rote Schatz erregt Aufmerksamkeit. Schon der Titel provoziert, wie ich lächelnd feststellen muss und lädt dadurch zum Zugreifen ein. Einer meiner Kumpels hat das Buch nicht nur angeschaut, sondern es gleich mal laut, mit Betonung und verstellten Stimmen vorgelesen. Es ist so herzallerliebst!

Zurück zum Titel – die gute Frau Asperilla (der Name ist etwas holprig für die Zunge ;-)) nimmt das Geschenk aus Juris Hand und ehe er sich versieht, hat sie es geöffnet. So war das nicht gedacht und sie ist überrascht und enttäuscht zugleich, als sie das Buch sieht. „Oje, ein Buch“ entfährt es ihr. Genau – Juris Buch! Juri ist clever und als Wiedergutmachung möchte er es sich mit Frau Asperilla zusammen ansehen. Sie ist skeptisch, hält das Buch in der Hand und was passiert? Nichts. Klar – es ist doch auch ein Buch. Wie wäre es mit aufschlagen, darin blättern? Vorlesen?

Juri hilft, erklärt ihr den Umgang mit dem Buch (ja, du hast richtig gelesen!) und endlich liest sie los. „Es war einmal ein kleines Haus, oben auf einem Berg. Jemand klopft…“ Frau Asperilla macht eine Pause, schaut verwundert und sagt: „Da klopft aber keiner!“  Juri bleibt geduldig, erklärt ihr, dass man sich das doch vorstellen muss und das sie auf den nächsten Seiten noch mehr erfahren werden. Merkt euch: von links nach rechts!

Von links nach rechts!

Wie du merkst, ist Frau Asperilla wirklich sehr unerfahren im Bezug auf Bücher. Unerhört oder? Schon auf den ersten Seiten bleibt das Schmunzeln und Lachen nicht aus. Juri hat sich wirklich eine spezielle Vorleserin ausgesucht, bei der viel Geduld nötig ist. Hättest du schon aufgegeben?

Frau Asperilla hört erneut auf zu lesen, da sie findet, dass Mäuse nicht an eine Tür klopfen können. Aber klar doch! In Büchern ist das sehr wohl möglich und noch viel mehr. Also weiter lesen – immer von links nach rechts. KLAPP! Frau Asperilla schließt das Buch. Was ist denn nun passiert?

Oje, ein Buch! ~ Lorenz Pauli & Miriam Zedelius

Ich muss schon wieder lachen. Du bist jetzt bestimmt neugierig, warum Frau Asperilla schon wieder eine Pause gemacht hat. Warum klappt sie das Buch auch gerade dann zu, als die Geschichte beginnt? Juri ist entsetzt, das kannst du dir ja vorstellen und lässt sich von ihr den Grund nennen.

So ein wahnsinnig liebevoll gemachtes Bilderbuch. Hier ist der Vorlesespaß aber mal so richtig garantiert. Inhaltlich einfach spitze, denn es geht nicht nur um eine Geschichte, sondern auch um das Buch an sich. Wer liest denn heute noch aus großen Bilderbüchern vor? Ich schon – und du? Frau Asperilla hat das scheinbar lange nicht mehr gemacht, sie versucht sogar die Bilder heran zu zoomen oder das Buch auszuschalten. Grandios! Ihre Welt ist völlig digitalisiert und Juri führt sie in eine für sie völlig neuartige Welt.

Das Buch bleibt immer das Buch

Es gibt Geschichten, ganz ohne Strom, ganz ohne Bildschirm. Geschichten auf Papier. Seiten zwischen denen allerhand zu entdecken ist. „Das Buch bleibt immer das Buch.“

Wirklich durch und durch herzallerliebst. Nicht nur die Geschichte an sich, sondern auch die Geschichte von Juri und Frau Asperilla und wir Leser halten genau das gleiche Buch in der Hand, welches die beiden lesen. Wir haben an zwei Geschichten teil und schreiben selbst lesend und vorlesend eine Geschichte und haben uns währenddessen und danach so einiges zu erzählen. Vergiss bitte nie, wie Bücher funktionieren!

Lorenz Pauli erzielt mit wenig Worten eine große Wirkung und diese Worte hat Miriam Zedelius hervorragend illustriert.

Dicke Bilderbuchempfehlung!!! Ich bin durch und durch in „Oje, ein Buch“ (atlantis) verliebt! Mehr davon bitte!

P.S. Lorenz Pauli kommt nach Leipzig und liest vor:

14.03.2018, 10:00, Haus des Buches, Literaturhaus Leipzig, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

16.03.2018, 16:00, Umweltbibliothek Leipzig, Bernhard-Göring-Str. 152, 04277 Leipzig

18.03.2018, 16:00, Kinderbuchladen Serifee, Karl-Liebknecht-Straße 36, 04107 Leipzig, Deutschland

Eure
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Die Mitte der Welt ist eine Bibliothek?

Die Mitte der Welt ~ Andreas Steinhöfel

„Die Mitte der Welt“ ist für Phil auf jeden Fall eine Bibliothek und diese befindet sich in seinem Zuhause namens Visible. Visible = sichtbar / und das für alle Bewohner der Stadt, auch Kleine Leute genannt. Unklar ist, wie viele Fenster und Zimmer das große Haus hat – klar ist allerdings wer darin wohnt. Phil, seine Zwillingsschwester Dianne und Mutter Glass. Die Stadtbewohner tuscheln über die merkwürdige Familie – den schwulen Phil, die sonderbare Dianne und die männerverschlingende Mutter die sich eher wie eine Jugendliche benimmt.

„Verrückt ist, dass Glass, Dianne und ich nicht nach den Regeln der Kleinen Leute leben, dass jeder von uns Grund genug hat, sich als Außenseiter zu empfinden, dass wir so viel mehr miteinander gemein haben als nur das Blut, das durch unsere Adern fließt, und dass es uns trotzdem unmöglich ist, miteinander zu reden.“ (Seite 270)

Glass bringt zwar ständig neue Männer mit, aber diese können noch längst nicht den fehlenden Vater ersetzen. Phil beschäftigt es sehr, wer sein Vater ist, doch seine Mutter gibt keine Informationen preis. Seine beste Freundin Kat bekommt Konkurrenz, als Nicholas neu an die Schule kommt. Phil verliebt sich und Nicholas ist keinesfalls abgeneigt. Aber ist es wirklich Liebe? Und was passiert noch?

Visible = sichtbar

War es das jetzt schon, Andreas Steinhöfel? Mal ehrlich – so richtig spannend und/oder gefühlvoll klingt das jetzt nicht. Oder was sagst du? Moment, klick mal noch nicht weiter, sondern lies, was ich zum Roman zu sagen habe, denn ich bin auf jeden Fall angetan. Wir schreiben jetzt das Jahr 2018 und das eigentliche Ersterscheinungsjahr ist 1998. Ich habe auch gestaunt und noch mehr, als ich gehört habe, dass es sogar schon eine Verfilmung gibt und dass das Buch schon viele kennen. Schon aus diesem Grund musste ich zur Neuauflage aus dem Hause Carlsen greifen und außerdem hat mich der Autor bereits mit „Anders“ begeistert.

Ich habe alles richtig gemacht, so meine Feststellung nach dem Lesen. Wie das geht? Du schlägst den Roman auf und lässt dich einfach in die fiktionale Geschichte fallen, ohne Fragen zu stellen. Einfach lesen und abtauchen auf eigenen Gefahr, ohne irgendwelche Analysen. Mir ist das bestens gelungen und Phil ist so ein netter Kerl, das er mir umgehend ans Herz gewachsen ist. Dianne ist da schon etwas spezieller und das die Mutter das absolute Highlight ist, kannst du dir ja denken.

Die Mitte der Welt ~ Andreas Steinhöfel

„Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Sie lässt dich regenbogenfarbene Bonbons verteilen, lässt dich in roten Schuhen durch die Straßen tanzen und sie schreckt nicht davor zurück, dich nachts mit blutenden Händen Gräber in paradiesische Gärten hacken zu lassen. Liebe schlägt dir tiefe Wunden, aber auf eine ihr eigene Art heilt sie auch deine Narben, vorausgesetzt, du vertraust ihr und gibst ihr die Zeit dazu.“ (Seite 450/451)

Andreas Steinhöfel schreibt besonders, seine Charaktere sind durchgehend besonders und auch alle Handlungen, die ganze Geschichte, ist besonders. Normalität findet im Roman „Die Mitte der Welt“ nicht statt. Das Buch möchte nicht in eine Schublade gesteckt und auch keinem Lesealter zugeordnet werden, darum betitel ich es einfach als den besonderen Roman der für deine besondere Lesezeit gedacht ist.

Eine ganz besondere Mitte

Mich hat das Buch in eine Art Lesestrudel gezogen. Ich konnte nicht wirklich auftauchen, ich bin mit Phil in der Gegenwart unterwegs gewesen, habe aber auch zurück geblickt. Viele Nebengeschichten bilden das Grundgerüst und nach und nach ergeben sich die Zusammenhänge und die Tatsachen kommen ans Licht. Ein breites Spektrum an Gefühlen begleitet und Leser. Wir schwanken – so mag ich es benennen. Wir lieben, wir hassen, wir gehören nicht richtig dazu, obwohl wir mittendrin sind und wir vertrauen genauso viel, wie wir misstrauen. Und ja, wir zweifeln und haben Angst und doch glauben wir und hoffen, erschrecken uns und zwischen Naivität und Selbstvertrauen liegt so viel Atemluft.

Autor Steinhöfel ist bekannt, besonders zu schreiben und seine Charaktere sind auffällig und trotzdem macht er diese auffälligen Besonderheiten die in unserer Gesellschaft als nicht normal angesehen werden, nicht zum Mittelpunkt des Buches. Er nimmt brisanten Themen ganz unauffällig die Luft und dieser Kniff macht seinen Roman aus.

Seine Protagonisten nehmen uns mit und erzählen uns ihre Geheimnisse, wachsen an unserer Seite und dann – les selbst…

Auch wenn ich Nachwörter nicht wirklich mag, da ich gern nach dem letzten Wort das Buch schließe, ist hier das Nachwort wohl die Krönung. Andreas Steinhöfel rückt auf den letzten Seiten namens „Die Wahrheit hinter der Fiktion“ seine Wort in ein ganz anderes Licht und öffnet uns Lesern noch eine zusätzliche Ebene, eine andere Mitte der Welt. STARK!

Eure
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Lass mich niemals gehen ~ Guillaume Musso

Lass mich niemals gehen ~ Guillaume Musso

„Die Courage eines Menschen misst sich an seiner Fähigkeit, die Wahrheit auszuhalten“ (Seite 58)

Und täglich scheint das Murmeltier zu grüßen, zumindest scheint es so bei Ethan Whitaker zu sein…

Vor einigen Jahren, er war damals 23, hat er sich getrennt. Getrennt von sich selbst, getrennt von seiner Freundin, getrennt von seinem bisher eigentlich normalen und recht glücklichen Leben. Einfach getrennt, einen Schlussstrich gezogen, ohne jemandem Bescheid zu geben, einfach getrennt, gegangen, neu angefangen und nicht zurück geblickt.

Ein großer wagemutiger Schritt, der etwas Kraft gekostet, sich aber dennoch gelohnt hat. Ethan ist nicht mehr nur der Ethan von früher, sondern ein ganz neuer, ein bekannter, ein beliebter, ein berühmter, ein reicher Mann, der sich einen Namen gemacht hat. Er ist ein berühmter Psychologe, hat einen Bestseller geschrieben und kann sich vor Zuspruch und Nachfrage kaum retten. Das bestärkt ihn täglich neu und zeigt ihm, er hat alles richtig gemacht. Zwar hat er kaum Freunde und keine Freundin mehr, aber das stört ihn eher weniger, denn wenn man Krebs hat, muss man auch alleine durch, da kann auch kein Freund oder eine Freundin etwas daran ändern.

Berühmt und einsam

„Allein kommt man schneller voran, zu zweit kommt man weiter.“ Afrikanisches Sprichwort (Seite 274)

Gefragt wie nie, hat er auch heute einen Fernsehauftritt bei NBC, aber er ist mit gemischten Gefühlen unterwegs: Bei einem Liveauftritt kann mit einem falschen Wort die Karriere beendet sein oder aber er kann mit seinen Worten noch berühmter werden. Außerdem spuken ihm noch Gedanken durch den Kopf, denn sein Auto ist kaputt und er ist auf seiner Luxusyacht neben einer fremden Frau aufgewacht. Die fremde Frau ist nicht das Problem, schließlich gibt er sich ab und an den Vergnügen hin, die letzte Nacht ist ihm aber ein Rätsel, genau wie der Unfallwagen, keine Erinnerung ist da und er sucht nach Erklärungen.

„Leben Sie jetzt, lieben Sie jetzt, denn Sie wissen nie, wie viel Zeit Ihnen noch bleibt. Wir nehmen fälschlicherweise immer an, wir hätten alle Zeit der Welt. Bis uns eines Tages klar wird, dass wir soeben den sogenannten Point of no return überschritten haben.“ (Seite 37)

Lass mich niemals gehen ~ Guillaume Musso

Die Sendung hat er gemeistert, er glänzt wie der funkelndste Stern am goldenen Himmel, nun will er einfach nur in seine Praxis. Doch der Strich durch die Rechnung kommt prompt, denn das Kamerateam will noch in seiner Praxis filmen. Eigentlich wollt er heute mal seine Ruhe, er denkt an eine Absage und spricht in diesem Moment die Zusage fürs Filmen aus. Ein unerwarteter Gast, ein junges Mädchen, wartet auf ihn in seiner Praxis und möchte mit ihm sprechen. Ethan weist sie ab, möchte schnell noch seine Kopfschmerzen in den Griff bekommen, dann so schnell wie möglich das Kamerateam empfangen, um sich später Gedanken über die Einladung zu machen, die er soeben erhielt. Eine Einladung von seiner ehemaligen Freundin Celine, die ausgerechnet heute heiratet und ausgerechnet ihn einlädt.

Musso sorgt für Gänsehaut

Er hört einen Schuss, eine Gänsehaut überfällt ihn und er erstarrt, als er das Mädchen sieht. Kopfschuss, sie ist tot. Einen Zettel findet er bei ihr „Sie hätten mir sowieso nicht helfen können“ und wie gerufen steht auch schon das Kamerateam bereit und filmt das tragische Ereignis.

Von jetzt auf gleich scheint alles verloren und Ethans Leben ist zerstört, doch so schnell scheint noch kein Ende in Sicht, dieser Tag ist auch jetzt noch nicht beendet.Was wäre, wenn dieser Tag noch einmal von vorn beginnen könnte? Ethan würde alles anders machen, ganz bestimmt. Oder?

Ein Cover das beruhigend wirkt, Liebe und Geborgenheit ausstrahlt und zu sanften Lesestunden verführt. Doch wie auch schon bei Guillaume Mussos anderen Romanen steckt viel mehr als die erwartete Liebesgeschichte dahinter. Was dann kommt, ist unberechenbar, keine Anzeichen, wohin man als Leser entführt wird. Verwinkelt geschriebene Gedanken geben jede Menge Raum, führen aber dennoch nicht an das Romanende.

Auch das Auge des Lesers wird im Buch mit viel Material versorgt, Liedzeilen, Spielkarten, Einladungen, Zettel und viele Zitate schmücken das Kunstwerk Buch.

Einfach grandios geschrieben, grandios gestaltet und grandios konzipiert. Musso lässt keine Leserwünsche offen.

„Sich verlieben heißt, in der geliebten Person zu erkennen, was sie einem nicht offenbart.“ Erri de Luca (Seite 70)

Eure
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Ich war im Haus am Leinsee

Leinsee ~ Anne Reinecke

Wie singt Peter Fox so schön über das Haus am See? Meint er das Haus am Leinsee? Mal raus und ab zum Leinsee, dachte ich mir. Zusammen mit Karl Sund, dem Hauptprotagonisten von Anne Reinecke. Wir sind fast gleiches Alter, er kommt sympathisch rüber und ihm geht es finanziell überhaupt nicht schlecht. Er ist Künstler und ich belächele ihn ein wenig, da ich selbst mit Vakuumplastiken nicht wirklich etwas anfangen kann. Wie siehst du das? Bist du selbst mit künstlerischen Genen ausgestattet?

Unser Ausflug steht allerdings nicht wirklich unter einem guten Stern und vorerst soll es auch wenig Erholung am Leinsee geben. Raus aus der Hauptstadt, weg von der Freundin und rein in die traurige Welt. So richtig schlimm fühlt sich für Karl nicht an, was mir allerdings komplett die Beine wegziehen würde. Sein Vater August hat sich erhangen. Er hat nicht verkraften können, dass seine geliebte Ehefrau Ada an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt ist und dabei ist sie noch nicht einmal tot.

Erhangen – Schluss – Aus. Ada lebt allerdings weiter und Karl muss nun die Rolle von seinem Vater einnehmen und da sein. Er muss da sein, obwohl seine Eltern nicht wirklich für ihn da waren. Sie waren lebenslang ein Team und durch und durch gefangen in ihrer Künstlerwelt. Das Ehepaar brauchte nur ihre Ruhe, keine Freunde, keinen Sohn, einfach nur sich und das im Haus am Leinsee.

„Sie waren Ada und August, August und Ada, und das war größer als alles andere. Sie wollten voneinander lernen und miteinander arbeiten.“ (Seite 53)

Haus am Leinsee

Karl wollte nicht lange im Elternhaus bleiben, sondern zurück zu Freundin Mara nach Berlin. Seine Mutter hat allerdings andere Pläne – sie lebt einfach weiter, obwohl sie doch sterben sollte. Und nun? Karl nähert sich seiner Mutter, wie er sich ihr nicht nähern dürfte. Sie denkt, dass er ihr geliebter August ist. Karl lässt geschehen, was geschieht und noch eine Begegnung verändert ihn. Tanja schleicht wie eine verspielte Katze in sein Leben. Leichtfüßig, ohne viele Worte – das achtjährige Nachbarskind erobert sein Herz und Freundin Mara setzt ihm die Pistole auf die Brust.

Sein Ausflug an den Leinsee sollte ganz anders aussehen, doch als ihre Geduld sich dem Ende neigt, passiert es…

Leinsee ~ Anne Reinecke

„…war es eindeutig so, dass sie ihn küsste. Nicht sie küssten einander, nicht er küsste sie, sie küsste ihn. Und er ließ sich küssen und hielt die Hände im Schoß gefaltet.“ (Seite 149)

Was für ein lebendiger Roman (Diogenes Verlag). Ich muss sagen, dass ich das Haus am Leinsee regelrecht vor mir stehen sah. Anne Reinecke hat mich tief zwischen die Seiten geführt und mit ihren Worten lebendige Bilder gemalt. Ganz zart beginnt die Reise zum Leinsee. Harte Fakten und Geschehnisse erschlagen uns nicht, sondern schleichen eher heran. Ja, Reineckes besonderer Ton macht hier die Wörtermusik und lässt uns manche Stellen doppelt lesen, um wirklich glauben zu können. Es gibt so markante Ereignisse, die wir erst verinnerlichen müssen. Sieht der Roman äußerlich unschuldig aus, lässt er im Inneren das Gegenteil an die Oberfläche.

Bewegend und bunt

Anne Reinecke versteht ihr Handwerk und bedient sich einem farbenfrohen Kunstgriff. Jedes Kapitel hat eine eigene Farbe und ebendieser Farbton, dieser Anstrich, bringt zusätzliche Lebendigkeit. Ein locker und leichtes Lesevergnügen, was ihre melodisch-humorvollen Worte betrifft. Bitter und zart sind allerdings die Themen die sie anspricht. Menschlich sind die Charaktere, die unser Herz erobern und denen wir nicht böse sein können. Ein künstlerischer Roman mit künstlerischen, keinesfalls aber künstlichen Protagonisten, die in unser Leserleben Farbe bringen und uns aufhorchen lassen, auch ohne besondere Kunstkenntnisse zu besitzen. Verstörend und wahrlich schön zugleich.

Ein Regenbogen aus Worten der uns gefangen nimmt und am Ende facettenreich über dem Haus am Leinsee schillert. Bewegend und bunt!

Eure
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Der Letzte im Dresdner Bombenhagel

Der Letzte von uns ~ Adelaide De Clermont-Tonnerre

Als ich gelesen habe, das im Roman „Der Letzte von uns“ (Aufbau) Dresden eine Rolle spielt, wollte ich ihn natürlich lesen. Ich habe einen Hang zu diesen Romanen, da sich das Lesen natürlich noch intensiver anfühlt, wenn man sich in der Stadt wiederfindet, in der man auch lebt.

Bomben fallen vom Himmel, als ich im Roman in Dresden, im Jahr 1945, ankomme. Es brennt überall, die Menschen sind auf der Flucht, die Angst liegt in der Luft und Luisa ist schwer verletzt. Doch nicht nur das, sie ist auch noch schwanger und ihr Sohn schafft es kurz vor ihrem Tod auf die Welt. Ein Säugling namens Werner, mitten im Krieg, ohne Mutter, ohne Vater – er ist der Letzte…

Während in Dresden die Menschen bangen und auf Frieden hoffen, jagt der junge Wern(er) in Manhattan im Jahr 1969, jedem jungen Rock hinterher. Er liebt die Frauen, er ist charmant und er ist ein aufstrebender Unternehmer, der die Freiheit und sein Leben genießt. Als ihm allerdings die junge Rebecca über den Weg läuft, steht sein Herz in Flammen. Ein Katz- und Mausspiel beginnt, bei dem sich Wern mächtig ins Zeug legt. Die zwei scheinen füreinander geschaffen, bis zu dem Tag, als Wern seine zukünftigen Schwiegereltern kennenlernt. Ein Zwischenfall mit Rebeccas Mutter, eine merkwürdig kalte Begegnung mit ihrem Vater und die Krönung des Treffens – Rebecca ist weg, die Familie scheint untergetaucht und Wern ist alleine und verzweifelt – er ist der Letzte…

Dresden ~ Manhattan

Während in Manhattan die Luft nach Liebe riecht, atmen wir in Dresden Asche ein. Autorin Adelaide De Clermont-Tonnerre lässt uns zu Beginn zwischen diesen zwei Orten große Zeitsprünge vollführen und löst damit nach und nach auf, wie aus dem Säugling ein wohlhabender Mann wird. Und dann bleiben wir vorerst in Amerika, denn Wern muss sich nicht nur seiner Vergangenheit stellen…

Der Letzte von uns ~ Adelaide De Clermont-Tonnerre

Der Roman ist auf jeden Fall spannend, wie du merkst, aber natürlich auch emotional und der Unterhaltungsfaktor ist sehr groß. Dadurch sind die über 450, recht großzügig bedruckten, Seiten schnell weggelesen. Dennoch muss ich sagen, dass ich das Buch fast abgebrochen hätte. Die französische Autorin schafft es nicht, dauerhaft zu fesseln und zu überzeugen, obwohl die Neugierde entfacht ist und es an Spannungsbögen nicht mangelt. Einige Passagen sind selbst mir zu unrund gewesen, die Charaktere vor allem wegen des Themas stellenweise zu sprunghaft, irgendwie flattrig und darum auch nicht immer glaubwürdig. Die Hauptprotagonisten Wern(er) und Rebecca sind mindestens so liebenswert wie anstrengend und ich hätte ab und an beiden gern mal was erzählt. 😉

ABER – ich möchte dich keinesfalls davon abbringen den Roman zu lesen. Das muss ich hier an dieser Stelle hervorheben, denn die Autorin unterhält wunderbar trotz des nicht einfachen Themas und ich bin regelrecht durch die Seiten gerast. Die Sprache ist einfach und doch spüren wir sofort, ob wir uns im Jahr 1945 oder im Jahr 1972 befinden. Die Charaktere sind beide nicht einfach, wie bereits angedeutet, aber genau aus diesem Grund auch irgendwie herausragend und natürlich gibt es Randpersonen die sich ins Herz schleichen. Wichtige Literatur mit einem wichtigen Thema und mit doch hohem Unterhaltungsfaktor.

Perfekter Einstiegsroman

Eine große Empfehlung für alle Leser die sich aufgrund der Schwere oder der Komplexität oder der Grausamkeit nicht immer trauen, Literatur zu lesen, die sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Der perfekte Einstiegsroman mit viel Spannung und Gefühl!

„…im Nachhinein ist es meist leicht, den richtigen Weg zu erkennen, doch entscheiden muss man mitten im Geschehen.“ (Seite 374)

Ich selbst bin froh, diesen Roman gelesen und nicht abgebrochen zu haben. Er unterhält hervorragend trotz des sensiblen Themas, eine Kombination für die nicht jeder Autor das nötige Fingerspitzengefühl mitbringt.

Wenn du thematisch anspruchsvoller, emotionaler und vor allem viel komplexer lesen möchtest, solltest du dir unbedingt die zwei Romane „Die Nachtigall“ von Kristin Hannah und „Die uns lieben“ von Jenna Blum ansehen. Ich muss diese zwei Titel immer und immer wieder erwähnen, es bleiben eben unübertreffbare Highlights.

Eure
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Was hat Hilde mit Ildikó von Kürthy zu tun?

Hilde: Mein neues Leben als Frauchen. Sehnsucht an der Leine, Irrsinn auf der Hundewiese und spätes Glück mit Gassibeutel ~ Ildikó von Kürthy

Hilde? Ildikó von Kürthy? Moment mal, ist das nicht die Autorin, deren Liebesromane ich früher gelesen habe? Ganz richtig – ich sag nur „Mondscheintarif„, „Herzsprung“ oder „Freizeichen“. Jetzt ist die Autorin auf den Hund gekommen. Hast du eigentlich einen Hund? Ich zwar (noch) nicht, aber trotzdem kann und muss ich euch „Hilde“ vorstellen, auch wenn ich das Buch nicht komplett gelesen habe. Warum ich es euch dennoch vorstelle? Das hat einen ganz besonderen regionalen Grund!

Bevor ich euch also erzähle, womit uns die Autorin auf über 315 Seiten erfreut, erwähne ich Illustratorin Nicole Iwanov. Sie wohnt zwar inzwischen in Hamburg, kommt aber aus dem Osten, aus dem schönen Tharandt, um genau zu sein. Tharandt? Ganz genau – da befindet sich meine Herzensbuchhandlung Findus und genau das ist die Verbindung, auf die ich hinaus will. Inhaberin Annaluise Erler verkauft „Hilde“ (rowohlt) mit noch viel mehr Freude, denn sie kennt die Familie Iwanov und ist mächtig stolz auf den Erfolg von Nicole Iwanov. Zurecht, denn die Illustrationen sind grandios.

Wahnsinn – schaut euch mal die nachfolgenden Bilder an. Eine starke Mischung – sehr lebendig, künstlerisch und mindestens so turbulent bunt wie die Worte von Frau von Kürthy. Sogar ein ganzes Schaufenster der Buchhandlung wurde mit den Büchern und Plakaten von „Hilde“ gestaltet. Das ist doch mal ein Statement und wenn ihr mehr über die Illustratorin wissen möchtet, schaut doch auf ihrer Homepage vorbei.

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Ich verspreche dir richtig viel Spaß mit diesem Buch. Als Hundebesitzer wird man wohl genauso viel lachen können, wie ein noch hundeloser Leser. „Hilde“ ist einfach köstlich und wenn du schon auf Buchebene mit Autorin Ildikó von Kürthy Kontakt hattest, kennst du ihre federleichte Schreibweise und ihren herrlichen Humor.

Hilde

Grandios beschreibt sie ihre ersten Erfahrungen mit Hilde und sie ändert bewusst den Ton, wenn die Themen den nötigen Ernst benötigen. Von Oktober bis August begleiten wir die zwei und erfreuen uns an allerhand Abenteuern. In Tagebuchform gibt die Autorin die besten Geschichten wieder und um das Buch noch lebendiger zu machen, finden wir neben den bereits erwähnten Illustrationen noch Angaben über den jeweiligen Ort, den Gemütszustand, die Begleitung, den Dresscode und die Stimmung. Ein passendes Lesebändchen findest du natürlich auch zwischen den Seiten. Stylisch!

Klick dich doch gleich mal in das Interview rein – es lohnt sich:

Herrlich, was? Ich konnte mich gar nicht satt sehen und habe mich genauso sehr amüsiert, wie beim Lesen. Mag ich noch einen Hund haben? Das frage ich mich doch glatt nach diesem Buch. 😉 Frauchen sein hat aber vorwiegend positive Seiten und Hunde bringen so viel Freude. Als Hundehalter findest du dich auf jeden Fall zwischen den Seiten wieder. Bestimmte Dinge passieren eben mit jedem Hund, auch wenn er nicht Hilde heißt. Stimmts?

Doch Ildikó von Kürthys Roman eignet sich auch hervorragend zum Verschenken – für Hundehalter genauso wie für Menschen die mit dem Gedanken spielen, sich einen Hund anzuschaffen. Ein wirklich hervorragendes Sachbuch. Auch Tanja vom Blog nichtohnebuch ist begeistert und kann so einige eigene Erfahrungen beitragen. Lest selbst. 😉

…und nun muss ich Gassi gehen.

P.S. ein dickes Danke an den Verlag für die Leckerlies im Hilde-Style 🙂

Eure
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Wasser für die Elefanten ~ Sara Gruen

Wasser für die Elefanten ~ Sara Gruen

Beim Stöbern in meinem eigenen Bücherregal bin ich gerade dem Roman „Wasser für Elefanten“ von Sara Gruen begegnet. Das Buch habe ich 2011 im Bertelsmann Club gekauft und sofort gelesen. Heute ist es bei Dumont erhältlich. Vorgestellt habe ich es bisher nur auf Lovelybooks und heute möchte ich meine Worte hier auf Literatwo holen. Es tut immer gut, einen Blick zurück zu werfen und nicht nur die aktuelle Literatur, sondern auch einen älteren Schatz zu empfehlen.

Ich gehe nicht wirklich oft ins Kino, bin kein Filmegucker. Aber – den Film möchte und werde ich im Kino schauen. Ich möchte Jacob Jankowski auf der Leinwand sehen – den 93-jährigen Jacob, wie er im Altersheim seine letzten Lebenstage verlebt, und ich möchte den 23-jährigen Jacob sehen, wie er im Zirkus lebt. Ins Kino habe ich es tatsächlich nicht geschafft, wie ich heute feststelle und doch ist der Film noch auf meiner Liste der Filme, die ich unbedingt sehen mag.

70 lange Lebensjahre liegen zwischen 23 und 93. 70 lange Lebensjahre, in denen er, Jacob, so viel gesehen und so viel erlebt hat. Doch erzählt hat er davon nie. Niemandem. Dann kommt der besondere Tag, an dem er die Zirkusluft riecht und diese löst in ihm Gefühle aus, die sein Leben bedeuten.

Eigentlich wollte er Tierarzt werden, er stand kurz vor seinem Abschluss, das Examen ganz nah. Dann sollte er mit seinem Vater Hand in Hand arbeiten, mit ihm Tiere in seiner Praxis behandeln. Doch dann kommt alles anders, ein schwerer Unfall nimmt beiden Eltern das Leben, die Praxis ist überschuldet. Jacob ist alleine, ganz alleine und sein weiteres Leben scheint aussichtslos zu sein. Er verkraftet den Tod seiner Eltern nicht, kann nicht einfach weiter machen. Das Studium bricht er ab, schafft den Weg ins normale Leben nicht. Nachts bricht er auf in Richtung Eisenbahngleise…

Als der Zug kommt, wirft er sich nicht davor, sondern springt auf. Er schafft es mithilfe der Menschen, die im Waggon leben in den Zirkuswaggon. Das Zirkusvolk von „Benzinis Spektakulärster Show der Welt“ ist sehr eigen. Er wird vorerst mit zur nächsten Stadt genommen und ob er bleiben darf, ist ungewiss. Jacob schafft es aber die ersten Tage zu überstehen, denn Arbeit gibt es genügend und wenn er diese verrichtet, wird er auch einen Platz zum Schlafen bekommen. Das anstrengende Zirkusleben wird für Jacob kein Problem und er fügt sich ein. An die Tiere hat er gleich sein Herz verloren, er kümmert sich, und auch mit Walter und seinem Hund Queenie hat er nach Anfangsschwierigkeiten, eine Freundschaft geschlossen. Dass er keinen Abschluss als Arzt hat ist für Al kein Problem, er ist stolz einen Tierarzt zu haben, denn welcher andere Zirkus kann schon einen vorweisen?

Wasser für die Elefanten ~ Sara Gruen

Jeder Tag ist turbulent und als er Marlene sieht, weiß er, es wird gefährlich, aber er ist am richtigen Platz. Sein Herz schlägt für sie, aber die Frau zu bekommen, würde den Untergang für ihn bedeuten. Doch dann tritt noch eine Frau in sein Leben. Die Elefantendame Rosie, die nicht mal ein Elefantenkutscher bewegen kann. Jacob kommt hinter ihr Geheimnis und als Rosie eine bühnenreife Zirkusnummer gelernt hat, wird der Zirkus, den Al leitet, berühmter. Endlich scheint etwas Geld in die Zirkuskasse zu kommen und alle führen vielleicht bald ein besseres Leben. Doch dann passiert etwas Unvorhersehbares, nicht nur Jacobs Leben gerät aus den Fugen, der ganze Zirkus scheint verrückt zu spielen…

Mitten im Zirkusleben

Von Anfang an habe ich mich mitten im Zirkusleben gefühlt, mich sofort in Jacob versetzen können. Eigentlich war sein Lebensplan ausgeschmückt, er musste ihn nur leben. Aber er wählt den Abstieg ins Zirkusleben, ohne festes Gehalt, ohne festen Zukunftsplan, dafür mit viel Herzblut. Die Tiere, die Menschen, ein großes Gewimmel und das täglich. Im Zirkus scheint nicht täglich die Sonne, bei Onkel Al im Zirkus herrschen harte Regeln und es herrscht eine Rangordnung. Rivalität wie Liebe, schöne Momente, aber auch Unfälle zeichnen Jacobs neues Leben. Emotionen und Gefühle kommen trotz der nicht immer würdigen Lebensbedingungen nicht zu kurz.

Eine im wahrsten Sinne zirkusreife Lebensgeschichte, bei der ich am Ende tief ein- und ausatmen musste.

Meine eigene Leinwand ist bebildert und hat bereits einen farbenreichen Anstrich. Der Film wird mir hoffentlich weitere schöne Bilder zum Buch geben und mich noch einmal in den Bann des Zirkus ziehen und mich am Ende sagen lassen: The Show must go on.

Du hast Zirkusluft geschnuppert und suchst eine weitere Empfehlung? Dann komm mit in den Zirkus der Stille

Eure
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Nur drei Worte ~ Becky Albertalli

Nur drei Worte ~ Becky Albertalli

Ich liebe Oreos! Nein, das sind nicht die drei Worte, die der Buchtitel meint. Allerdings könnte man das vermuten, wenn man die leckeren kleinen schwarzen Kekse mit der weißen Crémefüllung auf dem Bild sieht. Ich sage dir, die waren sehr lecker. Doch das spielt hier alles keine Rolle, denn Fakt ist: DU BRAUCHST DAS BUCH! Ich liebe es! Auch wenn das ebenfalls nicht die drei Worte sind, die der Buchtitel meint. Soll ich sie dir verraten? Wirklich?

ICH BIN SCHWUL!

Ja, so ist es – Hauptprotagonist Simon Spier ist schwul und bis jetzt weiß es nur einer und das ist der größte Mist, der überhaupt passieren hätte können. Martin hat entdeckt, dass Simon mit Blue Emails schreibt. Natürlich keine normalen Emails, sondern sie flirten miteinander. Besser hätte es für Martin nicht laufen können, denn er hat nun die Möglichkeit Simon zu erpressen, denn natürlich will dieser auf keinen Fall zum Gerede der Schule werden in dem ein anderer bekannt gibt, dass er schwul ist.

Seine Forderung ist total unmöglich, denn er will mit Abby zusammen kommen. Gefühle kann man nicht erzwingen und Simon ist nun in der totalen Zwickmühle. Seine beste Freundin Abby mit Martin verkuppeln – keine einfach Aufgabe und dazu noch total unfair. Abby müsste sowieso zuerst erfahren, dass ihr bester Freund in einen geheimnisvollen Jungen namens Blue aus dem Internet verliebt ist…

„Denn wen man mag, lässt sich nicht erzwingen oder herbeireden oder manipulieren.“ (Seite 263)

Was jetzt noch total unromantisch und meinetwegen auch nicht nach einer total neuen Story klingt, hat mein Herz total überquellen lassen. Der Roman von Becky Albertalli hat zu Recht Auszeichnungen bekommen, denn so herzerfrischend und unverkitscht ist selten ein Jugendroman. Das der Schreibstil total erfrischend und authentisch und das Buch obendrauf noch verdammt spannend ist, kommt noch dazu.

Unverkitschte Liebe

Ich weiß gar nicht, wo ich mit dem Schwärmen anfangen soll und am liebsten würde ich dich gleich in die nächste Buchhandlung schleifen, damit du es dir gleich kaufst und gleich noch dort vor Ort liest. Die ersten Seiten, das gebe ich zu, waren holprig und ich habe darauf gewartet, gepackt zu werden. Doch dann konnte ich es einfach nicht mehr zuklappen und ich habe es an einem Tag verschlingen müssen. Zu groß war meine Neugierde, wer denn nun eigentlich Blue ist, ob Simon sich outen wird, was seine beste Freundin Abby und vor allem seine Familie dazu sagen würde und natürlich, ob Martin es schafft, ihn zu erpressen.

„Menschen sind wie Häuser mit riesigen Zimmern und winzigen Fenstern. Und das ist vielleicht auch gut so, denn so können wir einander immer wieder überraschen.“ (Seite 300)

Nur drei Worte ~ Becky Albertalli

Emails und Oreo Kekse – die ziehen sich quer durch das Jugendbuch und sorgen für Spannung und dem Running Gag zwischen den zwei flirtenden Jungs. Was hatte ich beim Lesen vielleicht Schmetterlinge im Bauch und am Ende habe ich mich so wahnsinnig gefreut, dass Blue genau der Junge ist, den ich mir gewünscht habe. Dabei ist der Roman absolut unvorhersehbar und bis kurz vor Schluss ist nicht wirklich offensichtlich, wer hinter Blue steckt. Doch nicht nur die Emails spielen im Buch eine Rolle, denn Simon geht schließlich normal zur Schule, hat einen Freundeskreis und natürlich Eltern. Außerdem wird er erpresst und muss sich einigen Situationen stellen, die nicht gerade angenehm sind. Es geht nicht nur um Liebe, auch um die Sexualität und natürlich sind auch alle anderen Protagonisten charakterstark, wie auch liebenswert und geben dem Buch die besondere Würze.

Emails & Oreo-Kekse

Simon ist ein super starker Charakter der uns Lesern so viel Mut macht, dass wir diesen mit ins Leben außerhalb des Buches nehmen. Mir ist Simon sehr schnell ans Herz gewachsen und ich konnte mich so viel mit ihm freuen, wenn auch die Gesellschaft versucht hat, alles kaputt zu machen. Sei wie du bist und sei stark und geh deinen Weg – so wie Simon. Er hat es stellenweise vielleicht recht einfach, da er auf viel Toleranz stößt und doch gibt es auch bei ihm steinige Zeiten. Was für ein Buch – so frisch wie der erste Schnee.

Zwischen den Seiten treffen der Ernst des Lebens und Humor aufeinander und ich hatte stellenweise das Gefühl, dass sich mein Grinsen an den Ohren verhakt hat. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu lesen und zu grinsen und letztendlich bin ich vor Glück fast geplatzt. Mit so einem sensiblen Thema so offen, realistisch, ehrlich, ungeschönt und einfach grandios umzugehen, ist wirklich fabelhaft. Gerade auch wenn du nicht schwul bist, solltest du den Roman lesen. Ich sag nur: Pflichtlektüre!

In dem Umfang ist mir das Herz wohl zuletzt bei „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell übergequollen. Einfach so toll und schön und liebevoll und hach. Liese es, du wirst es lieben und vielleicht gehst du danach sogar ins Kino. Im Sommer ist es soweit und der Trailer ist schon mal klasse:

Kennst du diesen genialen Jugendroman schon und bist du genauso begeistert?

Eure
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